Motorrad Beheizte Handschuhe Test Vergleich

Klamme Finger am Motorrad sind nicht nur unangenehm, sondern können auch sicherheitsrelevant sein. Insbesondere für Ganzjahresfahrer stellen beheizte Handschuhe eine interessante Option dar. Wir geben Ihnen einen Überblick, was der Markt in diesem Bereich so bietet.

Warum beheizte Motorradhandschuhe?

Ein Motorrad wird wesentlich über die Hände gesteuert, weshalb die Finger stets warm und somit einsatzfähig gehalten werden sollten. Bei 5 Grad und kälter mit klassischen Winter-Motorradhandschuhen dürfte man bemerkt haben, dass die Wärme der Griffheizung nur schwer durch die dicke Handschuhschicht bis zur Innenhand dringt, während die Oberhand und die Finger im eiskalten Fahrtwind ausharren müssen.

Genau dort setzen beheizbare Winterhandschuhe für Motorradfahrer an, denn sie beheizen für gewöhnlich Finger und Hände von der Oberseite.

Was zeichnet gute Motorradhandschuhe aus?

Motorradhandschuhe gehören wie Helme, robuste Stiefel oder Schuhe mit Protektoren zur persönlichen Schutzkleidung. Sie zeichnen sich durch abriebfeste Materialien aus Kunstfasern und/oder Leder mit aufgesetzten oder eingearbeiteten Protektoren an besonders gefährdeten Bereichen wie der Handkante oder den Fingerknöcheln aus. Ob sie mit kurzer oder langer Stulpe und mit oder ohne atmungsaktive sowie wasserdichter Membran ausgerüstet sind, ist Geschmackssache und hängt vom individuellen Einsatzzweck ab.

Die Modellvielfalt ist groß und reicht vom leichten und knapp geschnittenen Handschuh für Offroad-Fahrten hin zum dick gepolsterten und wasserdichten Winterhandschuh. Die hier getesteten wasserdichten Tourenhandschuhe müssen ein kleines Kunststück vollbringen, da sie einen relativ weiten Einsatzbereich abzudecken haben.

Gleichzeitig soll ein möglichst enger Sitz mit Bewegungsspielraum und guter Fingerfertigkeit für die Bedienung aller Hebel und Schalter am Lenker gegeben sein. Zudem sollte das Navigationsgerät zumindest rudimentär bedienbar sein, ohne die Handschuhe ausziehen zu müssen.

Standard ist bei geprüften Motorradhandschuhen die Kennung „EN 13594:2015“. Nach dieser Prüfung werden zum Beispiel Verstellsystem, Reißfestigkeit, Nahtstärke, Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit, Fingerfertigkeit und Knöchelprotektoren zertifiziert.

Als Knöchelschutz beispielsweise haben sich ergonomisch geformte Hartschalen gegenüber schlagdämpfendem, aber weichem Material durchgesetzt. Die harten Protektoren sollten allerdings nicht zu schmal auf dem Handrücken ausfallen, weil der Tragekomfort bei geballter Hand ansonsten leiden kann.

Gute Handschuhe sind zudem auf der Innenseite an der Handkante mit aufgesetzten (gepolsterten) Lederstücken oder eingearbeiteten Kunststoffprotektoren ausgerüstet. Damit soll die Hand beim reflexhaften Abstützen möglichst unbeschadet bleiben.

Wenn der Hersteller auf dem Handrücken, an Fingergelenken und besonders am Daumen Stretcheinsätze verarbeitet hat, kommt das dem Tragekomfort sehr zugute.

Die Qual der Wahl - Einzelne Modelle im Fokus

Hier werden einige Modelle von beheizbaren Motorradhandschuhen verglichen, um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern.

IXS Season-Heat-ST

Zunächst schreckt der Preis der IXS Season-Heat-ST im Webshop für Damen und Herren ab: Knapp 300 Euro für ein Paar Handschuhe sind viel Geld. Dafür bekommt man einen top verarbeiteten, wasserdichten Handschuh, der alle Sicherheitsfeatures bietet, die man für diesen Preis erwartet.

Tatsächlich erhält man nicht nur ein paar Handschuhe, sondern zwei, durch die (entnehmbaren) Heizelemente lassen sich die Season-Heat-ST nämlich auch bei tiefen Temperaturen fahren, für die die Polsterung alleine deutlich zu dünn wäre.

Schließlich ersetzt der IXS Season-Heat-ST den Winterhandschuh und den Handschuh für die Übergangszeit im Herbst oder Frühjahr bzw. Es wird nicht immer geheizt!

Die Bluetooth-Verbindung ist nur für das Einrichten der Handschuhe und für die Anzeige von Ladestatus, Statistiken, wie der Heiz-/Temperierperiode etc.

