Den meisten Fahrern und Fahrerinnen ist die Automatik bei Autos bekannt. Doch wie sieht es bei Motorrädern aus? Mittlerweile werden von vielen Herstellern zahlreiche Schaltgetriebsysteme angeboten. Automatik-Getriebe oder automatisierte Kupplung kommen zu einem Trend auf. Noch sind es wenige, doch es werden immer mehr.
Verschiedene Automatik-Systeme im Überblick
Damit ein Automatikgetriebe wie beim Auto keinerlei Nachteile aufweist, muss es gut abgestimmt sein. Hier ist ein Überblick über die verschiedenen Arten von Automatiksystemen, die derzeit auf dem Markt erhältlich sind:
- Halbautomatik: Bei dieser Variante verfügt das Motorrad über ein herkömmliches Schaltgetriebe mit einer Kupplung, die elektronisch gesteuert wird. Hierbei schaltest du selbst in jeden einzelnen Gang.
- Variomatik: Bei der Variomatik wird die Motordrehzahl gleichbleibend gehalten, indem ein stufenloses Getriebe die Übersetzung ändert. Ein stufenloses Riemengetriebe mit Fliehkraftkupplung hilft dir beim Anfahren. Während der Fahrt hingegen wird der Abstand der Riemenscheibenhälften und damit auch die Übersetzung von einem Stellmotor kontrolliert. Bei der Variomatik hast du die Wahl aus drei Modi: „Sport”, „Touring” und „Rain”.
- Schaltassistent: Der Schaltassistent wurde eher für Sportmaschinen entwickelt. Hier ist zwar kein Schalten ohne Kupplung möglich, dafür aber ein rasanter Wechsel zwischen den Gängen ohne eine Unterbrechung der Zugkraft. Am Schalthebel ist ein Sensor angebracht, der auf Druck reagiert und den bevorstehenden Wechsel registriert. Nur für eine Zehntelsekunde wird dann die Zündung unterbrochen. Du kannst die Gänge gerade so durchreißen, ohne den Gashahn schließen zu müssen.
Historische Modelle mit Automatik
Wer hätte das gedacht? Moto Guzzi brachte 1975 das erste Serienmotorrad mit einem Automatik-Getriebe. Und zwar in Form der V1000 Convert. 1976 brachte Honda die CB 750A Hondamatic. Beiden gemein war der Drehmomentwandler, und: Eigentlich waren das keine Automatik-Getriebe.
Der Wandler der Moto Guzzi wirkte auf eine konventionelle Kupplung, die wiederum ein manuell zu schaltendes 2-Gang-Getriebe mit Kraft versorgte. Dito bei der Hondamatic: Es gab 2 Fahrstufen, die vorgewählt werden mussten. Low und High. Also im Kontext einer Automatik war hier nur der Kupplungs-Vorgang "automatisch". 1982 endete die Zeit der ersten Automatik-Guzzi. Honda baute noch bis 1983 in insgesamt 4 Modelle die Hondamatic ein. Ein weiterer Unterschied zwischen Convert und Hondamatic war: Die Honda hatte einen echten Leerlauf, die Convert nicht. Daher musste beim Start der Moto Guzzi der weiterhin vorhandene Kupplungshebel gezogen werden.
Aktuelle Automatik-Systeme im Detail
Nun könnte die Meinung herrschen, seit 1983 hätte sich viel getan. Doch selbst 2025 hat noch kein Motorrad-Hersteller eine kompromisslose Automatik im Programm. Wobei das DCT von Honda mit berechtigtem Erfolg nahe dran ist, allerdings immer 10 Kilogramm wiegt. Dank neuer mechatronischer Feinheiten und besserer Software setzen seit 2023 unterschiedliche Hersteller auf neue Systeme: von der automatisierten Kupplung bis zum komplett automatisierten Schaltgetriebe mit nur einer Kupplung.
Platzhirsch DCT von Honda
Bereits seit 2010 bietet Honda das Doppelkupplungsgetriebe, kurz DCT an. Ein System wie es damals und heute noch im Auto gern eingesetzt wird und wurde. Vor einem normalen Schaltgetriebe sitzt ein Paket mit 2 Kupplungen, die abwechselnd und automatisch öffnen und schließen. Im Getriebe selbst sind immer 2 Gänge eingelegt, die über verschiedene Eingangswellen von den beiden Kupplungen unter Last geraten. Eine hydraulische Mechatronik übernimmt das Einlegen und Vorwählen der Gänge sowie das Steuern der Kupplungen.
