Die Motorradfahrverbote in Tirol sind ein umstrittenes Thema, das seit Jahren für Diskussionen sorgt. Jedes Jahr vom 15. April bis 31. Oktober sperrt der Bezirk Reutte in Tirol bestimmte Straßenabschnitte für besonders laute Motorräder. Wer dagegen verstößt, riskiert ein hohes Bußgeld.
Hintergründe und Begründung
Die Tiroler Landesregierung begründet ihre Entscheidung damit, dass sich durch den wachsenden Motorradverkehr und die erhebliche Lärmbelästigung 44 % der dortigen Bevölkerung beeinträchtigt fühle. Besonders das hochtourige Fahren, also das Aufheulenlassen des Motors beim Beschleunigen oder Bremsen, wird als störend empfunden.
Das Fahrverbot gilt für alle in Österreich und im Ausland (also auch in Deutschland) zugelassenen einspurigen Kraftfahrzeuge, die laut Zulassung ein Standgeräusch (Nahfeldpegel) von mehr als 95 dB(A) aufweisen.
Betroffene Strecken in Tirol
Auf einigen besonders frequentierten Strecken in Tirol wurden im vergangenen Jahr Sperrungen für Motorräder mit einem Standgeräusch von über 95 Dezibel verhängt. Es existiert jedoch seit kurzem ein Gesetz, welches Motorrädern mit eingetragenem Standgeräusch über 95 dB bestimmte Straßenabschnitte im untersagt.
Folgende Strecken sind von dem Fahrverbot betroffen:
- B 198 Lechtalstraße von Steeg (Landesgrenze Vorarlberg) bis Weißenbach am Lech
- B 199 Tannheimerstraße von Weißenbach am Lech bis Schattwald (Staatsgrenze D)
- L 21 Berwang-Namloser Straße von Bichlbach bis Stanzach
- L 72 Hahntennjochstraße, 2. Teil von Pfafflar bis Imst (Passhöhe)
- L 246 Hahntennjochstraße, 1. Teil von Imst (Passhöhe) bis Imst Kreuzung Vogelhändlerweg
- L 266 Bschlaber Straße von Elmen bis Pfafflar
Die Fernpassstraße (B179) ist von den Fahrverboten nicht betroffen.
Kontrollen und Strafen
Die österreichische Polizei führt wieder Kontrollen durch. Bei Verstößen droht eine Geldbuße von 220 Euro. Ein Verstoß gegen dieses Gesetz kann mit einer Geldstrafe von 220 Euro geahndet werden. Zudem kann der Biker angewiesen werden, umzukehren.
Bisher gab es keine Berichte über Bußgelder gegen Fahrer.
Kritik und Kontroverse
Großen Ärger in der Szene hatte die willkürliche Setzung des Grenzwertes ausgelöst. Einige sind der Auffassung, dass das neue Gesetz einfach eine Möglichkeit für die Regierung sei, mehr Einnahmen zu erzielen. Andere befürchten, dass das Gesetz zu mehr Unfällen führen könnte. Zumal der Lärm lediglich auf andere Straßen umgeleitet werden würde.
Das Motorradfahrverbot in Österreich ist unfair. Tatsächlich kann es das Gegenteil bewirken, da Motorradfahrer möglicherweise eher Risiken eingehen. Viele werden hierdurch nahezu gedrängt, auf potenziell gefährlichere Strecken auszuweichen.
Unwichtige Zahl als Grenzwert in Tirol Den Verantwortlichen für die Motorrad Fahrverbote in Tirol scheint es dabei gleichgültig zu sein, dass das Standgeräusch nichts mit dem Fahrgeräusch zu tun hat und zudem nicht gesetzlich reguliert ist.
Interessanterweise zeigt sich das genaue Gegenteil bei zahlreichen unauffälligen Motorrädern, die zwar laut Standgeräusch knapp unter dem Grenzwert liegen, auf der Straße jedoch als flüsterleise gelten.
Das Problem liegt darin, dass die tatsächlichen Fahrgeräusche einiger Modelle als sehr laut empfunden werden, was eine psychoakustische Größe ist. Die Lautstärke ist messbar, aber die Lautheit nehmen wir individuell wahr.
Messung des Standgeräuschs
Bei einer Schalldruckpegelmessung im Nahfeld, der sogenannten Standgeräuschmessung nach UN-ECE R 41.04, werden mehrere Messungen seitlich hinter der Endtopfmündung vorgenommen. Bei halber Nenndrehzahl muss die Drehzahl mindestens 1 Sekunde gehalten und dann abrupt der Gasgriff geschlossen werden. Der Mittelwert aus mindestens drei Messungen, die nacheinander nicht mehr als 2 dB(A) voneinander abweichen dürfen, ergibt das mathematisch gerundete Ergebnis.
Alternativen und Ausnahmen
Selbst die Europäische Kommission sieht hier keine Rechtsverletzung, wodurch betroffene Motorradfahrer nur zwei Optionen bleiben: Entweder die Region meiden oder eines der Motorräder fahren, die ein Standgeräusch von nicht mehr als 95 dB(A) haben.
Im Rahmen eines geplanten Pilotprojekts im deutschen Kreis Holzminden, bei dem Fahrverbote für Motorräder mit einem Standgeräusch von über 90 dB(A) drohen, hat MOTORRAD Redaktion die Datenbank durchsucht. Seit 2019 wurden die Standgeräusch-Werte von 414 aktuellen Modellen erfasst. Davon sind 321 von den Fahrverboten in Tirol ausgenommen. Dazu gehören bekannte laute Motorräder wie die italienischen V4-Modelle von Aprilia, Tuono und RSV4, sowie die Ducati Multistrada.
Bußgelder in Österreich
Wer die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht einhält und geblitzt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen. Einen ersten Überblick über drohende Strafen gibt ein Auszug aus dem österreichischen Bußgeldkatalog:
| Bußgeldtatbestand | Bußgelder |
|---|---|
| bis 10 km/h zu schnell | ab 30 € |
| mehr als 10 km/h zu schnell | ab 45 € |
| mehr als 20 km/h zu schnell | ab 60 € |
| mehr als 30 km/h zu schnell | 150 bis 5000 € |
| mehr als 40 km/h innerorts zu schnell | 300 bis 5000 € |
| mehr als 50 km/h außerorts zu schnell | 300 bis 5000 € |
| mehr als 60 km/h innerorts zu schnell | 500 bis 7500 € |
| mehr als 70 km/h außerorts zu schnell | 500 bis 7500 € |
Stand 4/2025
Schweiz erhöht Strafen für Lärm
Vorschriften zur “vermeidbaren Lärmbelästigung” gab es in der Schweiz bereits vor dem 1. Januar 2025. Neu ist, dass die Rechtsgrundlage im Herbst 2024 insoweit angepasst wurde, als “das Verursachen von unnötigem Lärm mit Auspuffanlagen” neu in die Liste der zu vermeidenden Geräusche aufgenommen wurde.
Ab 2025 droht in der Schweiz ein Bußgeld von bis zu 10.000 Franken, das vom Gericht im Einzelfall bemessen wird. Technische Manipulationen am Fahrzeug bleiben verboten. Zudem verschärfte der Schweizer Bundesrat bereits bestehende Sanktionen.
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