Motorradfahren mit Beifahrer: Tipps für eine sichere und angenehme Fahrt

Motorradfahren zu zweit ist ein besonderes Erlebnis, das jedoch eine gute Vorbereitung und Abstimmung erfordert. AUTO BILD gibt Ihnen die besten Tipps, damit die Motorradtour mit Beifahrer zum sicheren Genuss wird.

1. Der Sozius-Eignungscheck fürs Motorrad

Nicht jedes Motorrad ist ideal für den Soziusbetrieb geeignet. Das Motorrad muss für den Soziusbetrieb ausgelegt sein. Damit scheiden schon einige Bobber-Versionen von aktuell beliebten Retro-Bikes aus, denn sie setzen auf Einzelsitze.

Verfügt das Bike über einen zweiten Sitz, sollte der bequem und rutschfest sein und eine angenehme Sitzposition mit nicht allzu stark angewinkelten Knien ermöglichen. Was sich für den mit Beschleunigen, Bremsen, Kuppeln und Schalten beschäftigten Fahrer perfekt anfühlt, kann für den weitgehend passiven Sozius nach einigen Kilometern zur Tortur werden.

Das gilt etwa für asymmetrisch angeordnete Fußrasten oder eine minimale Sitzpolsterung auf dem Heck eines Supersportlers. Eigene Haltegriffe für den Beifahrer sind nicht unbedingt notwendig, weil sich der Sozius primär am Fahrer festhalten sollte, aber sie sind kein Nachteil. Im Idealfall hat die Maschine ein einstellbares Fahrwerk, das das zusätzliche Gewicht und die veränderte Fahrdynamik abbilden kann.

2. Die Vorbereitung von Bike, Fahrer und Beifahrer

Die Vorbereitung für eine Motorradtour zu zweit sollte einige Zeit vor dem Start beginnen. Speziell unerfahrene Beifahrer neigen dazu, großen Respekt vor dem Motorradfahren zu haben. Einseitige oder gegenseitige Bedenken spricht man am besten offen an und macht beispielsweise Zeichen für "Alles OK" oder "Zu schnell" aus.

Dass der Sozius dem gleichen Unfallrisiko ausgesetzt ist wie der Fahrer und daher über die gleiche Sicherheitskleidung verfügen sollte, versteht sich von selbst. Durch das höhere Gewicht auf dem Hinterrad verändert sich die Fahrdynamik. Das Beschleunigen verliert an Zackigkeit, der Bremsweg wird länger.

Die vorderen Federn und Dämpfer werden weniger stark belastet, die hinteren mehr. Um das auszugleichen, sollte(n) hinten die Feder(n) vorgespannt werden. Lässt sich das Fahrwerk einstellen, können gleichzeitig noch die Druck- und die Zugstufe erhöht werden. Wer kann, sollte zudem die Dämpfung der Gabel etwas härter drehen, damit das Vorderrad beim Bremsen nicht so stark eintaucht.

Der hintere Reifen kann mehr Luftdruck vertragen, er darf gerne auf den in den Fahrzeugpapieren angegebenen Maximalwert gebracht werden. Schließlich ist es sinnvoll, die Einstellung des Scheinwerfers zu überprüfen, um bei Dunkelheit keine entgegenkommenden Fahrzeuge zu blenden.

3. Das richtige Verhalten an Bord

Die gemeinsame Fahrt sollte von Rücksicht auf die Bedürfnisse des anderen und Kommunikation geprägt sein. Klar, am einfachsten lässt es sich mit Hilfe einer Sprechanlage zwischen den Helmen kommunizieren. Doch auch beim Stopp an der Ampel und per Handzeichen lässt sich einiges klären.

Der Fahrer sollte sanft anfahren und sachte abbremsen, damit der Beifahrer keinen Schrecken bekommt. Außerdem sinkt so die Wahrscheinlichkeit, dass die Motorradhelme aneinanderknallen. Ihre Stellung sollte jedoch die Option bieten, sich bei scharfem Bremsen vor dem Fahrer am Tank abzustützen.