Die Heizelemente, die zwischen Außenseite und Futter verlegt sind, sorgen dafür, dass die Wärme dort ankommt, wo sie benötigt wird, nämlich an den Handrückseiten. Fahrer mit Griffheizung kennen das Problem: Die Handflächen glühen bereits, während die Außenseite friert.

Folglich bietet die Kombination aus Handguards, Griffheizung und Handschuh die Idealvariante, da so von allen Seiten Wärme zu den Händen gelangt.

Ein Unterschied zu Mitbewerbern ist dabei nicht festzustellen, auch bei feuchten Verhältnissen tut der IXS Season-Heat-ST genau, was er soll - die Hände des Fahrers warm und trocken halten.

Die weitenverstellbaren Stulpen mit Wassersperre tragen das ihrige dazu bei, dass auch nach längeren Etappen im Regen keine Feuchtigkeit in den Handschuh dringt.

Auch in einer anderen Kategorie performed der Handschuh nicht auf dem, in diesem Fall jedoch erwartbaren, hohen Level: Die beworbene Touchfunktion von Daumen und Zeigefinger funktioniert nicht, wie man es von einem Produkt in dieser Preisklasse erwartet.

Der Season-Heat-ST ist vom Schnitt her auf der kleinen Seite. Eine Hilfestellung bietet IXS mit der Größentabelle, die aus unserer Erfahrung aber ebenfalls einen zu kleinen Handschuh empfiehlt.

Die große Stulpe, die den Akku beherbergt, kann bei dicken Winterjacken eng werden. In diesem Fall spürt man die Energiespender am Arm, die sich sonst unaufdringlich im Handschuh verbergen.

Eines vorweg: Das Verwenden der Handschuhe während des Ladevorgangs ist beim IXS Season-Heat-ST konstruktionsbedingt nicht möglich, der Akku wird über denselben Anschluss geladen, der auch die Verbindung zur Verkabelung im Handschuh darstellt.

Bei ausgedehnten Touren und niedrigen Temperaturen macht es absolut Sinn, das Ladegerät mitzuführen und die Akkus in der Mittagspause etwas nachzuladen. Auf diese Weise kommt man im Regelfall auch über 10 Stunden locker durch.

Während der Testperiode hatte ich bei einer konstant eingestellten Wohlfühltemperatur von 26 Grad im Hochwinter bei -5 Grad Außentemperatur noch 55% Akkustand nach einer ca. 90 minütigen Fahrt auf einer Reiseenduro ohne Griffheizung und mit Handguards, während bei Temperaturen von +5 Grad mit der gleichen Reiseenduro (bei aktivierter Griffheizung) noch knapp 80% Akkuleistung nach 90 Minuten zur Verfügung standen.

Nennt man einen IXS Season-Heat-ST sein Eigen, braucht man daneben nur noch ein paar leichte, perforierte Sommerhandschuhe.

Die Verarbeitung und die verwendeten Materialien sind hochwertig und robust, der Handschuh schlägt sich auch bei Nässe vorbildlich. Die reichlich verbaute Technik funktioniert zuverlässig und die Funktionen des IXS Season-Heat-ST sind über die App zugänglich einstell- und nutzbar. Wer auf die Bedienung eines Smartphones mit Handschuhen verzichten kann, wird mit dem IXS Season-Heat-ST auf jeden Fall glücklich.

Büse Open Road Touring

Der Büse Open Road Touring ist beinahe rundum perfekt gelungen. Er wird mit langer Stulpe durch zwei Klettriegel sicher fixiert.

Trotz Fütterung konnte der Hersteller die Fingerfertigkeit erhalten. Blinker, Lichtschalter und Hupe lassen sich gut ertasten - die Schaltflächen des Navigationsgerätes zielsicher betätigen. Auch das Smartphone-Display (ohne Schutzfolie) reagiert auf Berührung.

Hebel sind gut erreichbar und lassen sich ermüdungsfrei bedienen und unter der Dusche zeigt der „Open Road“ eine Stärke und bleibt dicht.

Der Handschuh mit relativ langer und weiter Stulpe lässt sich auch über der Jacke tragen. Durch zwei Klettriegel ist er sicher und praktisch unabziehbar an der Hand fixiert.

Obwohl der Handschuh leicht gefüttert ist, konnte der Hersteller die Fingerfertigkeit durch guten Schnitt erhalten. Blinker- und Lichtschalter, Hupe oder Fernlichthupe lassen sich ebenso gut ertasten wie die Schaltflächen des Navigationsgerätes. Auch die Smartphone-Oberfläche reagiert auf Berührung - nur bei dem Handy-Testmodell mit Folie zum Kratzschutz passiert nichts.

