Das Schalten ohne Kupplung ist eine Fahrtechnik, die sowohl auf der Rennstrecke als auch im Straßenverkehr angewendet wird. In der MotoGP ist diese Technik weit verbreitet, da sie es den Fahrern ermöglicht, schneller und effizienter zu schalten. Aber auch auf der Straße kann das Schalten ohne Kupplung Vorteile bringen.
Wie funktioniert das Schalten ohne Kupplung?
Beim Schalten ohne Kupplung wird der Kupplungshebel nicht betätigt. Stattdessen wird der Gangwechsel durch das Zusammenspiel von Gasgriff und Schalthebel gesteuert. Das Ziel ist es, das Getriebe in einem Moment zu entlasten, in dem keine Zugkraft anliegt.
Hochschalten ohne Kupplung
Für einen sanften Gangwechsel spannt man während der Beschleunigung den Ganghebel sanft vor und sobald der Gashahn geschlossen wird und wir in den lastfreien Moment fallen, erhöhen wir den Druck am Ganghebel und der nächste Gang springt ins Getriebe. Auch wenn dabei keinerlei Gewalt angewendet werden sollte, darf der Zug am Ganghebel durchaus bestimmt sein. Denn das Letzte was man will, ist zwischen Gängen zu landen, oder einen Gang der nicht korrekt eingelegt wurde und nach kurzer Zeit wieder herausspringt.
Runterschalten ohne Kupplung
Gleichzeitig muss die Motordrehzahl angehoben werden, um an die kürzere Abstufung des niedrigen Gangs angepasst zu werden. Befindet man sich im Schubbetrieb wird also der Ganghebel wieder leicht vorgespannt und ein kurzer Gasstoß gegeben. Der Gang flutscht ins Getriebe und die Drehzahl wird gleichzeitig angehoben. Hierfür braucht es mehr Übung, da man genau die richtige Menge an Gas geben muss, damit der Schaltvorgang geschmeidig passiert.
Vorteile des Schaltens ohne Kupplung
- Schnellere Gangwechsel: Das Schalten ohne Kupplung ermöglicht schnellere Gangwechsel, da der Kupplungshebel nicht betätigt werden muss.
- Weniger Lastwechsel: Durch das Schalten ohne Kupplung werden Lastwechsel reduziert, was zu einer stabileren Fahrt führt.
- Schonung des Hinterreifens: Da weniger Lastwechsel auftreten, wird der Hinterreifen geschont.
Seamless-Getriebe in der MotoGP
In der MotoGP werden sogenannte Seamless-Getriebe eingesetzt. Seamless-Getriebe haben ihren Namen von den nahtlosen (seamless) Schaltvorgängen, die keinerlei Zugkraftunterbrechung am Hinterrad und damit Lastwechsel verursachen. Diese Getriebe arbeiten mit einer Kupplung zum Kraftschluss, obwohl im Grunde immer zwei Gänge gleichzeitig eingelegt sind.
Funktionsweise von Seamless-Getrieben
Seamless-Getriebe arbeiten anders: Hier wirkt die Schaltwalze direkt auf eine zweigeteilte Getriebewelle und dreht diese ein kleines Stück. Dadurch werden im Falle des Yamaha-Systems Sperrklinken - dem Freilauf eines Fahrrads nicht unähnlich - aufgestellt, die dann in passende Fugen des bisher noch frei laufenden Gangrads greifen und so den Gangwechsel abschließen.
Mit der Seamless-Technik in Getrieben gehen Schaltvorgänge ohne jeden Lastwechsel oder Zugkraftunterbrechung vonstatten.
Vorteile von Seamless-Getrieben
Die Vorteile liegen auf der Hand: Gangwechsel funktionieren unmittelbar, Lastwechsel und Unruhen in Schräglage bleiben aus und der Hinterreifen wird geschont. Zusätzlich könnte auf der Straße mit einem echten Schaltautomaten eine Art Halbautomatik als Komfort-Funktion eingeführt werden, ohne die Nachteile eines Doppelkupplungsgetriebes mit der zusätzlichen Kupplung. Die Nachteile sind allerdings eine hoch komplizierte, nicht etablierte und somit wohl teure Technik, die allerdings beim Gewicht des Getriebes kleine Vorteile haben dürfte.
