Motorrad Lederhandschuhe Herren Test: Sicherheit und Komfort im Fokus

“Auf die Hand", lautet die Antwort auf die Frage, worauf man im Fall der Fälle immer fällt. Auch im Sommer, selbst auf dem schnellen Sprung zur Eisdiele. Bestmöglicher Schutz sollte also auch bei kurzen, luftgekühlten Handschuhen gegeben sein, weshalb wir 11 Sommerhandschuhe für Motorradfahrer und Motorradfahrerinnen getestet haben.

Was macht einen Motorradhandschuh zu einem Sommerhandschuh für Motorradfahrer und Motorradfahrerinnen? Die kurze Stulpe, das Leder oder ein Leder-Textil-Mix, der sportliche Look und die Hitzetauglichkeit. Und natürlich muss auch ein luftiger Sommerhandschuh sicher und zertifiziert sein. Läden und Onlineshops sind damit prall gefüllt.

Wir aber wollten von elf Anbietern ihr bestes Stück im Sortiment - weswegen zumeist Sommerhandschuhe in Vollleder oder einem wertigen Leder-Textil-Mix ins Rennen geschickt wurden. Schließlich gab es unsererseits die klare Vorgabe, dass wir nicht nur Passform und Komfort bewerten, sondern auch die gebotene Sicherheit genauestens unter die Lupe nehmen. Auch gaben wir in diesem Test bewusst keine Preisspanne an, weshalb Modelle zwischen 60 und 130 Euro gegeneinander antreten und beweisen, dass teuer nicht gleich besser ist.

Die wichtigsten Eigenschaften von Motorradhandschuhen

Motorradhandschuhe gehören wie Helme, robuste Stiefel oder Schuhe mit Protektoren zur persönlichen Schutzkleidung. Sie zeichnen sich durch abriebfeste Materialien aus Kunstfasern und/oder Leder mit aufgesetzten oder eingearbeiteten Protektoren an besonders gefährdeten Bereichen wie der Handkante oder den Fingerknöcheln aus. Ob sie mit kurzer oder langer Stulpe und mit oder ohne atmungsaktive sowie wasserdichter Membran ausgerüstet sind, ist Geschmackssache und hängt vom individuellen Einsatzzweck ab. Die Modellvielfalt ist groß und reicht vom leichten und knapp geschnittenen Handschuh für Offroad-Fahrten hin zum dick gepolsterten und wasserdichten Winterhandschuh.

Die hier getesteten 9 wasserdichten Tourenhandschuhe müssen ein kleines Kunststück vollbringen, da sie einen relativ weiten Einsatzbereich abzudecken haben. Die Hände sollen weder zu warm noch zu kalt werden - etwas Futter und Membran bedeutet aber zusätzliches Material. Gleichzeitig soll ein möglichst enger Sitz mit Bewegungsspielraum und guter Fingerfertigkeit für die Bedienung aller Hebel und Schalter am Lenker gegeben sein. Zudem sollte das Navigationsgerät zumindest rudimentär bedienbar sein, ohne die Handschuhe ausziehen zu müssen.

So testet MOTORRAD: fahren, bewerten, protokollieren

Um ein optimales Gesamtpaket zu schnüren, kommt kein Hersteller um Kompromisse herum. Natürlich ist eine Hand in dünnem und zudem großzügig gelochtem Leder oder sehr leichtem und grobmaschigem Textil am besten belüftet, doch wir wollen Motorradhandschuhe, die sich im "worst case" - sprich Asphaltkontakt - nicht in Luft und Wohlgefallen auflösen.

Unabdingbar sind hierfür also robuste Protektoren, sinnvoll platzierte Schleifer und Materialdopplungen, vornehmlich aus Leder an besonders gefährdeten Stellen. Diese dämpfen zwar Komfort- und Wohlfühlattribute wieder, schützen im Ernstfall jedoch bestmöglich. Entsprechend dazu haben wir den Schwerpunkt unseres Tests auf die Sicherheit gelegt. Mit ganzen 35 Punkten gibt es die meisten Zähler in genau dieser Kategorie. Ein neuralgischer Punkt ist der Schutz der Handkante, weswegen viele Hersteller diese auch umfassend verstärken. Wie das genau aussieht, haben wir auf als Detailbild zu jeder Paarung im Test mit abgebildet.