Immens wichtig ist, dass der Beifahrer sich auf den Fluss der Bewegung einlässt und sich keinesfalls gegen die Schräglage lehnt! Am einfachsten finden Beifahrer in den Fluss der Bewegung hinein, wenn sie dem Fahrer jeweils auf der Kurveninnenseite über die Schulter schauen.

4. Die No-Gos während des Ausflugs zu zweit

Beteuerungen passen zur genussvollen Motorradtour zu zweit genauso wenig wie Beschwichtigungen. Der Beifahrer sollte unabhängig von seiner Erfahrung mitfahren wollen und dem Fahrer vertrauen. Genauso tabu wie Überholen auf Tuchfühlung sind hohe Geschwindigkeiten und heftige Schräglagen.

In die Schräglage sollten sich Fahrer und Beifahrer am besten gemeinsam hineintasten. Am Ende liegt es am Fahrer, den Beifahrer auf Unebenheiten im Asphalt hinzuweisen. Er muss mit Schlaglöchern genauso umgehen wie der Fahrer, kann sie aber vermutlich nicht sehen.

5. Was man sonst noch beachten sollte

Neben ausgiebiger Kommunikation stehen regelmäßige Pausen ganz oben auf der Prioritäten-Liste für die Ausfahrt mit Beifahrer. Kurzes Strecken von Armen und Beinen beim Ampelstopp reicht nicht aus.

Die Distanzen zwischen zwei Stopps wachsen am besten mit der Erfahrung des Beifahrers. Das Körpergewicht hat beim Motorradfahren einen wesentlich größeren Anteil am Gesamtgewicht als beim Autofahren. Außerdem kann sich auch die kleinste Bewegung des Beifahrers auf die Dynamik und Fahrtrichtung des Motorrads auswirken.

Am komfortabelsten für den Beifahrer ist sicher, wenn er sich an deinen Schultern oder (so vorhanden) an einem günstig gelegenen Haltegriff deines Motorrads festhält und (wenn er von links aufsteigt) mit dem linken Fuß auf seinen Fußraster steigt und dann wie auf ein Pferd aufsteigend das rechte Bein über den Sattel und den Körper in den Sattel schwingt. Deshalb musst du festen Stand mit möglichst weit nach außen gestreckten Beinen am griffigen Erdboden haben und du musst den Lenker entschlossen und fest im Griff haben, den Tank mit deinen Innenschenkeln zusätzlich stabilisierend.

Wo hält sich der Beifahrer besonders beim starken Beschleunigen an? Wie kann er sich bei stärkeren Bremsungen abstützen? Im Grunde gibt es zwei Varianten, die bei Soziusfahrten erfolversprechend sind: 1.) Der Beifahrer hält sich am Fahrer an. 2.) Der Beifahrer findet genug Haltegriffe, an denen er sich in jeder Fahrsituation richtig festhalten kann.

Bei manchen Touringmodellen oder großen Adventure-Motorrädern gibt es sogar Topcase-Varianten mit Rückenlehne, die das nach hinten Rutschen des Beifahrers verhindern. Der Vorteil dieser Variante: Der Fahrer fährt, als hätte er einfach mehr Gepäck. Der Nachteil: Dem Beifahrer muss bewusst gemacht werden, dass jede seiner Bewegungen Auswirkungen auf die Fahrlinie haben kann.

Der Beifahrer muss möglichst starr mit Körperspannung am Motorrad sitzen! So findest du die beste Sitzposition deines Beifahrers! Bei der Fußstellung sollte man sich auch abstimmen. Natürlich will auch der Beifahrer so komfortabel sitzen wie möglich.

Durch die 2. Person wird also alles schwerer. Der Schwerpunkt erhöht sich geringfügig und ist weiter hinten. Das bedeutet auch: ein anderes Fahrverhalten. Die Fuhre wird träger, vor allem in der Kurve, sie fällt langsamer in Schräglage. Sie lenkt auch anders.

