In Münster und anderswo sind Rockerclubs seit Langem ein Thema, das oft mit Kriminalität, Rivalität und einer gewissen Faszination verbunden ist. Die Geschichte dieser Clubs ist vielschichtig und reicht von den Ursprüngen in den USA bis zu den Auseinandersetzungen in Deutschland.
Die Anfänge und Entwicklung
Die Geschichte der Rockerclubs beginnt in den USA. Die Hell's Angels sind älter, der weltweit größte und berühmteste Club feierte in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag. Die Angels wurden kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von ehemaligen Crews einer Bomberstaffel der US-Luftwaffe gegründet. Die Bandidos kommen aus Texas, 1966 von Marines, Vietnam-Veteranen, ins Leben gerufen.
In den Achtzigern entstanden die ersten Ableger in Frankreich, später in Skandinavien. Kaum hatten die Angels in Berlin vor knapp zwei Monaten ein neues Clubheim eröffnet, erhielten sie auch schon Begrüßungsbesuch der Bandidos: Es war nachts um halb eins, als zwei hochrangige Berliner Angels in der Nähe ihres Treffs plötzlich von hinten mit Macheten und Holzknüppeln angegriffen wurden.
Im November 1999 schloss sich ein anderer deutscher Motorradclub den internationalen Bandido-Strukturen an. Beide Banden kommen aus den USA und wurden von Kriegsveteranen gegründet - sie betrachten sich als die Elite unter den weltweiten Motorradclubs.
Der militärische Hintergrund erklärt auch die straffe Hierarchie, den Hang zu Symbolen und Orden, bis hin zur Lederjacke als Uniform. Die Clubfarben Gold und Rot gehen auf die Insignien der US-Marines zurück. Nach der Fusion mit weiteren Clubs expandierte die Gang vor allem in den 60er Jahren nach Europa.
Die Rivalität zwischen Hells Angels und Bandidos
Hell's Angels gegen Bandidos, Rocker gegen Rocker - für Außenstehende mag der Unterschied nicht größer sein als der zwischen Pepsi und Coke. Doch zwischen den Beteiligten herrscht der blanke Hass. Der Krieg zwischen den »Engeln« und den »Banditen« hat international eine lange Geschichte.
Der Mord von Ibbenbüren ist dabei nur der vorläufige Höhepunkt eines Rockerkriegs, eine von vielen Schlachten zwischen den Muskelmännern auf Motorrädern quer durch die Republik, mit Schüssen in Cottbus, Machetenangriffen in Berlin und bewaffneten Überfällen auf der Autobahn. Im Mai 2007 endete der Verdrängungskampf für Robert K. tödlich.
Auge um Auge, Zahn um Zahn, so lautet das Gesetz dieses Krieges, bei dem es fast alttestamentarisch um die vermeintliche Ehre, aber - ganz Moderne - auch um wirtschaftliche Interessen und Gebietsansprüche geht. Die Gruppen kontrollieren weite Teile der Türsteherszene, und wer die Türen kontrolliert, der kontrolliert auch die Drogen in den Clubs und Discotheken des Landes.
Kriminelle Aktivitäten und das Geschäft der Rocker
Beim Rockerkrieg geht es um ein Finanzvolumen von jährlich vielen Millionen Euro, zu den Geschäftsfeldern zählen Waffenhandel, Glücksspiel, Schutzgelderpressung, Bars und Bordelle. Die Banden seien »gut vernetzt«. Die Bandidos fuhren deshalb am 19. Mai 2007 bei D. zu Hause vor. »Die wollten meine Frau verprügeln.
D.s Beschreibungen zufolge sind die Rockerclubs kriminelle Banden mit kleinbürgerlichen Zügen. Mitgliedsbeiträge werden teilweise per Lastschriftverfahren eingezogen. Daneben jedoch gab es laut D. in Münster eine sogenannte Tomatenkasse, in die »sämtliche Einnahmen aus den Geschäften mit Koks, Waffen und Frauen« eingezahlt worden seien.
Zeitweise lagen rund 70 000 Euro Bargeld in der schwarzen Kasse, die wie eine Hausbank funktionierte: Führende Bandidos konnten sich daraus Geld leihen, um eigene Geschäfte zu finanzieren - mussten aber den Kredit und Teile des Gewinns wieder einzahlen. D. berichtete auch von Maschinenpistolen, Handgranaten und abgesägten Schrotflinten der Bandidos: »Ich kannte keinen, der keine Waffe hatte.«
Als Nebenjob hat D. mit Bandido-Komplizen Schulden eingetrieben. Wenn er dafür die Genehmigung vom Chef des Chapters hatte und der am Erlös beteiligt wurde, hatte er freie Hand. Ein Discobesitzer aus dem Westfälischen schickte die Rocker für ein paar hundert Euro zu einem Spediteur, der dann so lange »bearbeitet wurde, bis er sich nicht mehr rührte«.