Heute setzt Honda das DCT mit 6 oder 7 Gängen in 7 unterschiedlichen Modellen ein. Das bekannteste dürfte die Gold Wing sein. Weiterhin in den 1100er-Twin der Africa Twin, NT 1100 und Rebel 1100 sowie in den 750er-Modellen NC, Forza und X-ADV. Honda selbst spricht von einem Anteil von 50 Prozent, die mit DCT gekauft werden. Nachteile: Das DCT-Getriebe wiegt 10 Kilo und kostet 1.100 Euro Aufpreis.
E-Clutch von Honda
Einen Schritt unterhalb des DCT rangiert bei Honda seit 2024 die E-Clutch. Ein verblüffend kompaktes System zum automatischen Steuern einer konventionellen Seilzugkupplung. Das Getriebe schaltet weiterhin konventionell, und der Kupplungsbefehl kann auch vom Fahrer über den Handhebel erfolgen. Die E-Clutch regelt den Schlupf der Kupplung beim Anfahren und Anhalten selbstständig. Das System wiegt nur knapp über 3 Kilo und kostet für die beiden 650er-Modelle CB 650 R und CBR 650 R jeweils 400 Euro Aufpreis.
Yamaha einen Schritt weiter mit Y-AMT
Ebenfalls seit 2024 bietet Yamaha optional das Y-AMT für manche CP2- und CP3-Modelle an, also die Familien auf Basis der MT-07 und MT-09. Ebenfalls verblüffend einfach automatisiert Yamaha allerdings nicht nur die Kupplung, sondern die Schaltung gleich mit. Die beiden außerhalb des Gehäuses montierten Aktuatoren erlauben somit einen gänzlich automatisierten Kuppel- und Schaltvorgang. Ebenfalls mit im Kontext DCT hohem Gewichtsvorteil, denn alle Komponenten wiegen nur 2,5 Kilogramm und kosten um 500 Euro Aufpreis zur per Fuß geschalteten Variante. Über die linke Schaltarmatur kann per Fingerdruck ein Gang gewechselt werden, denn die Y-AMT-Modelle haben weder Kupplungs- noch Schalthebel.
BMW mit neuer Automatik ASA
Zum Modelljahr 2024 brachte BMW für die neuen 1300er-Modelle das optionale ASA-System, das für Automated Shift Assistant steht. Ebenfalls als Ergänzung auf das serienmäßige Schaltgetriebe des neuen Boxers übernimmt das ASA das Steuern der Kupplung und Schaltung. Allerdings nicht wie bei Honda und Yamaha mit zusätzlichen Anbauten, sondern komplett intern. Von außen ist es nur am fehlenden Kupplungshebel zu erkennen. Ein Fußschalthebel, der auf die Elektronik wirkt, ist indes vorhanden. Das Gewicht hält BMW mit knapp über 2 Kilo erwähnenswert im Zaun. Den Preis leider nicht: Das Upgrade auf das ASA kostet zwar nur 865 Euro, es ist aber nur in Verbindung mit dem Dynamik-Paket für 1.695 Euro zu haben.
KTM mit neuem AMT
Kurz nach BMW stellte KTM ein vergleichbares System vor. Ebenfalls komplett in das Motorgehäuse integriert, übernimmt das AMT das Schalten des Getriebes. Die Kupplungsfunktion steuert indes die Physik, in Form einer Rekluse-Kupplung, einer Fliehkraftkupplung. Deswegen verfügt das AMT über eine Parksperre des Getriebes. Eingesetzt werden sollte das neue AMT in den 1390-Modellen von KTM: Konjunktiv? Korrekt: Mit der Insolvenz von KTM seit Ende 2024 zog sich der einzige Hersteller der hochkomplizierten Schaltereinheiten zurück. Stand Ende Mai 2025 ist das AMT bei KTM nicht verfügbar.
MV Agusta kuppelt physikalisch
Die Rekluse-Kupplung bei MV Agusta ist eine recht lange Geschichte. Was bei Motorrollern Standard ist, bleibt bei Motorrädern die Ausnahme: ein Automatikgetriebe.
