Motorrad Federvorspannung Einstellen: Wirkung und Optimierung

Die Fahrwerkseinstellung, eingedeutscht das Setup genannt, ist ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, wie sich dein Motorrad auf der Straße verhält. Sie beeinflusst nicht nur das Fahrverhalten, sondern auch deinen Fahrkomfort und deine Sicherheit. Um die Fahrwerkseinstellung deines Motorrads optimal anpassen zu können, ist es wichtig, dass du die Grundlagen der Fahrwerkstechnik verstehst. Nicht jede dieser Komponenten kann von dir eingestellt werden, um das Fahrverhalten des Motorrads zu verändern.

Grundlagen der Fahrwerkseinstellung

Im Grunde genommen ist die Fahrwerkseinstellung die Anpassung verschiedener Komponenten des Fahrwerks, um das optimale Gleichgewicht zwischen Komfort, Handling und Performance zu erreichen. Dazu gehören die Federung, die Dämpfung, die Geometrie des Fahrwerks und die Einstellung der Federvorspannung.

Jede dieser Komponenten spielt eine wichtige Rolle und muss sorgfältig eingestellt werden, um das bestmögliche Fahrverhalten zu erzielen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Änderungen an einer Komponente oft Auswirkungen auf andere Komponenten haben. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass es nicht die eine "perfekte" Fahrwerkseinstellung gibt. Jeder Fahrer hat andere Vorlieben und Anforderungen, und was für den einen funktioniert, funktioniert möglicherweise nicht für den anderen.

Die Fahrwerkstechnik ist ein komplexes Feld, das eine Vielzahl von Komponenten und Prinzipien umfasst.

Fahrwerksgeometrie

Vielleicht gleich zu Beginn: Die Fahrwerkgeometrie sollst du nur in Ausnahmefällen verstellen (lassen). Die Hersteller haben sich bei der Entwicklung etwas gedacht und versucht, die Fahrwerksgeometrie auf den Charakter, den dieses Motorrad haben soll, zu optimieren. Was ist mit Fahrwerksgeometrie gemeint? Darunter versteht man die Summe verschiedener messbarer geometrischer Größen, die sich aus der baulichen Konzeption deines Motorrads ergeben.

Diese Fahrwerksgeometrie ändert sich natürlich, je nach fahrdynamischem Zustand und je nach Einstellung der jeweiligen beweglichen Teile, also insbesonders von Dämpfung und Federung. Deshalb ist das Thema Fahrwerk so komplex. In Schräglage kommen dann noch weitere beeinflussende Größen dazu.

  • Ein flacherer Lenkkopfwinkel führt dazu, dass der Nachlauf größer wird.
  • Ein steilerer Lenkkopfwinkel macht den Nachlauf kürzer und dein Motorrad fühlt sich agiler an.

Den Lenkkopfwinkel relativ zum Rahmen kann man nur bei hochwertigen Rennmotorrädern verstellen. Er verändert sich aber relativ zur Straßenebene durch Änderung der Lage des Motorrads, die im Wesentlichen von den Einstellungen der Feder- und Dämpfelemente und von der Beladung bestimmt wird.

Ein längerer Nachlauf führt dazu, dass dein Vorderreifen während der Fahrt schon sehr früh stabilisiert wird, weil er sozusagen hinter der Lenkdrehachse nachgezogen wird. Das bedeutet aber, dass du bei großem Nachlauf mehr Kraft am Lenker brauchst, willst du den Reifen von seiner Linie abbringen, was ja im Prinzip beim Lenken der Plan ist.

Ein kürzerer Nachlauf lässt mit wesentlich weniger Kraftaufwand am Lenker einen Richtungswechsel zu. Das heißt aber auch, dass alle Richtungsänderungen, die von der Fahrbahn oder von der Fahrdynamik gefordert werden, blitzschnell an deinen Lenker weitergeleitet werden. Deshalb haben agile Motorräder oft einen Lenkungsdämpfer verbaut, der diesen Effekt minimieren soll.

Den Nachlauf kannst du kurzfristig nur durch Änderungen des effektiven Lenkkopfwinkels ändern. Schließlich: Würdest du vorne einen größeren Reifen montieren, würde sich der Nachlauf natürlich ebenfalls vergrößern.

