Die richtige Einstellung der Motorradfederung ist entscheidend für Fahrkomfort, Sicherheit und optimales Handling. Viele Motorräder bieten Einstellmöglichkeiten an Telegabel und Federbein, um Federvorspannung und Dämpfung anzupassen. Dieser Artikel bietet eine umfassende Anleitung, wie Sie Ihre Motorradfederung optimal einstellen können.
Vorbereitung für die Grundeinstellung
Vor der eigentlichen Einstellung sind einige wichtige Punkte zu beachten:
- Dämpfungselemente: Stellen Sie Druck- und Zugstufeneinsteller der Dämpfungselemente auf die Standardposition oder in Richtung "weich" (soft). Eine zu harte Dämpfung (Hard) kann die Einstellung der Federelemente verfälschen.
- Hinterradaufhängung: Die Hinterradaufhängung muss freibeweglich sein. Beheben Sie feste oder defekte Lagerstellen an der Umlenkung und Schwinge.
- Vorderradgabel: Die Vorderradgabel muss frei von Verspannungen in der Klemmung oder Schmutz in den Lagerstellen sein. Sie sollte bei geringer Last leicht ein- und ausfedern.
Beseitigung von Verspannungen an der Gabelklemmung
Um die Parallelität der Gabel zu gewährleisten, gehen Sie wie folgt vor:
- Lösen Sie die zentrale Schraube des Lenklagers, die Klemmen der oberen Gabelbrücke und die Achsklemmen des Rades.
- Ziehen Sie die obere Gabelbrücke und die Zentralschraube fest, wobei Sie mit dem Lenker gegenhalten. Achten Sie darauf, dass Sie nicht gegen den Lenkanschlag anlegen.
- Bei Upside-Down-Gabeln (USD-Gabeln) ziehen Sie die Klemmen der Gabelbrücken unbedingt mit dem richtigen Anzugsmoment fest. Ein zu hohes Drehmoment kann die Bohrung des Standrohres verkleinern.
- Ziehen Sie die Steckachse und eine Achsklemmung (bremsseitig) fest.
- Ziehen Sie die Achsklemme auf der rechten Seite noch nicht fest.
- Federn Sie die Gabel mehrmals durch, ohne die Vorderradbremse zu betätigen, oder vermitteln Sie den Gabelfuß per Hand auf der Steckachse. Ziehen Sie dann die Achsklemmung rechts fest.
Grundeinstellung der Federung
Die Grundeinstellung der Federung umfasst die Bestimmung des Federwegs, des Negativfederwegs (SAG) und des Durchhangs (RACE SAG).
Federweg
Der Federweg ist die Differenz zwischen vollständig ausgefedertem und eingefedertem Zustand.
Negativer Federweg (SAG)
Der Negativfederweg ist der Einfederweg des Motorrades unter dem eigenen Gewicht. Hier sind einige Referenzwerte:
- Motocross-Hinterradfederung: 25 - 35 mm
- PDS-System: 35-38 mm
- Vorderradaufhängung Motocross und Enduro: 25 - 35 mm
- Straßenmotorräder und Supersportler (Hinterrad): 5-15mm
- Straßenmotorräder und Supersportler (Vorderrad): 20-25mm
Durchhang (RACE SAG)
Der Durchhang ist der Einfederweg des Motorrades unter dem Gewicht des Fahrers mit Bekleidung. Der Fahrer muss dabei eine neutrale Haltung auf dem Motorrad einnehmen.
- Hinterradfederung bei Enduro und Motocross: 95 - 105 mm (ca. 1/3 des Federweges)
- Straßen- und Rennmotorräder: 30-35mm
Einstellungsbereiche und Funktion der Dämpfung
Alle Einstellungswerte an den Einstellschrauben werden von zugestellter Dämpfung ausgehend gezählt. Die Dämpfungselemente variieren in der Anzahl der Klicks, die sie bieten. Durch Drehen an den Einstellschrauben wird eine Bypass-Bohrung im Durchmesser verändert, die den Low-Speed-Bereich von Zug- oder Druckstufe beeinflusst.
Low-Speed-Bereich
Der Low-Speed-Bereich betrifft kleine Kolbengeschwindigkeiten im Stoßdämpfer, die durch Bewegungsenergie beim Bremsen oder Überfahren kleinerer Bodenunebenheiten entstehen. Bei der Zugstufe deckt der Low-Speed-Bereich im geöffneten Zustand ca. 30% der Dämpfungskraft im Ausfederweg ab. Dieser Wert ist abhängig von der Federrate, Federvorspannung und der High-Speed-Ventilabstimmung.
