Die Wartung einer Motorradkette ist entscheidend für optimale Fahrleistung und maximale Sicherheit. Regelmäßige Pflege verlängert nicht nur die Lebensdauer der Kette, sondern sorgt auch für ein geschmeidiges Fahrgefühl und verhindert teure Reparaturen. Das Thema Kettenpflege ist oft ungeliebt, aber der Aufwand ist geringer als viele meinen.
Warum ist die Kettenpflege wichtig?
Eine Motorradkette kann nach weniger als 10.000 km schrottreif sein, aber auch mehr als 50.000 km halten. Der Unterschied liegt hauptsächlich in der Pflege. Die Kette hat gegenüber anderen Methoden der Kraftübertragung entscheidende Vorteile: Sie ist preislich günstiger und hat den besten Wirkungsgrad. Der Nachteil ist die erforderliche Pflege, die hauptsächlich aus Reinigen und Schmieren besteht.
Funktion der Motorradkette
Bei Motorrädern gehört die Kette zu den häufigsten Arten der Kraftübertragung zwischen Motor und Hinterrad. Im Gegensatz zu Kardan oder Zahnriemen ist sie leichter und günstiger in der Produktion. Vor allem aber hat sie den besten Wirkungsgrad, sodass der Leistungsverlust bei der Kraftübertragung geringer ausfällt. Allerdings gilt das nur für eine korrekt gespannte und geschmierte Kette. Außerdem lässt sich das Übersetzungsverhältnis durch Verwendung anderer Kettenräder relativ einfach verändern.
Grundlagen der Kettenpflege
Als kleine Wartungsarbeit ist auch die Überprüfung der Kettenspannung und die ggf. erforderliche Nachjustierung zu nennen. Biker, die solche Ketten aus nostalgischen Gründen an Oldtimern verwenden, wissen sowieso, wie diese Teile zu behandeln sind. Ohne diese Schmierung treten die typischen Verschleißerscheinungen wie Längung, Kettenschlagen, deutlich spürbares Ruckeln beim Lastwechsel usw. sehr schnell auf.
Aufbau der Motorradkette
Motorradketten sind Präzisionsprodukte. Die Toleranzen bei der Fertigung liegen auf sehr hohem Niveau, und die verwendeten Materialien sind von bester Qualität. Die mittlerweile fast ausschließlich verwendeten sogenannten O-Ring-Ketten, die es seit Mitte der 70er-Jahre gibt, sorgen dank Dichtringen hinter der Kettenlasche für eine ausreichende Lebensdauerschmierung von Hülse und Kettenbolzen - allerdings nur im Innern der Kette. Der ungeschützte äußere Teil (Rollen, Ritzel und Kettenrad) benötigt ausreichende Schmierung, für die der Fahrer zuständig ist.
Reinigung der Motorradkette
Wenn zu viele Schmutzpartikel an der Kette haften, ist eine Neuschmierung erforderlich. Das bedeutet, dass die Kette zunächst vom Schmutz und vom anhaftenden Schmiermittel befreit werden muss. Verwenden Sie zur Schmierung und Nachschmierung von Motorradketten nie irgendein Schmiermittel, welches gerade in der Garage steht. Die Schmiermittel für Motoradketten weisen bestimmte Eigenschaften auf, die andere Schmiermittel nicht aufweisen. Dazu gehört die enorme Haftfähigkeit, die erforderlich ist um den Fliehkräften an den Umleknpunkten der Ketten trotzen zu können. Ein herkömmliches Öl würde bei der ersten Fahrt mehr oder weniger vollständig in den Kettenschutz und in die Luft spritzen du die Kette ist sofort wieder ungeschmiert.