Die Länge des Radstands bestimmt deinen Wendekreis und das Aufbäumen deines Motorrads beim Bremsen und beim Beschleunigen wesentlich mit. Du kannst ihn eigentlich nur ändern, indem du, wenn das beim Kettenspannen durch das Reduzieren der Kettenglieder möglich ist, die Position der Antriebsachse möglichst weit vorne fixierst. Oder, indem die Position der Vorderachse etwa durch fahrwerksseitige Tieferlegungsmaßnahmen etwas weiter hinten ist.

Federvorspannung: Die häufigste Einstellmöglichkeit

Heutzutage die wohl am häufigsten vorhandene Einstellmöglichkeit am Motorrad. Seriöse Hersteller haben mittels Testfahrten die optimale Lage des Fahrzeugs ermittelt. Sie geben daher in der Betriebsanleitung auch an, in welcher Position dein Motorrad liegen sollte, also vereinfacht: wie tief es, gleichsam wie sehr eingefedert es unter dem Gewicht der Besatzung und Beladung im Fahrbetrieb, hinten sein sollte und wie tief vorne.

Das ist deshalb notwendig, weil durch kleine Abweichungen von diesem Sollzustand dein Motorrad anders fährt. Es lenkt anders ein, es federt beim Beschleunigen anders, und das kann zu ungünstigen Fahrbedingungen führen. Auch, dass die Federn auf Block gehen, dass sie also bis zum Ende hart durchschlagen, könnte dadurch passieren. Das ist sehr unangenehm und beansprucht die Materialien über die Maßen.

Deswegen ist es wichtig, dass du deine Federvorspannung (auf Englisch: spring preload)auf den tatsächlichen Beladungszustand anpasst. Die häufigsten Situationen, wo das notwendig ist:

  • Du bist viel leichter oder viel schwerer als der Durchschnittsfahrer.
  • Du nimmst sehr viel und sehr schweres Gepäck mit.
  • Du nimmst eine Person am Sozius mit.
  • Oder du nimmst Beifahrer und Gepäck mit.

Das Ziel dieser Maßnahme sollte sein, dass dein Motorrad im Betrieb so liegt, wie es gedacht war oder wie du es für deinen individuellen Fahrbetrieb gerne hättest. Neben den umfangreichen Einstellmöglichkeiten der Dämpferelemente ist für dieses, dein Ziel zunächst einmal die Einstellung der Federvorspannung notwendig.

Üblicherweise wurde diese Einstellung bei Auslieferung von Neufahrzeugen vom gewissenhaften Händler gemäß der Werksangaben justiert. Solltest du aber ein Gebrauchtfahrzeug erwerben oder sollten deine individuellen Anforderungen von den Werkseinstellungen nicht erfüllt werden, musst du selber justieren.

Lies in deinem Bedienungshandbuch, welche Einstellmöglichkeiten auf deinem Motorrad vorhanden sind und wie du sie verändern kannst. Eine Lösung mit Handrad oder einem elektronischen Fahrwerk ist natürlich wesentlich praktischer für die preload Optimierung unterwegs als eine Lösung, für die man Werkzeug braucht. Aber nicht jedes Motorrad hat Einstellmöglichkeiten der Federvorspannung vorne und hinten.

In den allermeisten Fällen wird die Federung durch eine mechanische Spiralfeder realisiert. Deren Härte kannst du nicht verändern, du kannst sie nur Tausch gegen eine Feder mit anderer Härte anpassen.

Die Dämpfung: Druck- und Zugstufe

Wir sind jetzt schon in einem wesentlich feineren Bereich der Fahrwerkseinstellungen. Grundsätzlich bestimmt die Dämpfung, wie schnell deine Federung in der einen oder anderen Richtung sich bewegen kann und soll. Diese Dämpfung wird bei modernen Motorrädern meistens pneumatisch, also per Gasdruck, oder hydraulisch, also per Flüssigkeitsdruck, realisiert.

Wie intensiv jetzt Gas oder Flüssigkeit eingreifen, ist meist von mechanischen Grundprinzipien bestimmt, etwa die Größe einer Durchflussöffnung. Was macht die Druckstufe? Die Druckstufe (Englisch: compression oder pressure) regelt, wie schnell federt dein Fahrwerk ein, wenn du zum Beispiel über eine Schwelle oder eine Welle fährst.