All diese Veränderungen des Fahrverhaltens deines Motorrads solltest du kennen und beherrschen. Durch eine deutliche Schwerpunktverlagerung nach hinten kann eher der Negativeffekt Pendeln eintreten. Außerdem ist noch zu beachten, wie viel Gepäck man zu zweit mitnehmen kann.

Nicht nur die Kurvenfahrtechnik Drücken braucht ein eingespieltes Team am Motorrad. Deshalb musst du dir als Fahrer, wenn du zum ersten Mal mit einem neuen Beifahrer unterwegs bist, immer mehr Reserven bei deinen Fahrmanövern halten.

Man kann sich natürlich haptische Zeichen ausmachen, um während der Fahrt miteinander zu kommunizieren, etwa Klopfen auf den Oberarm. Viele eingespielte Fahrer-Beifahrer-Paare wählen die angenehmere aber technisch aufwendigere Form: Intercom.

Wir haben schon besprochen, dass das Balancieren bei langsamer Fahrt schwierig ist. Deshalb empfiehlt es sich, dass der Beifahrer in solchen Fahrsituationen besonders ruhig am Motorrad sitzt und keine plötzlichen Bewegungen macht.

Beim Gangwechsel oder eigentlich bei jeder ruckartigen Geschwindigkeitsänderung, kann es vorkommen, dass die Helme von Fahrer und Beifahrer aneinander klopfen oder peppeln, wie Motorradfahrer im Alpenraum sagen. Das ist eigentlich ein Zeichen dafür, dass der Fahrer nicht mitgedacht hat oder dass der Beifahrer zu wenig Körperspannung hatte.

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Mit Sozius ändert sich das Fahrverhalten des Bikes wesentlich - setzen Sie sich deshalb zuvor mit den entsprechenden Anpassungen von Bremsen, Reifendruck und Dämpfung auseinander.

Der Sozius umfasst hierzu am besten die Taille des Fahrers, damit beim Beschleunigen und auch während der Fahrt enger Kontakt besteht. Beim Bremsen stützen sich die Hände des Beifahrers - falls möglich - am Tank ab.

Der Blick des Mitfahrenden über die Schulter des Fahrers verhindert das Zusammenschlagen der Helme und führt automatisch zur richtigen Haltung bei der Kurvenfahrt in Schräglage. Dabei muss der Sozius immer über die Fahrerschulter blicken, die sich zur Innenseite der Kurve neigt.

Wichtigste Regel für Mitfahrer: Bei Schräglage nie dagegen legen, das kann bis zum Sturz führen. Der Fahrer sollte niemals das Vertrauen seines Sozius enttäuschen. Wilde Ritte und Kurvenkratzen auf der Fußraste sind tabu, sie führen zu Angst und Verkrampfung.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein: • Das Kind trägt einen geeigneten Helm. • Das Kind kann so auf der Sitzbank des Motorrads sitzen, dass es die Füße auf den Fußrasten platzieren kann (eventuell muss die Höhe entsprechend angepasst werden). • Das Kind kann sich sicher festhalten. • Das Kind trägt Schutzkleidung (z. B. Jacke, Hose, Handschuhe, Stiefel und Warnweste). • Du hast die Erlaubnis der Eltern minderjähriger Beifahrer.

Zusammenfassend lässt sich sagen

Sicherheit hat auch für den Beifahrer bzw. die Beifahrerin oberste Priorität. Manchmal treibt das aber den Gesetzgeber zu seltsamen Regelungen. So schreibt der TÜV zur Soziustauglichkeit nicht nur eine Sitzbanklänge von mindestens 60 cm vor, sondern auch eine Möglichkeit, dass sich der Motorrad Beifahrer festhalten kann.

Motorradfahren mit einem Beifahrer ist eine besondere Herausforderung, die jedoch mit der richtigen Vorbereitung und Einstellung zu einem unvergesslichen Erlebnis werden kann. Achten Sie auf die Sicherheit, kommunizieren Sie offen und genießen Sie die gemeinsame Fahrt!

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