Auch wenn viele Biker ihr geliebtes Motorrad im Winter in den wohlverdienten Winterschlaf in der Garage schicken, lassen sich einige Motorradfahrer nicht auf ein Saisonkennzeichen ein. Stattdessen wird auch im Winter ordentlich Gas gegeben, doch oft mit fatalen Folgen. Von November bis März ist die Motorradsaison eigentlich vorbei, zumindest für die meisten Motorradfahrer. Doch darf man auch in den Wintermonaten mit dem Bike unterwegs sein? Klare Antwort: Ja!
Vorbereitung und Ausrüstung
Man sollte sich nichts vormachen: Der Winter beansprucht dein Motorrad stärker als der Sommer. Niedrige Temperaturen, Nässe und Salz sind ein gefährliches Rezept für verfrühte Schäden am Bike. Deshalb entscheiden sich viele Biker, ihre Maschinen in den sicheren Winterschlaf zu versetzen. Eine weitere Option ist, dein Motorrad bei einem Händler zu überwintern. Hier wird dein Bike für den Winter vorbereitet und über die kalten Monate gepflegt.
Winterfeste Technik
Bevor Sie sich in die frostige Landschaft wagen, sollten Sie Ihr Motorrad unbedingt gründlich durchchecken. Die technischen Anlagen am Motorrad wie Lichtanlage, Blinker und Bremsen müssen einwandfrei funktionieren. Zu überprüfen sind auch Reifendruck und Reifenprofil. Gerade bei anspruchsvollen Straßenverhältnissen und starken Winden muss alles stimmen: von den Reifen, die Grip auf der Fahrbahn garantieren, über die Bremsen, die bei jedem Zentimeter Bremsweg im Winter entscheidend sind, bis hin zur Lichtanlage, die Sie auch in der dunklen Jahreszeit sichtbar macht.
Denken Sie auch an die Batterie, die bei Kälte schnell schlapp machen kann. Niedrige Temperaturen verlangsamen die chemischen Prozesse in der Batterie und verringern die Ladekapazität. Stellen Sie Ihr Motorrad also am besten in einem trockenen und einigermaßen warmen Raum wie beispielsweise einer Garage ab, damit Sie beim Anlassen keine böse Überraschung erleben.
Die Antriebskette ist eines der wichtigsten Bauteile am Motorrad. Sie überträgt die Energie des Motors auf das Hinterrad. Leider ist sie den Witterungsbedingungen schutzlos ausgeliefert. Besonders Streusalz und übermäßige Feuchtigkeit greifen das Metall der Kettenglieder an. Rost und schnellere Abnutzung können die Folgen sein. Regelmäßiges Waschen und Schmieren mit geeinigten Reinigungsmitteln und Ölen entfernt aggressive Salzreste.
Bei flüssigkeitsgekühlten Maschinen ist ausreichend Kühlerfrostschutz essenziell. Empfindliche Flächen am Motorrad können vor Fahrtantritt mit einem Sprühöl zumindest ein wenig vor der korrosiven Wirkung von Streusalz geschützt werden. Wer seinem Motorrad etwas Gutes tun will, spendiert ihm nach dem winterlichen Ausritt eine gründliche Wäsche, um soviel Salz wie möglich zu entfernen. Ist die Maschine wieder getrocknet, ist das Sprühöl an der Reihe (siehe oben), und die Kette wird geschmiert.
Sie sind sich nicht sicher, ob Ihr Motorrad wirklich wintertauglich ist? Lassen Sie es von den Profis in der Werkstatt überprüfen.
Reifenwahl im Winter
Wer im Winter mit seinem Motorrad unterwegs sein will, muss es auch entsprechend der winterlichen Gegebenheiten anpassen. Dazu gehören Winterreifen mit speziellem Grip, die bei feuchten Straßen mehr Halt geben. In Deutschland besteht zwar keine Winterreifenpflicht für Motorradfahrer, trotzdem solltet ihr zu eurer eigenen Sicherheit nicht darauf verzichten.
