APRILIA: Eine Marke schreibt MotoGP-Geschichte

Aprilia ist mit 294 Siegen in der Motorrad-Weltmeisterschaft der erfolgreichste europäische Motorradhersteller im Straßenrennsport. Insgesamt 54 Weltmeistertitel wurden von 1992 bis heute auf Aprilias gewonnen. Die Marke aus dem Veneto holte 20 WM-Titel in der 125er-Klasse und 18 in der 250er-Straßenweltmeisterschaft. Dazu wurde zweimal Titel in der Trial-WM gewonnen. 2010, 2012 und 2014 holten Aprilia sowohl die Fahrer-WM als auch den Titel der Konstrukteure in der Superbike Weltmeisterschaft nach Noale (WM-Titel der Konstrukteure auch in 2013).

Die frühen Jahre: Von der Fahrradfabrik zum Rennsport

Begonnen hat alles als kleine Fahrradfabrik im Jahre 1962. Das Debüt fand am 23. März 1985 in Kyalami, Südafrika, statt. Loris Reggiani wird 12.. Wir schreiben das Jahr 1985 und das erste Motorrad hat einen Doppelrohrrahmen aus Aluminiumlegierung mit einer Gabel von Marzocchi und einem Mono-Federbein, das auf einer Pro Lever-Umlenkung montiert ist. Der Motor ist ein Zweizylinder 2T Rotax mit horizontal angeordneten Zylindern.

Im Laufe der Weltmeisterschaft zeigt sich, dass das Motorrad wirklich gut ist. Nach der Saison ’86, die von einem schweren Unfall von Reggiani geprägt ist, kehrt die Aprilia 250 wieder in die obersten Ränge zurück: ein neuer Rahmen und die Weiterentwicklung des Motors bringen zwei zweite Plätze (Salzburg und Rijeka). Wir schreiben den 30. August 1987, als der erste Platz in Misano gelingt.

Die 1990er: Aufstieg zur Spitze

Nach ein paar wenig erfolgreichen Saisonen wird die 250 Aprilia radikal verändert, angefangen vom Kürzel: Es entsteht die RS250V. Wir befinden uns in der Saison 1991 und das neue Motorrad erweist sich sofort als außerordentliches Fahrzeug: Reggiani wird Dritter in Laguna Seca und Jerez, Chili in Misano.

Der Sieg kommt mit Chili auf der Piste von Assen, sofort gefolgt von Reggiani auf der Strecke Paul Ricard. In der Zwischenzeit hat sich die 250er an der Spitze etabliert: Chili gewinnt in Hockenheim, Assen und Donington, Reggiani in Jerez und Magny Cours, während der Neuling Biaggi seinen ersten Gran Prix in Kyalami gewinnt. Im gleichen Jahr wird Kazuto Sakata Weltmeister der 125ccm-Klasse auf Aprilia: Er gewinnt in Australien, Spanien und der Tschechischen Republik. Aprilia kann auch auf gut acht Pole Positions und neun schnellste Runden im Rennen verweisen.

In der Saison 1995 sind Biaggi und Aprilia unaufhaltbar: Malesien, Deutschland, Italien, Holland, Großbritannien, die Tschechische Republik, Argentinien und Europa sind die Siege der Saison, mit denen sich Max als Weltmeister bestätigt und Aprilia ihren ersten Konstrukteurstitel bringt. In der 125ccm-Klasse gelingt es Sakata hingegen nicht, seinen Erfolg zu wiederholen, und er landet auf dem zweiten Platz: Aprilia gewinnt trotzdem drei Mal: zwei Mal in Großbritannien und der Tschechischen Republik mit dem Weltmeister und das dritte Mal in Brasilien mit Masaki Tokudome. In der 500ccm-Klasse macht die Zweizylinder viele Fortschritte. So schließt Reggiani mit dem 10. Platz ab.

1996 wird Max Biaggi dreifacher Weltmeister: Malesien, Japan, Spanien, Italien, Frankreich, Großbritannien, die Tschechische Republik, Katalonien und Australien sind die Meilensteine eines Triumphzuges, der Biaggio zum dritten Weltmeistertitel in Serie führen.

Die Saison 1998 ist ein Triumph für Aprilia, die in der 250ccm-Klasse 13 Gran Prix von 14 gewinnt, und der Konkurrenz nur das erste Rennen in Japan lässt. In der 125ccm-Klasse gewinnt Kazuto Sakata den Weltmeistertitel in der Fahrerwertung, dank einer Saison, in der er sich in Großbritannien, Frankreich, Spanien durchsetzt.