Abriebtest der Handschuhkanten mit Konny, der Kunsthand

Doch wie funktioniert dieser optisch zum Teil sehr eindrucksvolle Schutz in der Praxis? Das haben wir diesmal mit einer speziellen Prüfvorrichtung mittels Schleifscheibe und Standbohrmaschine ausgelotet. Während einige Hersteller hier auf die klassische und bis zu einer gewissen Belastungsgrenze abriebfeste Lederdopplung setzen, fahren andere zusätzliches Geschütz auf: Held, Modeka, Stadler und Vanucci bestücken ihr Modell mit "Super-Fabric". Die Mischung aus Polyester und Epoxidharz, aufgebracht in einer punktartigen Struktur, ist sehr abrieb- und schnittfest, temperaturbeständig und zudem angenehm flexibel.

Durch die unterpolsterte Anbringung zum Beispiel am Ballen wird die Energie hier abgefangen und die bloße Haut bekommt im besten Fall weder Hitze noch Bodenkontakt ab. Auch die Knöchel sind in allen Testmodellen gut gebettet, was die Zertifizierung mit dem Kürzel "KP" im Etikett bescheinigt. Konkret bedeutet es, dass bestimmte Schlagdämpfungswerte des Protektors bei der Zulassung zum Motorrad-Handschuh nicht überschritten wurden. Dies ist zwar weder in Deutschland vorgeschrieben noch 100-prozentiger Bruchschutz, jedoch eine deutliche Empfehlung.

Dieser Meinung schließt sich auch Prof. Dr. Max Haerle, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Hand- und Plastische Chirurgie der orthopädischen Klinik Markgröningen, an. Neben dem Gespräch über Hände, Handverletzungen, Handwellness und Handprophylaxe begutachtete er die Testmodelle und gab wertvolle Tipps zur Beurteilung und Gewichtung der Ergonomie sowie der Beschaffenheit.

Die getesteten Modelle im Detail

Stadler Vent - der Testsieger

Preis: 129 Euro; Farbe: Schwarz; Größen: 7 bis 12; Materialien: Ziegenleder, Känguruleder; Futter aus "Kevlar" und "Coolmax"; Verstärkungen aus "Super-Fabric"; Herstellungsland: Pakistan; Zertifizierung: Level 1 mit Knöchelprotektor Gute Passform, viel Griffgefühl, sehr gute Beweglichkeit, sehr starke Belüftung, sehr gute Schutzausstattung, fester Abstreifschutz an Handgelenk, abriebfeste Handkante, klimaregulierendes "Coolmax", "Kevlar" an Handrücken Nähte vereinzelt spürbar, Druckstelle unter Gummilippe an linkem Zeigefinger

Fazit: Der Testsieger Vent von Stadler liefert das beste Gesamtpaket: sehr guter Schutz gepaart mit sehr guter Belüftung und hohem Tragekomfort. Bei der Top-Ausstattung ist der stolze Preis ohne Zweifel gerechtfertigt.

MOTORRAD-Urteil: sehr gut

Modeka Sonora - unser Kauftipp

Preis: 69,90 Euro; Farben: Schwarz/Rot, Schwarz/Gelb; Größen: 6 bis 12, Lang- und Kurzgrößen; Materialien: Ziegenleder, Känguruleder, Polyester; Futter aus Polyester; Verstärkungen aus "Super-Fabric"; Herstellungsland: Pakistan; Zertifizierung: Level 1 mit Knöchelprotektor Gut anliegende Passform, sehr gutes Griffgefühl durch aufgerautes Leder, Handrücken/Finger sehr komfortabel und gut durchlüftet, gute Beweglichkeit, solide Schutzausstattung Futterstoff sehr glatt, dadurch rutschig bei nassen (schwitzigen) Händen, Stulpe schließt mäßig

Fazit: Der Modeka Sonora ist der Jogginganzug unter den Sommerhandschuhen: extrem komfortabel, viel Gefühl und genug Luft. Er punktet in allen Kategorien und hat die Auszeichnung als Kauftipp redlich verdient.

