Raureif glitzert, die Luft ist klar und kalt - für eingefleischte Bikerinnen und Biker ist das aber kein Grund, das Motorrad in der Garage verstauben zu lassen. Doch Motorradfahren im Winter ist eine Herausforderung und erfordert besondere Vorsicht und Vorbereitung. Mit unseren Tipps kommen Sie auch im Winter sicher auf zwei Rädern ans Ziel.
1. Das Motorrad muss Winterfest sein
Bevor Sie sich in die frostige Landschaft wagen, sollten Sie Ihr Motorrad unbedingt gründlich durchchecken. Gerade bei anspruchsvollen Straßenverhältnissen und starken Winden muss alles stimmen: von den Reifen, die Grip auf der Fahrbahn garantieren, über die Bremsen, die bei jedem Zentimeter Bremsweg im Winter entscheidend sind, bis hin zur Lichtanlage, die Sie auch in der dunklen Jahreszeit sichtbar macht. Denken Sie auch an die Batterie, die bei Kälte schnell schlapp machen kann.
Niedrige Temperaturen verlangsamen die chemischen Prozesse in der Batterie und verringern die Ladekapazität. Stellen Sie Ihr Motorrad also am besten in einem trockenen und einigermaßen warmen Raum wie beispielsweise einer Garage ab, damit Sie beim Anlassen keine böse Überraschung erleben. Die Antriebskette ist eines der wichtigsten Bauteile am Motorrad. Sie überträgt die Energie des Motors auf das Hinterrad. Besonders Streusalz und übermäßige Feuchtigkeit greifen das Metall der Kettenglieder an.
Rost und schnellere Abnutzung können die Folgen sein. Regelmäßiges Waschen und Schmieren mit geeinigten Reinigungsmitteln und Ölen entfernt aggressive Salzreste. Lassen Sie es von den Profis in der Werkstatt überprüfen, wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Motorrad wirklich wintertauglich ist.
Gibt es auch Winterreifen für Motorräder?
Da viele Motorradfahrende nur saisonal unterwegs sind, ist das Angebot an Winter- oder Allwetterreifen für Motorräder sehr begrenzt. Eine Winterreifenpflicht besteht nicht. Hier ist sorgfältiges Abwägen wichtig. Wenn Ihre Motorradreifen keine oder nur eine geringe Profiltiefe aufweisen und es für Ihre Maschine keine geeigneten Winterreifen gibt, sollte das Fahrzeug leider eine Winterpause einlegen.
2. Im Winter nur mit dickem Pelz
Fast genauso wichtig wie ein winterfestes Motorrad ist die richtige Kleidung. Egal wie hartgesotten die Bikerin oder der Biker ist: Im Winter brauchen alle ein Outfit, das auf Touren zuverlässig vor Kälte und Nässe schützt. Das Zwiebelprinzip mit mehreren Schichten Kleidung ist ideal, um sich flexibel an wechselnde Temperaturen anzupassen. Warme Funktionsunterwäsche bildet die Basis. Darüber können Sie je nach Vorliebe und Temperatur entweder noch einen Pullover oder direkt die wind- und wasserdichte Motorradkleidung ziehen.
Spezielle Winterhandschuhe schützen die Hände vor Kälte und bieten gleichzeitig ausreichend Griffigkeit am Lenker. Robuste, wasserdichte Stiefel mit hohem Schaft halten Ihre Füße warm und trocken und geben sicheren Halt, auch auf rutschigem Untergrund. Ein geschlossener Helm mit kratzfestem Visier ist wichtig. Diese sogenannten Pinlock-Visiere verhindern Beschlagen beim Atmen oder Temperaturwechsel. Eine Sturmhaube unter dem Helm bietet zusätzlichen Schutz vor der Kälte.
Mit kalten Fingern lassen sich Hebel, Schalter und Lenker nicht mehr einwandfrei bedienen, die Reaktionsfähigkeit nimmt ab. Zur Ausstattung für Winterfahrer gehören gute, wasserdichte und gefütterte Stiefel mit hohem Schaft und genügend Platz im Innern, damit auch bei dickeren Socken die Zehen bewegungsfähig bleiben.
