Die Geschichte der Motorradclubs in Wuppertal ist facettenreich und von verschiedenen Einflüssen geprägt. Einblick in die Entwicklung, Verbindungen und Kontroversen einiger dieser Clubs.
Die Anfänge und Entwicklung der "Ghost Gang MC"
Der "Ghost Gang MC", der von Schwelm bei Wuppertal aus agiert, wurde 2003 in Wuppertal als Abspaltung des "Bandidos MC" und des "Ghostrider MC" gegründet. Von den Strafbehörden wird er der OMCG-Szene zugerechnet, wobei OMCG für "Outlaw Motorcycle Gang" steht, was eine Zuordnung zur Organisierten Kriminalität bedeutet. Das Gros der Member ist seit Jahrzehnten in der Rocker-Szene aktiv, erheblich kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten und hat bereits zum Teil mehrjährige Freiheitsstrafen verbüßt.
Ein Beispiel hierfür ist der ehemalige "Ghost Gang"-Präsident, der 1993 wegen Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung, Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, das Waffengesetz sowie das Kriegswaffenkontrollgesetz zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt wurde. Haftstrafen tragen innerhalb der Rocker-Szene zur Reputation bei und verbessern das Standing im eigenen Club.
"Loyalität", "Respekt" und "Ehre" zählen zu den identitätsstiftenden Werten der Szene, die häufig als Rechtfertigung für gewalttätige Konflikte herangezogen werden. Wie beispielsweise am 5. Oktober 2013 in Iserlohn, als sich Mitglieder des "Ghost Gang MC" gewalttätige Auseinandersetzungen mit dem verfeindetem "Mongols MC" lieferten. Die Kontrahenten gingen mit Messern und Baseballschlägern aufeinander los, wobei ein 35-jähriger, dem "Ghost Gang MC" zugehöriger Mann einen Schädelbruch erlitt.
Nicht selten werden bei solchen Auseinandersetzungen im Rocker-Milieu auch scharfe Waffen eingesetzt, mit denen die Clubs ihre "illegalen" Geschäfte abzusichern versuchen. In der jüngeren Vergangenheit versuchen laut Angaben von Strafbehörden auch immer mehr Rocker, über einen Sportschützenverein auf legalem Weg an Schusswaffen zu gelangen.
Verbindungen zu Neonazis und rechtsextremen Gruppierungen
Immer öfter ist der von Schwelm bei Wuppertal aus agierende Motorrad-Club „Ghost Gang MC“ in letzter Zeit durch seine Nähe zu Neonazis aufgefallen. Um in der umkämpften Rocker-Szene bestehen zu können, ist den Membern an einer Rekrutierung von geeignetem „Nachwuchs“ gelegen. Bevorzugt wird versucht, Mitglieder aus gewaltaffinen Szenen wie Kampfsportler, Türsteher oder Hooligans zu rekrutieren. Von ihnen werden sich Tugenden wie Schlagkraft und Loyalität versprochen. Auch sind diese mit dem Prinzip Unterordnung in hierarchischen Strukturen vertraut. Nicht selten werden hierbei auch Neonazis als neue „Brüder“ rekrutiert.
Beim Ghost Gang MC spielt hierbei die Clubaufnahme von Benjamin Schmoranz eine zentrale Rolle. Schmoranz kann als Kristallisationsfigur des „Ghost Gang MC“ betrachtet werden, da er maßgeblich an der Einbindung extrem rechter Aktivisten in den MC beteiligt ist und dessen Image prägt.
Der 1987 geborene Schmoranz gehörte Mitte der 2010er Jahre als „Prospect“ dem Kölner Chapter des Bandidos MC an und lebte in Leverkusen, wo er zuvor offenbar auch der rechten Hooligan-Szene angehörte. Damals nannte er sich „Ben Schulz“. Das Kölner Chapter des „Bandidos MC“ löste sich Anfang 2019 auf, nachdem es zu brutalen Auseinandersetzungen mit den „Hells Angels“ in der Region gekommen war.
Anschluss fand Schmoranz dann beim „Ghost Gang MC“ und erzeugte aufgrund seines auffälligen Erscheinungsbilds sehr schnell Aufmerksamkeit. Auf der rechten Gesichtshälfte trägt er eine großflächige Spinnennetztätowierung und dazu den Schriftzug „Loyality“, mit dem er optisch das Image als „Outlaw“ bedient und damit eine jüngere Generation von „Followern“ anspricht.