High-Speed-Ventil
Das High-Speed-Ventil gibt, abhängig von der Kolbengeschwindigkeit und dem dadurch entstehenden Öldruck, unterschiedliche Durchflussquerschnitte frei. Dieser Bereich wirkt beim Landevorgang von Sprüngen, Beschleunigen und Bremsen in größeren Bodenunebenheiten im Druckbereich, und bei hohen Federkräften in der Zugstufe.
Einstellen der Gabel
Beim Einstellen der Druck- und Zugstufe gilt es, einen guten Kompromiss zwischen Fahrkomfort und Kontakt zur Fahrbahn zu finden. Beginnen Sie immer mit der Grundeinstellung aus dem Herstellerhandbuch. Wenn dieses nicht vorliegt, stellen Sie die mittlere Position ein.
Symptome und Anpassungen
- Druckstufe zu hart:
- Wenig Gefühl für die Rutschgrenze bei Kurvenfahrt
- Vorderrad verliert schnell den Fahrbahnkontakt bei Kurvenfahrt
- Kleinere Bodenunebenheiten gelangen bis zum Fahrer
- Lenkerschlagen beim Beschleunigen
- Motorrad wirkt unhandlich
- Druckstufe zu weich:
- Front taucht beim Bremsen sofort nach unten
- Lenkerbewegungen beim Bremsen
- Große vertikale Bewegungen der Fahrzeugfront
- Vorderrad rattert beim Bremsen auch bei ebener Fahrbahn
- Kein Gripp und keine Spurtreue
- Zugstufe zu hart:
- Unkomfortables Gefühl beim Bremsen
- Plötzliches Abtauchen der Motorradfront in größeren Bremslöchern
- Dämpfungsprobleme bei stark ausgefahrener Strecke
- Lenkerschlagen bei schneller Fahrt
- Zugstufe zu weich:
- Unkontrolliertes Ausfedern nach der Landung
- Unkontrolliertes Ausfedern beim Absprung
- Wenig Gripp, schnelles Ausbrechen beim Bremsen
- Vorderrad wandert zum Kurvenäußeren
- "Dicke Unterarme"
Probleme mit durchschlagender Gabel sollten mit Erhöhung des Ölstandes behoben werden. Das Verändern der High-Speed-Ventile oder sonstige Wartungsarbeiten an der Gabel erfordert viel Erfahrung.
Einstellen des Stoßdämpfers
Nach Überprüfung der Federdurchhänge stellen Sie die Grundeinstellung des Herstellers ein. Beginnen Sie alle Veränderungen von der Grundeinstellung aus dem Herstellerhandbuch. Wenn dieses nicht vorliegt, empfiehlt sich die mittlere Position.
Symptome und Anpassungen
- Druckstufe zu hart:
- Unkomfortables Verhalten beim Beschleunigen
- Motorrad Hinterteil schlägt hoch und quer beim Beschleunigen
- Motorrad Hinterteil schlägt hoch beim Bremsen
- Druckstufe zu weich:
- Wenig Haftung beim Absprung
- Schwammiges Gefühl ähnlich wie beim Plattfuß
- Schlechte Führung des Hinterrads, besonders bei Kompression
- Keine Vorderradführung beim Beschleunigen am Kurvenausgang
- Kein Gripp beim Beschleunigen
- Zugstufe zu hart:
- Keine Traktion beim Beschleunigen in Löchern
- Motorrad wirkt unhandlich
- Hartes Gefühl beim Beschleunigen
- Motorradfront neigt beim Sprung zum Steigen
- Zugstufe zu weich:
- Motorrad Hinterteil federt hoch beim Bremsvorgang
- Unkontrolliertes Verhalten beim Absprung
- Unkontrolliertes Verhalten beim Landen
- Kein Bodenkontakt beim Überfahren von Wellen / Sandboden
- Motorradfront kippt ab beim Sprung
Feder-Vorspannmöglichkeiten
Die Telegabel (Vorderradfederung) lässt sich in der Federvorspannung einstellen, das Federbein (Hinterradfederung) in Federvorspannung und Dämpfer-Zugstufe.
Federvorspannung
Beim Einstellen der Federvorspannung wird eine Feder weder "härter" noch "weicher", sondern sie wird mehr oder weniger vorgespannt. Damit ändert sich die Höhe der Vorderfront bzw. des Hecks, Experten sprechen auch davon, dass sich so die "statische Nulllage" des Motorrads nach oben oder unten verschiebt.