Um die Kette zu reinigen sollte unbedingt ein spezieller Kettenreiniger verwendet werden. Kettenreiniger greifen das Material der Dichtringe (z.B. O-Ringe) nicht an. Häufig zu lesende Tipps zur Einsparung von Reinigungsmitteln oder Geld durch die Verwendung von z.B. Petroleum, Benzin oder andere Lösungsmittel beschädigen die O-Ringe und damit ist die Kette nicht mehr zu gebrauchen. Auch ist es keine gute Idee, Ketten mit dem Hochdruckreiniger oder mit Drahtbürsten zu reinigen.
Wer nicht von Hand reinigen möchte greift zu einem der praktischen Kettenreinigungssysteme, die mit der Reinigungsflüssigkeit aufgefüllt werden und dann von der Kette mit eingebauten Bürsten den Schmutz ablösen und gleichzeitig auffangen.
Wie oft sollte die Kette gereinigt werden?
Etwa alle 2.000 Kilometer, bei im Gelände bewegten Fahrzeugen deutlich häufiger, sollten spezielle Reinigungsmittel zum Einsatz kommen - scharfe Reinigungsmittel oder gar Benzin können die O-Ringe zerstören.
Schmierung der Motorradkette
Die beste Stelle zum Nachschmieren ist die Innenseite der Kette. Bewegen Sie nicht die Spraydose sondern nur das Hinterrad um die Kette am Sprühstrahl vorbeizuführen. Als Sprühstelle ist die Mitte zwischen Ritzel und Kettenrad ideal. Grundsätzlich sollten Sie beachten, dass wenig Schmiermittel in kürzeren Intervallen deutlich besser ist als selten nachzuschmieren, dafür aber viel Schmiermittel aufzutragen.
Ungefähr nach 1.000 Km sollte die Kette etwas Schmiermittel bekommen. Achten Sie dabei darauf, dass nach Möglichkeit immer das gleiche Mittel verwendet wird. Am besten verwenden Sie ein Spray mit einem kleinen Sprühröhrchen. Legen Sie etwas Pappe unter das Motorrad und halten Sie z.B. einen Lappen hinter die einzusprühende Kette um nicht unerwünschte Teile oder im schlimmsten Fall sogar Reifen oder Bremse mit Schmiermittel zu benetzen.
Motorradkette richtig schmieren
Die Fliehkraft - verbunden mit Regen und Straßendreck - sorgt dafür, dass eine Kette im Laufe der Zeit "blank" wird und dann in kürzester Zeit verschleißt. Während eine gut geschmierte Kette bis zu 40.000 km halten kann, sind ungepflegte Exemplare oft schon nach weniger als 10.000 km am Ende ihrer Lebensdauer. Eine regelmäßige (Sicht-)Kontrolle ist daher unverzichtbar. Ist die Kette blank oder weist gar Rostspuren auf, greift man zum Kettenspray, das die Kette nicht nur vor Korrosion schützt, sondern auch die Reibung erheblich reduziert. Damit es gut haften kann, muss die Kette allerdings sauber und trocken sein.
Versierte Tourenfahrer schmieren deshalb am Ende einer Tour sofort die dann noch warme Kette und können so am nächsten Morgen direkt starten. Wer dagegen unmittelbar nach dem Schmieren losfährt, verteilt den Schmierstoff wunderbar auf Felge, Bremsscheibe und Reifen.
- Kettenspray auf die Innenseite der Kette am unteren Kettenstrang sprühen. Das Rad dabei von Hand durchdrehen.
- Pappe wegwerfen und fertig.
Wichtig: Nicht die Menge macht’s - lieber öfter nachschmieren! Praktisch für unterwegs ist ein Spritzschutz sowie bei Motorrädern ohne Hauptständer ein sogenannter Liftstick, mit dem das Hinterrad angehoben werden kann, wenn das Bike auf dem Seitenständer steht.
Alternativen zum Kettenspray
Eine Alternative zum Spray sind Permanent-Schmiersysteme z. B. der Scottoiler. Diese allerdings nicht gerade günstigen Kettenöler werden per Zündstrom oder Unterdruck aktiviert, und ein dünnflüssiges Öl tropft während der Fahrt direkt auf das Kettenrad. Je nach Bedingungen (Regen/Staub) und Strecke muss aber nachjustiert werden.
