Motorrad Federbein Schutz: Ein umfassender Test

Ein funktionierendes Federbein ist essenziell für die Fahrstabilität und den Komfort eines Motorrads. Wenn es schlingert, wippt und wackelt, ist die Ursache oft eindeutig: Federbein defekt. Aber nicht nur ein ausgelutschter Dämpfer, sondern auch schlecht abgestimmte Serienteile machen aus manchen Bikes wahre Schaukelstühle.

Vergleichstest Zentralfederbeine

MOTORRAD hat die unterschiedlichsten Nachrüstteile von acht Herstellern durch die Mangel gedreht, um Ihnen eine Entscheidungshilfe zu bieten.

Nahezu alle Federbein-Hersteller bieten zwei Produktlinien an. Der preisgünstigere Gasdruckdämpfer mit stufenlos einstellbarer Federvorspannung und oft auch regulierbarer Zugstufendämpfung, aber ohne Ausgleichsbehälter und Druckstufeneinstellung reicht für den anspruchsvollen Straßenbetrieb völlig aus. Im Sportbereich oder bei Tourern mit unterschiedlich hoher Zuladung empfehlen sich die teuren Varianten, die zusätzlich eine Druckstufenregulierung am Ausgleichsbehälter besitzen.

Stellvertretend für die Mittelklasse-Maschinen wählte MOTORRAD als Testfahrzeug für die einfachen Federbeine die Honda CBR 600 F (PC 25), Baujahr 1993. Für die aufwendigen Federbein-Varianten bediente sich die Testcrew einer Suzuki GSX-R 750, Baujahr 1999. Dem Einsatzzweck entsprechend war auch das Testprogramm ausgelegt: Landstraßen Marke Rübenacker, Soziusfahrten und zackige Runden auf dem Rennkurs für die Honda. Umgekehrte Gewichtung bei der Suzuki: Rennstrecke letzte Rille, zusätzlich löchrige Landstraßen.

Testergebnisse im Überblick

Hier ist eine Zusammenfassung der Testergebnisse für verschiedene Federbeine:

  • Suzuki Original: Bedingt empfehlenswert, komfortbetonte Abstimmung, viel Unruhe am Fahrzeugheck.
  • HAT-Paioli: Sehr empfehlenswert, deutliche Verbesserung zur Serie, Motorrad wird handlicher und zielgenauer.
  • Öhlins: Empfehlenswert, riesiger Einstellbereich, nachlassende Dämpfung in heißem Zustand.
  • Proflex: Empfehlenswert, sattes, stabiles Fahrgefühl, deutliche Verbesserung zur Serie.
  • Technoflex: Sehr empfehlenswert, sehr gut abgestimmter Einstellbereich, deutliche Verbesserung zur Serie.
  • White Power: Bedingt empfehlenswert, komfortable Dämpferabstimmung, zu geringe Druckstufendämpfungsreserven für die Rennstrecke.

Detaillierte Testdaten

Die folgende Tabelle zeigt detaillierte Testdaten für die verschiedenen Federbeine:

Hersteller Bezugsquelle Preis (Mark) Einbaulänge (mm) Gewicht (kg) Federrate (N/mm)
Suzuki Original Suzuki XXX 353 3,24 62,5
HAT-Paioli Alpha-Technik 1189 356 - 366 2,86 67,5
Öhlins Zupin 1795 350 - 365 3,16 72,5
Proflex Moto Parts 1398 350 - 365 3,12 70,5
Technoflex Wilbers 1199 358 3,22 67,5
White Power Baehr 1289 360 3,42 64,0

Dreck-Schutz für's Federbein?

Viele Motorradfahrer, die abseits der Straße unterwegs sind, fragen sich, ob ein zusätzlicher Schutz für das Federbein sinnvoll ist. Die Meinungen gehen hier auseinander.

Einige Fahrer verwenden Neoprenüberzieher oder selbstgemachte Lösungen aus alten Hinterradschläuchen, um das Federbein vor Dreck und Beschädigungen zu schützen. Andere argumentieren, dass diese Art von Schutz die Wärmeableitung beeinträchtigen und zu Überhitzung führen kann.

Es ist wichtig zu beachten, dass das Federbein während des Betriebs sehr heiß werden kann, insbesondere im Gelände. Eine zusätzliche Kapselung könnte die Wärmeentwicklung verstärken und die Lebensdauer der Dichtungen verkürzen.

Wartung und Kontrolle der Federbeine

Die Federbeine eines Motorrads verrichten oft jahrelang ihre mühevolle Arbeit und sind im Gegensatz zur Telegabel, bei der regelmäßig ein Ölwechsel ansteht, relativ wartungsarm. Dennoch verlangen auch sie ein Minimum an Pflege und Kontrolle.

Wichtige Aspekte der Wartung

  • Regelmäßige Reinigung: Entfernen Sie Schmutz und Ablagerungen, um Korrosion vorzubeugen.
  • Schmierung: Schmieren Sie die Federbasis mit Ballistol oder sauberem Motoröl und verstellen Sie sie in allen Stufen, um den Verstellmechanismus leichtgängig zu halten.
  • Kontrolle der Befestigungsschrauben: Überprüfen Sie regelmäßig die Anzugswerte der Befestigungsschrauben.
  • Sichtkontrolle auf Dichtigkeit: Achten Sie auf Ölnebel oder Undichtigkeiten.

Einstellung von Negativ- und Positivfederweg

Das Verhältnis von Negativ- zu Positivfederweg sollte ca. ein zu zwei Drittel betragen. Messen Sie den Abstand zwischen zwei Markierungen am Rahmenheck und an der Schwinge bei vollständig ausgefedertem Motorrad und im beladenen Zustand. Die Differenz ist der Negativfederweg.

Einstellung der Dämpfung

Bei der Dämpfung unterscheidet man zwischen Zug- und Druckstufendämpfung. Die Verstellung der Zugstufe sitzt in der Regel unten am Federbein und bremst die Ausfedergeschwindigkeit. Die Druckstufenverstellung befindet sich meist oben am Federbein und bremst die Einfedergeschwindigkeit. Auf ausgiebiger Testfahrt ausprobieren und die Ergebnisse notieren!

Reparatur oder Ersatz?

Wenn das Federbein defekt ist, stellt sich die Frage nach Reparatur oder Ersatz. Glücklicherweise gibt es Spezialisten, die ein altes Federbein überholen und in einen technisch neuwertigen Zustand versetzen können. Der Preis dafür liegt je nach Bauart/Zustand bei 300 Euro pro Satz (zwei Federbeine).

Der Zubehörmarkt bietet eine reichhaltige Auswahl an Ersatzfederbeinen. In den typenspezifischen Internet-Foren finden sich häufig Anregungen und Erfahrungsberichte, letztlich entscheidend sind aber Budget und Einsatzzweck.

Kostenübersicht

  • Honda-Originalteile (Showa): 1200 Euro
  • YSS: 230 Euro
  • Wilbers: 649 Euro
  • Reparaturkosten: Überholung ca. 300 Euro pro Paar (Stereofederbeine)
  • Lackierung der Feder: 80 Euro

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