Wer vom klassischen Motorrad auf ein Motorrad-Gespann umsteigen möchte, stellt sich oft eine Frage: Ist Gespannfahren schwer? Die Antwort lautet: Es ist anders - aber nicht schwer. Gespannfahren ist nicht schwer - es ist nur ungewohnt. Mit etwas Übung wirst du das Fahrverhalten schnell beherrschen und ganz neue Seiten des Motorradfahrens entdecken.
Was macht das Gespannfahren anders?
Ein Motorrad mit Beiwagen ist kein Motorrad im klassischen Sinn - und auch kein Auto. Das Gespann kippt nicht in die Kurve, sondern wird über Lenken und Gewichtsverlagerung gefahren. Die Umgewöhnung dauert bei den meisten Fahrern nur wenige hundert Kilometer.
Die ersten Schritte mit dem Gespann
Viele Gespannfahrer starten mit einer Ural 650/750 oder einer Dnepr MT11/MT16, weil sie robust, einfach gebaut und sehr reparaturfreundlich sind.
Sicherheitstipps für Gespann-Neulinge
Obwohl der Motorradführerschein die Gespannfahrerlaubnis einschließt, sind die Fahreigenschaften des Dreirads mit dem des Zweirads nicht vergleichbar. Der Grund liegt im asymmetrischen Fahrwerk - die Aufstandspunkte der Räder bilden ein unregelmäßiges Dreieck. Zudem unterscheiden sich auf Grund der verschiedenen Fahrwerkskonstruktionen die Fahreigenschaften deutlich.
Wenn ein erfahrener Solofahrer erstmals auf ein Gespann steigt, lässt er sich auf etwas völlig Neues ein. Das Einspurfahrzeug wurde zum Mehrspurfahrzeug mit gänzlich anderen fahrphysikalischen Eigenschaften. Bei letzterem lenkt der Fahrer/die Fahrerin immer in die gewollte Fahrtrichtung - also bei einer anstehenden Rechtskurve nach rechts, vor Linkskurven nach links.
Beim Solomotorrad (Einspurfahrzeug) gibt es aufgrund der so genannten Kreiselkräfte ein gegensätzliches Lenkverhalten. Das bedeutet, dass zunächst leicht in die entgegengesetzte Richtung gelenkt werden muss (Lenkimpuls). Erst dadurch wird die notwendige Schräglage eingeleitet, die zum Durchfahren der Kurve notwendig ist.
So kann beim Zweirad eine Kurve nicht durch Einlenken in die gewünschte Richtung eingeleitet werden. Laufradspuren auf Sand oder Schnee zeigen, dass zunächst eine leichte Lenkbewegung in die entgegengesetzte Richtung erfolgt. Schlüge man einfach nach links ein, bewegte sich die Auflagefläche des Reifens nach links unter dem Schwerpunkt weg, so dass die Schwerkraft ein Kippen nach rechts bewirken würde.
Genau hier liegt das Problem für den Gespann-Neuling. Setzt sich ein geübter Solofahrer auf ein Gespann, sind ihm seine Solo-Reflexe hinderlich, er muss neue erlernen. Gefährlich wird der alte Solo-Reflex, wenn auf Grund einer Gefahrensituation spontan reagiert werden muss. Der Solofahrer versucht, die brenzliche Lage mit einem Lenkimpuls zu bewältigen. Bei einem Gespann ist dieser Zweiradreflex verkehrt. Hinzu kommt das unterschiedliche Fahrverhalten des Gespanns bei Rechts- und Linkskurven.
Rechts herum muss mit einem steigenden Seitenwagen gerechnet werden, links herum kann sich das Gespann trotz des stützenden Beiwagenrades über die Kippachse Vorderrad-Beiwagenrad überschlagen. Der Neuling hat sich also zunächst mit einer höchst komplexen Aufgabe zu beschäftigen.