Einmal habe er mit vier weiteren Komplizen, ausgerüstet mit Maschinenpistole und Schrotflinten, »Jagd auf 'Angels' gemacht«. Im kommenden Monat soll in Münster das Urteil gesprochen werden. Die Sicherheitsbehörden rechnen mit weiteren tödlichen Attacken. Denn die Bruderschaften akzeptieren keine Gesetze und Richtersprüche - außer ihre eigenen.
Der Ehrenkodex und seine Folgen
Auf eine Zusammenarbeit mit anderen Gangmitgliedern kann die Polizei nicht hoffen. Im Münsteraner Prozess stützt sich die Staatsanwaltschaft mangels Zeugen auf Indizien. "Der Ehrenkodex verbietet es den Mitgliedern ohnehin, mit der Polizei zu paktieren", erklärt LKA-Mann Jungbluth. Verstoßen Mitglieder gegen diese Regel, werden sie vom Club ausgeschlossen.
Angeblich müssen Aussteiger nicht nur ihre Harley dem Club überlassen, ihnen droht auch Vergeltung. "Das kann Lebensgefahr für diese Leute bedeuten", sagt Jungbluth. "Einmal Bandido, immer Bandido", soll das Motto angeblich lauten. Der Ex-Bandido hat umfassend ausgesagt - weil er um das Leben seiner Familie fürchtete.
Die rechtliche Situation und Verbote
Dass die Gangs in Deutschland nicht verboten sind, liegt an rechtlich hohen Hürden: Man müsste nachweisen, dass der Verein kriminelle Zwecke verfolgt. Einzelne Chapters wurden geschlossen, doch die Mitglieder verteilten sich dann auf andere Chapters oder Clubs.
Der spektakulärste Schlag gegen die Motorradrocker-Szene war der NRW-Polizei vor sieben Jahren gelungen. Im Jahr 2000 lagen genug Beweise vor, um den "Bandidos"-Club in Düseldorf zu schließen. Auch in Hamburg wurde nach erfolgreichen Ermittlungen eine Clubauflösung erreicht.
Die andere Seite der Rocker: Mythos und Realität
Bis heute umweht die Rocker ein Hauch von Großstadtromantik, als ginge es in ihren ordentlich angemeldeten Motorradclubs nur um Bier, Bike und Busen, um eine Bruderschaft mit archaischen Riten. Machos, klar, Mafia, nein. Doch die Aussagen Rolf D.s und die martialischen Aufmärsche an den Prozesstagen in Münster haben nichts zu tun mit der Easy-Rider-Romantik der amerikanischen Highways, jenem Mythos von Freiheit und Männlichkeit. Sie führen in eine kriminelle Welt mit Kokain und Knarren vom Kaliber 7,65 Millimeter.
Für Rocker zählten allein »Ehre, Achtung, Kameradschaft und die Liebe zum Bike«, erklärt er. Die Berichte von saufenden, prügelnden Chaoten mit viel PS und wenig IQ seien alle übertrieben, der Phantasie von Journalisten und Polizisten entsprungen. Buddy, 43, ist seit acht Jahren Mitglied der Angels und singt das Hohelied der Gemeinschaft: »Konflikte Einzelner sind stets auch Konflikte der Gruppe«, erklärt Buddy, als wären die Angels so etwas wie Musketiere der Arbeiterwohlfahrt: »Wer keinen Job hat, dem besorgen wir einen, rumhängen geht nicht.«
Berliner Polizisten bezeichnen die Rockerclubs als »Kriminelle auf Rädern« und befürchten, dass der Kampf um die Vorherrschaft gnadenlos wird. Wer sich an einem Angel direkt vor deren neuem Club vergreife, der wisse genau, worauf er sich einlasse: »Der geht aufs Ganze und muss mit Vergeltungsaktionen rechnen«, so ein Berliner LKA-Ermittler.
Weitere Motorradclubs: Blue Knights
Neben den bekannteren und oft negativ dargestellten Rockerclubs gibt es auch andere Motorradclubs, die sich durch ihre Gemeinnützigkeit und ihr soziales Engagement auszeichnen. Ein Beispiel dafür sind die Blue Knights.
