Der ultimative Vergleich der beiden Königsklassen ist Formel 1 gegen MotoGP, vier gegen zwei Räder, 1.000 gegen 290 PS. Kein Rennwagen ist auf einer Rundstrecke schneller als ein Formel-1-Auto. Keine Rennmaschine schneller als ein MotoGP-Bike. Deshalb sind beide Serien die Königsklassen.
Auf vier Rennstrecken jedoch fahren beide: Austin, Barcelona, Silverstone und Spielberg. Das gibt uns die Möglichkeit, zu vergleichen.
Formel 1 vs. MotoGP: Ein Geschwindigkeitsvergleich
Die Unterschiede sind dabei eklatant. Die Formel 1 ist 20 Sekunden schneller. Und das, obwohl der Red Bull Ring nur 4.318 Meter lang ist und nur zehn Kurven hat. In jeder ist die Formel 1 schneller. Der Geschwindigkeitsunterschied reicht von 7,5 bis zu 130,7 km/h.
Die MotoGP wirkt dafür spektakulärer. Trotzdem begeistern die Qualifyings und die Rennen der MotoGP. Nicht wenige attestieren ihr, die aufregendere Rennserie zu sein. Selbst solche, die in der Formel 1 arbeiten. "In der MotoGP sieht man viel besser den Kampf Mensch gegen Maschine", sagt Red Bulls Sportdirektor Helmut Marko anerkennend. "In der Formel 1 sieht der Zuschauer nur in einer Extremsituation, wie der Fahrer kämpft. Zum Beispiel, wenn das Auto mal quer steht. Aber dieses Unmittelbare, Bremsen auf einem Rad, Zweikämpfe in Schräglage, das macht die MotoGP aus. Solange es Zweikämpfe gibt, ist der Speed zweitrangig."
Die Zweirad-Fraktion macht fehlende Geschwindigkeit mit mehr Bewegung im und auf dem Motorrad wett. Es rutscht viel mehr. Kurz gesagt, weil ein Motorrad weniger und dünnere Reifen hat und Aerodynamik im Verhältnis eine Minimalrolle spielt. Ein Rennmotorrad generiert Anpressdruck nur in gewissen Fahrzuständen. Auf- und Abtrieb wechseln sich ab. "Es kommt auf unterschiedliche Faktoren an, ob wir Abtrieb haben oder nicht. Zum Beispiel auf die Schräglage", erklärt Sebastian Risse, Technischer Koordinator MotoGP bei KTM. "Im Vergleich zur Formel 1 sind es marginale Größen. Wir spielen mehr mit der Balance an Vorder- und Hinterachse. Es sind vielleicht zehn Kilo, mit denen wir arbeiten. Ein MotoGP-Bike könnte im Tunnel nicht an der Decke fahren." Dafür baut es weniger Luftwiderstand auf.
Ein Formel-1-Auto klebt wie Kaugummi auf der Straße - aber nur in sauberer Luft. Der Hintermann klagt bei einer Wagenlänge Abstand über einen Abtriebsverlust von rund 45 Prozent. Echte Überholmanöver unter gleichwertigen Gegnern sind selten geworden.
In die Kurven lehnen sich die MotoGP-Fahrer mit teilweise über 60 Grad Schräglage. Ein Formel-1-Auto klebt auf dem Asphalt.
Reifenmanagement in MotoGP und Formel 1
Die Michelin-Reifen der MotoGP sind keine Dauerbrenner. Auch die Zweirad-Helden müssen in den Rennen, die um die 40 Minuten lang sind, Reifen schonen. Reifenwechsel gibt es bei Trockenrennen nicht. Die Pirelli-Reifen der F1 sind unberechenbarer. Sie ins magische Fenster zu bringen, ist eine Kunst für sich. Doch jede Unbekannte in der Gleichung macht die Strategie schwerer. Und macht das Fahrgefühl wichtiger. Lewis Hamilton ist auch der Beste, weil er schnell fährt, gleichzeitig aber nicht die sensiblen Reifen überstrapaziert. Auf die Distanz kann Teamkollege Valtteri Bottas da nicht mithalten.