Rechtskurven
Betrachten wir zunächst die Rechtskurve. Wird sie zu schnell angefahren, so steigt das Beiwagenrad in Abhängigkeit von Geschwindigkeit und Kurvenradius (bei rechts montiertem Beiwagen). Sobald die Fliehkräfte aufgrund der Reduzierung der Geschwindigkeit oder durch Vergrößerung des Kurvenradius entsprechend verringert sind, wird das Seitenwagenrad wieder Fahrbahnkontakt bekommen. Bei diesem Manöver kann das Gespann auf die Gegenfahrbahn kommen.
Linkskurven
Die meisten Neulinge sind in Linkskurven sehr schnell, sehr mutig und damit auch recht flott unterwegs. Passieren kann ja nichts, da gibt es ja dieses “Stützrad”, umfallen ist daher nicht möglich. Oder vielleicht doch?
Der Schwerpunkt (S) ist ein Angriffspunkt der Kräfte. Beim Beschleunigen ziehen sie an ihm nach hinten, beim Bremsen nach vorne; in Rechtskurven nach links, in Linkskurven nach rechts. Durch die einzelnen Kräfte (Fliehkräfte, Massenträgheitskräfte, Gravitationskräfte, Reibkräfte der Reifen) ergibt sich ein neuer fiktiver "Schwerpunkt" Sf, der in Ruhe mit S übereinstimmt, beim Fahren aber wandert.
Die obige Skizze gibt dazu einige Antworten. Man sieht hier eine schräg zur Fahrtrichtung stehende Achse 1, die durch das Vorder- und Seitenwagenrad definiert wird. Beim Durchfahren einer Linkskurve wird sich der Schwerpunkt S aufgrund der auftretenden Fliehkräfte in Richtung dieser Achse 1 verlagern.
Praktische Tipps für das Gespannfahren
- Üben Sie auf einem freien Platz, um ein Gefühl für das Gespann zu bekommen.
- Beginnen Sie mit langsamen Geschwindigkeiten und steigern Sie sich allmählich.
- Achten Sie auf das unterschiedliche Verhalten in Rechts- und Linkskurven.
- Vermeiden Sie plötzliche Bremsmanöver in Kurven.
- Passen Sie Ihre Fahrweise den Straßenverhältnissen an.
- Überprüfen Sie regelmäßig die Schraubverbindungen am Beiwagen.
Motorradgespannkurs "FIT & FUN"
Gespannintensivtraining mit Tipps und Tricks von erfahrenen Instruktoren rund um das Gespann.
Termine 2025:
- 24. - 27. April 2025 - 97941 Tauberbischofsheim (Leihgespann möglich)
- 08. - 11. Mai 2025 - 97941 Tauberbischofsheim (Leihgespann möglich)
- 19. - 22. Juni 2025 - 97941 Tauberbischofsheim (Leihgespann möglich)
- 18. - 21. Sept 2025 - 97941 Tauberbischofsheim (Leihgespann möglich)
Gespann - Ausbildungszentrum Deutschland Mitte:
- 10. - 13. April 2025 - 34626 Neukirchen (Leihgespann möglich)
- 15. - 18. Mai 2025 - 34626 Neukirchen (Leihgespann möglich)
- 26. - 29. Juni 2025 - 34626 Neukirchen (Leihgespann möglich)
- 11. - 14. Sept. 2025 - 34626 Neukirchen (Leihgespann möglich)
Inhalte des Sicherheitstrainings:
- Gespannspezifische theoretische Grundlagen
- Praktische Übungseinheiten unter Instruktorenbegleitung in Kleingruppen
- Fahren im Realverkehr, Kurventechnik, Blickführung, Bremsen, Fahrphysik
- Realistische Selbsteinschätzung des eigenen Fahrkönnens
Der Gespannkurs beginnt Donnerstag abends und endet am darauf folgenden Sonntag gegen 14 Uhr. Am Freitag und Samstag früh fahren wir gemeinsam auf eine große Übungsanlage. Hierbei teilen sich jeweils zwei Fahrer/-innen ein Leihgespann. Alle Teilnehmer, auch diejenigen auf unserem Leihgespann, müssen die Bedienungselemente eines Motorrades sicher beherrschen.
Teilnehmerzahl: mind. 5 Fahrer(innen), max. 8 Fahrer.
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