Motorrad Kettenschutz Universal Test: Ein umfassender Überblick

Ich habe den CleandisC Kettenschutz entwickelt, weil ich es leid wurde nach jedem großen Ritt die Felge und Verkleidung vom Kettenfett zu befreien. Ich liebe es mein Motorrad sauber zu sehen, doch das ist manchmal mit viel Aufwand verbunden. Früher verwendete ich WD40, Benzin, Diesel und den S100 Reiniger. Wenn ich andere Motorradfahrer gefragt hatte nach einer Lösung - war die Antwort immer: Du willst Motorrad fahren? Also putze! Das Motorrad wird ja auch sauber, irgendwie.

Es muss ein vernünftiger Kettenschutz her, der das Fett direkt abfängt. Also Internet auf und ab auf die Suche wo es so einen Kettenschutz zu kaufen gibt. Lange gesucht und doch nichts gefunden. Also musste ich selbst ran. Kaufte mir eine Aluminium Flachleiste im Baumarkt und bog sie mir zurecht.

Nach einem Monat Fahren konnte ich beobachten was denn da direkt hinter dem Kettenrad so abgeschleudert wird und sich sammelt. Ein Bekannter besitzt zufällig einen 3D Drucker und wir machten die ersten Muster. Ziemlich schnell war mir klar, dass ich also tatsächlich ein Problem gelöst hatte, wovon auch andere Motorradfahrer profitieren würden. Es fing mit der Kawasaki Versys 1000 an und wurde in nur einer Saison zum Renner. Aktuell sind die CleandisC Kettenschutze für über 140 Motorradmodelle verfügbar.

Kettenpflege und Kettensprays im Test

Auf der Intermot 2014 in Köln stellte WD-40 seine Motorrad-Pflegeserie vor. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Offroad-Einsatz und dem Verhalten bei Regen. Ein Kettenspray besteht aus einer Vielzahl von Komponenten, von deren Wirkungsweisen einige zum Teil gegenläufig sind.

Nach der ‚Sabung‘ soll die Kette möglichst schnell ablüften, gleichzeitig sollen die schmierenden Komponenten in jede Ritze der Kette eindringen, was normalerweise Zeit braucht. Ein stufenförmiges Ablüften soll durch unterschiedliche Lösungsmittel entstehen, gleichzeitig dürfen weder O- noch X-Ringe angequollen oder womöglich ausgetrocknet werden.

Zwischen Kette und Ritzel entsteht durch Schmierung, Dreck und Abrollwiederstand eine Mischreibung, sodass die beweglichen Teile nicht vollständig vom Schmierfilm getrennt sind. Der Verschleiß ist höher als bei reiner Flüssigkeitsreibung. Es können starke Flächenpressungen und damit verbunden hohe Temperaturen entstehen.

Witterungsbedingt machen Schnee, Eis, Nässe oder Salz der Kette das Leben schwer, deswegen sind Korrosionsschutz, Verschleißschutz, Kriechfähigkeit und Abschleuderverhalten besonders wichtig bei der Entwicklung eines guten Kettensprays. Eine gute Kriechfähigkeit soll vollständiges Eindringen in schwer zugänglichen Schmierstellen ermöglichen.

Hohe Haftfestigkeit und zähe Konsistenz nach dem Ablüften des Lösemittels sind ebenfalls erwünscht, nur soll das Spray in der ersten Stufe schnell ablüften, denn am liebsten möchte der geneigte Motorradfahrer nach dem Aufsprühen sofort losfahren. Dadurch entsteht das erste Problem: Auch das Kettenspray braucht normalerweise Zeit, um an schwierige Schmierstellen zu gelangen.

Deswegen sind gute Sprays mit zwei verschieden schnell ablüftenden Lösungsmitteln und ‚Benetzungsunterstützern‘ ausgestattet. Das langsamere lässt dem Schmierstoff genug Zeit in jede Ritze eindringen zu können, das schnellere ermöglicht einen äußerlichen Schutz gegen das Abschleudern. Das Spray soll weiterhin hohen Verschleißschutz bei Kettenrollen und Seitenlaschen sowie Kettenrad und Ritzel bieten.

Nicht unerheblich für den Kettenverschleiß ist auch eine korrekte Kettenflucht (Polo: Kettenfluchttester) und der richtige Durchhang. Alle möglichen Ausführungen von Dichtringe der Kette, die im Allgemeinen aus Butadien-Acrylnitril-Kautschuk bestehen, dürfen nicht anquellen und nicht austrocknen oder gar schrumpfen.

Wichtig ist bei Autobahnfahrt ein Schutz vor übermäßiger Erwärmung der Kette, denn eine Kette die stark erwärmt wird, hält nicht so lange. Bei Rennketten ist dies von Bedeutung: sie können wegen anderer Materialien, Dichtungen und Fette erheblich wärmer werden, als eine normal genutzte Kette.

Wichtig ist dann natürlich guter Korrosionsschutz bei Kette und Kettenrädern, auch bei winterlichem Fahrbetrieb mit Streusalzeinfluss. Selbstredend haftfest bei Regenfahrten, auch wenn keiner gerne im Regen fährt. Es soll möglichst lange auf der Kette verbleiben, angestrebt wird meist ein Wartungsintervall von > 500 km.

