Der Red Bull Ring in Spielberg ist seit Jahren ein fester Bestandteil im Rennkalender der MotoGP. Die Strecke ist bekannt für ihre schnellen Geraden und engen Kurven, was sie zu einer Herausforderung für die Fahrer macht. Genau diese Kombination führte im Jahr 2020 zu einem schrecklichen Unfall, der die MotoGP-Welt erschütterte.
Mit der neuen MotoGP-Schikane will man die Sicherheit in Spielberg deutlich verbessern. Damit wird der ultraschnelle Linksknick von Kurve 2 zur Anfahrt auf Kurve 3 entschärft.
Der Horror-Crash von 2020
Damals kam es in der neunten Runde bei der Anfahrt zu Kurve 3 zu einer Berührung zwischen Johann Zarco und Franco Morbidelli. Beide stürzten. Genau in dieser Bremszone kam es zum Crash zwischen Zarco und Morbidelli. Der Franzose war auf der Geraden (genauer gesagt in Kurve 2, denn die Gerade ist faktisch keine) links an der Yamaha vorbeigegangen und hatte sich vor sie gestellt.
Er knallte mit voller Wucht ins Heck von Zarco. Beide wurden von ihren Motorrädern geschleudert, die fahrerlos in Richtung Kurve 3 flogen und dort das Yamaha-Duo mit Maverick Vinales und Valentino Rossi nur um Haaresbreite verfehlten. Dort bogen die ersten Fahrer schon um die Kurve.
Die beiden herumfliegenden Motorräder verfehlten die damaligen Yamaha-Fahrer Maverick Vinales und Valentino Rossi nur durch ein Wunder. Viel ist nicht mehr übrig von der Yamaha des spanischen Motorrad-Piloten Maverick Viñales.
Reaktionen der Fahrer
"Das hat mich zum Nachdenken gebracht", gibt Rossi im Interview mit 'il Giornale.it' im Rückblick zu. "Mir war es bewusst, aber das war der Beweis, dass es im Rennsport nicht ausreicht, vorsichtig zu sein."
„Aber bei 300 km/h konnte Franco nichts tun und traf ihn hart“, so Rossi. „Johann hat links überholt. Ich glaube nicht, dass Morbidelli das nicht erwartet hat“, analysiert Tech-3-Pilot Miguel Oliveira.
Der Unfall sei „beängstigend“ gewesen, sagt Oliveira weiter. „Die glücklichsten Menschen, die heute für ihre Schutzengel Kerzen anzünden können, sind Rossi und Vinales. Denn das Gefahrenpotenzial war bekannt. „Wir haben in der Sicherheitskommission am Freitag darüber gesprochen“, verrät Oliveira.
„Wir haben gesagt, dass wenn im Regen dort jemand stürzt, dann gibt es nicht genug Auslauf. Das passierte nun (fast) auf trockener Strecke.
Cal Crutchlow von LCR-Honda gibt sich ratlos: „Ich bin schockiert darüber, was passiert ist“, gesteht der Brite sichtlich mitgenommen. „Und ich weiß wirklich nicht, was sie tun können. Es sei denn, sie verändern diesen Teil der Strecke komplett.
Sein Teamkollege Takaaki Nakagami weiß: „Am Freitag in der Sicherheitskommission haben sich viele Fahrer über das Layout in Kurve 3 beschwert. Man kommt dort auf 300 km/h und muss sehr aggressiv bremsen, ein bisschen wie in Le Mans zwischen Kurve 1 und 2.
„Valentino hatte so viel Glück. Ich bin wirklich froh, dass er nicht getroffen wurde. Das wäre sonst schlimm ausgegangen. Alle hatten Glück. Was die Zukunft betrifft, bin ich mir nicht sicher. Für die MotoGP ist es recht tricky dort, erst recht bei Regen. Darüber werden wir sicherlich reden müssen.
Auch die Top 3 in Spielberg bestätigen das. „Bei dieser Art von Layout kann so etwas immer passieren. Es ist nicht wirklich sicher“, sagt Rennsieger Andrea Dovizioso.
