Motorradreifen: Dicke Reifen – Vorteile und Nachteile

Die Wahl der richtigen Motorradreifen ist entscheidend für die Sicherheit und das Fahrverhalten deines Motorrads. Dabei spielen verschiedene Aspekte eine Rolle, darunter die Reifenbreite. Lieber dezent schmal oder doch eher auffällig breit?

Grundlagen der Reifenbreite

Die Reifenbreite wird in Millimetern angegeben und ist die erste Zahl der Reifenkennzeichnung. So bedeutet beispielsweise die Angabe "180/55 ZR17", dass der Reifen 180 mm breit ist. Die zweite Zahl (55) beschreibt das Verhältnis von Höhe zu Breite in Prozent.

Ein Moppedreifen mit seiner runden Kontur steht theoretisch immer auf einem Punkt auf. Praktisch presst das Gewicht den Reifen platt und die Auflage vergrössert sich zu einer ovalen Fläche. Die Fläche ist abhängig vom Reifindruck.

Vorteile breiter Reifen

  • Bessere Haftung auf trockener Fahrbahn: Je breiter der Reifen, desto mehr Gummi hat Kontakt zur Straße, was zu einer besseren Haftung führt. Die GS ist ja kein Motorrad für die Rennstrecke.
  • Verbessertes Handling: Aufgrund der geringeren Flankenhöhe wird der Reifen steifer, und das Handling verbessert sich spürbar.
  • Kürzerer Bremsweg: Mit wachsender Breite und einem steiferen Aufbau der Karkasse bremsen breitere Reifen auf trockener Straße zudem schneller und besser.
  • Optik: Viele Motorradfahrer bevorzugen breite Reifen aus ästhetischen Gründen. Vill. Der erste macht es bei einem Modellwechsel, weil das Ding länger, breiter, höher und ausladener wird und die alten Reifengrößen einfach opitsch nichts hergeben.

Je breiter der Reifen desto mehr Fläche steht zur Verfügung auf der sich die Leistung verteilen kann. D.h. nicht, dass die Auflagefläche breiter sein muss aber es ist einfach mehr Gummi da und bei jeder leichten Schräglagenänderung fährt man auf "frischem" Gummi.

Breite Reifen wurden ursprünglich für Motorräder mit viel Leistung konzipiert. Die Mehrzahl der Supersportler fährt hinten auf 180 Millimeter breiten Gummis, um die Leistung von 150 PS und mehr auch auf die Straße zu bringen. Die vergrößerte Aufstandsfläche bringt mehr Grip beim Herausbeschleunigen aus Kurven.

Nachteile breiter Reifen

  • Erhöhtes Aquaplaning-Risiko: Da mit jedem Zentimeter mehr Breite auch mehr Wasser verdrängt werden muss, schwimmen breitere Reifen bei Aquaplaning früher auf.
  • Unkomfortableres Fahren: Weil die Flankenhöhe der breiten Reifen geringer ist, steht weniger Luft zum Federn zur Verfügung, und die Seitenwand ist steifer. Breite Modelle fahren sich daher spürbar unkomfortabler als dünne.
  • Höherer Verschleiß und Verbrauch: Breite Reifen wiegen mehr und haben einen höheren Rollwiderstand, was zu einem höheren Kraftstoffverbrauch führt.
  • Erhöhte Schräglage erforderlich: Je breiter der Reifen, desto stärker muss das Motorrad bei gleicher Kurvenfahrt geneigt werden.
  • Kippeliges Fahrverhalten bei niedrigen Geschwindigkeiten: Je breiter ein Reifen, um so »kippeliger« kann das Motorrad bei niedrigen Geschwindigkeiten werden.

Es ist eine physikalische Gesetzmäßigkeit: Je breiter der Reifen, desto größer die erforderliche Schräglage bei gleicher Kurvengeschwindigkeit.

Breitreifen brauchen einen noch größeren Schräglagenwinkel, da die Aufstandsfläche bei ihnen weiter außen liegt. Hinzu kommt, je niedriger der Schwerpunkt, umso höher die benötigte Schräglage. Fahrphysikalisch spricht also alles gegen niedrige, breit bereifte Bikes.

Störkräfte durch Bodenwellen oder Absätze im Fahrbahnbelag, die auf den außermittigen Reifenaufstandspunkt wirken, können vor allem auf schlechten Landstraßen für ein kippeliges Fahrverhalten sorgen.

Schmale Reifen als Alternative

Schmale Reifen fördern das Handling und ermöglichen ein leichteres Einlenken in Kurven. Sie sind besonders auf kurvigen Strecken von Vorteil. Auf meiner Erna war vorn ein 110er, hinten ein 130er. Das ist wie Fahrrad fahren in Kurven. Sie fiel schon fast von selber in Schräglage. Auch das schnelle Umlegen von rechts nach links war überhaupt kein Problem.

Reifentypen und ihre Eigenschaften

Jeder Reifentyp hat spezielle Eigenschaften, die auf bestimmte Wetterbedingungen und Fahrstile zugeschnitten sind:

  • Sommerreifen: Ideal für trockene und warme Straßenverhältnisse. Sie bestehen aus einer härteren Gummimischung, die bei höheren Temperaturen für eine optimale Haftung sorgt.
  • Winterreifen: Bestehen aus einer weicheren Gummimischung, die auch bei kalten Temperaturen flexibel bleibt und somit besseren Grip auf rutschigen und vereisten Straßen bietet.
  • Ganzjahresreifen: Ein Kompromiss zwischen Sommer- und Winterreifen. Sie sind für moderate Wetterbedingungen ausgelegt und bieten eine ausgewogene Leistung sowohl bei kälteren als auch bei wärmeren Temperaturen.

Der richtige Zeitpunkt für den Reifenwechsel

Der rechtzeitige Reifenwechsel ist entscheidend für die Sicherheit und Leistung deines Motorrads. Hier sind einige Anzeichen, wann es Zeit ist, die Reifen zu wechseln:

  • Abgenutzte Profiltiefe: Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe für Motorradreifen liegt bei 1,6 mm.
  • Alter der Reifen: Auch wenn die Profiltiefe noch ausreichend ist, sollten Reifen, die älter als fünf Jahre sind, ausgetauscht werden.
  • Unregelmäßiger Verschleiß: Wenn du feststellst, dass deine Reifen ungleichmäßig abgenutzt sind, könnte dies auf Probleme mit der Fahrwerksgeometrie oder dem Reifendruck hinweisen.
  • Beschädigungen: Risse, Blasen oder sichtbare Verformungen an den Reifen sind Anzeichen dafür, dass die Reifen beschädigt sind und ersetzt werden müssen.
  • Verändertes Fahrverhalten: Wenn du bemerkst, dass dein Motorrad schlechter auf Lenkbewegungen oder Bremsen reagiert, könnte dies an abgenutzten Reifen liegen.

Reifenwechsel: Selbst gemacht oder vom Profi?

Der Reifenwechsel ist ein wichtiger Teil der Motorradpflege und kann entweder selbst durchgeführt oder von einem Fachmann erledigt werden. Wenn du dich für die DIY-Variante entscheidest, benötigst du das richtige Werkzeug und solltest die Montage sorgfältig durchführen.

Tabelle: Vor- und Nachteile von breiten und schmalen Reifen

Merkmal Breite Reifen Schmale Reifen
Haftung (trocken) Besser Weniger gut
Aquaplaning Schlechter Besser
Handling Direkter Leichter
Komfort Geringer Höher
Verbrauch Höher Niedriger
Schräglage Mehr erforderlich Weniger erforderlich

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