MOTORRAD-Urteil: gut

Alpinestars SP X Air Carbon v2

Preis: 114,95 Euro; Farben: Schwarz, Schwarz/Weiß, Schwarz/Rot, Rot/Weiß; Schwarz, Schwarz/Blau, Schwarz/Rosa; Größen: S bis 3XL, DXS bis DXL; Materialien: Ziegenleder, Polyamid; Knöchelprotektor aus Karbon; Futter aus Polyester; Herstellungsland: Vietnam; Zertifizierung: Level 1 mit Knöchelprotektor Knackige Passform, gute Belüftung an Fingern (auch innen perforiert), gute Schutzausstattung, angenehme Stulpe mit guter Weitenverstellung, gute Verarbeitung, viel Stabilität, Damen-Pendant verfügbar, Touch-Tip Sehr steifes Leder und kleine Druckstellen schränken Komfort und Beweglichkeit ein

Fazit: Alpinestars stattet den sportlichen Kurzhandschuh mit reichlich Protektoren und Verstärkungen aus. Durch ausreichend Belüftung ist er ein guter Tipp für sportlich orientierte Sonnenanbeter.

MOTORRAD-Urteil: gut

Bogotto Flint

Preis: 69,95 Euro; Farben: Schwarz, Orange, Rot, Grün, Gelb; Größen: XS bis 3XL; Materialien: Ziegenleder, Polyurethan, Polyester; Futter aus Polyester; Herstellungsland: Pakistan; Zertifizierung: Level 1 mit Knöchelprotektor Sattes Griffgefühl, sportlich enganliegend, dennoch gute Beweglichkeit, solider Komfort, gute Belüftung zwischen den Fingern und in Richtung Handgelenk, Lederüberlappung an Handgelenk, Stulpe schließt gut ab, Touch-Tip Leichte Defizite beim Abriebschutz an Handkante und in der Verarbeitung, vereinzelt Druckstellen durch scheuernde Nähte

Fazit: Sportlicher Sitz, solide Schutzausstattung, große Farbauswahl und dazu ein recht attraktiver Preis. Als gutes Einsteigermodell macht der Flint vieles richtig, kann aber in Sachen Sicherheit und Komfort noch nachlegen.

MOTORRAD-Urteil: gut

Büse Airway

Preis: 89,95 Euro; Farben: Schwarz, Weiß, Rot/Gelb, Weiß/Gelb; Größen: 8 bis 13; Materialien: Rindsleder, Ziegenleder, Polyester; Knöchelprotektor aus Karbon; Futter aus Polyester; Herstellungsland: Pakistan; Zertifizierung: Level 1 mit Knöchelprotektor Angenehm weiches Leder, großzügige Passform, gutes Griffgefühl, sehr beweglich, gute Belüftung an Fingern und zum Handgelenk hin, Stulpe schließt gut ab Leichte Druckstellen unter Finger-Protektoren, kein Schleifer an Handballen, im Inneren leicht rutschig, etwas breiter geschnitten

Fazit: Der Airway von Büse ist nicht für jede Hand, für breitere jedoch umso besser geeignet. Ihrem Namen alle Ehre macht die Belüftung besonders an den stark perforierten Fingern. Insgesamt ein angenehmer Einstiegssportler.

MOTORRAD-Urteil: gut

FLM Sports 3.0

Preis: 59,99 Euro; Farben: Schwarz/Rot, Grau/Rot; Größen: 8,5 bis 10 (halbe Größen); Materialien: Ziegenleder, Polyamid, Polyurethan; Futter aus Polyester; Herstellungsland: Indonesien; Zertifizierung: Level 1 mit Knöchelprotektor Gute Beweglichkeit und angenehmes Leder, Hartplastik-Schutz an Handgelenk, viel Belüftung an Daumen und Handgelenk, guter Abriebschutz durch Lederdopplung an Handkante Daumen sehr eng geschnitten, restliche Finger hingegen sehr großzügig, insgesamt wenig Stabilität, mäßiges Griffgefühl, störrischer Verschluss an Stulpe, vereinzelt drückende Nähte

Fazit: Der Sports 3.0 ist ein preiswertes Modell für kräftige Hände mit eher dünnem Daumen. Finger und Handgelenk werden akkurat belüftet. Durchaus eine Alternative für Einsteiger oder auf kurzen Pendlerstrecken.