3. Fahrtechnik: Mit Gefühl durch die Winterlandschaft
Doch auch eine perfekte Winterausrüstung nützt nichts ohne angepasste Fahrweise. Im Winter gilt: langsam fahren. Das Fahrverhalten des Motorrads verändert sich, wenn die Straße kalt, nass oder rutschig ist. Fahren Sie vorausschauend, achten Sie auf andere Verkehrsteilnehmende und bleiben Sie besonders aufmerksam und bremsbereit. Halten Sie größere Sicherheitsabstände als im Sommer ein, denn der Bremsweg verlängert sich auf nassen Fahrbahnen. Verzichten Sie auf extreme Schräglagen beim Einfahren in die Kurve, um nicht die Kontrolle über Ihr Motorrad zu verlieren. Besonders gefährlich sind Brücken, schattige Stellen und Waldränder, weil sich dort schnell Glatteis bilden kann. An diesen Stellen ist erhöhte Vorsicht geboten.
Besonders wichtig für Motorradfahrer ist das richtige Verhalten in schwierigen Situationen. In den ADAC Motorrad-Fahrsicherheitstrainings können Biker unter Expertenanleitung die korrekte Lenk- und Kurventechnik sowie das richtige und konsequente Bremsen lernen und üben.
4. Sehen und gesehen werden im Dämmerlicht
Gerade in der dunklen Jahreszeit ist es wichtig, dass andere Verkehrsteilnehmende Sie deutlich erkennen können. Ergänzen Sie Ihre Sicherheitsausrüstung um Reflektoren an Kleidung und Motorrad. Kontrollieren Sie vor jeder Fahrt, ob die Lichtanlage einwandfrei funktioniert. Abblendlicht, Fernlicht, Bremslicht und Blinker müssen intakt sein. Passen Sie Ihre Fahrweise den Lichtverhältnissen an. Gesehen werden - die Lebensversicherung auf dem Motorrad.
Es ist unglaublich wichtig, die Sinne für wechselnde Straßenverhältnisse zu schärfen und vorausschauend zu fahren - noch mehr als bei der sommerlichen Kurvenjagd. Neben den wechselhaften Bedingungen führen auch die immer kürzer werdenden Tage und die tief stehende Sonne dazu, dass die Sicht und Sichtbarkeit der Motorradfahrer abnimmt. Daher ist es ratsam die Lichtanlage wie Scheinwerfer und Blinker auf einwandfreie Funktionsweise sowie richtige Einstellung zu überprüfen.
5. Schnee und Eis? Ab in die Garage
Bei Schnee und Eis steigt die Unfallgefahr enorm. Stellen Sie deshalb Ihr Motorrad in die Garage und benutzen Sie alternative Verkehrsmittel wie Bus, Bahn oder das Auto. Viele Motorradfahrerinnen und -fahrer nutzen Herbsttage für die letzten Ausfahrten des Jahres. Schlechte Sichtverhältnisse, feuchte und verschmutzte Fahrbahnen sowie morgendlicher Raureif erhöhen jedoch das Unfallrisiko.
Schwierige Sichtverhältnisse: Wegen der tief stehenden Sonne ändern sich im Herbst die Licht- und Sichtverhältnisse. Die Blendgefahr wird größer. Andere Verkehrsteilnehmer übersehen Motorräder schon aufgrund ihrer schmalen Silhouette jetzt noch leichter. Liegt dann im Winter Schnee neben der Straße oder ist der Asphalt feucht, ist an sonnigen Tagen die Blendgefahr durch Reflexionen nicht zu unterschätzen. Daher empfehlen die ADAC Experten grundsätzlich eine vorausschauende Fahrweise, damit Sie im Notfall rechtzeitig reagieren können.
Veränderte Straßenverhältnisse: Die Beschaffenheit der Fahrbahnoberfläche birgt hohe Risiken für Biker. Besonders in den Morgenstunden müssen sie mit glatter Fahrbahn durch Nässe und Raureif rechnen. Auf nassem Laub kann es extrem rutschig werden. In ländlichen Gebieten kommt der vermehrte Ernteverkehr dazu, der zu starken Verschmutzungen führen kann ("Bauernglatteis"). Die Folge ist eine erhöhte Sturzgefahr für Motorradfahrer. Vorsichtiges Fahren und gefühlvolles Bremsen sind geboten, extreme Schräglagen absolut tabu. Und auch die niedrigere Fahrbahntemperatur wirkt sich negativ auf den Grip der Reifen aus.
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