Der Motorradführerschein: Pflichtstunden, Kosten und Klassen im Überblick

Welche Motorradführerscheinklassen gibt es? Ab welchem Alter kann welcher Führerschein gemacht werden? Was kostet ein Motorradführerschein? Und wie sieht die Fahrschulausbildung aus? Dieser Artikel beantwortet alle wichtigen Fragen zum Motorradführerschein.

Welche Motorradführerscheinklassen gibt es?

Es gibt verschiedene Motorradführerscheinklassen, die sich nach Alter, Hubraum und Leistung des Motorrads unterscheiden:

  • AM: Roller und Kleinkrafträder bis 50 Kubik, max. 45 km/h (ab 15 Jahren)
  • A1: Leichtkrafträder bis 125 cm³ und 11 kW (ab 16 Jahren)
  • A2: Krafträder mit bis zu 35 kW, die nicht von einem Kraftrad mit einer Leistung von über 70 kW abgeleitet sind (ab 18 Jahren)
  • A: Alle Motorräder und Gespanne ohne Geschwindigkeits- oder Hubraumbegrenzung (Direkteinstieg ab 24 Jahren)
  • B196: Motorradfahren mit dem Autoführerschein (seit mindestens fünf Jahren und Mindestalter 25 Jahre)

Mindestalter für die Motorradführerscheinklassen

  • AM und A1: ab 16 Jahre
  • A2: mindestens 18 Jahre
  • A (Direkteinstieg): 24 Jahre (21 Jahre für Trikes über 15 kW)

Wer die Klasse A2 mindestens 2 Jahre besitzt, darf ab 20 Jahren auf die Klasse A umsteigen - dafür ist allerdings nochmal eine praktische Prüfung notwendig. Wer zunächst zwei Jahre Erfahrung in der Führerscheinklasse A1 sammelt, muss für die Klasse A2 nur noch eine verkürzte praktische Prüfung ablegen.

Was kostet ein Motorradführerschein?

Die Kosten eines Motorradführerscheins hängen stark davon ab, wo er gemacht wird. So sind die Fahrschulpreise in süddeutschen Großstädten um ein gutes Drittel höher als etwa in Brandenburg auf dem Land. Bei der Anzahl der nötigen Übungsstunden kommt es aufs Talent des Fahrschülers an.

Diverse Portale nennen in aktuellen Preisbeispielen rund 1.250 Euro inklusive aller Gebühren für Sehtest, Erste-Hilfe-Kurs oder Prüfungsanmeldung für die Klasse A, errechnet auf Basis der Fahrschulpreise in Berlin bei zwölf Übungsstunden. Braucht ein Fahrschüler 20 Stunden (Durchschnittswert), kostet der Schein schon über 1.500 Euro - im günstigen Berlin. Diese Preiseinschätzung erachten wir allerdings als zu gering. In Stuttgart oder München sind 2.000 bis 2.500 Euro realistischere Größen für einen Motorradführerschein.

Motorradführerschein-Kosten im Überblick

  • Anmeldegebühr der Fahrschule: 200 bis 300 Euro
  • Sehtest: 6,43 Euro
  • Erste-Hilfe-Kurs: ca. 20 bis 40 Euro
  • Übungsfahrten: 30 bis 50 Euro pro Stunde (45 Minuten)
  • Sonderfahrten: ca. 40 bis 60 Euro pro Fahrt (5 Überland-, 4 Autobahn-, 3 Dunkelfahrten)
  • Gebühr der Fahrschule für die Vorstellung zur theoretischen Prüfung: ca. 30 bis 60 Euro
  • TÜV-Gebühr für die theoretische Prüfung: 22,49 Euro
  • Gebühr der Fahrschule für die Vorstellung zur praktischen Prüfung: 80 bis 180 Euro
  • TÜV-Gebühr für die praktische Prüfung: ca. 90 bis 150 Euro
  • Gebühr für die Ausstellung des Führerscheins: ca. 30 bis 50 Euro

Theorie und Theorieprüfung

Für den Motorradführerschein ist eine umfangreiche Ausbildung in Theorie und Praxis nötig. Der theoretische Teil besteht aus 12 Unterrichtsstunden zu je 90 Minuten, in denen der Grundstoff vermittelt wird und vier 90-minütigen Theoriestunden mit speziellem Wissen zum Thema Motorrad. Bei einer Erweiterung des Führerscheins verkürzt sich der Grundstoff bei Inhabern der Klasse B auf 6 Theoriestunden. Inhaber der Führerscheinklassen A1 oder A2 können nach 2 Jahren die nächsthöhere Klasse erlangen und müssen dafür nur eine verkürzte praktische Prüfung ablegen.

Um die Theorieprüfung für den Motorradführerschein zu bestehen, gilt es in der theoretischen Prüfung 30 Fragen zu beantworten. Davon befassen sich 20 Fragen mit dem Grundstoff, sowie zehn mit dem Zusatzstoff Motorrad. Insgesamt dürfen maximal 10 Fehlerpunkte gemacht werden, wobei alle Fragen jeweils fest definierte Werte von 2 bis 5 Fehlerpunkten haben. Beim Vorbesitz der Führerscheinklasse B und einer Führerscheinerweiterung reduziert sich der Fragenkatalog auf 20 Fragen und maximal 6 Fehlerpunkte, um noch zu bestehen.

