Motorradführerschein Bestanden: Tipps für den Start

Unendliche Fragebögen, dichten Stadtverkehr und Überlandfahrten überstanden und endlich ist es so weit: Du hältst deinen eigenen Motorradführerschein in Händen! Aber wie geht es jetzt weiter? Welches Motorrad deckt deine Bedürfnisse ab? Fragen über Fragen!

Der Weg zum Motorradführerschein

Du hast noch keinen Motorradführerschein, aber interessierst dich dafür - und besitzt einen Pkw-Führerschein der Klasse B? Inzwischen gibt es auch für Autofahrer eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, den Motorradführerschein zu erwerben: Eine separate Fahrerschulung reicht nun aus, um Motorräder der Klasse A1 zu fahren. Das umfasst Leichtkrafträder bis 125 cm³.

Die Führerschein-Prüfung besteht meistens aus einer theoretischen und einer praktischen Prüfung. Der Prüfling erfährt jeweils im Anschluss unter Angabe der wesentlichen Fehler, ob er oder sie die Prüfung bestanden hat.

Zulassung zur Prüfung: Voraussetzungen

  • Ordentlicher Wohnsitz im Inland
  • Erforderliches Mindestalter
  • Erste-Hilfe-Kurs
  • Kraftfahreignung
  • Fahrausbildung durchlaufen
  • Keine in EU/EWR erteilte Fahrerlaubnis dieser Klasse
  • Vollständiger Antrag auf Erteilung der Fahrerlaubnis der örtlichen Führerscheinstelle

Theoretische Führerschein-Prüfung

Die theoretische Prüfung können Sie frühestens 3 Monate vor dem Erreichen des Mindestalters für die jeweilige Führerscheinklasse ablegen. Die Fahrschule stellt eine Bestätigung über die Teilnahme am theoretischen Unterricht (Ausbildungsbescheinigung) aus. Diese ist ab Ausstellungsdatum maximal zwei Jahre gültig. Innerhalb dieses Zeitraums müssen Sie die Prüfung absolvieren.

Praktische Führerschein-Prüfung

Die praktische Prüfung können Sie frühestens 1 Monat vor dem Erreichen des Mindestalters der jeweiligen Führerscheinklasse und erst nach Bestehen der Theorie machen. Die Prüfung findet am Ort der Hauptwohnung bzw. der Ausbildungs- oder Arbeitsstelle statt. Ausnahmen sind nur in begründeten Einzelfällen vorgesehen.

Erst nach Erhalt des Führerscheins dürfen Sie fahren. Die Fahrerlaubnis erhalten Sie erst mit der Aushändigung des Führerscheins bzw. Prüfbescheinigung. Sie dürfen also erst dann fahren, wenn Sie Ihren Führerschein in den Händen halten, nicht schon, wenn Sie die praktische Prüfung bestanden haben.

Ablauf der Prüfung

Theorie-Prüfung

Die Theorie-Prüfung findet am PC oder Tablet unter Aufsicht eines TÜV- oder Dekra-Gutachters als Multiple-Choice-Test statt. Der Test wird nach Fehlerpunkten bewertet. Ab einer bestimmten Anzahl an Fehlerpunkten gilt die Prüfung als nicht bestanden. Der Prüfling muss zwei Wochen warten, um den Test anschließend zu wiederholen. In diesem Fall muss er die Prüfungsgebühr erneut bezahlen.

Zur Vorbereitung auf die theoretische Führerscheinprüfung gibt es für ADAC Mitglieder die kostenlose ADAC Führerschein-App mit allen Prüfungsfragen.

Praktische Prüfung

An der praktischen Prüfung nehmen der Fahrschüler oder die Fahrschülerin, der Fahrlehrer und Prüfer teil. Der Prüfer gibt die zu fahrende Strecke vor. Beim Nicht-Bestehen ist ein erneuter Versuch nach 2 Wochen möglich, hierfür fallen dann auch wieder Gebühren an. Achtung: Die praktische Prüfung müssen Sie innerhalb eines Jahres nach Ablegen der theoretischen Prüfung absolvieren, sonst verliert diese ihre Gültigkeit!