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Held Kakuda

Preis: 89,95 Euro; Farben: Schwarz, Schwarz/Rot, Schwarz/Orange, Schwarz/Weiß; Größen: 7 bis 12, Lang- und Kurzgrößen; Materialien: Ziegenleder; Futter aus Polyester; Verstärkungen aus "Super-Fabric"; Herstellungsland: Indonesien; Zertifizierung: Level 1 mit Knöchelprotektor Gutes Griffgefühl, gute Beweglichkeit trotz Vollleder, angenehm belüftet, viele und zudem sehr gut platzierte Protektoren, zusätzlicher Schutz an Handgelenk, Stulpe schließt gut Fällt etwas groß aus, linker Zeigefinger durch Gummilippe etwas steif, kein Protektor an Daumen, braucht Eintragezeit

Fazit: Ein toll gemachter Sommer-Held von den Allgäuer Handschuhprofis. In allen Bereichen kann der komfortabel zu tragende Kakuda punkten, lässt trotz Vollleder viel Luft im Innern zirkulieren und kostet dabei keine 100 Euro.

MOTORRAD-Urteil: gut

iXS Talura 3.0

Preis: 69,95 Euro; Farben: Schwarz, Weiß/Schwarz; Größen: S bis 5XL, DS bis DXL; Materialien: Ziegenleder, Polyester, Polyamid; Futter aus Polyester; Herstellungsland: Pakistan; Zertifizierung: Level 1 mit Knöchelprotektor Gutes Griffgefühl und viel Bewegungsfreiheit, rundum belüftet durch sehr viel Perforation und Textil zwischen Fingern, Touch-Tip, Damen-Version verfügbar Fällt etwas groß und breit aus, Nähte innen deutlich spürbar, mittlere Schutzausstattung, Stulpe schließt nur mäßig, Handkante nicht durchgängig mit Lederdopplung verstärkt

Fazit: Der iXS Talura 3.0 ist ein echtes Hochsommermodell: Leicht, kurz und stark durchlüftet zeigt er an heißen Tagen seine Stärken. Insgesamt ein preiswertes Modell mit kleinen Defiziten für eher breitere Hände.

MOTORRAD-Urteil: gut

Orina Spark

Preis: 59,90 Euro; Farbe: Schwarz; Größen: 7 bis 11; Materialien: Rindsleder, Polyester; Klimamem­bran "Outlast"; Herstellungsland: Pakistan; Zertifizierung: Level 1 mit Knöchelprotektor Sehr gute Beweglichkeit, gutes Griffgefühl, erstklassig belüftet, klimaregulierendes Outlast bringt Extrakomfort, Abstreifschutz-Riemen an Handgelenk Insgesamt wenig Stabilität, zu geringer Lederanteil, mittlere Schutzausstattung, vereinzelte Druckstellen an Fingern und Handgelenk, Riemen und Verschluss nicht eng genug

Fazit: Der Spark von Orina ist ein extrem luftiges Sommermodell mit hohem Tragekomfort. Trotz einzelner Defizite ein noch guter Handschuh, der die Geldbörse schont.

MOTORRAD-Urteil: gut

Rukka Rytmi 2.0

Preis: 109 Euro; Farben: Schwarz/Blau/Weiß, Schwarz/Rot/Weiß, Schwarz/Silber/Weiß; Größen: 6 bis 14; Materialien: Leder; Futter aus Polyester; Herstellungsland: Indonesien; Zertifizierung: Level 1 mit Knöchelprotektor Gute Passform, extrem komfortabel und bequem, sehr gute Beweglichkeit, fester Griff, Schutz an Ballen sehr abriebfest, Vollleder Nahezu keine Belüftung spürbar, mittlere Schutzausstattung, Stulpe schließt nicht fest genug, dadurch kein Abstreifschutz

Fazit: Der Rukka Rytmi 2.0 macht vieles richtig, zieht neben all den gut belüfteten Konkurrenten jedoch leider den Kürzeren. Für kühlere Tage ist er allerdings ein extrem bequemer Allrounder mit Wohlfühlcharakter.