Alle diese Anforderungen sind in einem Produkt nicht leicht zu realisieren. Den Bestandteilen eines Sprays ist nicht immer eindeutig nur eine Funktion zuzuordnen, manchmal kommt die gewünschte Wirkung nur im Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile zustande: In der Regel besteht ein Kettenspray aus einer Mischung von verschiedenen Lösungsmitteln als Trägermedium, verschiedene synthetische Öle unterschiedlicher Viskositätsklassen, Haftvermittlern, Kriechölen, Korrosionsschutz, Verschleißverminderern etc.

Biologisch abbaubare oder native Öle kommen in der Regel nicht in Frage: die Motorradkette ist sehr starken Belastungen ausgesetzt, denen pflanzliche Öle nicht standhalten würden: Natürliche Öle wie zum Bespiel Sonnenblumenöl sind ungesättigt, dass heißt, sie haben Doppelbindungen, die unter Belastung gecrackt werden können, wobei während des Betriebes wichtige Aufgaben verloren gehen würden.

Wenn die Dosen regulär gekennzeichnet sind und als Treibmittel Propan / Butan, sowie die üblichen Lösungsmittel enthalten, ist der Inhalt nach technischen Gesichtspunkten mit leicht entzündlich (Flamme), reizend (Andreaskreuz) und umweltgefährlich („toter Fisch“) zu kennzeichnen. Dosen ohne Kennzeichnung sind nicht mehr zu bekommen, normalerweise ist da wenigstens die Flamme drauf, denn Kohlendioxid oder Luft als Treibmittel sind nicht so leicht zu realisieren. Erwünscht ist, dass das Spray bis zum letzen Tropfen ein gleichmäßiges Sprühbild bringt.

Spezielle Kettensprays für den Offroad-Einsatz

Bisher wurden das Motorex Offroad-Spray im Vergleich zu anderen Produkten getestet: Auf der Crosstrecke wirken völlig andere Faktoren auf die Kette ein, sodass sich so ein Spray von anderen stark unterscheiden müsste. Es kommt stark auf die Art des Geländes und den Kettenschutz an, ob die Kette mit Matsch, Staub oder Wasser in Berührung kommt.

Im Falle des direkten Kontakts mit Dreck, sind zu starke Anhaft- und Klebewirkungen unerwünscht. Die Haftwirkung eines Sprays muss sehr differenziert sein: Die Kette muss im Inneren (soweit möglich) und unter den Rollen geschmiert werden. Äußerlich anhaftender Schmutz ist unerwünscht, weil sich daraus die vielzitierte Schmirgelpaste ergibt.

Wie in den Bilder rechts zu sehen, ist das Motorex Offroad-Spray nicht das beste in Sachen Korrosionschutz, doch wie der Praxistest Offroad zeigte, lag es was Schmierwirkung und Ergiebigkeit angeht, vor dem Castrol Racing und dem Louis Procycle Kettenspray an erster Stelle. Im matschigen Gelände könnte auch ein normales Kriechöl für die häufigen Sprayintervalle ausreichen - das ist eine unserer Erkenntnisse.

Auf keinem Fall sollte ein stark klebendes Öl wie von HKS oder gar Kettensägenhaftöl verwendet werden. Auch die stark klebenden 'Strong' und Racing-Produkte erscheinen eher ungeeignet. Anbieter permanenter Kettenschmierungssysteme empfehlen im Matsch sogar eine Emulsion aus Öl und Wasser.

  • Motorex Offroad: Das Spezialspray für den Offroadeinsatz: Schmiert und Dreck haftet weniger an der Offroadkette. Für Ketten mit und ohne O-Ringe. Im Test verwundert, dass es nur einen dürftigen Korrosionsschutz hat. Macht aber im Gelände eine gute Figur.
  • Putoline MX offroad-Kettenspray: Ebenfalls von seiner Mischung und Klebrigkeit den besonderen Gegebenheiten einer Crosspiste (Dreck & Staub) angepasst und daher relativ ergiebig.
  • Caramba PTFE Spray: Der Außenseiter im Test: Schmiert nur durch Adhäsion und lässt Dreck abperlen. Eine gute Alternative zu klebrigen Sprays.
  • Louis Pro Cycle: Der ‚billige Jakob‘ ist doch ein Kettenspray für das Grobe: Wenn im Straßenbetrieb mangelnde Klebeigenschaften bemängelt werden, verrichtet Louis ProCycle im Gelände unauffällig seine Arbeit. Häufiges Nachsprühen tut angesichts des Literpreises auch nicht weh.
  • Castrol Chainlube Racing: Anders als andere Racing Kettensprays lässt sich das Castrol Spray relativ dünn auftragen und verteilt sich ähnlich wie das Motorex Offraod Kettenspray. Es ist für leichte Endurosektionen geeignet. Auf der Straße ist es vorne mit dabei.
  • HKS Extem: Außer für die Straße ist das HKS Extrem Schmiermittel auch bedingt Enduro-tauglich. Nach eine ausreichenden Ablüftzeit kann HKS Extrem auch auf Sandpassagen eingesetzt werden. Ideal scheint das ergiebige für den Offroad-Einsatz zu sein, weil es eben nicht klebt.

Bei totalem Fango-Bad reagieren alle Ketten ähnlich: Sie sind total eingeschlammt und eine Schmierwirkung lässt sich nicht mehr feststellen. Da ein Kettenschutz bei Offroadbetrieb zu Kettenklemmern und mangelnder Selbstreinigung führen kann, ist der Schutz nur ein Tipp für leichtes Gelände und trockene Böden.

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