Gibt es auch Winterreifen für Motorräder? Da viele Motorradfahrende nur saisonal unterwegs sind, ist das Angebot an Winter- oder Allwetterreifen für Motorräder sehr begrenzt. Eine Winterreifenpflicht besteht nicht. Vereinzelte Hersteller wie Heidenau bieten Varianten ihrer Profile mit einer modifizierten Gummimischung an, die auf kaltem Asphalt mehr Grip bieten soll. Hier ist sorgfältiges Abwägen wichtig. Wenn Ihre Motorradreifen keine oder nur eine geringe Profiltiefe aufweisen und es für Ihre Maschine keine geeigneten Winterreifen gibt, sollte das Fahrzeug leider eine Winterpause einlegen.
Grundsätzlich ist es möglich, bei trockenen Straßenverhältnissen unter Einhaltung der StVO auch bis in den Minustemperaturbereich zu fahren. Dann sollte man aber mit den passenden Reifen unterwegs sein. Supersportreifen oder straßenzugelassene Rennreifen haben aufgrund ihres Einsatzes auf der Rennstrecke ein höheres Temperaturfenster, das jedoch bei kühlen Temperaturen auf der Straße kaum erreichbar ist. Was man will ist ein Touren- oder Straßenreifen mit kurzer Aufwärmphase und guter Nassperformance.
Die richtige Kleidung
Am Motorrad sind wir den Bedingungen ausgesetzt. Was in Frühling und Sommer einer der Hauptanreize für eine Tour sind, kann das bei kalten Temperaturen schnell unangenehm werden. Deshalb ist es Pflicht, sich warm und am besten mit mehreren Schichten zu kleiden. Eine winddichte Oberschicht mit Protektoren sollte den kalten Wind vom Körper abhalten, während mehrere Innenschichten die Temperatur auf einem angenehmen Leven halten. Der Sinn hinter passender Kleidung ist nicht nur körperliches Wohl, sondern auch Sicherheit im Straßenverkehr. Langes Frieren zehrt am Fahrer, senkt die Konzentration und sorgt für Fahrfehler.
Fast genauso wichtig wie ein winterfestes Motorrad ist die richtige Kleidung. Egal wie hartgesotten die Bikerin oder der Biker ist: Im Winter brauchen alle ein Outfit, das auf Touren zuverlässig vor Kälte und Nässe schützt. Das Zwiebelprinzip mit mehreren Schichten Kleidung ist ideal, um sich flexibel an wechselnde Temperaturen anzupassen. Warme Funktionsunterwäsche bildet die Basis. Darüber können Sie je nach Vorliebe und Temperatur entweder noch einen Pullover oder direkt die wind- und wasserdichte Motorradkleidung ziehen.
Zieht darunter am besten zusätzlich eine wärmende Funktionsunterwäsche an, die für einen gewissen Komfort auf dem Motorrad sorgt - selbst an kalten Tagen. Eine Sturmhaube - am besten aus Windstopper - schafft eine zugdichte Verbindung vom Oberkörper zum Helm und schützt einen Teil des Gesichts.
Spezielle Winterhandschuhe schützen die Hände vor Kälte und bieten gleichzeitig ausreichend Griffigkeit am Lenker. Robuste, wasserdichte Stiefel mit hohem Schaft halten Ihre Füße warm und trocken und geben sicheren Halt, auch auf rutschigem Untergrund. Und zu guter Letzt: der Kopf. Ein geschlossener Helm mit kratzfestem Visier ist wichtig. Diese sogenannten Pinlock-Visiere verhindern Beschlagen beim Atmen oder Temperaturwechsel. Eine Sturmhaube unter dem Helm bietet zusätzlichen Schutz vor der Kälte. Sicherheit zuerst: Vor jeder Winterfahrt ist eine gründliche Kontrolle der Reifen unerlässlich.
Mit kalten Fingern lassen sich Hebel, Schalter und Lenker nicht mehr einwandfrei bedienen, die Reaktionsfähigkeit nimmt ab. Zur Ausstattung für Winterfahrer gehören gute, wasserdichte und gefütterte Stiefel mit hohem Schaft und genügend Platz im Innern, damit auch bei dickeren Socken die Zehen bewegungsfähig bleiben.
