Die Suche nach einem Motorrad, das einer Harley-Davidson ähnelt, führt oft zu Modellen, die den klassischen Stil und das Fahrgefühl amerikanischer Cruiser nachahmen. Dabei gibt es sowohl optische als auch technische Aspekte zu berücksichtigen.
SWM Stormbreaker V 1200 und Shineray XY1200-B
Als SWM Stormbreaker Custom V 1200 kommt die Harley-Davidson Sportster 1200 zurück - ab 2024 auch nach Europa. Auf der EICMA 2023 stand die SWM Stormbreaker erneut - diesmal als EU-Version für 2024 und mit Preisschild: 9.990 Euro. Zuerst sollen die SWM-Händler in Italien beliefert werden.
Die Stormbreaker ist ein Klon der inzwischen nicht mehr produzierten Harley-Davidson Sportster 1200. Vom Stahlrohr-Chassis mit 2 Federbeinen und Telegabel bis hin zu den Rädern und Bremsen wird für die SWM Custom V 1200 Stormbreaker das Original-Design von Harley-Davidson übernommen. Beispielsweise mit überfrästen Stellen an den schwarzen Aluminiumguss-Rädern oder bei den Formen der Bremsscheiben und Bremszangen.
Im August 2024 tauchte zudem eine neue Modell-Variante im Chopper-Stil auf. Mitte August 2024 tauchte erstmals eine neue Modell-Variante der China-Harley von Shineray/SWM auf. Auf dem ersten Leak-Foto vom Chinesischen Patentamt sieht die Shineray mit der werksinternen Typbezeichnung XY1200-B (statt nur XY1200) eher nach Chopper als nach Sportster aus.
Mit hohem Lenker und großem Vorderrad erinnert die neue B-Variante an die Softail-Modelle von Harley-Davidson. Allerdings nur die Front, denn am Heck bleibt es bei den 2 Federbeinen. Eine sehr ähnliche Modell-Variante gab es Mitte der 2010er-Jahre von Harley-Davidson: die Sportster XL 1200 Seventy-Two 72. Eckdaten: 67 PS, 255 Kilo - und ebenfalls mit 21-Zoll-Vorderrad sowie hohem "Apehanger"-Lenker.
Technische Details der SWM Stormbreaker
Zur "neuen" Custom V 1200 Stormbreaker gab's von SWM auch die wesentlichen technischen Eckdaten: 61 PS (45 kW) bei 5.750/min soll der nach wie vor klassisch aufgebaute, luftgekühlte V-Twin mit nur 2 Ventilen pro Zylinder und Stoßstangen-Ventiltrieb leisten. Dazu nennt SWM 90 Nm maximales Drehmoment bei 3.250/min. Hier wie da: 5-Gang-Getriebe und Endantrieb per leise und sauber laufendem Zahnriemen. Immerhin 165 km/h Höchstgeschwindigkeit sind bei der SWM Stormbreaker eingetragen.
- Motor: Luftgekühlter V-Twin
- Leistung: 61 PS (45 kW) bei 5.750 U/min
- Drehmoment: 90 Nm bei 3.250 U/min
- Getriebe: 5-Gang
- Antrieb: Zahnriemen
- Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h
Shineray XY1200-B: Chopper mit 21-Zoll-Vorderrad
Ganz anders als bei der bereits bekannten SWM Stormbreaker fallen hier die Räder aus: klassische Drahtspeichenräder, bereift mit den Formaten 90/90-21 vorn und 150/80-16 hinten. Dazu gibt's jeweils eine Scheibenbremse pro Rad und ABS. Mit angeblich 261 Kilogramm ist die neue B-Variante der Shineray V 1200 genau ein Kilogramm leichter als die SWM Stormbreaker V 1200, und der Radstand, 1.535 mm, ist hier 40 mm länger.
Denn für den luftgekühlten V2-Motor mit 61 PS (45 kW) Spitzenleistung liegt bereits eine Euro-5-Homologation vor. Amtlich angemeldete Höchstgeschwindigkeit für den Chopper: 165 km/h.
Die China-Harley: Shineray V 1200
Die China-Harley sieht aus wie eine Überraschung, doch das ist sie eigentlich nicht mehr. Sie kam mit Ansage: Bereits im Januar 2018 hatte der chinesische Kraftfahrzeughersteller Shineray neue V2-Motoren für Motorräder angekündigt. Der 1200er-V-Twin, luftgekühlt, ist anscheinend identisch mit dem Evolution-Twin der Harley-Davidson Sportster-Modelle.