Reifenmanagement spielt in beiden Serien eine Rolle. Ebenso der Spritverbrauch. Die Formel 1 darf über die Renndistanz etwa 148 Liter verbrennen. Die Motorräder 22 Liter.
In den Kurven spielt die Formel 1 ihre Vorteile gnadenlos aus: mechanischer Grip und Aerodynamik. In Schräglage schrumpft die Kontaktfläche des Reifens einer Rennmaschine auf fünf bis zehn Zentimeter. Die Reifen sind so konstruiert, dass sie auf der Flanke maximalen Grip liefern.
Motorräder balancieren durch Kurven, F1-Autos fegen wie auf Schienen hindurch. Frontflügel, Unterboden, Diffusor und Heckflügel drücken sie auf den Boden. Die Autos sind fünf Meter lang, haben eine deutlich größere Verkleidungsfläche, da lässt sich mit der Luft spielen. Ein MotoGP-Bike ist knapp über zwei Meter lang. Anbauteile entdeckten die Ingenieure erst vor ein paar Jahren: Seither tragen die Frontpartien sogenannte Winglets.
Je schneller die Kurve, desto größer die Unterschiede. Die schnellen Kurven gibt es in Spielberg im hinteren Streckenteil. In Kurve 6 ist der Red Bull um 93,2 km/h schneller. In Kurve 7 sind es 121,6 km/h, in Kurve 9 130,7 und in Kurve 10 dann 88,1 km/h.
Nur in der langsamsten Ecke robbt sich die KTM heran. In Kurve 3 beträgt die Differenz 7,5 km/h.
Leistungsgewicht und Fahrphysik
Ein MotoGP-Motorrad hat in etwa ein Viertel der Leistung eines F1-Autos, ist dafür viel leichter. Ein Motorrad kommt beim Anbremsen oftmals quer. Bei starker Verzögerung aus hohen Geschwindigkeiten löst sich auch mal das Hinterrad vom Asphalt, weil sich die Last nach vorne verschiebt. Im Motorrad-Rennsport spricht man dann von einem Stoppie. Beim Herausbeschleunigen lupft es das Vorderrad. Das nennt man einen Wheelie. Stoppie und Wheelie setzen dem Fahrer die Grenzen. "Die Reifen würden mehr hergeben, aber wir können die Grenzen der Physik nicht aushebeln", erklärt Risse. "Die maximale Verzögerung ist begrenzt. Im Idealfall schwebt das Hinterrad beim Anbremsen gerade so über dem Asphalt. Praktisch ist das nicht möglich."
Umgekehrt verhält es sich bei der Beschleunigung. "Die beste Beschleunigung erreicht man, wenn auf das Vorderrad null Newton wirken. Es macht nichts aus, wenn das Vorderrad leicht abhebt", erklärt der Technik-Koordinator. Nur sollte nicht direkt eine Kurve folgen. "Es ist schwierig, nur über das Hinterrad die Kurve anzulenken."
Die Elektronik hilft dabei, dass die Räder nicht zu stark abheben. "Die Fahrer halten ihr Motorrad in gewissen Abschnitten bewusst sehr lange in Schräglage, um Wheelies zu unterbinden", erzählt Risse. Der Mensch bändigt die Maschine - unterstützt von der Elektronik.
Bei Verzögerungen aus sehr hohen Geschwindigkeiten erreichen die MotoGP-Raketen Kräfte von 1,3 g. In den Kurven, in der Querbeschleunigung, wirken maximal Kräfte zwischen 1,4 und 1,6 g. Kein Vergleich zur Formel 1, wo es auch schnell mal über 5 g sein können.
Ein MotoGP-Bike wiegt ohne Fahrer 157 Kilogramm, denen 250 bis 290 PS gegenüberstehen. Das Mindestgewicht eines F1-Autos beträgt 743 Kilogramm (2019) - inklusive Fahrer, der mit 80 Kilo eingeht. Rechnet man ihn heraus und legt ein Gewicht von 673 Kilo zugrunde, ergibt sich ein Leistungsgewicht von 0,67 kg/PS. In der MotoGP sind es 0,54 kg/PS, wenn man von 290 PS ausgeht.