Vor- und Nachteile von Automatikgetrieben bei Motorrädern
"Mit Automatikgetriebe wird das Motorradfahren für einige angenehmer und entspannter", sagt Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat. Achim Kuschefski, Leiter des Instituts für Zweiradsicherheit, sieht das ähnlich: "Eine Automatik dient zu allererst der Verbesserung des Komforts. Vor allem auf langen Strecken wird die Kupplungshand geschont." Seiner Meinung nach kommt aber nicht für jeden Biker eine Maschine mit Automatik infrage. Und dass die Technik die konventionelle Schaltung verdrängen wird, glaubt Kuschefski auch nicht. "Motorräder sind häufig Sportgeräte, bei dem die Fahrer bewusst schalten wollen."
Eine Automatik sei bei Motorrädern mehr wie ein Fahrerassistenzsystem zu sehen: "Der Fahrer kann sich besser auf die Verkehrsbeobachtung konzentrieren" - davon profitierten gerade Fahranfänger. "Ein gut abgestimmtes Automatikgetriebe hat wie bei einem Auto keine Nachteile", sagt Reiner Brendicke, Hauptgeschäftsführer des Industrie-Verbands Motorrad (IVM). Die voll- und halbautomatischen Systeme, die inzwischen mehrere Motorradbauer für einzelne Modelle anbieten, unterscheiden sich teils stark - ein Überblick:
Beispiele für Motorradmodelle mit Automatikgetriebe
Unter den Automatik-Motorrädern gibt es eine Vielzahl verschiedener Modelle.
- Honda DN-01: Im Jahr 2008 erschien die DN-01 von dem Hersteller Honda. Sie ist eine Mischung aus Roller und Cruiser und besticht besonders mit ihrer Haifisch-Optik. Statt über ein Zahnrad-Getriebe verfügt das Bike über eine hydraulische Kraftübertragung mit Kardan-Einarmschwinge. Die Honda DN-01 überzeugt damit, dass sie keine Probleme beim Anfahren mit Fliehkraftkupplung aufweist. Dieses Modell fasziniert vor allem mit dem ausgeklügelten Antriebskonzept. Ein ruckfreies Schalten ohne eine Zugkraftunterbrechung ist hiermit möglich. Vor allem auf längeren Touren macht dieses Bike dank rasanter Beschleunigung Spaß. Der Motor des Bikes ist ein Erbe eines Großrollers plus Fliehkraftkupplung und Variomatik.
- Aprilia Mana 850 GT: Die Aprilia lässt sich in stufenloser Übersetzung in drei Modi vollautomatisch fahren. Allerdings kannst du sie auch in sieben Stufen mit Hand oder Fuß bewegen, ohne zu kuppeln. Ein nicht gerade herkömmliches Getriebe heißt aber auch, dass du im Stand keinen Gang einlegen kannst.
- BMW: Die BMW bleibt sich mit ihrem Sechsganggetriebe und Ölbadkupplung vollkommen treu. Bei der eingebaute Schaltassistenz kannst du nicht automatisch schalten. Es wird jedoch das schnellere Hochschalten ohne den Griff an den Kupplungshebel ermöglicht. Bei der BMW musst du nicht einmal mehr den Gasgriff schließen, sondern kannst sogar unter Volllast schalten. Darum ist dieses Bike besonders bei Rennfahrern beliebt. Das Bike setzt auf eine elektrohydraulische Betätigung vom herkömmlichen Zahngetriebe und Kupplung. Läuft keine Zündung, kannst du keinen Gang einstellen oder abstellen.
Weitere Modelle mit Automatikgetriebe
- Honda Africa Twin DCT: Die Honda Africa Twin ist eine beliebte Adventure-Bike-Option mit dem Dual Clutch Transmission (DCT) System von Honda.
- BMW F 850 GS Adventure: Die BMW F 850 GS Adventure ist ein vielseitiges Adventure-Bike, das mit dem BMW Motorrad Automatic Stability Control (ASC) System ausgestattet ist.
- Yamaha FJR1300AE: Die Yamaha FJR1300AE ist ein Sporttourer-Modell mit dem Yamaha Chip Controlled Shift (YCC‑S) System.
- Suzuki Burgman 650 Executive: Der Suzuki Burgman 650 Executive ist ein Maxi-Scooter mit einem stufenlosen Automatikgetriebe.
