Wenn die MotoGP nach dem Ende der Sommerpause für einen Doubleheader an den Red Bull Ring in Spielberg zurückkehrt, werden Erinnerungen an den schweren Unfall im Vorjahr wach.
Der Horror-Crash in Spielberg
Italiens MotoGP-Superstar Valentino Rossi ist in Spielberg bei einem Horrorcrash mit dem Schrecken davon gekommen. Nach einer folgenschweren Kollision flogen die Maschinen von Franco Morbidelli (Italien) und Johann Zarco (Frankreich) nur Zentimeter an Rossi vorbei, der neunmalige Weltmeister hatte großes Glück.
"Superbeängstigender Moment", schrieb das Yamaha-Werksteam kurz nach dem Zwischenfall. Auch sein direkt vor ihm fahrender Teamkollege Maverick Vinales entkam den Wracks nur knapp.
Zarco war auf der Geraden in Morbidelli hineingefahren, die Maschinen flogen geradeaus durch die Kurve eins und dort knapp an Rossi vorbei. In der Box schlug der 41-Jährige die Hände vor das Gesicht, als er die Szenen auf einem Bildschirm sah.
Zarco blieb unverletzt, Morbidelli wurde im Krankenwagen abtransportiert. Der frühere MotoGP-Fahrer erlitt laut ersten Untersuchungen zahlreiche Prellungen, aber keinen schwerwiegenden Bruch. Der 26-Jährige wurde mit dem Rettungswagen ins Medical Center gebracht.
Rennverlauf nach dem Unfall
Nachdem die Strecke vom Schrott gesäubert wurde, ging es weiter. Der Lauf wurde neu gestartet und auf 20 Runden verkürzt. Der Italiener Andrea Dovizioso fuhr in Spielberg seinen dritten Sieg in vier Jahren ein. Für Ducati war es bereits der fünfte Triumph in Spielberg nacheinander, seit der Rückkehr des Kurses in den WM-Kalender haben die Italiener dort immer gesiegt.
Vizeweltmeister Dovizioso (56 Punkte), der erst am Vortag die Trennung von Ducati zum Saisonende nach acht Jahren bekannt gegeben hatte, ist neuer WM-Zweiter hinter Fabio Quartararo (Yamaha/67). Der Franzose wurde am Sonntag Achter. Stefan Bradl (Zahling/Honda), der zum zweiten Mal den verletzten Weltmeister Marc Marquez (Spanien) ersetzte, holte als 17.
Die Schuldfrage und Reaktionen
Rossi wütet nach Horror-Crash
Die Beinahe-Katastrophe beim Moto-GP-Rennen in Spielberg lässt die Gemüter hinsichtlich der Schuldfrage hochkochen. Morbidelli und Rossi wüten gegen Johann Zarco.
Auch wenn der Horrorcrash glimpflich endete für Superstar Valentino Rossi, den die von der Piste abfliegenden Maschinen von Franco Morbidelli (Italien) und Johann Zarco (Frankreich) nur um Zentimeter verfehlten - die Aufarbeitung der folgenschweren Kollision beim Moto GP in Spielberg gerät zur hässlichen Schlammschlacht mit Schuldzuweisungen.
Morbidelli machte allein Zarco verantwortlich - und benutzte dafür heftige Worte: "Er ist ein halber Mörder", schimpfte der Italiener bei Sky Italia: "Wenn man bei 300 km/h so bremst, dann hat man wenig für die Fahrer übrig, gegen die man fährt."
Sich selbst sieht er als völlig unschuldig an. "Ich konnte nichts machen. Als ich bremste, wechselte Zarco die Linie, vermutlich um sich zu verteidigen", meinte Morbidelli, der im Krankenwagen abtransportiert wurde, nach eigenen Angaben ansonsten aber wohlauf ist.
Rossi unterstellt Zarco Absicht
Auch Rossi unterstellte Zarco Absicht und pflichtete seinem Landsmann Morbidelli bei: "Zarco hat absichtlich vor Morbidelli gebremst und versucht, ihm zu schaden. Hier fehlt der Respekt für die Gegner total." Der neunmalige Weltmeister giftete weiter: "Aber Zarco ist ja bekannt dafür. Ich hoffe, dass die Rennleitung eingreift und etwas Ernstes gegen ihn unternimmt."
Zarco war auf der Geraden in Morbidelli hineingefahren, die Maschinen flogen geradeaus durch die Kurve 1 und dort knapp an Rossi vorbei. In der Box schlug der 41-Jährige die Hände vor das Gesicht, als er die Szenen auf einem Bildschirm sah.