Die Geschichte der "Blue Knights - International" begann 1974 in den USA, in der Stadt Bangor, im Bundesstaat Maine. Hier gründeten einige Polizeibeamte den Polizeimotorradclub "Blue Knights" (Blaue Ritter), wobei das Blau für die Farbe ihrer Uniformen stand. Im Vordergrund stand von Anfang an das familienfreundliche Motorradfahren. So waren Familienfeste und Grillabende immer fest eingeplant.
Auf Raser und Pseudorennfahrer wurde kein Wert gelegt. Zu diesem sozialen Engagement kam aufgrund ihres Berufes das Thema Verkehrssicherheit hinzu. Hier wurde insbesondere der Bereich der Neueinsteiger aufgegriffen, um diese besser auf ihre schweren Maschinen vorzubereiten und für ihr Verhalten im Straßenverkehr zu schulen. Die Blue Knights unterstützen weltweit bedürftige Organisationen, Kindergärten, Verbrechensopfer etc. mit Spenden und aktivem Tätigwerden.
Bereits vor einigen Jahren trugen sich einige unserer Mitglieder mit dem Gedanken, ein Chapter zu gründen. Da die Kenntnisse über die Blue Knights damals jedoch noch recht nebulös waren, verlief diese Idee zunächst im Sande. Bei der Autobahnpolizei Münster wurde seit etlichen Jahren eine schon als traditionell zu bezeichnende Motorradtour der Motorradfreunde durchgeführt.
Das gab die entscheidende Initialzündung zur Gründung unseres Chapters, das am 15.05.2001 von Polizisten der Autobahnpolizei Münster und des Polizeipräsidiums Münster gegründet wurde und mittlerweile rund 40 Mitglieder umfasst. Unser Wappen besteht aus drei Teilen und zeigt im oberen linken Bereich eine für das Münsterland charakteristische Bockwindmühle, oben rechts ist das Münsteraner Rathaus dargestellt, in dem 1648 der "Dreißigjährige Krieg" beendet und damit der "Westfälische Friede" geschlossen wurde.
Der 1. Harley-Davidson-Club Monasteria
In Roxel trifft sich der 1. Harley-Davidson-Club Monasteria. In der Gaststätte Kortmann wird geklönt, und die nächsten Ausfahrten werden geplant. „Seit 1997 gibt es den Club schon“, erzählt der erste Vorsitzende Theo Schulte-Sienbeck. Damals hatten einige Harley-Enthusiasten die Idee, einen Verein zu gründen, um sich auszutauschen und dem Kult zu frönen.
24 sind es derzeit, und jeder hat so seine eigene Geschichte, wie er zum US-amerikanischen Kult-Motorrad kam. Die Harley sei einfach ein Mythos, sagt einer. „Das war ein Jugendtraum von mir“, meint Franz-Josef Beckjürgen, der zweite Vorsitzende des Vereins: „Ich habe mir gesagt: Irgendwann in deinem Leben fährst du eine Harley!“
Motorradclub Appelhülsen (MCA)
Benzingeruch zog durch die Straßen von Appelhülsen, knatternd kamen motorisierte Zweiräder mit ihren Besitzern aus allen Richtungen des Landes. Weit über 2500 Motorradfahrer konnten die Organisatoren so im Laufe des Sonntags auf dem Platz am Bürgerzentrum begrüßen. Die Motorradfahrer und Motorradfahrerinnen kamen in ihrer schwarzen Kluft und unter den Helmen ganz schön ins Schwitzen.
MCA-Mann Wolfgang Rokitta war mit seinen Clubkollegen voll im Einsatz, hatte ganz glänzende Augen angesichts der vielen schönen Maschinen. Aber egal ob Kreidler, BMW oder Ducati GTS, ob Münch oder Zündapp. Jede Maschine hatte ihre Geschichte, war mit viel Liebe zum Detail und Geschick restauriert worden und wurde am Sonntag mit berechtigtem Stolz in Appelhülsen den Kennern und Fans motorisierter Zweiräder präsentiert.
Die Welt der Motorradclubs ist vielfältig und widersprüchlich. Sie reicht von kriminellen Machenschaften und gewalttätigen Auseinandersetzungen bis hin zu sozialem Engagement und der Pflege einer gemeinsamen Leidenschaft für das Motorradfahren. Die Geschichte der Motorradclubs in Münster und Deutschland ist somit ein Spiegelbild gesellschaftlicher Entwicklungen und individueller Lebensentwürfe.
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