Die Theorieprüfung kann frühestens drei Monate vor dem Erreichen des Mindestalters für den entsprechenden Motorradführerschein absolviert werden. Für den Beginn der theoretischen Ausbildung gibt es kein vorgeschriebenes Mindestalter, in der Regel wird frühestens ein Jahr vor dem nötigen Mindestalter begonnen.

Fahrstunden und praktische Prüfung

Der praktische Ausbildungsteil auf dem Weg zum Motorradführerschein unterteilt sich in Übungsstunden und Pflichtstunden. Für die Pflichtstunden sind 12 Sonderfahrten zu jeweils 45 Minuten vorgeschrieben. Diese sind in 5 Überlandfahrten, 4 Autobahnfahrten und 3 Fahrstunden bei Dunkelheit aufgeteilt. Die Anzahl der Übungsstunden liegt im Ermessen des Fahrlehrers und hängt individuell von Können und Lernfortschritt des Fahrschülers ab.

Die praktische Prüfung für den Motorradführerschein dauert mittlerweile 70 Minuten. Vor Januar 2021 waren es noch 60 Minuten. Die "Optimierte Praktische Fahrerlaubnisprüfung" (OPFEP) sieht fünf Minuten mehr Zeit für Fahraufgaben während der Prüfung vor sowie fünf zusätzliche Minuten für das Feedbackgespräch mit Kompetenzeinschätzung. Damit geht eine 20-%ige Gebührenerhöhung einher (146 Euro). Bei einer Führerscheinerweiterung von A1 oder A2 auf die nächsthöhere Klasse reduziert sich die Prüfung auf 40 Minuten. Das Ablegen der Prüfung darf erst einen Monat vor Erreichen des Mindestalters für den Motorradführerschein stattfinden.

Pflichtstunden für den Motorradführerschein

Für den Erwerb des Motorradführerscheins sind sowohl theoretische als auch praktische Pflichtstunden vorgeschrieben. Die Anzahl variiert je nach Führerscheinklasse und Vorbesitz anderer Führerscheine.

Theoretische Pflichtstunden:

  • Grundstoff: 12 Doppelstunden (à 90 Minuten) beim Ersterwerb, 6 Doppelstunden bei Erweiterung (z.B. von Klasse B)
  • Zusatzstoff (Motorradspezifisch): 4 Doppelstunden (à 90 Minuten)

Praktische Pflichtstunden (Sonderfahrten):

  • Überlandfahrten: 5 Fahrstunden (à 45 Minuten)
  • Autobahnfahrten: 4 Fahrstunden (à 45 Minuten)
  • Nachtfahrten: 3 Fahrstunden (à 45 Minuten)

Die Anzahl der Übungsstunden hängt vom individuellen Lernfortschritt ab und wird vom Fahrlehrer festgelegt.

Überblick über die Führerscheinklassen und ihre Anforderungen

Die folgende Tabelle bietet einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Motorradführerscheinklassen, die zugehörigen Mindestalter, sowie die theoretischen und praktischen Anforderungen:

Klasse Mindestalter Theorie (Doppelstunden à 90 Min.) Praktische Sonderfahrten (à 45 Min.)
AM 15 12 (Ersterwerb), 6 (Erweiterung) Keine Pflichtstunden vorgeschrieben
A1 16 12 (Ersterwerb), 6 (Erweiterung) 5 Überland, 4 Autobahn, 3 Nacht
A2 18 12 (Ersterwerb), 6 (Erweiterung) 5 Überland, 4 Autobahn, 3 Nacht
A (Direkteinstieg) 24 (21 für Trikes > 15kW) 12 (Ersterwerb), 6 (Erweiterung) 5 Überland, 4 Autobahn, 3 Nacht

Schnellkurse für den Motorradführerschein

Viele Fahrschulen bieten Schnellkurse für den Erwerb des Motorradführerscheins an. Dabei wird innerhalb sehr kurzer Zeit das volle Fahrschulprogramm abgespult. Die Vorteile solcher Crash-Kurse liegen auf der Hand. Statt mehrere Monate in die Ausbildung zu investieren, ist man teilweise bereits innerhalb einer Woche am Ziel Motorradführerschein. Zudem bleibt man durch das regelmäßige Motorradfahren in Schwung und muss sich nicht immer wieder auf die Fahrt mit einem Motorrad einstellen. Bei der normalen Ausbildung kann es teilweise zu längeren Pausen zwischen den Fahrstunden kommen. Dafür müssen die meisten Teilnehmer Urlaub für die Bewältigung eines Schnellkurses nehmen. Preislich ist der Schnellkurs zum Motorradführerschein meist etwas teurer als die normale Ausbildungsvariante.

Die passende Fahrschule finden

Die Wahl der passenden Fahrschule ist für den Erwerb des Motorradführerscheins von enormer Bedeutung. Achten Sie darauf, dass die Fahrschule eine kostenlose Theorie-Schnupperstunde anbietet, damit Sie feststellen können, ob Ihnen der Fahrlehrer passt. Der Theorieunterricht sollte von einem qualifizierten Fahrlehrer und nicht von einer Hilfskraft gehalten werden. Die praktische Ausbildung sollte von Anfang bis Ende beim selben Fahrlehrer erfolgen.

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