Ähnlich äußert sich Markenkollege Jack Miller. „Wir können nicht alle Strecken gleich machen“, meint auch er. „Es muss ein paar, sagen wir mal, Gefahrenelemente geben. Ich habe dort auch schon versucht, andere zu überholen. Man muss das Risiko abwägen.
Ebenso wie Joan Mir. Der Zweitplatzierte von Spielberg erklärt: „Ich denke, es gibt viele Strecken mit dieser Charakteristik, wo man in leichter Schräglage bremst. Und wir können sie nicht alle ändern.
Dass das Thema und der Unfall die MotoGP noch lange beschäftigen werden, dessen ist sich Stefan Bradl jedenfalls sicher. „Die MotoGP hat in den vergangenen Jahren viel Glück gehabt. Vermutlich wird es wieder Diskussionen über die Sicherheit geben. Das ist gut.
Vor allem aber müsse über diese Kurve gesprochen werden. „Wenn ein Fahrer einen Fehler macht, dann ist das wirklich am Limit. Wir müssen darüber sprechen. Momentan will ich aber nichts darüber sagen.
Weitere Schreckmomente in Spielberg
Diese MotoGP-Saison wird Maverick Viñales so schnell nicht vergessen. Vor allem die Strecke im österreichischen Spielberg dürfte der 25-jährige Katalane in bleibender Erinnerung behalten. Nur eine Woche, nachdem die Maschine eines Konkurrenten nur um Zentimeter an seinem Kopf vorbei schoss, erlebte der Yamaha-Pilot am Sonntag beim Großen Preis der Steiermark den nächsten Schreckmoment.
Auf mehr als 300 km/h beschleunigen die Piloten ihre Maschinen auf der Start-Ziel-Geraden von Spielberg. In Runde 17 versagen die Bremsen an Viñales' Yamaha. Der Spanier lässt sich kurz vor der Kurve bei Tempo 227 vom Motorrad fallen und rutscht auf dem Rücken über den Asphalt.
Im Gegensatz zu seinem mehr als 150 Kilogramm schweren Sportgerät kommt Viñales zum zweiten Mal binnen sieben Tagen mit dem Schrecken davon. Die Werks-Yamaha mit der Nummer 12 kracht fahrerlos und nahezu ungebremst in eine Streckenbegrenzung, hebt durch die Wucht des Aufpralls kurz ab, bleibt im Kiesbett liegen und fängt sofort Feuer.
Schon beim ersten Spielberg-Grand-Prix vor einer Woche waren Viñales und sein Teamkollege Valentino Rossi nur um Haaresbreite einem Horror-Crash entgangen.
Moto2-Rennen in Spielberg
Auch im Moto2-Rennen in Spielberg kam es zu einem Horror-Crash. In Spielberg verliert Enea Bastianini beim Beschleunigen die Kontrolle über sein Motorrad, das auf der Strecke zum Stehen kommt. Hafizh Syahrin kracht Sekunden später frontal in die Maschine und überschlägt sich.
Daneben waren auch noch Edgar Pons und Andi Izdihar in den Unfall verwickelt. Sie und Bastianini konnten die Rennstrecke jedoch auf eigenen Füßen verlassen, Syahrin musste umgehend behandelt werden.
Pons bei ServusTV: "Plötzlich waren überall Motorräder. Ich habe nicht mitbekommen, wer das Motorrad abbekommen hat, aber sein Bike ist regelrecht explodiert.
| Platz | Fahrer | Team |
|---|---|---|
| 1 | Andrea Dovizioso | Ducati |
| 2 | Jack Miller | Ducati |
| 3 | Pol Espargaro | KTM |
Die neue Schikane in Spielberg
Für die 2022er-Auflage des Motorrad-Grand-Prix von Österreich gibt es nun also die Schikane vor der Anfahrt zur engen Kurve 3. Anhand der vom Red-Bull-Ring veröffentlichten Fotos bilden sich aber zahlreiche der Zweiradpiloten schon eine Meinung zum neuen Layout. Diese Meinungen fallen durchaus unterschiedlich aus.