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Vanucci Short Racing IV

Preis: 99,99 Euro; Farben: Schwarz, Schwarz/Weiß, Schwarz/Gelb, Schwarz/Grau/Rot; Größen: XS bis 3 XL, S bis XXL (Multicolor); Materialien: Rindleder, Ziegenleder, Känguruleder; Futter aus Aramidfaser und Baumwolle; Herstellungsland: China; Zertifizierung: Level 1 mit Knöchelprotektor Viel Griffgefühl, viel Stabilität, sicheres Gefühl, knackiger Sitz, sehr gute Schutzausstattung, angenehme und gut durchdachte Stulpe, vorbildlicher Abriebschutz an Handkante, "Kevlar" an Handrücken Nur mäßige Belüftung, insgesamt eher steif, Finger fallen lang aus, vereinzelte Druckstellen

Fazit: Vanuccis Short Racing IV trägt sein Einsatzgebiet bereits im Namen: Die Schutzausstattung knabbert etwas an der guten Durchlüftung im Sommer, dafür aber hat der zügige Fahrer einen sicheren Greifer in der Hand.

MOTORRAD-Urteil: gut

Weitere Empfehlungen und Tipps

Beim Thema Motorradhandschuhe gibt es keinen echten Alleskönner, ratsam sind deshalb mindestens zwei unterschiedliche Paare. Dies ist natürlich auch davon abhängig, ob Heizgriffe an der Maschine ausreichend wärmen. Häufig haben geschickt ausgewählte Handschuhe schon geholfen, wenn Vibrationen die Hände haben kribbelig werden lassen. Gefütterte Handschuhe haben allerdings den Nachteil, dass das Griffgefühl mit zunehmender Dicke der Fütterung immer indirekter wird.

Motorradhandschuh-Arten im Detail

Touren-Handschuhe

Das Angebot an Touren-Handschuhen ist besonders groß, denn sie kommen einem Allround-Handschuh recht nah. Touren-Handschuhe sollten am besten wasserdicht sein. Wer auf Membran-Technologie verzichtet, muss Regen-Überziehhandschuhe mitnehmen.

Übergangs- und Winterhandschuhe

Übergangshandschuhe bestehen meist aus einem Textil-Leder-Mix, sind stark gefüttert und gepolstert, um Wärme besser zu speichern. Bei Winterhandschuhen werden besondere Kälteschutz-Materialien wie beispielsweise Thinsulate eingearbeitet. Dies ist für Winter-Motorradhandschuhe besonders wichtig, denn bei kühleren Temperaturen können die dem Fahrtwind ausgesetzten Hände derart auskühlen, dass sie steif werden und die Griffsicherheit leidet. Wenn Sie Heizgriffe verwenden, sollte die Wärmeisolierung auf der Handinnenseite nicht zu dick sein.

Sporthandschuhe

Sporthandschuhe sind, wie bereits beschrieben, mit Abstand die sichersten, aber gleichzeitig teuersten Motorradhandschuhe. Ihre Form und die fehlende Fütterung sorgen für einen guten Kontakt zu Griffen und Hebeln, schränken jedoch den Komfort ein. Für alle Rennstreckenpiloten, aber auch für ambitionierte Fahrer von Sportbikes bei Spritztouren sind solche Modelle die richtige Wahl.

Offroad-Handschuhe

Neben den Handschuhen für Straßenmaschinen gibt es auch spezielle Modelle für den Offroad-Einsatz. Diese Handschuhe unterscheiden sich deutlich von denen für Fahrten auf der Straße. Im Fokus steht bei diesen Modellen ein möglichst guter Grip zwischen Händen und Lenker. Auch eine Dämpfung gegen Stöße und Vibrationen muss vorhanden sein. Deswegen verfügen viele Offroad-Handschuhe an den Handinnenflächen über Silikon- bzw. Gelposter. Im Bereich zwischen Daumen und Zeigefinger werden diese durch besonders griffige Einsätze ergänzt.

In der Regel bestehen Offroad-Handschuhe aus ein- oder mehrlagigen, dehnbaren, aber robusten Kunststoffgeweben, die je nach Einsatzzweck auch eine Durchlüftung ermöglichen. Die Protektoren sollen vorrangig vor herumfliegenden Steinchen und peitschenden Zweigen schützen. Eine höhere Abriebfestigkeit wie Lederhandschuhe für den Onroad-Einsatz haben sie nicht.

