Insbesondere sportliche Motorräder werden immer öfter ab Werk mit Reifen der Dimension 190/55 - 17 am Hinterrad ausgerüstet.
Aus gutem Grund, denn die Kontur dieser Reifen bringt bei gleichem Grip zumeist ein Plus in Sachen Handling. Breite ist nicht alles: Nachdem bei Motorrädern der oberen Leistungskategorien in den letzten Jahren vor allem die Reifengröße 190/50 als Standardbereifung eingesetzt wurde, geht der Trend nun wieder zu einer „runderen“ Reifenkontur, sprich dem Querschnittsverhältnis 190/55.
Vorteile des 190/55 Hinterreifens
Der Vorteil ist in den meisten Fällen spürbar: Durch die größere Reifenhöhe kann die Gesamtkontur handlingfreundlicher gestaltet werden, ohne dabei auf Grip in Schräglage verzichten zu müssen.
Zudem bietet die höhere Seitenwand des „55er“-Reifens ein Plus an Eigendämpfung und Komfort. Viele Fahrer berichten, dass sich ein 55er Reifen wesentlich besser fahren lässt, was auf die spitzere Kontur zurückzuführen ist.
Das Thema ist schon in vielen Foren diskutiert worden, meiner Meinung nach hat der 55er schon Vorteile (mehr Dämpfung, etwas "weichere" Kontur der Lauffläche).
Insbesondere sportliche Motorräder werden immer öfter ab Werk mit Reifen der Dimension 190/55 - 17 am Hinterrad ausgerüstet.
In der MotoGP werden 60 bzw. 65er gefahren, das sind schon fast Ballonreifen . . .
Reifenfreigaben und Modelle
Sportreifen-Spezialist Pirelli bietet Fahrern einer Reihe von Sportbikes der letzten Jahre mit ursprünglich 190/50er-Bereifung nun auch die Option auf diese Art von „Tuning“ - ganz einfach mit einer Reifenfreigabe für Pirelli-Supersportreifen.
Fahrer einer Reihe beliebter Supersportmotorräder, die bisher auf 190/50er-Reifen liefen - wie etwa die Suzuki GSX-R 1000 (K0-K8), die Honda Fireblade (SC59) oder die Yamaha R1 (RN 19) - können ihrem Bike nun einfach mit einer Reifenfreigabe von Pirelli ein Performance-Plus verschaffen: Je nach Modell stehen die Reifentypen Diablo Corsa III, Diablo Rosso, Diablo Rosso Corsa und Diablo Supercorsa SP zur Verfügung.
Viele Hersteller, wie Michelin, bieten Freigaben für 190/55er Reifen für Naked Bikes an.
Technische Aspekte und Auswirkungen
Die Kontur ist wegen der Reifenhöhe eigentlich nur bis etwa zur Hälfte deutlich unterschiedlich, am Rand tut sich da nicht mehr viel . . . ergo brauchen die Reifen auch keine größere Schräglage.
Wechselst Du Dein Reifenformat von 190/50 auf ein 190/55er-Format, wird der Reifen tatsächlich handlicher.
Der Grund: Die Reifenkontur, also die Wölbung der Lauffläche, kann höher und spitziger angelegt werden. Diese triangulare Form lässt das Motorrad zum einen leichter in Schräglage kippen, zum anderen bietet sie eine größere Auflagefläche in Schräglage.
Dadurch erhöht sich die Seitenhaftung und der Grip beim Beschleunigen aus der Schräglage.
Würde man diese Kontur auf einen 190/50er-Reifen übertragen, müsste man die Seitenwand so kurz machen, dass sie keine Stoßdämpfung mehr übernehmen könnte.
Aber genau diese Stoßdämpfung ist enorm wichtig, um Bodenwellen, Trennfugen oder Schlaglöcher in Schräglage zu absorbieren.
Dazu muss die Seitenwand jedoch eine bestimmte Höhe aufweisen, aus der sich der „Federweg“ des Reifens ergibt.
Wichtigster Faktor für nachträgliche Freigabe Für die nachträgliche Freigabe eines Hinterreifens im 190/55er-Format ist die Freigängigkeit der wichtigste Faktor.