Zahlreiche Fotos in den Sozialen Medien, auf denen Schmoranz mit neuen „Prospects“ und alten Membern des „Ghost Gang MC“ zu sehen ist, deuten darauf hin, dass er als Bindeglied zwischen den Generationen im Club fungiert. Die Bedeutung für den Club drückt auch sein Aufstieg zum „Secretary“ aus, womit er nun für den Schriftverkehr des Clubs zuständig ist, nachdem er zuvor auf seiner Kutte noch den Rang „Probationary“ und den Zusatz „Favella Crew“ trug.
Bei der „Favella Crew“ scheint es sich um eine Art Nachwuchsorganisation der „Prospects“ des MC zu handeln. Der Kampfhund-Liebhaber Schmoranz unterhält enge Kontakte zur extremen Rechten und ist bestens mit dieser vernetzt.
Am 21. Januar 2022 nahm er in Dortmund an der Beisetzung von Siegfried Borchardt teil. Bereits zuvor war er am 9. Oktober 2021 Teilnehmer des etwa 600-köpfigen Trauermarsches für „SS-Siggi“ - ebenso wie hochrangige neonazistische Kader wie u. a. der Brite William Browning, Gründer und Europa-Chef der in Deutschland verbotenen Organisation „Combat 18“, und deren Deutschland-Chef Stanley Röske aus Eisenach.
Auf Röske traf Schmoranz nur wenige Monate später erneut, als er am 29. Januar 2022 an einem klandestinen Treffen im „Flieder Volkshaus“ der NPD in Eisenach teilnahm. An dem Abend trafen sich militante Neonazi-Strukturen aus dem Spektrum und Umfeld von „Combat18“ / „Blood & Honour“ und der extrem rechten Kampfsportgruppe „Knockout 51“ aus Eisenach.
Neben Schmorenz ließen sich für ein gemeinsames Gruppenbild u. a. auch der „Oidoxie“-Frontmann und BoH-Präsident Marko Gottschalk, der Dortmunder Neonazi Steven Feldmann und Mitglieder von „Knockout 51“ vor einer Hakenkreuzfahne ablichten. Dass Gottschalk zu Schmoranz ein besonders enges Verhältnis pflegt, belegt auch seine Teilnahme an der im Juni 2023 stattgefundenen Hochzeit von Schmoranz, an der er mit weiteren BoH-Mitgliedern in deren Kutten teilnahm.
BoH bekennt sich u. a. durch die C18-Losung „whatever it takes“ und dem Code „28FF28“ („Blood & Honour Forever, Forever Blood & Honour“) zu den in Deutschland verbotenen Organisationen „Blood & Honour“ und „Combat 18“ und zeigt sich als deren Repräsentant.
Nach Schmoranz haben sich noch weitere Akteure aus der extremen Rechten dem „Ghost Gang MC“ als neue „Bruderschaft“ angeschlossen. Zum Beispiel vermutlich 2021 die Düsseldorfer Sascha Vasic und Dennis Busch, die als Aktivisten der von Düsseldorf aus agierenden „Bruderschaft Deutschland“ (BSD) und darüber hinaus als Teilnehmer von extrem rechten Demonstrationen bekannt waren.
Die aus rechten Hooligans, Neonazis, Türstehern und Rockern bestehende „Bruderschaft Düsseldorf“, die sich offenbar im Sommer 2016 in Düsseldorf gründete, trat als clubähnliche Gruppierung auf, die vom Style und Habitus an die Rocker-Szene anknüpfte (vgl. LOTTA #74, S. 30 ff.). Im Zuge der Ermittlungen des Generalbundesanwalts zur Terrorgruppe „Gruppe S“ fanden am 1. April 2020 auch bei Mitgliedern der BSD Hausdurchsuchungen statt.
Repression, antifaschistischer Widerstand und der Rückzug wichtiger Kader führten letztendlich 2022 zur Auflösung der BSD, die bereits 2021 kaum noch sichtbar war. Der Umstieg einzelner BSD-„Brüder“ in die Rocker-Szene muss dabei nicht gleichzeitig ihren Ausstieg aus der extremen Rechten bedeuten.
