Motorrad Gabel Upside-Down: Funktion und Vorteile

Die Upside-Down-Gabel (USD-Gabel) ist ein Design, bei dem die traditionelle Anordnung der Teleskopgabel umgekehrt wird. Statt der dünneren Standrohre oben und der dickeren Tauchrohre unten, sind bei der USD-Gabel die dickeren Rohre oben und die dünneren unten angeordnet.

Hintergrund: Warum anders rum?

USD (Upside-Down)-Gabeln wurden ursprünglich für Motorräder entwickelt. Prominente Beispiele: Ducati Panigale V4, Yamaha YZF-R1 oder die Kawasaki Ninja ZX-10R. Viele moderne Motorräder sind immer noch mit Upside-Down-Gabeln (USD-Gabeln) ausgestattet. Neben den Gründen (besseres Fahrverhalten, Steifigkeit, Stabilität) spielt vor allem die Ästhetik eine große Rolle. Viele schätzen den aggressiven und modernen Look, den USD-Gabeln einem Motorrad verleihen.

Der Grundgedanke war, die ungefederte Masse an den Radaufhängungen zu reduzieren, indem das schwere Teil der Gabel (die Tauchrohre) oben und die leichten Standrohre unten angebracht wurden. Das sollte das Fahrverhalten und die Stabilität verbessern.

WP (ehemals White Power) und Öhlins gehören zu den Pionieren in der Entwicklung und Einführung von USD-Gabeln für Motorräder. Diese Innovation war besonders im Motocross und im Straßenrennsport von Bedeutung, da sie die Fahrdynamik verbessern konnte, indem sie die ungefederten Massen reduzierte und somit das Handling und die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten verbesserte.

Technische Aspekte und Vorteile

Die Vorteile der Upside-Down-Gabel liegen auf der Hand. Die großen Durchmesser der Standrohre erhöhen die Verwindungssteifigkeit, gleichzeitig können sie sich in der Gabelbrücke nicht verdrehen. Denn Rohr und Gabelbrücke bestehen aus Aluminium, wodurch sich die Oberflächen unter Druck regelrecht verzahnen.

Steifigkeit

Standardmäßig ist eine USD steifer als eine herkömmliche Vorderradgabel. Der einfachste Weg, ein Rohr stärker und steifer zu machen, besteht darin, den Durchmesser zu vergrößern. Das breitere Rohr um das innere glänzende Rohr hat einen größeren Durchmesser und ist daher stärker. Wenn sich dieser breitere Teil wie bei einer USD-Vorderradgabel oben befindet, befindet sich der stabilste Teil der Vorderradgabel an dem Punkt, an dem die meiste Kraft wirkt.

Bei USD Vorderradgabeln ist der weibliche Teil der Vorderradgabel länger als der gleiche Teil wie bei einer herkömmlichen Vorderradgabel. Dies bedeutet schlichtweg, dass das steifere Teil ein größerer Teil der gesamten Vorderradgabel ist, wodurch die gesamte Vorderradgabel steifer wird.

Geringere ungefederte Masse

USD-Gabeln kompensieren ihr konzeptbedingtes Mehrgewicht allerdings zum Teil mit geringerer ungefederter Masse, die ihre Bauweise ermöglicht. Ihr Gewicht steckt, anders als bei RSU-Gabeln, vorwiegend oben in den Standrohren.

Dort stören Extrapfunde weniger als in den Lowers, die sich mit jeder Bodenunebenheit hin- und herbewegen müssen. Die in Relation zu den Uppers leichteren Lowers von USD-Gabeln begünstigen daher ein feinfühliges Ansprechen.

Bessere Schmierung

Bei USD-Gabeln gravitiert das Schmieröl in den Uppers immer wieder nach unten zu den wichtigen Staubabstreifern und Dichtungen. Das sorgt für ein dauerhaftes Nachschmieren und bringt einen weiteren theoretischen Vorteil im Ansprechverhalten der Gabel gegenüber der RSU-Bauweise.

Lange Führung des Tauchrohrs

Der entscheidende Vorteil resultiert aus der sehr langen Führung des Tauchrohrs durch das Standrohr. Vorteil ist die lange Führung zwischen Tauch- und Standrohr. Dazu die größere Steifigkeit durch die Standrohre mit dem größeren Durchmsser, die als Alurohre in der Gabelbrück auch noch ausnehmend gut festhalten. Die ungefederten Massen sind übrigens bei beiden Konstruktionen fast gleich.