"Im Sinne der Sicherheit ist jetzt wesentlich besser, keine Frage", meint MotoGP-Titelverteidiger Fabio Quartararo und erinnert: "Kurve 2 war immer kritisch. Damals waren Johann Zarco und Franco Morbidelli kurz nach Kurve 2 bei Topspeed aneinander geraten und hatten die Kontrolle verloren. Die beiden Bikes schossen beziehungsweise flogen daraufhin im Bereich der engen Kurve 3 fahrerlos über die Strecke. Die auf der Strecke fahrenden Valentino Rossi und Maverick Vinales wurden nur um wenige Zentimeter nicht von den Geschossen getroffen. Es war nichts anderes als Riesenglück, dass die MotoGP-Szene an jenem 16. August 2020 einer Katastrophe entkommen ist.
"In der Sicherheitskommission hatten wir besprochen, dass eine Schikane wohl die beste Lösung wäre", sagt Johann Zarco, geht aber davon aus, dass er und seine Kollegen sich im August "gehörig umstellen müssen". "Wir werden in der Schikane wahrscheinlich nicht mal im fünften Gang ankommen, sondern wohl nur im vierten. Das heißt, wir werden bei der Anfahrt nicht allzu schnell sein. Und die Anfahrt auf Kurve 3 wird dadurch natürlich auch um einiges langsamer", so Zarco.
Zarcos Unfallgegner von 2020, Franco Morbidelli, meint: "Eine Schikane ist an dieser Stelle definitiv die sicherste Lösung. Wie viel sicherer es jetzt wirklich ist, müssen wir aber abwarten. Ich habe mir das noch nicht im Detail angesehen."
Maverick Vinales hingegen ist jetzt schon happy und sagt: "Nachdem an dieser Stelle ein Motorrad nur wenige Millimeter an mir vorbeigeflogen ist, ist mir alles recht. Es kümmert mich nicht, wie die Kurve oder das Layout jetzt genau aussehen.
Fabio Quartararo scherzt: "Ich persönlich kann mit jeder Art von Schikane gut leben. Sie wird dafür sorgen, dass die Bikes ein bisschen eingebremst werden und in einer etwas günstigeren Position auf Kurve 3 zufahren. Dass dort Tempo herausgenommen werden sollte, war ja unser Anliegen."
"Von meiner Seite gibt es nichts zu meckern", betont Miller und unterstreicht dies mit einer zweiten Anmerkung: "Ein anderer Aspekt ist, dass [dank der Schikane] die linke Reifenflanke zumindest ein bisschen mehr Temperatur haben wird. Das ist bekanntlich immer ein großes Problem in Spielberg."
Aleix Espargaro gibt sich derweil noch zurückhaltend. "Ich möchte das nicht einzig und allein anhand von Fotos beurteilen", sagt der Aprilia-Pilot. "Früher habe ich bei so etwas schnell mal gesagt, das gefällt mir nicht, oder das ist fantastisch. Heute bin ich da vorsichtiger. Ich meine, es sieht nicht schlecht aus. Ich möchte mir aber erst ein genaues Bild davon machen."
"Fakt ist", so Espargaro, "dass die Kurve wie wir sie bislang hatten, einfach sehr sehr gefährlich war. Bezogen auf die Sicherheit geht es jetzt auf jeden Fall in eine gute Richtung. Ich bin überzeugt, dass die Strecke jetzt sicherer ist. Was das Fahren angeht, müssen wir aber abwarten. Es ging darum, die Anfahrt auf Kurve 3 wesentlich langsamer zu gestalten. Und eine Schikane ist nun mal die beste Variante, ein Motorrad zu verlangsamen. Jetzt muss Kurve 3 nicht mehr mit 300 km/h in Schräglage angebremst werden."
"Ich finde, an der Strecke wurde in der zur Verfügung gestandenen Zeit ein exzellenter Job gemacht, um die Forderung zu erfüllen", so Oliveira, der zu bedenken gibt: "Es ist gar nicht so einfach, an dieser Strecke überhaupt etwas zu verändern, denn die Natur ist dort großräumig geschützt. Es musste also ein Kompromiss gemacht werden. Der ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen."
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