1999 ist das Jahr von Valentino Rossi, der den Titel der 250ccm-Klasse auf seiner außerordentlichen Zweizylinder Aprilia RSW einfährt und gut 9 Mal gewinnt. Hinter Rossi tun sich auch die Aprilia der anderen Rennställe mit Battaini, Waldmann, McWilliams und Lucchi hervor. Auch dank ihnen gelingt Aprilia der zweifache Sieg mit dem Weltmeistertitel der Konstrukteure. Das mutige Projekt der 500ccm-Zweizylinder erlebt seinen glorreichen Moment: in Donington: Harada kommt dem Sieg so nahe wie nie zuvor, nach dem Podiumsplatz auf der Paul Ricard und den vierten Plätzen in Mugello (wo er die Pole Position errungen hatte) und Katalonien.

Die 2000er: Neue Herausforderungen und Erfolge

Die Weihe kommt 2000: Aprilia nimmt das erstem Mal mit einem offiziellen Team an der Superbike teil und überrascht: Troy Corser fährt fünf Siege und vier Superpole ein und fährt nahe am Sieg vorbei. In der MotoGP gibt es weitere Triumphe: Roberto Locatelli wird Weltmeister der 125ccm-Klasse.

Auch 2001 gibt es große Erfolge in der SBK mit drei Siegen (zwei Corser und einer Laconi), acht Podiumsplätzen und drei Superpole. In der MotoGP ist es ein Jahr ohne richtige Entscheidungen: In der Klasse 250 wird Harada Vizeweltmeister und Melandri Dritter. Aber 2002 ist das Jahr, in dem es wieder aufwärts geht: Aprilia reißt sich die MotoGP einem außerordentlichen Poker aus 4 Siegen unter den Nagel: zwei Weltmeistertitel in der Konstrukteurswertung, in der 125ccm- und 250ccm-Klasse, und zwei Fahrertitel, in der 250ccm-Klasse mit Marco Melandri und in der 125ccm-Klasse mit Arnaud Vincent.

Die 125er von Aprilia gewinnen 8 der 16 Rennen des WM-Kalenders, doch in der 250ccm-Klasse ist die Überlegenheit wirklich erdrückend. Die 250er von Noale gewinnen 14 von 16 Rennen. Die Saison des MotoGP ist härter: Die RS Cube debütiert gut in den Händen von Colin Edwards und Nori Haga, fährt eine schnellste Runde im Rennen während des Gran Prix von Frankreich ein und hat einige ermutigende Leistungen.

2004 und 2005 sind zwei Übergangssaisonen, in denen Aprilia zum Off-Road zurückkehrt. Die Motorsportabteilung von Noale arbeitet auch im Cross, im Enduro und im Supermotard hart: Das revolutionäre Projekt der Zweizylinderantriebe führt Jerome Giraudo zum historischen Weltmeistertitel in der Kategorie S2.

Und in der darauffolgenden Saison (2007) wiederholt sich das ganze mit fünf Weltmeisterschaften: zu den Konstrukteurstiteln in den Klassen 125ccm und 250ccm gesellen sich die Siege von Lorenzo in der 250ccm-Klasse und die des Ungars Gabor Talmacsi in der 125ccm-Klasse.

Die Superbike-Ära: Biaggi und die RSV4 dominieren

Aber die Revolution ist nahe und mit der Saison 2009 beginnt das ehrgeizigste Projekt von Aprilia. Parallel zur Markteinführung der RSV4, dem revolutionären supersportlichen Motorrad mit hochfortschrittlichem 60°-V- Motor mit 1000 ccm und 4 Zylindern, hat Aprilia Racing die Rückkehr in die Superbike-Weltmeisterschaft geplant. Aprilia vertraut das Projekt dem Fahrer Max Biaggi an, der zwölf Jahre nach seinem letzten Titel in der 250ccm-Klasse nach Noale zurückkehrt. Zur Seite steht ihm Shinja Nakano.

Das Debütjahr ist von einem kontinuierlichen Wachstum des Motorrads geprägt, und der erste Erfolg kommt auf der Rennstrecke von Brünn. Zu diesem Sieg gesellen sich weitere 8 Podiumsplätze, die vom Wert des Projekts und des Fahrers zeugen. 2009 kommen auch die ersten Ergebnisse für die Zweizylinder RXV 4.5, mit der sich Aprilia in den großen Rallye Raids der Rallye-WM versucht: In der Pharaonen-Rallye fährt Paolo Ceci den Sieg in der 450ccm-Klasse ein und Aprilia schließt mit dem vierten Platz in der Gesamtwertung ab, wo sie gegen Motorräder mit einem viel größeren Hubraum antritt.