Die Federvorspannung der Telegabel wird über Einstellschrauben ("Federeinsteller") angepasst, die oben in den Sechskantstopfen der Gabelbeine eingearbeitet sind. Die Federvorspannung am Federbein hinten wird über eine Federeinstellhülse oben am Federbein vorgenommen, wozu man einen Hakenschlüssel verwendet.
Dämpfer-Einstellmöglichkeiten
Die Dämpfer-Zugstufe bestimmt die Ausfedergeschwindigkeit des Federelements und damit auch des Rades. Die Einstellung der Zugstufe geschieht über eine Dämpfer-Einstellschraube.
Je geringer die Zuladung, desto stärker muss die Zugstufe eingestellt sein, damit die Federung nicht zu schnell in ihre Ausgangslage zurückfedert und die Maschine deswegen nachschwingt. Umgekehrt: Je schwerer die Zuladung ist, desto schwächer muss die Zugstufe eingestellt sein, damit die Federung schnell genug in die Nulllage zurückfedern kann, bevor die nächste Bodenwelle kommt.
Merke: Federvorspannung von linkem und rechtem Telegabelbein muss immer gleich eingestellt sein. Vorder- und Hinterradfederung müssen immer passend zueinander eingestellt sein, damit die Grundgeometrie des Fahrwerks gesichert ist.
Einstellung der Federelemente (Beispiel Suzuki GSF 1250 Bandit)
Die folgenden Tabellen zeigen unverbindliche, praxisnahe Einstellvorschläge für normale Fahrt, normale Straßen und angepasste Geschwindigkeit.*
| Einstellung Telegabel | Solofahrer leicht (ca. 75 kg) | Solofahrer schwer (ca. 95 kg) oder leichter Fahrer mit Gepäck | Mit 2 Personen | Mit Sozius und Gepäck (volle Zuladung) |
|---|---|---|---|---|
| Federvorspannung | 5 Ringe sichtbar | 3 Ringe sichtbar | 1 bis 2 Ringe sichtbar | Ganz eingedreht, kein Ring sichtbar |
| Empfohlene Standardeinstellung | 3 Ringe sichtbar (gilt für alle Modelle) | |||
| Einstellung Federbein | Solofahrer leicht (ca. 75 kg) | Solofahrer schwer (ca. 95 kg) | Mit 2 Personen | Mit Sozius und Gepäck (volle Zuladung) |
|---|---|---|---|---|
| Federeinstellhülse | Position 1 bis 2 | Position 3 bis 4 | Position 5 bis 6 | Position 7 (maximal) |
| Dämpfer-Einstellschraube | 1 3/4 bis 2 Umdrehungen ausgedreht | 1 1/2 bis 1 3/4 Umdrehungen ausgedreht | 1 1/4 bis 1 1/2 Umdrehungen ausgedreht | 1 bis 1 1/4 Umdrehungen ausgedreht |
*unverbindliche, praxisnahe Einstellvorschläge für normale Fahrt, normale Straßen, angepasste Geschwindigkeit.
Grundfunktion der Federvorspannung: An der Gabel
Mit der im oberen Gabelstopfen sitzenden Gewindespindel kann die Vorspannung der Gabelfedern reguliert werden. Beim Drehen im Uhrzeigersinn hebt sich die Maschine aus der Federung nach oben, bei entgegengesetzter Drehrichtung senkt sich die Frontpartie. Durch die Federvorspannung verändert sich der Negativfederweg (Ausfederweg).
Achtung: Die Federvorspannung verändert nicht die Federhärte (Fachjargon: Federrate), sondern nur die Ausgangslage des Federvorgangs (Federbasis) und die Anteile von Negativ- und Positivfederweg.
Auswirkungen auf das Fahr- und Federungsverhalten
- Zu geringe Federvorspannung an der Gabel:
- Motorrad steht vorne zu tief, Lenkkopfwinkel und Nachlauf verändern sich in Richtung Überhandlichkeit und Instabilität.
- Gabel kann beim harten Bremsen auf Block gehen, das Vorderrad neigt dann zum Blockieren.
- Motorrad fährt sich in Kurven kippelig und nervös.
- Sitzhöhe und Schwerpunkt sinken ab.
- Zu hohe Federvorspannung an der Gabel:
- Motorrad steht vorn zu hoch, Lenkkopfwinkel und Nachlauf verändern sich in Richtung Unhandlichkeit.
- Frontpartie kann auf welligen Strecken wegen des zu geringen Negativfederwegs zum Lenkerschlagen neigen.
