Die Motorradkutte ist für viele Biker ein wichtiges Statussymbol und ein Zeichen der Zugehörigkeit zu einem Motorradclub (MC). Sie ist mehr als nur ein Kleidungsstück; sie ist ein Teil der Identität und ein Ausdruck des Lebensgefühls. Doch das Tragen einer Kutte ist oft mit Regeln und Gepflogenheiten verbunden, die es zu beachten gilt.
Was ist eine Kutte?
Das Wort "Kutte" stammt vermutlich vom englischen "cut" (to cut: schneiden). Die ersten MC-Member trennten damals die Ärmel von ihren Jeansjacken ab und versahen diese Westen mit den Insignien ihres Clubs. Heute sind die Kutten aus praktischen Gründen üblicherweise aus Leder.
Bestandteile einer Kutte
Eine typische Kutte besteht aus verschiedenen Elementen:
- Rücken (Colour): Auf dem Rücken befindet sich das dreiteilige Colour des Clubs oder das Anwärter-Patch ohne Clublogo.
- Vorderseite: Die Vorderseite enthält das Einprozenter-Patch, den Clubnamen und persönliche Abzeichen (Name, Rang bzw. Position, In Memoriam-Aufnäher, erworbene Auszeichnungen etc.).
- Side Rocker: Der sogenannte Side Rocker trägt den Namen des Chapters.
Die Kutte ist das wichtigste Statussymbol eines MC-Members und zählt zum Clubeigentum. Viele Onepercenter dulden nicht, dass ihre Kutte von Fremden berührt wird, da dies als respektloses Verhalten gegenüber dem Club gilt. Wann und wo die Kutte getragen wird, schreiben die internen Regeln vor.
Der Weg zur vollständigen Kutte
Der Weg zum Vollmitglied führt in der Regel über einen ➝Supporterclub oder einem ➝Hangaround, von dort zum ➝Prospect-Status und in einigen MCs zum ➝Probationary (Mitglied auf Probe), bis man irgendwann für würdig befunden wird, das Full Colour zu tragen.
In der Schweiz gibt es beispielsweise ein klares Prozedere:
- Name, Statuten, Farben und Logo müssen von allen 8 Präsidenten der Charter genehmigt werden.
- Nach Genehmigung und offizieller Verkündung darf die Kleinpatch oder Frontpatch Kutte getragen werden. Das heisst auf dem Rücken ist nichts auf der Brust Euer Logopatch, rechts Name des Klubs und unten die Ortschaft, der Rang darf getragen werden muss aber nicht.
- Erst dann kann der Antrag auf Grosspatch gestellt werden. Wird dies genehmigt seid Ihr Anwärter auf Grosspatch und dürft ab nun den unteren Schriftzug eurer Ortschaft (Bottomrocker) und das MC auf dem Rücken tragen.
- Nach bestandener Anwärterzeit darf die vollständige Kutte getragen werden.
Vieleicht verstehst Du jetzt wesshalb Möchtegern Kutten nicht geduldet werden erst recht nicht wenn bestehende Klubfarben (colors) verwendet werden.
Regeln und Respekt
An sich kannst du dir selber eine Kutte machen,solltest aber vorsichtig sein,wie du welche Patches verwendest, und wenn du welche von bekannten Clubs als Supporter verwendest,musst du auf dein Umfeld achten. Eine reine Kutte ohne Patches o.ä. ist kein Problem (i.d.R.), sobald da aber Patches drauf sind wird's schwierig. Auch wenn die Patches zu keinem MC gehören, allein der optische Aspekt könnte vermuten lassen dass du einen eigenen Club hast oder angehörst. Das finden die nicht so toll und dann kann es ärger geben.
Man kann es sehen wie man will ... Wenn man Ärger vermeiden will, macht es Sinn, sich zu informieren, was man besser unterlassen sollte. Als nicht Organisierter ist doch nichts dagegen einzuwenden wenn man ne Lederweste hat auf denen er zb. Ein großes Rückempatch symbolisiert meist eine IG , MC , oder Vereine. finde ich das auch in Ordnung.