Insbesondere extrem rechte „Bruderschaften“ und MCs sind sich in ihrer Struktur und Organisation sehr ähnlich. Es gibt eine hierarchische und elitäre Struktur, eine starke Gruppenidentität, die durch einheitliche Kleidung und Symbolik gestärkt wird, Zugangshürden für potenzielle Mitglieder sowie konspiratives Verhalten und breite Netzwerke.
Beide Organisationsstrukturen sind exklusiv männlichen Personen vorbehalten und weisen sowohl einen ähnlichen Habitus als auch ideologische Gemeinsamkeiten auf. Dass es sich beim Einstieg des Hooligans und Türstehers Sascha Vasic als „Prospect“ in den „Ghost Gang MC“ nicht um einen politischen „Ausstieg“ aus der extremen Rechten handelte, sondern wohl lediglich um einen „Umstieg“ in ein neues Milieu, verdeutlichten seine weiteren Teilnahmen an neonazistischen Aufmärschen und enge Anbindung an die Dortmunder Neonazi-Szene.
Kontakte nach Dortmund dürften beim Aufbau des neonazistischen Netzwerkes von Schmoranz eine besondere Rolle gespielt haben, gilt die lokale Szene doch als eine Art Kristallisationspunkt der neonazistischen Rechten in NRW. Und so sind beispielsweise auch Dortmunder Neonazis auf Veranstaltungen in der „Ghost Castle“ anzutreffen.
Ob Vasic den streng hierarchischen Weg, der innerhalb der MCs herrscht, geschafft hat, ist unklar. Als neuer „Prospect“ aus der Neonazi-Szene hat sich Dominik Brandes aus Goslar dem „Ghost Gang MC“ angeschlossen. Brandes ist seit 2015 in verschiedenen neonazistischen Organisationen aktiv.
So nahm auch er an dem bereits beschriebenen klandestinen Treffen im „Flieder Volkshaus“ in Eisenach teil und gehörte zu derjenigen Gruppe, die vor einer Hakenkreuzfahne posierte. In diesem Sinne lässt sich auch der Aufdruck von Brandes‘ Pulli, mit dem er 2023 an der 1.-Mai-Kundgebung in Braunschweig auftrat, als politisches Bekenntnis interpretieren: „Defend your tradition“.
Aber Brandes ist nicht der einzige überregionale Neuzugang. Seit dem Treffen im „Flieder Volkshaus“ kreuzen sich die Wege der neonazistischen Eisenacher Kampfsportgruppe „Knockout 51“ und die des „Ghost Gang MC“ immer wieder. So waren die „Knockout 51“-Mitglieder Nils Ackermann und Benjamin Sode nicht nur bei der „Ghost Gang“-Party am 15. April 2023 zu Gast, sondern auch bei der Feier zum 20-jährigen Bestehen des MC am 19. August 2023.
Dort präsentierte Ackermann sich stolz als neuer „Prospect“ des „Ghost Gang MC“. Der Kampfsportler Sode wird als Kämpfer für den „Ghost Gang MC“ bei dem Kampfsportevent „Airfield Rumble“ in Lahr (Schwarzwald/Baden-Württemberg) am 30. September 2023 angekündigt.
Dass sich zwei „Knockout 51“-Mitglieder den Rockern des „Ghost Gang MC“ angeschlossen haben, ist durchaus brisant: Vier Mitglieder von „Knockout 51“ müssen sich seit August 2023 vor dem Oberlandesgericht in Jena wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruch verantworten. Ackermann und Sode sind zwar nicht im laufenden Prozess angeklagt, aber laut Presseberichten wird gegen die beiden Thüringer in einem gesonderten Verfahren als Mittäter und Unterstützer ermittelt.
Die "Osmanen Germania" in Wuppertal und ihre Verbindungen
Im ganzen Land sind türkische Rockergruppen, wie die "Osmanen Germania" entstanden - heimatverbunden, gewalttätig und mit besten Kontakten nach Ankara. Der deutsche Staat besucht Hamit Paksoy zur Mittagszeit. Es ist ein stiller Februartag in Wuppertal, nur vom Bolzplatz um die Ecke dringt das Scheppern der Metallzäune durch die Opphofer Straße, vorbei an Bülents Kiosk und dem türkischen Supermarkt gegenüber.