Sensibles Ansprechen und hohe Stabilität

Sensibles Ansprechen auch unter hohen Belastungen und höchste Stabilität ermöglichten der White Power-Gabel den Durchbruch im Moto Cross.

Anwendung im Mountainbike-Bereich

In den frühen 1990er-Jahren besannen sich auch die Federungs-Firmen des Mountainbiken wie Rockshox und Manitou auch die Technik und experimentierten, um die Steifigkeit und Leistungsfähigkeit der Gabeln zu verbessern.

  • Rockshox RS-1: Die RS-1 wurde ursprünglich in den 1990er Jahren auf den Markt gebracht und war eine der ersten kommerziellen USD-Gabeln im Mountainbiking. 2014 gab es eine Neuauflage der RS-1 mit einem komplett überarbeiteten Design. Einsatzzweck: Cross-Country-Rennen. Diese Version kombinierte moderne Technologie mit dem klassischen USD-Design.
  • Manitou Dorado: Die Dorado ist vielleicht die bekannte USD-Gabel, die erstmals 1997 auf den Markt kam. Freerider Darren Berrecloth machte sie populär, als er damit einen Podiumsplatz bei der Red Bull Rampage errang. Auch heute hat Manitou die Dorado in neuster Generation in seinem Programm. Der Profi-Freerider Clemens Kaudela beweist bei den größten Sprüngen der Welt (Darkfest, Rampage) wie hart die Gabel im Nehmen ist.
  • DVO Emerald: Auch diese High-End-USD-Gabel ist speziell für den Downhill-Einsatz konzipiert.

Gerade hat auch FOX eine USD-Gabel beim Seaotter-Festival in Kalifornien vorgestellt - die Optik und Vorteile der Konstruktion scheinen gerade einen neuen Hype zu erleben.

Cannondale Lefty: Das US-Label entwickelte aus ihrer speziellen HeadShok-Federung (befand sich direkt unterm Steuerrohr) die einarmige USD-Gabel namens Lefty für den Cross-Country-Einsatz. Im Modelljahr 2000 wurde die Lefty erstmals im Cannondale Raven 40000 SX verbaut. Promi-Racer Tinker Juarez verhalf der Lefty zu Ruhm & Ehre.

Nachteile und Herausforderungen

Bis heute trifft das Nischenprodukt USD-Federgabel in der MTB-Szene auf Skepsis und ist nur für Custom-Bikes ein Thema. Zu schwer, zu weich, zu teuer und zu kompliziert, die Bremsleitung und ein Schutzblech daran anzubringen. Ganz zu schweigen von den empfindlichen Standrohren da unten so nah an den Steinen! So klingen die bekannten Zweifel.

Ein Mudguard muss unmittelbar unter dem Steuerrohr platziert werden. Seine Position zum Reifen ist dort dynamisch. Um dennoch effektiv Dreck abzufangen, muss er deutlich ausladender ausfallen als an RSU-Gabeln, wo er sich direkt am Reifen um die Gabelbrücke schlingen kann. Mudguards an USD-Gabeln erinnern deshalb an den Look von MX-Bikes mit ihren langen Schnäbel-Schutzblechen.

Intend Moto V2 Federungsset

Intend-Chef und Ingenieur Cornelius Kapfinger sorgt mit der Vorstellung des Moto V2 Federungssets für Aufsehen in der Mountainbike-Szene. Nach dem Erfolg des stark limitierten Vorgängermodells präsentiert der Hersteller nun eine auf 10 Exemplare begrenzte Serie, die erneut die Grenzen der Fahrwerkstechnik verschieben soll.

Eyecatcher ist in erster Linie natürlich die Upside-Down-Gabel mit den schicken Fendern, den sogenannten “Lower Blades”. Die Gabel des Moto V2 Sets bleibt dem bewährten Upside-Down-Design treu, wurde jedoch in einigen Details verfeinert. Die Standrohre sind harteloxiert, was nicht nur der Haltbarkeit und Optik dient, sondern auch als Gleitfläche für die obere Buchse fungiert. Dies soll für ein besonders geschmeidiges Ansprechverhalten sorgen. Die Gabel nutzt die bekannten Blackline-Tauchrohre, die mit CNC-gefrästen Lower Blades für zusätzlichen Schutz und ein aggressives Erscheinungsbild ausgestattet sind.