Dauer der praktischen Prüfung

Die Dauer der praktischen Prüfung hängt von der jeweiligen Führerscheinklasse ab:

Führerscheinklassen Prüfungsdauer in Minuten
B, BE, B17, A1, AM 55
A, A2, T 70
A (Aufstieg) 60
A2 (Aufstieg) 60
DE, D1E 80
C, CE, C1, C1E, D, D1 85
B96, Mofa, L keine praktische Prüfung

Faustregeln für die Theorie-Prüfung

Übersicht über die wichtigsten Faustregeln und Formeln für den Straßenverkehr:

Sicherheitsabstand

  • Außerhalb geschlossener Ortschaften bei guten Sicht- und Straßenverhältnissen gilt: Halber Tacho in Metern. Beispiel: Tempo 80 km/h = 40 Meter Abstand.
  • Im Stadtverkehr (Tempo 50) bei guten Sicht- und Straßenverhältnissen: Rund 15 Meter oder drei Pkw-Längen.
  • Bei schlechten Sicht- und Straßenverhältnissen außerhalb geschlossener Ortschaften und im Stadtverkehr gilt: Sicherheitsabstand verdoppeln.

Tipps gegen Prüfungsangst

Sie empfinden vor und während der Prüfung das Gefühl von Sorge und Angst, den Anforderungen nicht zu genügen oder sich zu blamieren? Das kann in einer Prüfung, wie z.B. der Führerscheinprüfung, dazu führen, dass Sie schlechter abschneiden.

Hier sind Tipps und Infos zum Thema Prüfungsangst. Sie sollen Ihnen helfen, die Prüfungssituation gelassener zu bewältigen, um die Führerscheinprüfung zu bestehen.

Grundfahraufgaben für die Klassen A, A1, A2 und AM

Grundsätzlich wird in der praktischen Prüfung der Gesamteindruck deiner Fahrkünste bewertet. Wenn dieser passt bzw. Trotz sonst guter Leistungen gilt die Prüfung als „nicht bestanden“, wenn du einen dieser Fehler gemacht hast: Gefährdung oder Schädigung, Grobe Missachtung der Vorfahrt oder Vorrangregelung, Nichtbeachten von „Rot“ bei Ampeln oder entsprechenden Zeichen von Polizeibeamten.

Die Grundfahraufgaben gehören einfach mit zur Prüfung und sind der Punkt auf dem "i". Grundfahraufgaben dienen dem Nachweis, dass der Bewerber ein Kraftrad der Klasse A selbständig handhaben kann, die Grundbegriffe der Fahrphysik kennt und sie richtig anwenden kann (Fahrzeugbeherrschung).

Hier ein kurzer Überblick über die Aufgaben, die du absolvieren musst:

  1. Fahren mit Geschwindigkeit: Anfahren und Kraftrad stabilisieren, Schrittgeschwindigkeit fahren, Fahrlinie beibehalten, anhalten.
  2. Slalom mit Schrittgeschwindigkeit: Anfahren und Kraftrad stabilisieren, Schrittgeschwindigkeit fahren, aktiv lenken und Körpergewicht verlagern, alle Felder durchfahren, anhalten.
  3. Stop and Go: Anfahren und leicht beschleunigen, im ersten Gang bleiben, anhalten und Kraftrad mit einem Fuß abstützen (abwechselnd links und rechts), wiederholen.
  4. Kreisfahrt: Anfahren und richtigen Gang wählen, in den Kreis einfahren, Geschwindigkeit wählen, Schräglage erzeugen, Kreislinie beibehalten, Kreis verlassen, anhalten.
  5. Anfahren an einer Steigung: Kraftrad mit Hand- oder Fußbremse festhalten, Anfahrgas geben, Kupplung am Schleifpunkt halten, Bremse lösen, ohne zurückzurollen losfahren.
  6. Abbremsen mit höchstmöglicher Verzögerung: Beschleunigen auf ca. 50 km/h (Klasse AM 40 km/h), gleichzeitig mit Hand- und Fußbremse maximal verzögern, Blick nach vorne, Knie am Tank, Spur halten.
  7. Slalom: Beschleunigen des Motorrades auf ca. 30 km/h, an allen Leitkegeln so früh wie möglich einschwenken und vorbeifahren, dabei Kraftrad drücken und intensiv schwingen.
  8. Lange Slalom: Beschleunigen des Kraftrades auf ca. 30 km/h, an allen Leitkegeln so früh wie möglich einschwenken und vorbeifahren, dabei Kraftrad drücken und intensiv schwingen, bei den letzten Feldern stärker drücken.
  9. Ausweichen nach Abbremsen: Beschleunigen des Kraftrades auf ca. 50 km/h (Klasse AM 40 km/h), kurz vor dem ersten Leitkegel Kupplung ziehen und abbremsen, Bremse lösen, hinter dem ersten Leitkegel ausweichen, danach zurückschwingen.
  10. Ausweichen: Beschleunigen des Motorrades auf ca. 50 km/h (Kl. AM aus 40 km/h), unmittelbar hinter dem ersten Leitkegel ausweichen, direkt nach dem Ausweichen zurückschwingen, erst danach anhalten.