Der deutsche Staat klopft nicht an, sondern schlägt die Tür ein. Hamit Paksoy kommt aus dem Badezimmer, er trägt nur ein Handtuch um die Hüften, als die Beamten des SEK in die Wohnung stürmen. "Auf den Boden! Auf den Boden!", schreien sie.
Die Polizisten wissen, auf wen sie treffen. Man hat sie, so heißt es später, auf den Einsatz präzise vorbereitet. Hamit Paksoy, 43, türkischer Rockerpräsident von Wuppertal, sei kein besonnener Mann, hat man sie gewarnt. Es gibt verschiedene Versionen davon, was in den nächsten Sekunden dieses 9. Februar 2018 passiert.
In der Version der Polizei heißt es, dass Paksoy einen Gegenstand in der Hand hält, der sich später als ein Handy herausstellen wird. Und dass zur gleichen Zeit eine Blendgranate explodiert, was klingt wie ein Schuss. Der Beamte, der Paksoy gegenübersteht, drückt den Abzug.
In einer anderen Version, die Paksoys Frau einer türkischen Zeitung erzählen wird, gleicht der Einsatz einer "Hinrichtung". Fest steht, dass um 12.16 Uhr eine Neun-Millimeter-Kugel Paksoy trifft. Es ist das Ende einer kurzen Karriere. Und der Beginn einer neuen Zeit.
Vier Wochen später stürmen 1000 Beamte 60 Wohnungen, Klubhäuser und Lagerräume in ganz Deutschland. Im Visier: die "Osmanen Germania", ein türkischer Rockerklub, der sich binnen kurzer Zeit zum Sammelbecken für Nationalisten, Religiöse, Abgehängte und Kriminelle entwickelt hat. Sie geben vor, ein "Boxklub" zu sein.
Es ist bereits die zweite Großrazzia gegen die Osmanen. Wie aus dem Nichts waren die Türken in Lederkutten aufgetaucht. Sie formierten sich in verschiedenen Gruppen, "Osmanen Germania", "Turan", "Turkos", "Osmanen Muhacir". Die Osmanen Germania wachsen am schnellsten. 2015 gegründet, explodiert ihre Mitgliederzahl innerhalb kürzester Zeit.
Die nationalistischen Osmanen Germania verehren den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und seine AKP. Die faschistischen "Turan" hingegen träumen von einem Großtürkischen Reich, das von Japan bis Norwegen gehen soll, ihr Ziel ist die "Vereinigung der Turanischen Rasse".
Erstmals traten die Turan bei einer Demonstration in Duisburg 2016 auf. Männer in schwarzem Leder brüllten "Turan!" und formten die Finger zum Wolfsgruß, einer Art Hitlergruß auf Türkisch.
Ihre Mitglieder verbindet die Mentalität der Großväter - oder zumindest die Vorstellung davon. Ehre, Stolz, Loyalität. Die Angst vor "Assimilation", vor der Erdogan die deutschen Türken warnt. Das Empfinden, hier nicht angekommen zu sein.
Die Geschichte von Hamit Paksoy, dem Osmanen-Präsidenten von Wuppertal, erzählt von alldem. Es ist eine Geschichte über Politik, Kriminalität und Geheimdienste. Sie handelt von türkischer Wut und Machogehabe, von der Gier nach Geld und Anerkennung.
Ilhami Özden kannte Hamit Paksoy schon lange. Seitdem der als 20-Jähriger zu Özden in den Boxklub marschiert war und getönt hatte: "Ich will kämpfen!" Deshalb war Özden überrascht, dass Paksoys Tod selbst in der Türkei so hohe Wellen schlug. Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" titelte: "Polizisten richten unbewaffneten Türken hin." In der Moschee, sagt Özden, hätten alle von nichts anderem geredet.
Türkische Zeitungen beschrieben Paksoy als einen Vorzeigetürken. Als Familienvater, der gerade auf dem Weg in die Moschee gewesen sei, als er von einem "Deutschen erschossen wurde". Dabei, sagt Özden, habe er Hamit Paksoy nie in der Moschee beten sehen. "Hamit war ein Gangster."