Überblick über verschiedene Automatiksysteme
Die voll- und halbautomatischen Systeme, die inzwischen mehrere Motorradbauer für einzelne Modelle anbieten, unterscheiden sich teils stark:
- Doppelkupplungsgetriebe (DCT): Was im VW-Konzern das DSG ist, ist in der Motorradabteilung von Honda das DCT (Dual Clutch Transmission) - ein kompaktbauendes Doppelkupplungsgetriebe. Für 1000 Euro Aufpreis bieten die Japaner dieses vollautomatische Sechs-Gang-Getriebe für die Modelle NC700S, NC700X, Crosstourer und VFR 1200 F an. Beim motorradähnlichen Großroller Integra gehört es zur Serienausstattung. Von der Automatik kann der Fahrer auf Knopfdruck in den Modus "Manuell" wechseln und dann die Gänge per Wippschalter am Lenker selbst einlegen. Die Gangwechsel erfolgen schnell und weich ohne Zugkraftunterbrechung. Bei der Reiseenduro Crosstourer entscheidet sich laut Honda mittlerweile die Hälfte der Kunden für das automatisierte Getriebe, bei den 700ern seien es rund 20 Prozent.
- Halbautomatik: Einen anderen technischen Weg geht Yamaha bei der FJR 1300 AS (mindestens 19.795 Euro). Der Sporttourer verfügt über ein konventionelles Schaltgetriebe mit elektronisch gesteuerter Kupplung. Jeder Gangwechsel geht vom Fahrer aus, wahlweise per Schalter am linken Lenkerende oder klassisch mit dem linken Fuß. Nur beim Anhalten wechselt das Getriebe von allein die Fahrstufe, wenn die Funktion "Stop Mode" aktiviert ist: Dann wird bei stark verlangsamter Fahrt automatisch der erste Gang eingelegt. Die Schalt- und Kupplungsarbeit übernehmen zwei Stellmotoren. Einer baut den hydraulischen Druck für das Ein- und Ausrücken der normalen Kupplung auf, der andere aktiviert das Getriebe.
- Variomatik: Fast jeder Roller fährt mit einer Variomatik. Das stufenlose Getriebe hält die Motordrehzahl konstant und ändert dafür die Übersetzung. Es ist sehr kompakt und günstig in der Herstellung. Aprilia setzt bei der Mana 850 GT (mindestens 10.650 Euro) auf ein vergleichbares System. Zum Anfahren dient hier ein elektronisch gesteuertes, stufenloses Riemengetriebe mit Fliehkraftkupplung. Während der Fahrt kontrolliert ein Stellmotor den Abstand der Riemenscheibenhälften und damit die Übersetzung. Voreingestellte Übersetzungsstufen simulieren sieben Gänge. Der Fahrer kann zwischen drei Automatik-Modi wählen: "Sport", "Touring" und "Rain" für Regenfahrten. Im manuellen Modus wird per Hand oder Fuß geschaltet, erklärt Kuschefski.
- Schaltassistent: Eher für Sportmaschinen ist der Schaltassistent konzipiert. Er erlaubt zwar kein vollautomatisches Schalten, dafür aber einen schnellen Gangwechsel ohne zu kuppeln und somit ohne Zugkraftunterbrechung. Ein Sensor am Schalthebel registriert bei Druck einen anstehenden Wechsel und unterbricht für eine Zehntelsekunde die Zündung. Die Schaltklauen werden kurz entlastet und der nächste Gang rastet zügig ein. Der Fahrer muss nicht einmal den Gashahn schließen, sondern kann die Gänge durchreißen. Das ermöglicht eine rasante Beschleunigung und Schalten in Schräglage.
BMW zum Beispiel bietet einen Schaltassistenten für seine Modelle S1000 RR, K1300 R und K1300 F für 365 Euro Aufpreis an, der Supersportler HP4 (mindestens 20.500 Euro) hat ihn serienmäßig. Und Ducati setzt diese Technik bei seinen Sportmaschinen 1199 Panigale (mindestens 19.650 Euro) und 848 Evo Corse SE (mindestens 15.650 Euro) ein.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Verfügbarkeit von Motorrädern mit Automatikgetriebe je nach Markt und Hersteller variieren kann.
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