"Superbeängstigender Moment. Ich fuhr keine verrückte Linie. Es war ein Rennunfall, der sich bei solchen Geschwindigkeit manchmal schwer vermeiden lässt. Gott sei Dank haben unsere Bikes niemanden getroffen", sagte der 30-Jährige.
Rossi hatte beim Großen Preis von Österreich in Spielberg gleich mehrfach extremes Glück im Unglück gehabt: Erst flog die Yamaha-Maschine von Franco Morbidelli Zentimeter vor ihm durch die Luft, dann kam die Ducati von Johann Zarco hinterher und verfehlte ihn ebenfalls knapp. "Jeder sollte heute Abend ein Gebet sprechen, zu wem auch immer", sagte der neunmalige Weltmeister Rossi, der die Situation erst im Ziel richtig realisierte.
Rossi und auch viele Medien kritisierten vor allem den Franzosen Zarco, der nach einem waghalsigen Manöver die Kontrolle über seine Maschine verloren hatte. "Ich habe mit ihm gesprochen. Immer mehr Fahrer bremsen und schließen direkt vor anderen Piloten die Tür. Schon vor dem Start in der Königsklasse war es mit den Stürzen losgegangen.
Zarco äußert sich zu dem Unfall
Im Gespräch mit 'Canal+' erinnert sich der Franzose: "Zum Glück war ich mit meiner Handgelenk-OP in Italien beschäftigt. Ich habe nicht allzu viel von dem mitbekommen, was da vor sich ging, und es war ein echtes Gefühl der Hilflosigkeit.
Damals kam es auch zu einer privaten Unterredung mit Rossi, in der die beiden jedoch keinen gemeinsamen Nenner fanden. "Rossi war immer ein Idol für mich und er war immer sehr beschäftigt, also habe ich nie wirklich etwas mit ihm diskutiert. Das einzige Mal, dass ich mit ihm gesprochen habe, war schließlich am Tag des Unfalls in Österreich, als ich zu ihm ging und ihm erklärte, das nicht mit Absicht getan zu haben.
Auch wenn er Rossi damals nicht von seiner Sicht überzeugen konnte, sagt Zarco heute noch: "Es war die beste Diskussion, die ich je mit ihm hatte. Wir standen ein bisschen unter Schock, also war es gut zu reden. Er ist sowieso ein sehr intelligenter Typ, der den Sport liebt und das Leben im Allgemeinen. Das ist sehr schön", betont der Franzose.
Laut Zarco hatte sich die Situation nach einem Gespräch mit Rossi geklärt . Gegenüber den Journalisten behauptete Zarco, dass er Rossi und Morbidelli von seiner Unschuld überzeugen konnte.
Rossis Version klingt anders: "Ich unterhielt mich unter vier Augen mit Zarco. Er meinte, dass er es nicht absichtlich getan hat. Aggressiv ist schön und gut, aber vor einem Gegner zu ziehen und zu bremsen ist ein potenzielles Desaster."
Diskussionen um die Streckensicherheit
Der schreckliche Unfall zwischen Johann Zarco und Franco Morbidelli im MotoGP-Rennen in Spielberg hat nicht nur eine Diskussion um die Schuldfrage entfacht, sondern auch um die Sicherheit auf dem Red Bull Ring. Dabei steht Kurve 3, der spitze Rechtsknick nach der langen Geraden, nicht zum ersten Mal in der Kritik.
In der Anfahrt zu dieser Kurve erreichen die Piloten Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 300 km/h und bremsen schließlich hart herunter, um in die langsamste Ecke des Layouts einzubiegen, die zugleich die höchste Stelle des Red Bull Rings ist. Genau in dieser Bremszone kam es zum Crash zwischen Zarco und Morbidelli. Der Franzose war auf der Geraden (genauer gesagt in Kurve 2, denn die Gerade ist faktisch keine) links an der Yamaha vorbeigegangen und hatte sich vor sie gestellt. Morbidelli, vom Windschatten angesaugt, konnte nicht rechtzeitig ausweichen. Wer hat Schuld? Es gibt unterschiedliche Meinungen Er knallte mit voller Wucht ins Heck von Zarco.
Beide wurden von ihren Motorrädern geschleudert, die fahrerlos in Richtung Kurve 3 flogen und dort das Yamaha-Duo mit Maverick Vinales und Valentino Rossi nur um Haaresbreite verfehlten. Der "Doctor" fand danach deutliche Worte und ging hart mit Zarco ins Gericht. Er habe Morbidelli absichtlich den Weg abgeschnitten und vor ihm gebremst, weil er sich nicht zurück überholen lassen wollte. "Aber bei 300 km/h konnte Franco nichts tun und traf ihn hart", so Rossi.