Einmal seien vier Türken aus Holland in Ilhami Özdens Studio aufgetaucht und hätten nach Hamit gesucht. "Die wollten den umlegen, weil er sie verarscht hat", sagt Özden. Das sei auch ein Grund gewesen, warum Hamit sich vor gut zwei Jahren den Rockern angeschlossen hatte.
Hamit Paksoy wird bei einem großen Treffen der Osmanen als der neue Präsident von Wuppertal vorgestellt. Er steht auf einer Empore, gleich neben dem Frankfurter "World-Präsidenten" Mehmet Bagci, Mitte 40, Chef aller Osmanen. Paksoy zeigt seinen bulligen Oberkörper, trägt das Haar kurz rasiert, die rechte Hand hält er aufs Herz. "Blut und Ehre, Osmanen Germania!", brüllen die Männer.
Mehrere Hundert Mitglieder sind angereist, ihre Lederkutten spannen über aufgepumpten Muskeln, darauf das Logo: ein vermummtes Gesicht in Türkisch-Rot. Die meisten sind Türsteher, Zuhälter, Drogendealer. Sie küssen sich, nennen sich "Bruder".
Lindau sei eines der größten Treffen der Osmanen gewesen und eine Art "Rausch", sagt Django. Überall hatten die Osmanen damals neue Chapter gegründet, auch in Österreich und der Schweiz. Nach dem "Meeting" wurde im Saal noch ein Video gedreht. Django sagt, es sei die Mischung gewesen. Rocker sein, "mit Kutte und allem". Stark sein. Eine Bruderschaft, "aber eben auf Türkisch".
Viele Deutschtürken sind empört. Das Gedicht empfinden sie als Kriegserklärung auch an sie selbst. In ganz Deutschland gehen Türken auf die Straße. Auch weil es in der fernen Heimat Anschläge gegeben hat und Erdogan die Kurden dafür verantwortlich macht.
Sie treten mittlerweile als "Sicherheitskräfte" für die türkischen Demonstranten auf, um sie vor den Kurden zu "schützen". Türkische Verbände haben sie eigens dafür engagiert. Von "3500" jungen Türken, die "Jugendliche von der Straße holen" und Erdogans Politik auch in Deutschland unterstützten, schrieb die Zeitung "Sabah".
Die Osmanen haben während der Demo ihre Kutten angezogen, das wiederum hat die "Bahoz" provoziert, eine kurdische Rockergruppe, die sich als Antwort auf die Türkenrocker formiert hat. In einer dieser Nächte wird Hamit Paksoy, der "Neue", für die Osmanen zum Helden.
Es ist der 22. April, als ihm und seinen Männern ein 26-jähriger Bahoz über den Weg läuft. Die Männer ziehen Messer und Macheten. Noch in derselben Nacht brüstet sich Hamit Paksoy vor den Frankfurter Chefs, die Sache zu erledigen, bevor der Kurde aussagen kann. So berichten es zwei voneinander unabhängige Zeugen.
Gegen 1.30 Uhr setzt sich Paksoy demnach mit einem seiner Leute ins Auto und fährt zum Krankenhaus, um den Bahoz-Jungen zu töten. Dort stehen auf dem Parkplatz Männer mit Baseballschlägern, es ist dunkel, Paksoy hält sie für Osmanen und ruft: "Gehört ihr zu uns?" Da stürmen die Männer schon auf ihn los - es sind Bahoz. Ein Baseballschläger trifft Paksoy am Kopf.
Es war die erste Probe des Wuppertaler Präsidenten. Und möglicherweise sein erster, wenn auch gescheiterter Mordanschlag. In einem Prozess, in dem die Bahoz-Männer wegen des brutalen Überfalls auf Hamit Paksoy verurteilt wurden, kam dessen eigener mutmaßlicher Mordplan nicht zur Sprache.
Schon länger werden zu dieser Zeit die Chefs der Osmanen von den Behörden abgehört. In einem Telefonat, das nur ein paar Tage nach dem Vorfall vor dem Ludwigsburger Krankenhaus mitgeschnitten wurde, sagt Osmanen-Chef Bagci, die Osmanen würden jetzt das "PKK-Ding", die Kurdensache in Stuttgart, regeln. Die Polizei hört ebenfalls, wie Bagci in dem Telefonat mit "sehr guten Kontakten" zum türkischen Geheimdienst prahlt. Die Ermittler gehen inzwischen von einem türkischen Netzwerk auf deutschem Boden aus.