Weitere Ausrüstungstipps
Eine wichtige Maßnahme, um den Einfluss der Witterung zu mindern, ist der richtige Windschutz beim Motorradfahren im Winter. Eine größere, ausladendere Windschutzscheibe schützt Oberkörper und Kopf effektiv vor dem kalten Wind. Auch die Hände, die für Gas, Bremse, Kupplung und Armaturen gebraucht werden, müssen warm bleiben.
Auch die Kontaktflächen des Fahrers mit dem Motorrad - also Sitzbank und Griffe - können beheizt werden. Einige Hersteller bieten sogar serienmäßig eine Motorrad Sitzheizungen an. Heizgriffe Motorrad lassen sich ebenfalls nachrüsten. Eine besonders effektive Möglichkeit ist es, beheizte Griffgummis anzubringen oder Heizpatronen in den Lenkerenden zu installieren. Letztere Lösung ist optisch unauffällig, während klassische beheizbare Motorradgriffe meist aufbauen, aber weniger effizient sind.
Empfehlenswert ist ein Aufbau der Bekleidung nach dem Zwiebelprinzip: Warme Unterwäsche, möglichst eine zweite wärmende Schicht, ein Mid-Layer und darüber die eigentliche Motorradbekleidung aus Leder oder Textil mit den Protektoren. Wer die Anschaffung nicht scheut, kann sich eine dezidierte Winterkombi mit extradicker Isolationsschicht zulegen. Zudem gibt es praktische Gadgets wie Heizwesten oder beheizbare Nierengurte, die dem Körper Wärme zuführen. Beim Motorrad geht es zunächst auch einmal um die Wärme. Obligatorisch sind Handprotektoren, die den Fahrtwind fernhalten. Noch besser sind beheizte Lenkerstulpen. Bei vielen Motorrädern Standard aber auch als Zubehör erhältlich, erhöhen Heizgriffe den Komfort enorm.
Fahrtechnik und Verhalten im Winter
Im Winter gilt: langsam fahren. Das Fahrverhalten des Motorrads verändert sich, wenn die Straße kalt, nass oder rutschig ist. Fahren Sie vorausschauend, achten Sie auf andere Verkehrsteilnehmende und bleiben Sie besonders aufmerksam und bremsbereit. Halten Sie größere Sicherheitsabstände als im Sommer ein, denn der Bremsweg verlängert sich auf nassen Fahrbahnen. Verzichten Sie auf extreme Schräglagen beim Einfahren in die Kurve, um nicht die Kontrolle über Ihr Motorrad zu verlieren.
Wie immer, solltet ihr auch im Winter vorausschauend fahren und genügend Sicherheitsabstand einhalten. Um auf die dadurch verursachten schlechten Straßenverhältnisse rechtzeitig reagieren zu können, solltet ihr besonders konzentriert sein, damit sie nicht zur Gefahr werden. Gerade unter Brücken und in der Nähe von Bächen und Flüssen kann Glatteis auftreten. Auch feuchtes Laub, Rollsplit, der zum Streuen verwendet wird, und morgendlicher Raureif können den Grip eurer Räder entscheidend verschlechtern und euch ins Straucheln bringen. Deshalb solltet ihr vorsichtig fahren und bremsen. Nutzt beim Bremsen vor allem die Hinterradbremse, damit das Vorderrad nicht blockiert.
Feuchte Straßen und kalter Asphalt vermindern die Griffigkeit der Reifen deutlich. Deshalb sollte in der kalten Jahreszeit für jeden Biker eine besonders vorausschauende Fahrweise gelten.
Besonders gefährlich sind Brücken, schattige Stellen und Waldränder, weil sich dort schnell Glatteis bilden kann. An diesen Stellen ist erhöhte Vorsicht geboten.
Idealerweise üben Sie im Fahrsicherheitstraining das Motorradfahren auf verschneiten Straßen.
In den ADAC Motorrad-Fahrsicherheitstrainings können Biker unter Expertenanleitung die korrekte Lenk- und Kurventechnik sowie das richtige und konsequente Bremsen lernen und üben.