Held Bilbao WP

Der Held Bilbao WP greift nur knapp am Testsieg vorbei. Der Motorradhandschuh Held Bilbao WP passt wie angegossen. Schnitt, Proportionen und Stretch-Einsätze an den Fingern ergeben eine perfekte Passform, die Beweglichkeit am Lenker und während der Fahrt ist uneingeschränkt.

Die Fingerfertigkeit ist sehr gut, auch die Bedienung vom Navi sowie dem Smartphone läuft zuverlässig. Bei der Ausstattung punktet der Handschuh mit einer Lasche am Bündchen und einem Visierwischer. So ist das Bündchen lediglich mit einem Klettriegel versehen und in Kombination mit dem dehnbaren Material in dem Bereich lässt sich der Handschuh selbst bei eng geschlossenem Riegel mit mäßiger Kraft von der Hand ziehen.

Richa Nasa 2

Trotz kleiner Unzulänglichkeiten gibt der Richa Nasa 2 ein gutes Gesamtbild ab. Ein Regenguss kann dem günstigen und wasserdichten Richa Nasa 2 nichts anhaben. Und wenn Regen auf dem Visier getrübte Aussichten bringt, hilft der Gummiwischer am linken Zeigefinger. Mit zwei Riegeln lässt sich der Handschuh sicher fixieren und der breite und harte Knöchelschutz ist vertrauenerweckend.

An der Bedienung der Navigationselektronik ist kaum etwas auszusetzen, lediglich das Smartphone mit Schutzfolie will nicht auf Befehle reagieren. Der Handschuh mit langer Stulpe ist nur leicht gefüttert und eher für wärmere Tage geeignet.

Spidi Rainwarrior H2Out

Der Kampf unter der Dusche ging im Test verloren: Der Spidi Rainwarrior H2Out zeigte sich links am Mittel- und am kleinen Finger undicht und wäre umgehend als Retoure vom Feld gegangen.

Auch die Ausstattung mit lediglich einem breiten und dehnbaren Klettriegel an der kurzen Stulpe sorgt nicht für perfekten Schutz. Der harte Knöchelschutz ist sehr schmal und passt von den Abständen her nicht zur Standardhand. Das kann sich bei langen Touren unangenehm bemerkbar machen.

Ansonsten gefällt der top verarbeitete Handschuh gut. Er lässt sich mit einer kleinen Schlaufe mühelos anziehen und passt dann mit perfektem Schnitt und Proportionen einwandfrei.

Alpinestars Drystar XF

Auch beim Alpinestars Drystar XF gibt es im Dichtigkeitstest einen kleinen Wassereinbruch, hier am linken Zeigefinger, dieses Modell würde zurück zum Shop gehen. Eine fehlende Wischlippe für Regentropfen auf dem Visier fällt da etwas weniger ins Gewicht.

Die Pluspunkte sind aber deutlich zahlreicher, unterm Strich zeigt der Handschuh ein gutes Ergebnis. Eine Lasche hilft beim Anziehen, der Klettriegel ist gut greifbar und Stretcheinsätze sorgen für sehr gute Beweglichkeit, was bei langen Touren hilft. Der recht harte Knöchelschutz ist breit genug, passt damit zur Handschuhgröße und gibt ein sicheres Gefühl. Auch die Fingerfertigkeit an Schaltern und Knöpfen ist fein und ermöglicht weitgehend zielgenaue Bedienung.

Weitere getestete Produkte

Hier ist eine tabellarische Übersicht weiterer getesteter Produkte im Vergleich:
Produkt Max. Temperatur Wasserdicht Besonderheiten
Savior Heat Beheizte Handschuhe 65,5 ℃ Ja Isolationsschicht aus Baumwolle, enthält Lammfell
Barchi Heat Store UK-BH03-S 65 ℃ Ja 3 Heizstufen wählbar, Touchscreen-Funktion
Savior Heat S67G 60 ℃ Wasserabweisend 3 Heizstufen wählbar, kurze Akku-Ladezeit
Alpenheat AG1 Keine Angabe Nein 3 Heizstufen wählbar, solide Akku-Laufzeit
Sun Will SG041 65,5 ℃ Wasserabweisend 3 Heizstufen wählbar, kurze Akku-Ladezeit
Day Wolf DW67EL 65,5 ℃ Ja 3 Heizstufen wählbar, kurze Akku-Ladezeit
Aroma Season Beheizbare Handschuhe 55 °C Ja Heizt schnell auf, leistungsstarker Akku

Tipps und Tricks

  • Praxistipp: Eine Nummer größer ordern!
  • Die Kombination aus Handguards, Griffheizung und Handschuh bietet die Idealvariante, da so von allen Seiten Wärme zu den Händen gelangt.

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