Kuttenverbote und rechtliche Aspekte
Die Hells Angels, Bandidos und Gremium MC dürfen weiterhin öffentlich keine Logos ihrer Motorradclubs zeigen. Motorradclubs müssen es hinnehmen, dass die Logos verbotener Gruppen nicht von anderen Mitgliedern in leicht abgewandelter Form getragen werden dürfen.
Die Richter sehen zwar einen erheblichen Grundrechtseingriff, weil "Kutten" für die Identität der Vereinsmitglieder von fundamentaler Bedeutung seien. Der Grundrechtseingriff diene aber dem "Schutz von äußerst wichtigen Rechtsgütern" und sei deshalb auch nicht verbotenen Gruppierungen zumutbar.
Nach dem Urteil des Richter in Karlsruhe ist das Tragen der Kutten nicht strafbar.
Das Bundesverfassungsgericht hatte 2020 ein verschärftes bundesweit geltende Kuttenverbot [bundesverfassungsgericht.de] für kriminelle Rocker wie Hells Angels und Bandidos bestätigt.
Das Verhältnis zu Frauen in der Biker-Szene
Entgegen landläufiger Meinung haben Frauen in der Bikerszene durchaus Menschenrechte. Das Property of … auf der Rückseite vieler Kutten bedeutet nicht, dass eine Frau auf immer und ewig zum rechtlosen Besitz eines Mannes wird und sich alles gefallen lassen muss, sondern lediglich, dass sie Teil des Clubs ist und somit unter dessen Schutz steht. Die Property of …-Kutten gibt es übrigens nur bei den Einprozenter-Clubs (Manche MCs vergeben die Kutte auch an Clubhuren, dann lautet die Aufschrift z.B.
Old Ladys sind feste Freundin oder Ehefrau eines Bikers und hoch angesehen in der Szene. Die Frau eines Bikers ist tabu für alle anderen Männern.
In manchen Clubs dürfen Frauen nicht selber Motorrad fahren oder nur, wenn sie nicht ihre Kutte tragen, aber grundsätzlich hat kein Rocker etwas gegen Bikerladys einzuwenden - im Gegenteil erfahren sie großen Respekt und viel Hilfsbereitschaft.
Wie sie eine Frau behandeln, hängt vor allem von deren Verhalten ab. Sie können durchaus zwischen einer Lady und einem Piece unterscheiden und behandeln Frauen überraschenderweise oft erheblich respektvoller als der Rest der Gesellschaft.
Clubleben und Verhalten auf Partys
Oft laden Biker Clubs zu offenen Abenden (Open House Partys) oder auch Family Days ein, auf denen jeder willkommen ist, der sich benehmen kann. Auf manchen dieser Veranstaltungen wird Geld für einen gemeinnützigen Zweck gesammelt oder für die Familien von Mitgliedern, die hinter Gittern sitzen oder sonstwie in Not geraten sind.
Der Zutritt zu internen Partys ist nur geladenen Gästen erlaubt; die Termine werden ausschließlich intern bekannt gegeben. Neben Bands sorgen dort oft Stripperinnen und Erotikshows für Unterhaltung. Auf nicht öffentlichen Partys geht es tatsächlich im Stil von Booze & Sex sehr wild zu.
In vielen Clubs gilt bei Open House-Partys ein Alkoholverbot für Member bzw die Prospects, um Exzesse zu vermeiden und notfalls für Ordnung zu sorgen. Ob Drogen konsumiert werden, hängt vom Club ab.
Egal, ob männlicher oder weiblicher Gast: Eine unbedachte Bemerkung nach dem siebten Whiskey-Cola kann schnell zu Ärger führen. Meinungen jeglicher Art behält man besser für sich, auch - und besonders - wenn man gefragt wird, was man von einer bestimmten Sache oder einer Person hält. Ein diplomatisches „Hab davon gehört“ ist die sicherste Antwort. Und um Gottes Willen keine Fragen zu Club-Interna stellen!
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