Fährst du auf diese Fahrbahnerhebung zu, müssen deine Räder am Anfang der Schwelle nach oben. Ist die Druckstufe weich (Englisch: soft) eingestellt, wirst du die Schwelle als weich wahrnehmen, aber dein Fahrwerk musste auch mehr einfedern! Ist sie hart eingestellt (Englisch: hard), dann wirst du es, wenn auch abgefedert, ganz deutlich, im schlimmsten Fall als unangenehm hart wahrnehmen.

  • Willst du komfortabel solo reisen, dann stell sie softer ein!
  • Willst du Feedback, also wissen, wie die Straßenbeschaffenheit ist und willst du so wenig wie möglich einfedern, weil das deine Schräglagenfreiheit zu früh einschränkt, dann stell sie harder ein!

Die Zugstufe (Englisch: rebound oder tension) regelt, wie schnell dein Fahrwerk ausfedert, wenn du zum Beispiel über eine Schwelle oder eine Welle fährst. Fährst du über diese Fahrbahnerhebung, müssen deine Räder nach der Schwelle wieder nach unten, damit du möglichst viel Kontakt (Anpressdruck!) mit der Straßenoberfläche hast.

Ist die Zugstufe durchlässig (du musst in der Bedienungsanleitung lesen, in welche Richtung du die Justierschraube dafür drehen musst, es gibt da keine normierten Bezeichnungen!) eingestellt, wirst du nach der Schwelle schnell ausfedern und sie weniger merken, aber dein Fahrwerk musste auch mehr ausfedern, wenn es das konnte!

Eine zu durchlässig eingestellte Zugstufe vorne, kann zu einem nicht erwünschten Ausfedern deines Vorderrads am Kurvenausgang führen, was einen flacheren Lenkkopfwinkel und eine weitere Linie zur Folge haben könnte.

Die Abstimmung der Zugstufe wird oft unterschätzt. Trotzdem ist die Konsultation eines Fahrwerksprofis fast unumgänglich. Du kannst sehr viel falsch machen, wenn du die Einstellungen weit weg von jenen wählst, die vom Hersteller in der Bedienungsanleitung empfohlen werden!

Aufwendige Dämpferkomponenten haben mitunter noch weitere Einstellmöglichkeiten, die du mit den genannten nicht verwechseln solltest. Man kann aber schon sagen, dass eine höhere Qualität und Güte deiner Dämpfungselemente in der Regel nicht nur brauchbarere und umfangreichere Einstellbereiche bereitstellen, qualitativ hochwertige Dämpferelemente bieten auch mehr Komfort und mehr Performance.

Viele Eigenschaften deines Fahrwerks sind davon abhängig, welche Qualität von Dämpferelementen der Hersteller eingebaut hat.

Elektronische Fahrwerkssysteme

Die Vorteile elektronischer Fahrwerkssysteme liegen auf der Hand. Die bisher erwähnte Komplexität des Themas Fahrwerk ersparst du dir, wenn du ein elektronisches Fahrwerk hast. Dabei können wir zwei Arten unterscheiden:

  1. Elektronische Fahrwerke, die dir per Knopfdruck die gewünschte Einstellung realisieren. Kein Werkzeug, kein Know-How notwendig! Mit leicht verständlichen Ausdrücken oder Symbolen am Display passt dir ein Computer gemeinsam mit der elektronisch gesteuerten Mechanik dein Fahrwerk auf deine Bedürfnisse und die eingegebenen Bedingungen an. Manche Systeme erledigen das sogar durch die Wahl des entsprechenden Fahrmodus (etwa Offroad oder Gravel oder Tour)
  2. Adaptive elektronische Fahrwerke, die das im entsprechenden Modus alles für dich machen. Diese Systeme passen sich sogar den Straßenbedingungen binnen Millisekunden an, aber manche beobachten auch deine Fahrweise und adaptieren das Fahrwerk dementsprechend.

Der größte Nutzen ist sicher: Die automatische Nivellierung des Fahrzeugs je nach Beladungszustand.

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