Bereits im September 2023 brachte Shineray die China-Sportster unter eigenem Namen in China in den Handel, für umgerechnet circa 6.000 Euro. Heavy Metal wie das Original: 262 Kilo. Nicht nur der Antrieb und das gesamte Erscheinungsbild folgen dem Original aus den USA, auch das von SWM genannte Gewicht passt dazu: 262 Kilogramm. Immerhin 14 Liter Sprit sollen in den Tank passen, bei Harley-Davidson ist der Sportster-Tank kleiner, je nach Modellvariante sogar deutlich kleiner.
Der luftgekühlte V 1200-Twin im Detail
Selbst wenn man den von Shineray in China gefertigten V-Twin ganz genau anschaut, findet man keine wesentlichen Unterschiede zum originalen Harley-V2. Jedenfalls von außen betrachtet. Dass auch innen nahezu alles "beim Alten" ist, also dass auch der Kurbeltrieb unter den im 45-Grad-Winkel gespreizten Langhub-Zylindern Harley-typisch ausgeführt ist, daran gibt es kaum Zweifel. Ein weiteres Indiz für eine Kopie des H.-D.-Motors ist jedenfalls: Shineray baut 4 untenliegende Nockenwellen ein, die über 4 Stoßstangen je ein Ventil pro Kanal bedienen, also 2 Ventile pro Zylinder - alles wie beim US-amerikanischen Vorbild.
Vertraute Evolution-Sportster-Werte
Glauben wir den Aussagen von Shineray, dann hat der "komplett eigenständig entwickelte" Motor zwar exakt den gleichen Hubraum wie der Evolution-Twin von Harley-Davidson, also 1.202 Kubik, aber angeblich eine verbesserte Kühlung, eine verstärkte Kurbelwelle sowie ebenfalls verstärkte Kolben. Die Frage ist nur: Im Vergleich zu welchem Motor? Der alte originale Sporty-Twin leistete immerhin 67 PS sowie 99 Nm, Euro-4-konform.
Alternativen im Cruiser- und Roadster-Segment
Biker, die Wind und Wetter ohne Anbauteile am Motorrad pur genießen wollen fahren oft Roadster oder Cruiser. Hier sind einige beliebte Modelle:
- Indian Scout Rogue
- Honda CMX 1100 Rebel
- Triumph Rocket 3
- Ducati Diavel
- Harley-Davidson Nightster
Harley-Davidson Nightster
Agil, leicht, komfortabler als die Sportster S, das ist die Mission der Harley Nightster. Für fahrspaßbetonten Vortrieb sorgt der neue Revolution Max 975T-Motor. Der formschöne Tank ist lediglich Optik und Verpackung für die Airbox. Der Kraftstoffbehälter versteckt sich unter dem Sitz. Drei fein abgestufte Fahrmodi stehen zur Wahl: Road, Sport und Rain, dazu eine Traktionskontrolle.
Die Nightster soll als "Instrument of Expression" für Aufsehen sorgen. Umbauten sind ausdrücklich erwünscht bei Harley-Davidson.
Ducati Diavel
Mehr Aufsehen erregen nur wenige Powerbikes: Die Diavel ist unübersehbar. Und unüberhörbar. Die beiden Endtöpfe grollen infernalisch - beim Fahren und beim Flanieren. Beides beherrscht die Italienierin gleichermaßen. Riesiger Tank, riesiger Motor, brachiale Beschleunigung. Ein echter Teufel (ital. diavolo).
Powercruiser, Drehmoment-Gourmets, Kurvenkratzer sind mit der Diavel gut bedient. Schräglage beherrscht sie perfekt, auch wenn ihr manche das auf den ersten Blick nicht zutrauen. Das gewaltige 17-Zoll-Hinterrad (240/45) klebt prächtig auf dem Asphalt. Editionsmodelle halten die Diavel jung.
Triumph Rocket 3
Mehr Hubraum hat kein Serienmotorrad. Mehr Drehmoment auch nicht. Die Rocket 3 ist ein fahrender Superlativ in zweifacher Ausführung. Die Rocket 3 R kommt als Power-Roadster mit sportlicher Sitzposition, die GT als Reiserakete mit Rückenlehne.
Das richtige Bike für Astronauten, Drehmoment-Gourmets, Muskelpakete. Festhalten ist angesagt auf der Rocket 3. Wobei sie einem die Arme nicht schlagartig und brutal langzieht, sondern eher wie ein Bentley - losgelöst von Zeit und Raum.
Honda CMX 1100 Rebel
Mit der CMX 500 Rebel belegt Honda seit Jahren Top-10-Plätze bei den Neuzulassungen. Die Rebel 1100 verdoppelt Leistung und Preis - und bietet als einziger Muscle Cruiser ein Doppelkupplungs- getriebe (DCT). Der Motor stammt aus der Africa Twin.