Immer wieder taucht in den abgehörten Gesprächen auch der Name Metin Külünk auf. Külünk ist Abgeordneter der AKP, ein Mann mit kurzem grauem Haar und Koboldgesicht. Er ist ein Jugendfreund Erdogans. In Deutschland treffen die Osmanen Metin Külünk erstmals Anfang April 2016, einige Wochen vor den Ausschreitungen in Stuttgart. Die Rocker fungieren an diesem Tag als persönlicher Sicherheitsdienst Külünks bei einem Kongress der UETD in Köln. Sie gilt als Lobbypartei der AKP in Deutschland.
Am 1. Juni 2016, kurz bevor der Bundestag das Massaker an den Armeniern zu einem Genozid erklären wird, treffen sie wieder auf Külünk. Hamit Paksoy und etwa 40 weitere Osmanen fahren mit zwei Reisebussen nach Berlin, um den Protest der Türken gegen die Resolution zu "sichern".
Dabei waren zwei Jahre zuvor in Deutschland Kurden und Türken in den Rockerklubs noch "Brüder". Begonnen hatte alles bei den Hells Angels. Ein türkisches Mitglied, Aygün Mucuk, hatte die erste "Untergruppe" für Migranten gegründet. Türken, Kurden, Albaner, Italiener, "alle zusammen". Auch Mehmet Bagci, der spätere Osmanen-Chef, und sein Cousin waren Mitglieder.
Erdogan suchte zu dieser Zeit immer mehr den Konflikt mit dem Westen. Bagci war ein glühender Fan. Er wollte nun auch bei den Rockern die rote Fahne mit dem Halbmond schwingen. Türke sein! Das Problem sei, sagt Django, "dass wir auch für die Deutschen immer die Türken geblieben sind". Dabei seien sie in Wahrheit keine Türken mehr.
Als Bagci, sein Cousin und einige andere Männer die Osmanen Germania gründeten, gingen die Kurden auf die Barrikaden, sie wollten auch politisch sein. So seien die Bahoz entstanden. Nicht zuletzt wegen der Kurden wuchs wiederum in Ankara der Wunsch, eine "paramilitärische Truppe im Ausland" zu haben, behauptet Django. Die Osmanen hätten "Potenzial" gehabt - wären nicht zu viele Männer wie Hamit Paksoy dabei gewesen. "Immer mit dem Kopf durch die Wand", keine Selbstbeherrschung.
Ein paar Wochen nach der Berliner Demo, Anfang August 2016, explodiert in Saarbrücken eine Handgranate in einer kurdischen Shisha-Bar. Bahoz haben zuvor einen Osmanen verprügelt. Die Frankfurter Chefs ordneten daraufhin an, Hamit Paksoy solle entscheiden, wie die Sache zu regeln sei. "Hamit war überfordert, völlig von der Rolle", sagt ein Informant, der damals dabei war. Er habe einfach entschieden, "dass die Männer eine Handgranate auf das Wohnhaus werfen", in dem sich die Bar befindet.
Hamit Paksoy beginnt immer mehr die Kontrolle zu verlieren. Er kifft bei den Meetings des Wuppertaler Chapters, er trinkt im "Bella Vita", einer italienischen Spelunke, bis in den Morgen Bier - in seiner Kutte. Bei Altrockern wie den Hells Angels oder den Bandidos müssen Anwärter monatelang Toiletten putzen, bevor sie dazugehören. Paksoy hingegen hat sich den Präsidententitel bei den Osmanen für 500 Euro gekauft.
Den Osmanen ging es vor allem um Wachstum. Je mehr Chapter, desto besser. "Das war generell das Problem", sagt Django. "Die Ungeduld und zu wenig Disziplin.
Immer öfter schläft Hamit Paksoy jetzt auch bei einem der Mädchen, die für ihn anschaffen gehen. Seiner Frau, die zu Hause mit den drei Kindern wartet, kauft er zur Beruhigung Pelze. Paksoys Drogengeschäfte, die er nun auch in Hessen und im Saarland betreibt, laufen durch den Klub besser denn je.