Die richtige Ausrüstung

Bei Bekleidung, Helm und Stiefeln sollte nicht gespart werden! Dabei stellen sich viele die Frage, ob sie sich lieber für Textil oder Leder entscheiden sollen. Textilkombis sind oft beliebter, da sie leicht, bequem und wetterfest sind. Inzwischen weisen auch sie ein hohes Sicherheitsniveau auf, aber natürlich bietet gutes Leder immer noch eine höhere Abriebfestigkeit.

Ein weiteres Argument für Lederkombis ist, dass die eingearbeiteten Protektoren besser sitzen. Falls du fürchtest, dass du unter einer Lederkombi zu sehr ins Schwitzen kommst, bieten einige Hersteller Abhilfe mit spezialbehandeltem Leder, z. B. Du solltest immer mehrere Teile anprobieren und auch damit auf dem Motorrad probesitzen, denn wenn die Ausrüstung nicht gut passt, kann sie die Haut an Stellen wie Knien, Ellbogen oder Schultern wundscheuern.

Du solltest auch immer die Nähte und Reisverschlüsse überprüfen. Bei Textilkleidung solltest du prinzipiell immer die Pflegeanleitung des Herstellers beachten. In der Regel lassen sich Fahrerausrüstungen im Schonwaschgang reinigen. Wir raten aber dazu, nach mindestens 3 Waschgängen die Bekleidung zu imprägnieren. Im Winter solltest du deine Kleidung an einem trockenen Ort lagern, an dem gleichmäßige Temperaturen herrschen.

Ob Full-Face-Helm, Klapphelm oder Open-Face: Ein Motorradhelm ist das Wichtigste beim Motorradfahren und kein „Zubehör“. Miss deinen Kopfumfang im Stirnbereich über den Ohren. Da die Größen von Hersteller zu Hersteller variieren, ist eine Anprobe unverzichtbar. Ein guter Helm muss sitzen, ohne zu drücken.

Pads und Wangenpolster können bei manchen Helmen an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Trage deinen Helm bei der Anprobe mindestens 10 Minuten, um sicherzugehen, dass keine unangenehmen Druckstellen entstehen. Eine neue Ausrüstung ist zwar teuer, aber du solltest nie einen gebrauchten Helm kaufen. Nicht nur aus hygienischen Gründen - ein Helm kann Risse im Material haben, die man von außen nicht erkennt.

Das richtige Motorrad finden

Scrambler, Racer, Chopper, Enduro oder doch der Allrounder? Das richtige Motorrad zu finden ist nicht immer einfach, denn jeder Motorradtypus hat besondere Eigenschaften. Bist du eher der sportliche oder der gechillte Typ? Möchtest du entspannte Tagesausflüge machen, mit deinem Motorrad in den Urlaub fahren oder nutzt du deine Maschine hauptsächlich im Alltag? Vielleicht möchtest du auch gar nicht auf die Straße, sondern die Motocross-Trails unsicher machen?

Such dir am besten erst mal die am besten zu dir passende Kategorie aus und starte ganz entspannt. Du musst ja nicht gleich am Anfang und als relativ unerfahrener Beginner die größte, schnellste und teuerste Maschine fahren - dein Fuhrpark wird sich über die Jahre bestimmt erweitern.

Nach der Prüfung: Vorsicht ist besser als Nachsicht

Klar bist du nun aufgeregt und möchtest dich direkt auf dein Motorrad schwingen, um loszufahren. Aber bitte sei vorsichtig! Denke daran, dass die Teilnahme am Straßenverkehr ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht erfordert. Fahre passiv und rücksichtsvoll, und zeige dem Prüfer, dass du die Kontrolle über die Maschine hast, ohne überheblich zu sein.

Häufige Anfängerfehler vermeiden

Natürlich träumen viele Anfänger auf dem Motorrad von einem fehlerfreien Start ins neue Hobby. Anfänger passen Kurvengeschwindigkeit oft nicht korrekt an oder sie wählen Fahrtlinie und Blickführung nicht optimal. Vor allem sollten Neulinge auf dem Bike sollten darauf achten, nicht auf die Gegenfahrbahn zu geraten, wenn die Straße in eine Kurve übergeht.

Auch das Fahren mit Beifahrer sollte trainiert werden, bevor ihr zu einer längeren Ausfahrt startet. Der Kreisverkehr ist eine gute Übung für sauberes Fahren. Um die nötige Lockerheit im Kreisverkehr zu erreichen, sollten Anfänger auf eine flüssige Linie achten.

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