700 mm beträgt die Sitzhöhe der Honda CMX 1100 Rebel. Damit ist die Person hinterm Lenker dem Asphalt ganz schön nah. Der Look erinnert an klassische Bobber und Cruiser, der Aufpreis fürs empfehlenswerte DCT beträgt 1000 Euro.
Indian Scout Rogue
Kleine Lampenmaske, hoher Lenker, alle Anbauteile in Schwarz - die Indian Scout Rogue macht auf harter Bursche und wird so ihrem Namen gerecht: "Rogue" steht im Englischen für Schurke. Einzelsitz im Sport-Style, 19-Zoll-Vorderrad, druckvolle Beschleunigung - hier geht es ums Überholen.
Einzelgänger, Hartgesottene, Schwarzfahrer haben mit der Indian Scout Rogue sicher ihren Spaß. Drei gedeckte Farbkombinationen stehen zur Wahl: ganz Schwarz, Schwarz-Grau und Schwarz-Grün. Wie ihre Scout-Geschwister steht die Rogue für unverfälschte Dynamik und Riemenantrieb.
Vergleich: Indian Scout Rogue vs. Harley-Davidson Softail Fat Bob 114 FXFBS
Der Indian Scout Rogue mit ihrem 4-Takt 60 Grad V 2-Zylinder-Motor mit Einspritzung und einem Hubraum von 1.133 Kubik steht die Harley-Davidson Softail Fat Bob 114 FXFBS mit ihrem 60 Grad V 2-Zylinder-Motor mit 1.868 Kubik gegenüber. Das maximale Drehmoment der Softail Fat Bob 114 FXFBS von 155 Newtonmeter bei 3.500 Touren bietet einen deutlich stärkeren Punch als die 97 Nm Drehmoment bei 5.600 Umdrehungen bei der Scout Rogue.
Bei der Scout Rogue federt vorne eine Telegabel konventionell mit 41 Millimeter Standrohr-Durchmesser und hinten ein Stereo-Federbeine. Die Softail Fat Bob 114 FXFBS setzt vorne auf eine Telegabel Upside-Down mit 43 Millimeter Standrohr-Durchmesser und hinten arbeitet ein Monofederbein.
Für die notwendige Verzögerung sorgt auf der Indian vorne eine Einzelscheibe mit 298 Millimeter Durchmesser und Zweikolben-Zange und hinten eine Scheibe mit 298 Millimeter Durchmesser und Einkolben-Zange. Die Harley-Davidson vertraut vorne auf eine Doppelscheibe Vierkolben-Zange. Hinten ist eine Scheibe Zweikolben-Zange verbaut.
Bei der Bereifung setzt Scout Rogue auf Schlappen mit den Maßen 130 / 60 - 19 vorne und 150 / 80 - 16 hinten. Für Bodenkontakt sorgen auf der Softail Fat Bob 114 FXFBS Reifen in den Größen 150/80-16 vorne und 180/70-16 hinten.
Der Radstand der Indian Scout Rogue misst 1.576 Millimeter, die Sitzhöhe beträgt 649 Millimeter. Die Harley-Davidson Softail Fat Bob 114 FXFBS ist von Radachse zu Radachse 1.615 mm lang und ihre Sitzhöhe beträgt 710 Millimeter.
In den Tank der Scout Rogue passen 12,5 Liter Sprit. Bei der Softail Fat Bob 114 FXFBS sind es 13,2 Liter Tankvolumen.
Der aktuelle Durchschnittspreis der Indian Scout Rogue beträgt in unserer Neu- und Gebrauchtmotorradbörse 15.383 Euro und ist damit günstiger als der Preis der Harley-Davidson Softail Fat Bob 114 FXFBS mit 17.980 Euro im Durchschnitt.
| Merkmal | Indian Scout Rogue | Harley-Davidson Softail Fat Bob 114 FXFBS |
|---|---|---|
| Motor | 4-Takt 60 Grad V 2-Zylinder | 60 Grad V 2-Zylinder |
| Hubraum | 1.133 Kubik | 1.868 Kubik |
| Max. Drehmoment | 97 Nm bei 5.600 U/min | 155 Nm bei 3.500 U/min |
| Federung vorne | Telegabel, 41 mm | Telegabel Upside-Down, 43 mm |
| Federung hinten | Stereo-Federbeine | Monofederbein |
| Bremse vorne | Einzelscheibe, 298 mm | Doppelscheibe |
| Reifen vorne | 130/60-19 | 150/80-16 |
| Reifen hinten | 150/80-16 | 180/70-16 |
| Radstand | 1.576 mm | 1.615 mm |
| Sitzhöhe | 649 mm | 710 mm |
| Tankvolumen | 12,5 Liter | 13,2 Liter |
| Durchschnittspreis | 15.383 Euro | 17.980 Euro |
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