Chopper-Handschuhe

Chopper-Handschuhe leiden in Sachen Sicherheit oft unter dem faulen Kompromiss Aussehen gegen Alltagstauglichkeit. Sie sollten nach Ansicht der ADAC Experten auf keinen Fall fingerlos sein. Denn das kann bei Rutschern über den Asphalt fatale Folgen haben. Gänzlich abzuraten ist von Handschuhen mit Fransen. Diese können sich leicht verfangen und im Extremfall sogar die Hand abreißen.

Tipps zu Kauf und Pflege der Handschuhe

  • Kaufen Sie Motorradhandschuhe nie zu groß, Leder dehnt sich bei Gebrauch.
  • Die Finger müssen ohne Widerstand tief in die Fingersäcke reichen. Die Beweglichkeit der Finger sollte möglichst wenig beeinträchtigt werden. Bei der Anprobe Fingergymnastik machen.
  • Das Futter darf beim Herausziehen der Hand nicht an den Fingern haften bleiben und sich nach außen stülpen. Dazu Handschuhe einige Minuten tragen.
  • In Einzelfällen kann das "Kleben" der Finger in den Fingersäcken durch das Tragen dünner Innenhandschuhe vermieden werden. Das sollten Sie bei der Anprobe untersuchen. Die Innenhandschuhe können auch zur Temperaturanpassung dienen.
  • Beim Umgreifen des Lenkers sollten die Fingerkuppen nicht vorn im Handschuh anstoßen, es sollten sich auch keine Falten an der Innenhand bilden. Durch diese Falten können Druck- und Reibstellen an den Handinnenflächen entstehen.
  • Wichtig sind weiche Protektoren oder zumindest Aufdoppelungen an den Handballen, den Handaußenkanten und den Knöcheln. Sie dürfen nicht drücken, wenn die Hände sich auf den Lenkergriffen abstützen.
  • Die Nähte sollten möglichst doppelt vernäht sein. Außenliegende Nähte sind nicht per se schlechter oder zeugen von minderer Qualität. Sie ermöglichen eine bessere, dichter anliegende Passform für die Finger.
  • Die Stulpen der Handschuhe sollten über das Ärmelende der Kombi- bzw. der Motorradjacke passen. Damit wird verhindert, dass Wasser in den Ärmel läuft.
  • Reflex-Streifen auf den Handschuhen erhöhen die Sichtbarkeit bei Dunkelheit.
  • Kleine, integrierte "Scheibenwischer" am linken Zeigefinger sorgen bei Regenfahrten für bessere Sicht. Solche Gummiwischer können auch nachträglich über den Zeigefinger gezogen werden.
  • Nasse Lederhandschuhe dürfen Sie auf keinen Fall mit starker Wärme (Wäschetrockner, Heizkörper, Feuer) trocknen. Das Leder wird sonst rissig. Auch das Trocknen auf noch heißen Motorradzylindern ist schädlich.
  • Auch wenn Sie Ihre Lederhandschuhe gut pflegen, sollten Sie sie nach spätestens sechs Jahren erneuern. Vielfahrer sollten das schon früher tun, spätestens dann, wenn die Nähte anfangen sich aufzulösen.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Lederhandschuhe sind abriebfester als Textilhandschuhe.
  • Alle Handschuhe sollten Protektoren besitzen.
  • Bei Kauf und Nutzung auf die Nähte achten.
  • Keinen Meter auf dem Motorrad oder Roller ohne richtige und passende Handschuhe.

Testergebnisse im Überblick

Hier eine Zusammenfassung einiger getesteter Modelle und ihrer Bewertungen:

Modell Passgenauigkeit Material/Verarbeitung Tragekomfort Praxistauglichkeit Ausstattung Wetter Sicherheit
Spidi Ranger LT Sehr gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut Gut Gut Sehr gut
iXS Viper Gut Gut Gut Gut Gut Sehr gut Gut
CozoMe Motorradhandschuhe CO102 Sehr gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut
Proanti 500305PW Motorradhandschuhe Sehr gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut Sehr gut

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