Der Unfall sei "beängstigend" gewesen, sagt Oliveira weiter. "Die glücklichsten Menschen, die heute für ihre Schutzengel Kerzen anzünden können, sind Rossi und Vinales. Es hätte heute eine sehr, sehr schlimme Tragödie passieren können, die zum Glück nicht passiert ist." Trotzdem müsse die Situation genau analysiert werden. Denn das Gefahrenpotenzial war bekannt. "Wir haben in der Sicherheitskommission am Freitag darüber gesprochen", verrät Oliveira. "Wir haben gesagt, dass wenn im Regen dort jemand stürzt, dann gibt es nicht genug Auslauf. Wir werden im Airfence landen und das Motorrad wird in dieser engen Kurve jemanden treffen." Das passierte nun (fast) auf trockener Strecke.
Fahrer fordern Änderungen
Aprilia-Pilot Aleix Espargaro erklärt, was diese Stelle in Spielberg so gefährlich macht: "Man kann sich nicht vorstellen, wie schwierig es ist, diese verdammte Kurve bei 300 km/h mit jeder Menge Abtrieb wegen der Winglets und mit vielen Motorrädern vor sich zu fahren."
Cal Crutchlow von LCR-Honda gibt sich ratlos. "Ich bin schockiert darüber, was passiert ist", gesteht der Brite sichtlich mitgenommen. "Und ich weiß wirklich nicht, was sie tun können. Es sei denn, sie verändern diesen Teil der Strecke komplett. Ich bin mir aber sicher, dass viele Fahrer heute nicht glücklich sind."
Sein Teamkollege Takaaki Nakagami weiß: "Am Freitag in der Sicherheitskommission haben sich viele Fahrer über das Layout in Kurve 3 beschwert. Man kommt dort auf 300 km/h und muss sehr aggressiv bremsen, ein bisschen wie in Le Mans zwischen Kurve 1 und 2. Man muss hart bremsen und gleichzeitig die Richtung wechseln."
Rennsieger Andrea Dovizioso sagt: "Bei dieser Art von Layout kann so etwas immer passieren. Es ist nicht wirklich sicher. Aber man kann auch nicht alle Strecken gleich gestalten." Aus seiner Sicht stellt vor allem die Mauer linker Hand ein Problem: "Sie ist noch gefährlicher."
Ebenso wie Joan Mir. Der Zweitplatzierte von Spielberg erklärt: "Ich denke, es gibt viele Strecken mit dieser Charakteristik, wo man in leichter Schräglage bremst. Und wir können sie nicht alle ändern. Wie Dovi schon sagte, wäre es wichtig, die Mauer auf der linke Seite etwas zu verschieben, um die Sicherheit zu erhöhen."
Stefan Bradl ist sich sicher, dass das Thema und der Unfall die MotoGP noch lange beschäftigen werden. "Die MotoGP hat in den vergangenen Jahren viel Glück gehabt. Vermutlich wird es wieder Diskussionen über die Sicherheit geben. Das ist gut. Wir müssen darüber diskutieren, was genau passiert ist", sagt er. "Wir müssen auch die Aussagen der involvierten Fahrer hören. Dann kann sich jeder ein eigenes Urteil bilden." Vor allem aber müsse über diese Kurve gesprochen werden. "Im Regen kann es dort auch sehr knifflig sein", weiß der Honda-Ersatzfahrer.
Die neue MotoGP-Schikane in Spielberg
Mit der neuen MotoGP-Schikane will man die Sicherheit in Spielberg deutlich verbessern. Damit wird der ultraschnelle Linksknick von Kurve 2 zur Anfahrt auf Kurve 3 entschärft. Das ist eine Reaktion auf den schweren Unfall beim Grand Prix von Österreich im Jahr 2020.
"Das hat mich zum Nachdenken gebracht", gibt Rossi im Interview mit 'il Giornale.it' im Rückblick zu. "Mir war es bewusst, aber das war der Beweis, dass es im Rennsport nicht ausreicht, vorsichtig zu sein. Wenn du zur falschen Zeit am falschen Ort bist, dann bist du aufgeschmissen."
"Aber das Motorrad von Morbidelli, das mich gestreift hat, war die wahre Gefahr für mich. Ich habe das überhaupt nicht gesehen. Ich hatte das Gefühl eines Schattens, aber der Speed mit dem es an mir vorbeigeschossen ist, war gigantisch."
Er weiß, dass er großes Glück hatte: "Ja, ich habe damals den Joker ausgespielt."
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