Insolvenz von Motorrad Finkl: Ein Traditionsunternehmen in Schwierigkeiten

Die Meldung sorgte in der deutschen Motorradhändlerszene und Lieferantenkreisen für Bestürzung: Der Traditionsbetrieb Motorrad Finkl ist nach über 50 Jahren in finanzielle Schieflage geraten.

Insolvenzantrag und vorläufige Insolvenzverwaltung

Am 4. Oktober wurde im Amtsgericht Augsburg für die Finkl's Erlebnis Motorrad GmbH Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Die Finkl’s Erlebnis Motorrad GmbH aus Schwabmünchen hat einen Insolvenzantrag gestellt, woraufhin das Amtsgericht Augsburg - Insolvenzgericht - gestern die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Gesellschaft angeordnet hat.

Sanierungsexperte Georg Jakob Stemshorn von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Ursachen der finanziellen Schieflage

Als Ursache für Finkls Schieflage werden Liquiditätsengpässe genannt, die unter anderem auf der Kaufzurückhaltung der Kunden seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs basieren.

Zudem belastete der wegen Wetterkapriolen verspätete Saisonbeginn 2023 die ambitionierten Umsatzpläne und außerdem habe Finkl - wie die Zweiradbranche generell - mit heftigen Kostensteigerungen zu kämpfen.

Ursache für den Antrag des Motorradhändlers sind Liquiditätsschwierigkeiten, die einerseits auf die Kaufzurückhaltung der Kunden seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs und andererseits auf die enormen Kostensteigerungen zurückzuführen sind.

Die finanzielle Lage wird zudem belastet durch Lieferengpässe und die bald anstehende Rückzahlung eines KfW-Darlehens, das das Unternehmen im Rahmen der Coronakrise erhalten hatte.

Bemühungen um Rettung und Stilllegung des Betriebs

Trotz aller Bemühungen um die Rettung des Unternehmens: Für die Finkl’s Erlebnis Motorrad GmbH aus Schwabmünchen konnte trotz zahlreicher Gespräche keine Investorenlösung erzielt werden.

Es kristallisierte sich vor allem ein Interessent heraus, mit dem die Verhandlungen weit fortgeschritten gewesen seien, am Ende scheiterten jedoch alle Anstrengungen.

Laut Insolvenzverwalter Georg Jakob Stemshorn war somit eine dauerhafte und profitable Fortführung nicht möglich.

„Eine dauerhafte und profitable Fortführung des Betriebes ist ohne Investor jedoch nicht möglich. Der Betrieb muss daher kurzfristig zum 31. Januar 2024 stillgelegt werden“, teilt der Insolvenzverwalter mit.

Geschäftsführer Harald Finkl ergänzt: „Ich bedauere sehr, dass unser Betrieb schließen muss.

Allen derzeit 22 beschäftigten Mitarbeiter werde nun gekündigt.

„Diese Entwicklung ist für alle Beteiligten, die das Verfahren in den vergangenen Monaten tatkräftig unterstützten, sehr bedauerlich“, sagt Stemshorn.

Er ergänzt: „Die finanzielle Lage macht eine Fortführung ohne Investor leider nicht möglich. Besonders für die motivierten Mitarbeiter ist das sehr schade. Aber Fachkräfte sind in der Region gefragt.

Auswirkungen auf Mitarbeiter und Kunden

Das Unternehmen beschäftigt rund 30 Mitarbeiter inkl. Auszubildenden.

Der vorläufige Insolvenzverwalter wird nun die Insolvenzgeldvorfinanzierung in die Wege leiten. Damit sind die Gehälter der Mitarbeiter für die kommenden drei Monate gesichert und werden wie gewohnt ausgezahlt.

Fortführung des Geschäftsbetriebs während des Insolvenzverfahrens

Trotz der aktuellen Herausforderungen stehen die Zeichen auf Fortführung des Unternehmens.

Der Geschäftsbetrieb läuft vollumfänglich weiter. Das Geschäft in Schwabmünchen sowie der Online-Shop haben geöffnet.

Die Kunden können also wie gewohnt Gebraucht- und Neufahrzeuge, Ersatzteile und Motorradzubehör sowie Helme und Bekleidung kaufen.

Zudem werden sämtliche Reparaturarbeiten in der Werkstatt weiter durchgeführt.

Stellungnahmen der Beteiligten

Der vorläufige Insolvenzverwalter Georg Jakob Stemshorn von PLUTA sagt: „Der Motorrad- und Rollerspezialist Finkl genießt in der Region einen sehr guten Ruf und ist unter anderem einer der größten deutschen Vespa-Händler.

In den nächsten Tagen werden wir nun Gespräche mit den Geschäftspartnern führen und alle Maßnahmen ergreifen, um den Geschäftsbetrieb fortzuführen.

Zudem werden wir die finanzielle Situation umfassend analysieren und sämtliche Sanierungschancen prüfen. Wir wollen den Betrieb erhalten und suchen einen Investor für das Unternehmen.“

Geschäftsführer Harald Finkl erklärt: „Die finanzielle Lage hat uns keine andere Wahl gelassen, daher haben wir den Antrag gestellt.

In den kommenden Monaten werden wir den Verwalter unterstützen und jede Chance nutzen, damit unser Geschäft erhalten bleibt.

Unsere Mitarbeiter werden uns auch in dieser schwierigen Phase unterstützen.“

Hintergrundinformationen zum Unternehmen

Motorrad Finkl mit Sitz in Schwabmünchen ist Experte für die Welt auf zwei Rädern. Seit über 50 Jahren ist das Unternehmen ein autorisierter Fachhändler für Motorräder sowie Roller und seit geraumer Zeit auch für E-Bikes.

Das Unternehmen bietet einen Rund-um-Service.

Neben einer großen Auswahl an Gebraucht-Fahrzeugen verfügt die Finkl’s Erlebnis Motorrad GmbH am Standort in Schwabmünchen über eine große Bekleidungsabteilung, einen Biker-Treff mit Café sowie eine moderne Werkstatt.

Allgemeine Situation der Motorradbranche

Die Motorradindustrie und der Verkauf von Neumotorrädern in Europa erleben gegenwärtig einen Aufschwung, so wie es in zahlreichen Nachrichten verkündet wird.

Zu Beginn des Jahres 2023 waren in der Bundesrepublik etwa 4,91 Millionen Krafträder für den Straßenverkehr zugelassen, eine Zahl, die unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Laut aktuellen Daten des Verbands der europäischen Motorradhersteller (ACEM) verzeichnete der europäische Motorradmarkt von Januar bis September 2023 einen beeindruckenden Zuwachs der Neuzulassungen um 11,8 %.

Doch diese Zahlen spiegeln nicht die tatsächliche Situation der Unternehmen wider, die in der Motorradbranche tätig sind.

Auf der einen Seite Rekordverkaufszahlen von neuen Motorrädern, auf der anderen Seite jedoch neue Probleme für die Unternehmen der Branche.

Die wirtschaftliche Lage der Unternehmen verschärft sich, und das Insolvenzrisiko wächst.

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