Quickshifter
Die Schritte, die ein Quickshifter erspart. Überraschend wenig! Denn mit dieser Vorrichtung wird dasselbe Prinzip ausgenutzt, nur übernimmt die Elektronik die ganze Arbeit. Erkennt der Sensor Druck am Schalthebel wird über verschiedene Art und Weisen (Zündung, Einspritzung) die Leistung des Motors gekappt und der gewünschte Gang wird eingelegt. Der große Vorteil des Quickshifters ist, dass wenn er ab Werk, oder nachträglich von Profis verbaut wurde, die Unterbrechung perfekt abgestimmt ist, was geschmeidige Gangwechsel bedeutet.
Umkehrschaltung
Auf Rennmaschinen erfolgt die Bedienung des Gangwahlhebels nicht in der uns vertrauten Reihenfolge erster Gang runter, die restlichen Gänge rauf, sondern umgekehrt mittels Umkehrschaltung. Erster Gang rauf, die restlichen Gänge runter. Das umgekehrte Schaltschema ist zwar gewöhnungsbedürftig, hat aber den Vorteil, dass die Fahrer in extremen Links-Schräglagen bequem von oben runter schalten können. Auch ist der Kraftaufwand beim Tippen nach unten geringer.
Dass es in starker Schräglage - insbesondere wie es beim Racing der Fall ist - deutlich intuitiver ist, den Fuß beim Hochschalten Runterzudrücken braucht kein besonderes Vorstellungsvermögen: Du bist ja ohnehin schon in der Schräglage.
Vorteile der Umkehrschaltung
- Bessere Erreichbarkeit des Schalthebels in Schräglage: In extremer Schräglage ist es einfacher, den Schalthebel nach unten zu drücken, als ihn nach oben zu ziehen.
- Mehr Bodenfreiheit: Durch die Umkehrschaltung kann der Fuß etwas höher positioniert werden, was zu mehr Bodenfreiheit führt.
Unterschiede zwischen MotoGP-Bikes und Straßenmaschinen
Die MotoGP-Prototypen gibt es nicht zu kaufen - aber geschätzt werden die Dienstfahrzeuge von Marc Márquez & Co auf einen Wert von 2 Millionen Dollar aufwärts. Pro Stück! Immerhin sind es unangefochten die mächtigsten einspurigen Boliden, die derzeit auf Rennstrecken unterwegs sind. Was macht eigentlich den Unterschied zu jenen Motorrädern aus, die du um ein Hundertstel dieses Preises kaufen kannst und fahren darfst?
Zunächst rauben weder Katalysator, noch Schalldämpfer Kraft. Den Rest besorgen nutzbare Drehzahlen von bis zu 19.000 U/min, ermöglicht durch pneumatische Ventilsteuerung: Druckluft schließt die Motorventile schneller und verlässlicher, als es vergleichsweise träge Metallschraubenfedern könnten. Im Rennsport ist diese Technologie essentiell, für die Straße schlicht unbrauchbar.
Die Hüllen von MotoGP-Prototypen sind selbstverständlich aus federleichter Kohlefaser gefertigt - unvorstellbar in der Massenfertigung. Bei der Gewichtsverteilung und Aerodynamik kann ein Prototyp ebenfalls aggressivere Wege beschreiten. Ein straßenzugelassenes Bike schleppt eine voluminöse Abgasanlage, sowie Dinge wie Startermotor, Licht, Soziussitz und eine großen Batterie mit. Aktuell bringt ein MotoGP-Bike gerade einmal 158 kg auf die Waage.
40 bis 50 Sensoren trägt ein MotoGP Motorrad, vom Reifendruck über verschiedene Motorparameter, Chassisbalance, Schräglage, Position bis hin zu den Drehgeschwindigkeiten von Vorder- und Hinterrad. Einige füttern die Elektronik der Motorsteuerung, die 2016 stark vereinheitlicht und vereinfacht wurde und die Teams so vor Herausforderungen gestellt hat. Genauso wie käufliche Traktionskontrollen verhindert sie Wheelies und Highside-Crashes, ist in der Rennsportversion hinsichtlich Präzision und sanfter Arbeitsweise aber weit überlegen.
MotoGP-Technik für die Straße
Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und knapp 190.000 Euro im Sparschwein hat, für den haben wir gute Neuigkeiten: Technik, die der MotoGP sehr nahe kommt, ist doch auf dem Markt! Honda (RC213V-S) und KTM (RC16) bieten eine straßentaugliche Replika ihres WM-Motorrads an, so wie es einst Ducati mit der Desmosedici RR getan hat.
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