Aber 2010 wird die Meisterleistung in der WSBK erreicht: die RSV4 und Max Biaggi starten die Saison mit der Absicht, den Wachstumstrend der ersten Weltmeisterschaft weiter zu führen, und finden sich bald im Kampf um die Spitze wieder. Es kommen die zweifachen Siege in Portimao und Monza. Der amerikanische Triumph auf der Rennstrecke von Miller bringt Biaggi an die Spitze der Wertung. Eine Position, die den bereits vierfachen Weltmeister nicht einschüchtert und die sich in Misano (zwei Siege) und Brünn wiederholt. Mit dem fünften Platz im Rennen zwei ist Max Biaggi SBK-Weltmeister.

Mit dem zweifachen Sieg in der Klasse 125 GP in der Saison 2011 (Fahrer und Konstrukteurswertung), der vom spanischen Fahrer Nico Terol eingefahren wird, stärkt Aprilia ihre Vorreiterrolle mit der siegreichsten Motorsportabteilung im MotoGP. Die Siege in den Gran Prix steigen auf 294, mit insgesamt 38 Weltmeistertiteln. 2011 wird Max Biaggi dritter in der Fahrerwertung der Superbike-WM. Dazu trägt auch ein Unfall bei, der seine Leistung in den letzten Rennen der Saison beeinträchtigte.

Zweifacher Sieg auch in der Weltmeisterschaft Supermotard S1, die vom Franzosen Chareyre auf seiner Aprilia 4.5 des Teams Fast Wheels gewonnen wird. Die Saison SBK 2012 ist die Geschichte eines Triumphes: Max Biaggi startet in Hochform und gewinnt das Eröffnungsrennen in Australien. Max führt die Wertung fast während der gesamten WM an. Nur nach der Etappe in Moskau ist er dazu gezwungen, vom zweiten Platz aus zu verfolgen.

In der letzten Runde in Magny-Cours präsentiert sich Biaggio an der Spitze der Fahrerwertung mi 30,5 Punkten Vorsprung auf Tom Sykes (Kawasaki), 38,5 Punkten auf Marco Melandri (BMW) und gut 68,5 auf Carlos Checa (Ducati). Das furchtbare Wetter und der zehnte Startplatz machen den letzten Angriff von Max ziemlich kompliziert. Im Rennen 1 rutscht Max aus und scheidet nach wenigen Runden aus dem Rennen aus. Sykes (der auf dem dritten Platz landet) und Melandri (zweiter) kommen ihm in der Gesamtwertung gefährlich nahe. Den Weltmeistertitel erringt er in der letzten Kurve des letzten Rennens: Max wird fünfter, ein Platz, der es ihm gestattet einen Mindestvorsprung auf Sykes beizubehalten, und wird zum zweiten Mal Superbike- Weltmeister.

Für Max Biaggi ist das der sechste Weltmeistertitel in einer außerordentlichen Karriere. Und von sechs Triumphen hat er gut 5 (drei in der 250ccm-Klasse und zwei in der SBK) auf einem Aprilia-Motorrad errungen. Aprilia kann mit dem Konstrukteurstitel (dem zweiten in der SBK) auf insgesamt 51 gewonnene Weltmeisterschaften verweisen. Und die Gruppe Piaggio, die weitere, historische Rennmotorradmarken, wie Gilera, Moto Guzzi und Derbi umfasst, erreicht eine spektakuläre Zahl von 101 Weltmeistertiteln.

2013 bemüht sich Aprilia weiter in der Superbike-WM mit der Vierzylinder RSV4, dem Spitzenmodell unter den Straßenmotorrädern. Für die SBK-Weltmeisterschaft werden der konsolidierte Eugene Laverty und der Franzose Sylvain Guintoli gewählt. Die Weltmeisterschaft geht mit Eugene Laverty weiter, der 9 Gesamtsiege einfährt und sich so auf dem zweiten Platz in der Fahrerwertung positioniert. Sylvain Guintoli hingegen befindet sich für die meiste Zeit der Saison an der Spitze der Wertung, muss dann jedoch in den letzten Rennen aufgeben, nachdem er sich bei einem Unfall die rechte Schulter verletzt hat, was seine Leistungen im Saisonfinale beeinträchtigt.

Dia Saison SBK 2014 war besonders spektakulär und zeichnete sich durch eine unglaubliche Aufholjagd von Guintoli und Aprilia hinter dem Fahrer von Kawasaki Tom Sykes aus, der für mehr als die Hälfte der WM in seiner Führung unantastbar schien. Aber mit einer Reihe von beeindruckenden Siegen überholten die Fahrer von Aprilia, Sylvain Guintoli und Marco Melandri, zuerst die Kawasaki in der Konstrukteurswertung, und beim letzten entscheidenden Event in Katar gelangte man mit dem Franzosen auf nur 12 Punkte Abstand von der Spitze. Aprilia verdoppelte den Sieg durch den dritten Konstrukteursweltmeistertitel in Folge.