Ein Schlüsselelement der Konstruktion ist das von Motorradgabeln inspirierte Gleitbuchsensystem. Durch die Vergrößerung des Abstands zwischen den Buchsen während des Federwegs soll die Hebelwirkung und damit die Reibung reduziert werden, was in einem sanfteren Ansprechverhalten resultieren soll.

Technische Spezifikationen der Intend Moto V2 Gabel

  • Bauart: Upside-Down mit Gleitbuchsen
  • Standrohre: Harteloxiert
  • Tauchrohre: Blackline mit CNC-gefrästen Lower Blades
  • Bremssattelaufnahme: 180/203/220 Millimeter PMAchse: 15 Millimeter
  • Federweg: 150-180 Millimeter

Revolutionärer Hybrid-Dämpfer

Beim neu entwickelten Hinterbaudämpfer wagt Intend sich erstmals an eine Hybridkonstruktion, die eine hochwertige Eibach-Stahlfeder mit einer vollständig einstellbaren Luftfeder kombiniert. Diese Bauweise solle die unmittelbare Ansprache einer Stahlfeder mit der Abstimmbarkeit und der Endprogression einer Luftfeder vereinen.

Der Hauptkörper des Dämpfers ist in Monocoque-Bauweise aus einem Stück CNC-gefräst und integriert alle pneumatischen und hydraulischen Dichtungen in einem einzigen Bauteil. Für die korrekte Funktion des hydraulischen Kreislaufs sei ein Mindestdruck von 200 PSI erforderlich. In Kombination mit der verbauten Stahlfeder mit einer Federrate von 135 lbs ergebe sich ein empfohlener Fahrergewichtsbereich von 85 bis 130 kg.

Flexibilität durch IBS-System

Eine besondere Eigenschaft des Dämpfers ist das sogenannte IBS - Interchangeable Bridge System. Dieses ermöglicht es, den Dämpfer sowohl als Trunnion-Variante als auch als Standard-Metric-Dämpfer zu verwenden, indem lediglich die obere Aufnahme getauscht wird.

Diese Flexibilität macht den Dämpfer für eine Vielzahl von Rahmenkonzepten kompatibel und erhöht somit seine Einsatzmöglichkeiten deutlich. Der Dämpfer ist in der Grundkonfiguration für eine Einbaulänge von 205 x 65 Millimeter als Trunnion-Version oder 230 x 65 Millimeter als Standard-Metric-Variante ausgelegt. Durch die Möglichkeit der Hubreduktion lassen sich zudem Federwege von 62,5, 60 oder 57,5 Millimetern realisieren.

Technische Spezifikationen des Intend Moto V2 Dämpfers

  • Bauart: Hybrid Stahlfeder/Luftfederung
  • Einbaulänge: 205 x 65 Millimeter (Trunnion) / 230 x 65 Millimeter (Standard)
  • Hub: 62,5 / 60 / 57,5 Millimeter (durch Hubreduktion)
  • Stahlfeder: Eibach 135 lbs
  • Mindestluftdruck: 200 PSI
  • Empfohlenes Fahrergewicht: 85-130 Kilogramm

Exklusivität und Service

Die extreme Limitierung auf nur 10 Federungssets unterstreicht den exklusiven Charakter des Moto V2. Intend betont, dass ein Premiumprodukt auch einen entsprechenden Service verdiene. Um diesen zu gewährleisten, habe man sich entschieden, den Verkauf auf EU-Länder zu beschränken und die Wartung ausschließlich im eigenen Werk durchzuführen. Dies stelle sicher, dass jedes Set die höchstmögliche Aufmerksamkeit und Pflege erhalte.

Mit einem Nettopreis von 3.650,42 Euro beziehungsweise 4.344 Euro inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer positioniert sich das Moto V2 Set klar im High-End-Segment des Mountainbike-Marktes.

Fahrwerks-Set Intend Moto V2

  • Limitierung: 10 Stück
  • Preis: 3.650,42 Euro netto / 4.344 Euro inkl. 19 % MwSt.
  • Lieferumfang: Gabel, Dämpfer, Blackline Standrohrabstreifer, IBS-Aufnahmen, Dämpferpumpe, Volumen-Spacer, Hubreduktions-Kit

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