Systeme zur permanenten Schmierung der Motorradketten führen zu den höchsten Lebensdauern der Ketten. Je nach System werden Druck oder Unterdruck zur Dosierung des Kettenöls eingesetzt. Es gibt auch Systeme, die die Dosierung sogar an die jeweilige Situation automatisch anpassen und solche, bei denen per Schalter eine Einstellung möglich ist.
Kette fetten ohne Hauptständer: Methoden und Hilfsmittel
Auch ohne Hauptständer gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Kette zu schmieren:
- Über den Seitenständer: Mit etwas Kraft und Technik kann das Hinterrad über den Seitenständer frei gehebelt und gedreht werden.
- Transportrolle für Möbel: Bremshebel vorne festziehen, eine flache Transportrolle seitlich neben das Rad legen, Motorrad über den Seitenständer leicht abkippen und Rolle unter das Hinterrad schieben.
- Liftstick: Ein Liftstick kann verwendet werden, um das Hinterrad anzuheben, während das Motorrad auf dem Seitenständer steht.
- Montageständer: Ein Einarmmontageständer ermöglicht schnelles Aufbocken.
- Zentralheber: Ein Zentralheber (Abba-Stand, Werners) ist ebenfalls eine Option.
Kettenspannung prüfen und einstellen
Eine Kette dehnt sich im Laufe der Zeit kontinuierlich. Grund ist der Verschleiß an den Reibflächen der Bolzen. Deshalb muss die Spannung auch regelmäßig geprüft werden. Schon der Begriff "Kette spannen" ist irreführend, denn es geht dabei um die Einstellung des sogenannten Durchhangs, d. h. des Spiels, das die Kette haben muss.
Wann ist die Kettenspannung korrekt?
Der Durchhang der Kette ist theoretisch in Ordnung, wenn er bei aufgebockter Maschine ca. 3 bis 5 cm beträgt. Exakte Angaben stehen im Fahrerhandbuch oder sind bei manchen Typen auch auf der Schwinge aufgeklebt. Aber Vorsicht: Spiel muss die Kette auch im voll belasteten Zustand noch haben. Je nach Bauart der Maschine ändert sich das Spiel mit oder ohne Beladung mehr oder weniger stark. Da hilft nur ausprobieren. Aber wer auf der Maschine sitzt, kann ohne akrobatische Verrenkungen ganz schlecht den Durchhang prüfen - man braucht eine zweite Person. Wichtig: Für Urlaubsfahrten mit Gepäck muss der Durchhang unbedingt bei beladener Maschine geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden.
Nachspannen der Motorradkette
Zum Nachspannen Motorrad aufbocken und Gang einlegen. Zuerst muss die Hinterachse an der Seite der Achsmutter gelöst werden. Sie ist oft sehr fest angezogen (meist 100 Nm und mehr!). Gegebenenfalls vorher Splint etc. entfernen. Zum Spannen der Kette muss das Hinterrad nach hinten gezogen werden (das passiert automatisch durch die Kettenspanner), zum Lockern nach vorne gedrückt werden (dazu muss man nach dem Lockern der Kettenspanner kräftig gegen das Rad drücken/schlagen). Bei den Kettenspannern gibt es verschiedene, qualitativ leider sehr unterschiedliche Bauarten, die aber meist nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren.