In Gummersbach werden später 1,8 Tonnen Rohmaterial für die Herstellung der synthetischen Droge DMT sichergestellt. So viel wie wohl nie zuvor. Es ist der 3. September 2016, nur ein paar Wochen nach der Explosion in der Shisha-Bar, als die Situation weiter eskaliert. Schon länger gibt es Streit zwischen Hamit Paksoy und seinem Vize. Vor allem, weil Paksoy die Hells Angels provozierte und es dadurch in Wuppertal eine Menge Ärger gab.
Die Chefs in Frankfurt planen deshalb, Wuppertal aufzuteilen, wenn die beiden Kontrahenten die Sache nicht unter sich regeln. Das Wuppertaler Chapter entscheidet, den Streit im Ring zu klären. Ilhami Özden stellt dafür sein Boxgym zur Verfügung.
Ein paar Tage später bekommt der Vize einen Anruf. Hamit Paksoy hat einen seiner Anhänger abgefangen. Ein schwarzer Golf lotst den Vize und seinen Begleiter später im Zickzack zum Treffpunkt. Auf einem Bahngelände stoppt der Wagen. Da springen Vermummte aus dem Gebüsch, einer ist mit einer Machete bewaffnet. Zehn Männer dreschen auf den Vize ein. Paksoy sitzt ein wenig abseits in einem weißen Geländewagen.
Das Video, das Paksoy an diesem frühen Morgen aufnimmt, wird später der Wuppertaler Staatsanwaltschaft zugespielt. Wodurch alles seinen Lauf nimmt: Verhöre, ein Verfahren wegen versuchten Mordes, die Zusammenarbeit mit der Polizei. Das "Bad Standing" bei den Osmanen.
Ein Mordanschlag auf einen der eigenen Männer, und das ohne Absprache mit den Chefs: In einem "deutschen" Rockerklub hätte so ein Alleingang den sofortigen Rausschmiss bedeutet, sagt ein Ex-Osmane, der früher bei den Hells Angels war. Die Chefs in Frankfurt aber entscheiden, dass Hamit Paksoy lediglich ein Blutgeld an den Klub zu zahlen habe, 300.000 Euro.
Weitere Motorradclubs und ihre Verbindungen
Die Chopper Freesen unterhalten gute Kontakte zu anderen MC’s in der Republik, die über Jahre gereift sind. Sicherlich zu einem Großteil auf Vau’s Bemühungen zurück zu führen. Nun, da hätten wir den Ghostgang MC aus Wuppertal, den Toros MC aus Iserlohn, den Thunderbirds MC aus Wesseling sowie den Adler MC aus Köln, bereits seit 1975 in der Dom-Stadt ansässig.
Geballte Club-Geschichte also; alles erfahrene und gestandene Rocker ohne Blödsinn im Schädel. Udo von den Toros-Veteranen, der uns kürzlich mit Vau im Office besuchte, erinnerte mich sodenn auch direkt an die Haloween-Party des Toros MC im Oktober.
Als Beispiel für die Vielfalt der Motorradclubs und ihre Geschichte wird auch der OUTSIDER MC Überlingen genannt, gegründet 1977. Zu den frühen Kontakten gehörten der MC Falcons aus Lahr, der Gost on Wheels MC aus Friedrichshafen, der Hells Spiders MC, Burning Wheels MC aus Bern, MC Teranigra, Eagles Riedlingen, Roadgang MC, Rondos MC aus Singen, MC Stockach, usw.
Die erste eingetragene Ausfahrt folgte im August 1984. 1985 wurde das Chapter Bad Waldsee gegründet. Ebenso wurde in diesem ereignisreichen Jahr unser jetziges Clubhaus in Überlingen/Deisendorf fertiggestellt. In dieser Zeit lernte man den Scorpion MC Bühl kennen. Eine Freundschaft hat sich entwickelt. Welche bis heute gepflegt wird. Ein besonderer Kontakt besteht auch zum Living Dead MC Wuppertal und Mettmann.
Im Oktober 1999 beschloss der Spiders MC Messkirch geschlossen, sich der Outsider Familie anzuschließen. So begann ein neues Jahrtausend mit neuen Brüdern.
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