Schließlich wächst der Halbmesser bei einer Steigerung um fünf Prozent der Reifenbreite (von 50 auf 55 Prozent der 190er-Reifenbreite) um rechnerisch 9,5 Millimeter.
Ist der Abstand zur Schwinge oder anderen Bauteilen im statischen Zustand kleiner als fünf Millimeter, können TÜV oder Dekra eine Abnahme verweigern.
Der Grund: Radialreifen können bei hohem Tempo und Temperatur „wachsen“.
Anders als bei den alten Diagonalreifen ist bei manchen Radialreifen zu beobachten, dass diese nicht im Durchmesser, sondern in der Breite wachsen, weshalb ein gewisser „Sicherheitsabstand“ zwischen Reifen und Schwingenholm oder Kette gewährleistet sein muss.
Wird das Geschwindigkeitssignal für den Tachometer am Hinterrad abgenommen, muss auch hier sichergestellt werden, dass die Abweichung der Tachoanzeige nach unten hin in der zulässigen Toleranz bleibt.
Durch den größeren Abrollumfang, rund 55 Millimeter, ändert sich auch die „Endübersetzung“ - sie wird etwas länger.
Die oftmals deutlich spürbare bessere Handlichkeit der 55er-Bereifung kann auch eine Folge der veränderten Lenkgeometrie sein.
Denn bei einem knapp 20 Millimeter größeren Hinterradreifen hebt sich auch das Fahrzeugheck um 10 mm an, wodurch der Lenkkopf um knapp ein halbes Grad steiler steht und sich der Nachlauf um rund 2 Millimeter verkürzt.
Diese Änderungen müssen bei grenzwertig eingestellten Sportlern natürlich berücksichtigt werden.
Ausnahme bei elektronischen Fahrhilfen
ACHTUNG: Bei Motorrädern mit ABS und/oder Traktionskontrolle kann die Montage eines Reifens mit größerem Durchmesser fatale Folgen haben.
Tim Röthig, Bridgestone-Techniker und einer der schnellsten Nordschleifenpiloten, sieht keine Möglichkeit, bei elektronischen Fahrhilfen eine absolut sichere Funktion zu garantieren: „Manche Traktionskontrollen haben schon Schwierigkeiten, wenn ein anderer Reifen in Originalgröße montiert wird. Die Regelung setzt dann früher ein. Ähnliches kann bei einem ABS passieren, was den Bremsweg verlängert.“
Der Grund: Bei ABS wie auch Traktionskontrollen sind bestimmte Parameter hinterlegt, die zur Berechnung von Schlupf und der Raddrehzahl-Differenz zwischen Vorder- und Hinterrad herangezogen werden.
Liegen diese über der vorgegebenen Toleranz, was durch abgefahrene Reifen oder starke Abflachung des Reifens (zu niedriger Luftdruck, hohe Beladung) hervorgerufen wird, regeln beide Systeme auf der sicheren Seite, also deutlich vor dem tatsächlichen Grenzbereich.
Mit dieser Abstimmung wird verhindert, dass die Systeme zu spät oder gar nicht eingreifen.
Klare Ansage: Alle Motorräder mit elektronischen Fahrhilfen sind von einem Wechsel auf 190/55 ausgeschlossen.
Reiseenduro Reifen im Test (2019)
Ein Vergleichstest von Straßenreifen für große Reiseenduros in den Dimensionen 120/70 R19 und 170/60 R17 auf sechs BMW R 1250 GS über 3.500 Testkilometern zeigt die Unterschiede und Vorteile verschiedener Modelle:
| Reifenmodell | MOTORRAD-Bewertung | Besondere Eigenschaften |
|---|---|---|
| Continental Trail Attack 3 | sehr gut | Testsieger, geringer Verschleiß, dynamisches Handling |
| Dunlop Trailsmart Max | sehr gut | Handlichkeit, Agilität, gute Nässeeigenschaften |
| Pirelli Scorpion Trail II | sehr gut | Sportlich, sicher, strapazierfähig, hohe Lenkpräzision |
| Michelin Anakee Adventure | gut | Bester Nässegrip, erstklassig für Vielfahrer |
| Bridgestone Battlax A41 | gut | Ultrastabilität, geeignet für Fernreisen |
| Metzeler Tourance Next "B" | gut | Guter Allrounder, aber von der Konkurrenz überholt |
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