So wurde die eindeutige Überlegenheit der RSV4 bestätigt, dem italienischen Motorrad, das seit seinen Anfängen in der SBK-WM (2009) die wichtigsten weltweiten Konkurrenten Schachmatt gesetzt und gut 7 Weltmeistertitel gewonnen hat (drei Fahrer- und vier Konstrukteurstitel). Der Doppelsieg (Fahrer- und Konstrukteurswertung) ist der dritte für die Aprilia RSV4 nach denen in den Jahren 2010 und 2012 mit Max Biaggi.

Nach dem amerikanischen Rennen in Laguna Seca betrug der Vorteil von Sykes (Kawasaki) auf Guintoli 44 Punkte - ein riesiger Abstand mit nur noch drei auszutragenden Runden. Von da an begann die Aufholjagd. Die RSV4 und ihre Fahrer erwiesen sich als unbesiegbar. In Jerez und in Magny-Cours dominierte Aprilia die Rennen und gewann drei Mal mit Melandri (mit Guintoli immer auf dem zweiten Platz) und einmal mit Guintoli (und Melandri auf dem zweiten Platz).

Rückkehr in die MotoGP und Superbike-Erfolge

Die Saison 2015 ist durch die Rückkehr von Aprilia in die MotoGP-Klasse gekennzeichnet, ein Jahr früher, als zunächst angekündigt worden war. Die von der Gruppe Piaggio festgelegte Strategie für die Marke Aprilia in der Königsklasse zielt auf die Förderung eines schnellen Wachstums der Wettbewerbsfähigkeit ab. Dazu werden alle technischen und organisatorischen Ressourcen der Strukturen von Aprilia Racing auf die Entwicklung von Prototypen für die Königsklasse konzentriert. Deshalb trifft Aprilia Racing eine Vereinbarung mit Gresini Racing für die Rennen.

Nach einer “Renntestsaison” sind die Fahrer Álvaro Bautista (Spanien) und Stefan Bradl (Deutschland) in der Lage, die Aprilia RS-GP dauerhaft Punkte erringen zu lassen. Parallel zur Arbeit im MotoGP bestätigt sich die RSV4 auch als siegreiches Motorrad in der Superbike-WM. Dort wird es von den Fahrern Leon Haslam (UK) und dem spanischen Debütanten Jordi Torres gefahren. Die venezianische V4 gewinnt 3 Rennen und erreicht 10 Podiumsplätze, was ihre Wettbewerbsfähigkeit bestätigt.

Ein weiterer außerordentlicher Podiumsplatz (der elfte im Jahr 2015) kommt von Max Biaggi, der mit 44 Jahren und drei Jahre nach seinem Rückzug aus dem Rennsport, bei seinem zweiten Einsatz als Wild Card nach dem in Misano, einen hervorragenden dritten Platz auf der Rennstrecke von Sepang in Malesien erringen kann. Das letzte Rennen des Superstock 1000 FIM Cup schenkt Savadori einen verdienten Meisterschaftstitel, der nach 4 ersten Plätzen und drei Podiumsplätzen bei acht Rennen kommt.

In der WM-Saison erfolgt das Renndebüt der Aprilia RS-GP, der ersten MotoGP-Maschine, die zur Gänze von der italienischen Rennabteilung entwickelt und gebaut wurde - angefangen beim exklusiven „schmalen“ V4-Motor, mittlerweile Markenzeichen von Aprilia. Die Fixstarter Álvaro Bautista und Stefan Bradl zeigen mit insgesamt 26 Platzierungen in den Punkterängen bei den 18 Rennen im MotoGP-Kalender einen stetigen Aufwärtstrend.

In der Superbike-WM werden die RSV4 von einem externen Team (Alex De Angelis und Lorenzo Salvadori bei seinem Debüt in der WSBK) gefahren. Die RSV4 stellt so ihren Wert auch bei den Meisterschaften der Serienderivate unter Beweis. Bei der MotoAmerica kommen Claudio Corti und das HSBK-Team (in der Superstock 1000) sogar noch vor den stärkeren Superbikes mehrfach auf das Podest. Beim Superstock 1000 FIM Cup landet Kevin Calia mit sieben Platzierungen in den Punkterängen.

Aprilia's MotoGP-Erfolge im Überblick

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Erfolge von Aprilia in der MotoGP und Superbike-WM zusammen:

Klasse Weltmeistertitel Siege
125ccm 20 N/A
250ccm 18 N/A
Superbike-WM (Fahrer) 3 N/A
Superbike-WM (Konstrukteure) 4 N/A
MotoGP (Gran Prix) N/A 294

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