- Motorrad verliert an Handlichkeit.
- Sitzhöhe und Schwerpunkt erhöhen sich.
Grundfunktion der Federvorspannung: Am Federbein
Die Federvorspannung kann je nach Konstruktion über eine Rastermechanik oder zwei gekonterte Nutmuttern festgelegt werden. Bei hochpreisigen Motorrädern kann sie über eine hydraulische Fernverstellung justiert werden.
Durch Drehen der Nutmutter im Uhrzeigersinn hebt sich das Motorrad, in umgekehrter Drehrichtung senkt sich das Rahmenheck nach unten. Bei Zentralfedersystemen beträgt das mechanische Übersetzungsverhältnis zwischen Hinterradachse und Federbein etwa zwei zu eins.
Grundeinstellung der Gabeldämpfung
Bevor die Einstellschrauben der Dämpfung verdreht werden, unbedingt alle Originaleinstellungen notieren. Drehen Sie dazu die Stellschrauben langsam Klick für Klick oder in halben Umdrehungen im Uhrzeigersinn zu. Notieren Sie sich diese Werte.
Die Einstellwerte an der Gabel werden in fast allen Fällen von der maximal geschlossenen Position aus gezählt. Der Grund: Die Nadelventile sind in dieser maximalen Position ganz zu, während sich die minimalste Einstellposition meist bei der Montage verändern lässt.
Drehen Sie alle Stellschrauben maximal auf und drücken Sie die Maschine nochmals in die Feder. Die Maschine fühlt sich jetzt schwammig und weich an, schwingt beim Ausfedern eventuell sogar nach. Durch das Ausprobieren unterschiedlicher Einstellungen verschaffen Sie sich einen Eindruck des Wirkungsbereiches von Stoßdämpfer und Gabel.
Stellen Sie die Zugstufendämpfung der Gabel so ein, dass die Frontpartie nach dem Ausfedern eine paar Millimeter über die Ausgangslage herausfedert und erst dann zum Stillstand kommt. Für sportlichen Einsatz wird die Dämpfung justiert wie oben beschrieben. Dann drehen Sie die Zugstufe in kleinen Schritten so lange zu, bis die Gabel nicht mehr nachschwingt, also sofort nach dem Ausfedern in der Ausgangslage stehen bleibt. Achtung: Nur eine Modifikation nach der anderen durchführen, um die Auswirkungen klar erkennen zu können. Achtung: Verändern Sie die Einstellung immer an beiden Gabelholmen gleichermaßen.
Die Druckstufendämpfung lässt sich nur mit viel Gespür festlegen. Sie wird deshalb im Fahrbetrieb bestimmt. Als Ausgangsbasis wählen Sie die im Fahrerhandbuch empfohlene Einstellung oder eine mittlere Position und ändern diese nach den Testfahrten in Richtung Komfort (weich) oder Sportlichkeit (hart).
Dämpfer-Grundeinstellung am Federbein
Drücken Sie dann die Maschine am Fahrersitzpolster in die Federung. Sie sollte mit einer erkennbaren Verzögerung ausfedern und spätestens nach einer Sekunde die Ausgangslage erreicht haben. Federt das Heck ruckartig und unkontrolliert aus oder neigt sogar zum Nachschwingen, muss die Zugstufendämpfung erhöht werden. Steckt die Federung dagegen spürbar in der Dämpfung fest und federt nur zäh aus, muss diese verringert werden.
Auch am Heck ist für den Laien die Druckstufendämpfung kaum spürbar. Halten Sie sich bei der Grundeinstellung auch hier an die empfohlenen Herstellerwerte. Ändern Sie diese nur dann, wenn Sie eine Optimierung in eine bestimmte Richtung vornehmen wollen. Grundsätzlich gilt: Viel Zugstufendämpfung bremst den Ausfedervorgang und macht das Motorrad zum Beispiel in Wechselkurven stabiler. Bei einer zu harten Zugstufe saugt sich das Motorrad bei rasch aufeinanderfolgenden Bodenwellen tief in der Federung fest und wird dadurch unkomfortabel.
Wenig Zugstufendämpfung lässt das Motorrad nach dem Einfedern schnell in seine Ausgangslage zurückschwingen und absorbiert folgende Stöße besser. Ist die Zugstufe zu weich, schwingt die Maschine nach Bodenwellen mehrfach über die Nulllage und wird dadurch instabil und teigig.
Viel Druckstufendämpfung bewirkt eine straffe, sportliche Federung oder wird bei schweren Fahrern oder hoher Zuladung gewählt.
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