Der Kettenspanner hat in der Regel eine durch eine Kontermutter gesicherte Einstellschraube. Durch gleichmäßiges Drehen der Schrauben auf beiden Seiten spannt/lockert man die Kette. Dabei abwechselnd in Vierteldrehungen vorgehen, bis die Kette den korrekten Durchhang erreicht. Auf der Schwinge und den Kettenspannern sind (mehr oder weniger exakte) Markierungen angebracht. Wichtig ist, dass die Markierungen auf beiden Seiten der Schwinge in der gleichen Position stehen, sonst läuft das Rad schief und beeinträchtigt das Fahrverhalten. Wer den oft etwas ungenauen Markierungen nicht traut, kann zwecks Kontrolle der Flucht auch zu einem Kettenlaser greifen. Ein Laserstrahl auf den Kettenlaschen macht eine fehlerhafte Einstellung sichtbar.
Nach dem Festziehen der Achsmutter (Drehmoment beachten) unbedingt noch einmal die Kettenspannung kontrollieren. Nicht verzagen, falls es auf Anhieb nicht klappt, das Spannen hat viel mit Erfahrung und Geduld zu tun - Übung macht den Meister!
Verschleißprüfung und Austausch
Die Kette wird grundsätzlich nicht alleine gewechselt. Nur der Austausch der Kettensatzes macht Sinn. Finger weg vom Austausch einzelner Komponenten wie Ritzel, Kettenrad oder Kette. Zeigt das Kettenrad schon „schiefe Zähne“, ist es schon etwas zu spät. Bei der Kette selbst ist vor allem die Längung ein wichtiger Indikator für die fällige Erneuerung. Wenn z.B. der Kettenspanner schon die letzte Position erreicht hat, hat man es auch mit der Sparsamkeit zu Lasten des Risikos übertrieben. Auch wenn die Kette nach immer weniger Kilometern nachgespannt werden muss, ist der Austausch sofort fällig.
Wann muss die Kette getauscht werden?
Eine Motorradkette ist spätestens dann reif für den Müll, wenn sie sich bis zu den Zahnspitzen des Kettenblatts abheben lässt oder sich sogenannte Haifischzähne gebildet haben. Kette, Ritzel und Kettenrad übrigens immer gemeinsam tauschen, sonst verschleißen die neuen Teile viel schneller, das kurzfristige Sparen entpuppt sich als Reinfall.
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
Hier noch einmal die wichtigsten Punkte zur Kettenpflege:
- Regelmäßige Reinigung: Etwa alle 2.000 km mit speziellem Kettenreiniger.
- Regelmäßige Schmierung: Nach jeder Regenfahrt oder alle 1.000 km.
- Korrekte Spannung: Regelmäßig prüfen und einstellen (3-5 cm Durchhang).
- Verschleißprüfung: Auf Längung und "Haifischzähne" achten.
- Kettensatz tauschen: Immer Kette, Ritzel und Kettenrad gemeinsam wechseln.
Hilfsmittel und Werkzeuge für die Kettenpflege
Folgende Hilfsmittel und Werkzeuge sind für die Kettenpflege empfehlenswert:
- Kettenspray oder Kettenöler
- Kettenreiniger
- Bürste oder Kettenmax
- Werkzeug zum Lockern der Hinterachse/Kettenspanner
- Liftstick oder Montageständer
- Handschuhe
- Reparaturanleitung
Mit der richtigen Pflege und den passenden Hilfsmitteln bleibt Ihre Motorradkette lange in gutem Zustand und sorgt für eine sichere und angenehme Fahrt.
Übersicht verschiedener Kettenöler
Hier ist eine Übersicht verschiedener Kettenöler-Systeme, die auf dem Markt erhältlich sind:
| Name | Typ | Preis (ungefähr) | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Scottoiler | Unterdruckgesteuert | ~180 Euro | Einfache Installation, bewährtes System |
| McCoi | Elektronisch gesteuert | ~100 Euro (DIY) | Selber löten erforderlich, kostengünstig |
| CLS200µ | Elektronisch gesteuert | ~400 Euro | Luxus-System, automatische Anpassung |
| Cobra Nemo (Klon von Aliexzess) | Manuell gesteuert | Günstig | Einfache manuelle Bedienung |
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