Fahrer und Technologie
In der Formel 1 bringt die Aerodynamik die Rundenzeit. In der MotoGP ist es vor allem der Fahrer. Ein Ausnahmekönner kann die Schwächen seines Arbeitsgeräts umfahren. In der Formel 1 würde selbst ein Hamilton in einem Haas kein Rennen gewinnen.
In der MotoGP aber sind die Piloten einem höheren Risiko ausgesetzt. Es schützt sie bei Stürzen keine Karosserie, sondern neben dem Helm nur noch ein Airbag im Renn-Overall.
Auch die MotoGP sammelt Telemetrie-Daten, um die Motorräder auf die jeweilige Strecke abzustimmen. Daten zu Radgeschwindigkeiten, Luft-, Wasser-, Öltemperatur, Drehwinkel und Gashebelstellung zum Beispiel.
Ein Topteam investierte jährlich etwa eine halbe Milliarde Euro. Ein Hersteller in der MotoGP wie Honda nur ein Zehntel davon, sagen Branchenkenner.
MotoGP Silverstone 2024: Ergebnisse und Analyse
Jorge Martin (Pramac-Ducati) sicherte sich am Freitag die Bestzeit im MotoGP-Training zum Grand Prix von Großbritannien 2024 in Silverstone. In der 60-minütigen Session am Nachmittag, deren Top-10-Ergebnis den direkten Einzug ins Q2-Segment des Qualifyings (Samstag) bestimmt, legte Martin in den letzten Minuten eine Rundenzeit von 1:57.911 Minuten hin.
Damit wurde der bestehende MotoGP-Streckenrekord in Silverstone - 1:57.767 Minuten von Johann Zarco aus der Saison 2022 - am Freitag nur ganz knapp verpasst.
Die Top 10 Fahrer, die sich direkt für Q2 qualifizierten, waren:
- Jorge Martin (Pramac-Ducati)
- Aleix Espargaro (Aprilia)
- Francesco Bagnaia (Ducati)
- Enea Bastianini (Ducati)
- Jack Miller (KTM)
- Fabio Di Giannantonio (VR46-Ducati)
- Brad Binder (KTM)
- Maverick Vinales (Aprilia)
- Marco Bezzecchi (VR46-Ducati)
- Marc Marquez (Gresini-Ducati)
Fabio Quartararo hält nach seiner Rookie Saison 2019 bereits 3 neue Rundenrekorde. Klarer Spitzenreiter in der MotoGP ist Marc Marquez mit per Ende 2019 insgesamt 10 Rundenrekorden auf den aktuellen Kursen.
Ergebnisse des MotoGP-Rennens in Silverstone
Hier eine Übersicht der Top-Ergebnisse des MotoGP-Rennens in Silverstone:
- Fabio Quartararo (FRA) Yamaha 40:20.579
- Alex Rins (ESP) Suzuki +2.663
- Aleix Espargaro (ESP), Aprilia +4.105
- Jack Miller (AUS), Ducati +4.254
- Pol Espargaro (ESP) Honda +8.462
- Brad Binder (RSA), Red Bull KTM Factory Racing +12.189
- Iker Lecuona (ESP), Tech3 KTM Factory Racing +13.560
- Danilo Petrucci (ITA), Tech3 KTM Factory Racing +16.287
Brad Binder war der fortschrittlichste RC16-Fahrer in der Startaufstellung und startete aus der 12. und der vierten Reihe. Der Südafrikaner überstand einen schleppenden Start, nahm schnell an Fahrt auf und bewegte sich am Rande der Top-Ten. Von dieser Position aus wurde Binder mit seinen Überholmanövern schneller und entschlossener, um sich schließlich bis auf den 6. Ebenso proaktiv waren die Tech3 KTM Factory Racing Fahrer Iker Lecuona und Danilo Petrucci.
Insgesamt bot Silverstone sowohl den Fahrern als auch dem Bike-Setup einen technischen Test und die Wahl zwischen mittleren und harten Mischungen. Helle, aber windige und kühle Sommerbedingungen sorgten ab Freitag für eine stabile Umgebung und das 20-Runden-MotoGP-Rennen wurde auf trockenem und griffigem Asphalt gefahren.
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