Eine sensible Gashand ist im Winter ebenso gefragt wie der Verzicht auf allzu spektakuläre Schräglagen. Auch beim Bremsen sollte man Vorsicht walten lassen und abrupte Verzögerungen vermeiden.
Sichtbarkeit und Lichtverhältnisse
In der Winterzeit wird es zeitig dunkel und auch am Morgen geht die Sonne recht spät auf. Wenn ihr diese Tageszeiten trotzdem für eure Touren nutzen wollt, sollte euch bewusst sein, dass ihr als Motorradfahrer im Winter schwer zu sehen seid. Um nicht von Autofahrern übersehen zu werden, solltet ihr deshalb auf eine funktionierende Lichtanlage und Reflektoren achten, die an eurer Kleidung für zusätzliche Sicherheit sorgen. Auch wenn Schnee liegt und die Sonne scheint, kann es zu einer Blendgefahr durch die Reflektion kommen.
Wegen der tief stehenden Sonne ändern sich im Herbst die Licht- und Sichtverhältnisse. Die Blendgefahr wird größer. Andere Verkehrsteilnehmer übersehen Motorräder schon aufgrund ihrer schmalen Silhouette jetzt noch leichter. Liegt dann im Winter Schnee neben der Straße oder ist der Asphalt feucht, ist an sonnigen Tagen die Blendgefahr durch Reflexionen nicht zu unterschätzen.
Daher empfehlen die ADAC Experten grundsätzlich eine vorausschauende Fahrweise, damit Sie im Notfall rechtzeitig reagieren können.
Gerade in der dunklen Jahreszeit ist es wichtig, dass andere Verkehrsteilnehmende Sie deutlich erkennen können. Ergänzen Sie Ihre Sicherheitsausrüstung um Reflektoren an Kleidung und Motorrad. Kontrollieren Sie vor jeder Fahrt, ob die Lichtanlage einwandfrei funktioniert. Abblendlicht, Fernlicht, Bremslicht und Blinker müssen intakt sein. Passen Sie Ihre Fahrweise den Lichtverhältnissen an.
Besondere Gefahren im Herbst und Winter
Besonders feuchtes Laub und Rollsplit können schnell Auslöser einer brenzligen Situation sein.
Neben den wechselhaften Bedingungen führen auch die immer kürzer werdenden Tage und die tief stehende Sonne dazu, dass die Sicht und Sichtbarkeit der Motorradfahrer abnimmt. Daher ist es ratsam die Lichtanlage wie Scheinwerfer und Blinker auf einwandfreie Funktionsweise sowie richtige Einstellung zu überprüfen. Bei der Kontrolle ist auch ein Blick auf die Bremsanlage empfehlenswert.
Die Beschaffenheit der Fahrbahnoberfläche birgt hohe Risiken für Biker. Besonders in den Morgenstunden müssen sie mit glatter Fahrbahn durch Nässe und Raureif rechnen. Auf nassem Laub kann es extrem rutschig werden. In ländlichen Gebieten kommt der vermehrte Ernteverkehr dazu, der zu starken Verschmutzungen führen kann ("Bauernglatteis"). Die Folge ist eine erhöhte Sturzgefahr für Motorradfahrer.
Auch wenn im Tal warme und trockene Bedingungen herrschen, heißt das nicht, dass auf der nächsten Passhöhe nicht vielleicht zentimeterhoher Schnee liegt. Prüfe also vor jeder längeren Ausfahrt die Wettervorhersage deiner Route, damit keine böse Überraschung auf dich wartet.
Häufig liegt Split auf den Fahrbahnen, auch Ansammlungen von Streusalz können in Verbindung mit Wasser einen unsichtbaren Schmierfilm bilden. Jederzeit muss mit überfrorenen Partien (»schwarzes Eis«) gerechnet werden.
Schnee und Eis? Lieber nicht!
Bei Schnee und Eis steigt die Unfallgefahr enorm. Stellen Sie deshalb Ihr Motorrad in die Garage und benutzen Sie alternative Verkehrsmittel wie Bus, Bahn oder das Auto.
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