Die Auswahl an Motorradjacken im Retro-Stil ist groß. Folglich sind auch in unserem Test ganz verschiedene Retro-Motorradjacken vertreten. Je nach Art und Weise der eingegangenen Partnerschaft von Leder und Textil entsteht im einen Fall eine Tourenjacke, im nächsten eine Sportjacke und im anderen Fall eine Retro-Jacke.
Bei der Kombination von Leder und Textil liegt es nahe, jene Stellen aus Leder zu fertigen, die bei einem Sturz erfahrungsgemäß mit dem Boden in Kontakt kommen - also vornehmlich Arme und Schulterbereich. Textilgewebe darf seine Stärken dann hingegen im Brust- und Innenarmbereich sowie an weiteren vergleichsweise unempfindlichen Stellen ausspielen.
So kann die Jacke auch während der Fahrt spontan und unkompliziert an alle Wettergegebenheiten angepasst werden - sei es warm oder kalt, nass oder trocken, Wüste oder Asphalt. Der Retro-Style fordert viel Leder, doch im Sinne von Komfort und Belüftung werden ungefährdete Stellen wie die Armbeuge durch luftiges und flexibles Textilgewebe verbessert.
Da überrascht es wenig, dass sich zwei Jacken den Testsieg teilen, die in ihrer Ausrichtung unterschiedlicher kaum sein könnten. Unsere Haut ist aber in beiden hübsch und sicher verpackt.
Testsieger und Kauftipps im Überblick
Im Folgenden werden einige der getesteten Jacken detaillierter vorgestellt:
Rev’it Mantis
Preis: 419,99 Euro; Größen: S bis XXL; Farben: Schwarz, Schwarz/Weiß, Schwarz/Neongelb, Schwarz/Neonrot; Gewicht: 2,40 kg (Größe M); Zertifizierung: prEN 17092-4:2017, Level A; Herstellungsland: Vietnam; Material: Obermaterial aus Rindsleder, Polyester, Polyamid und Elasthan, Futter aus Polyester, Schulterplatten aus TPU
Bewertung Material-Kombination: Dank Mesh bei Bedarf luftig und bequem, dank Leder trotzdem abriebfest.
Fazit: Rev’it bietet mit der Mantis eine sehr gelungene Sportjacke, die dank Mesh-Gewebe selbst bei heißem Wetter funktioniert. Auch Kälte und Nässe kann sie gut ab. Trotz weniger Verstellmöglichkeiten reicht es zum Mit-Testsieg.
MOTORRAD-Urteil: sehr gut
Rev'it Mantis: Vorteile und Nachteile
- Vorteile: knackiger und gut definierter Sitz, Ärmellänge und -krümmung praxisgerecht, sehr angenehmes Futter, entnehmbare Klimamembran, Kragen und Protektoren äußerst komfortabel, tadellose Verarbeitung, kurzer und langer Verbindungsreißverschluss, Brustprotektor möglich
- Nachteile: niedriger Kragen ohne Verstellmöglichkeit, keine Weitenverstellung am Ärmelende
Rukka Melfort
Preis: 559,95 Euro; Größen: 46 bis 66; Farben: Schwarz, Oliv-Braun; Gewicht: 2,71 kg (Größe 46); Zertifizierung: FprEN 17092-3:2016, Level A; Herstellungsland: China; Material: Obermaterial aus Rindsleder, Polyamid und Baumwolle, Futter aus Polyester
Bewertung Material-Kombination: Größtenteils Textil, Leder an gefährdeten Stellen und aus optischen Gründen.
Fazit: Die Rukka Melfort zeigt sich als vollausgestattete Tourenjacke mit Adventure-Ambitionen, lediglich bei zu viel Hitze kommen die großzügigen Belüftungsöffnungen irgendwann an ihre Grenzen. In ihrem Genre Testsieger!
MOTORRAD-Urteil: sehr gut
Rukka Melfort: Vorteile und Nachteile
- Vorteile: tadellose Verarbeitung, hoher Kragen, Gore-Tex-Z-Liner-Membrane im Oberstoff, Futter mit langem Reißverschluss sauber eingezippt, Ärmelenden durch Klettverschluss bedingt weitenverstellbar, auch mit Handschuhen gut zu bedienen, sechs großzügige Außentaschen
- Nachteile: Kragenweitenverstellung könnte noch flexibler sein, mit Abstand die schwerste Jacke im Test, nur wenig Stretchanteil, konzeptbedingt weniger gut belüftet als andere Jacken
Büse Ferno
Preis: ab 299,95 Euro; Größen: 25-32, 46-64, 98-122, plus Damengrößen; Farbe: Schwarz; Gewicht: 2,40 kg (Größe S/48); Zertifizierung: EN 17092-3:2020, Level AA; Herstellungsland: Pakistan; Material: Obermaterial aus Rindsleder und Polyamid, Futter aus Polyester
Bewertung Material-Kombination: Lederbesatz an allen wichtigen Stellen, selbst Brust-, Nacken- und Steißbereich, dazu Textilflächen mit Lüftungsöffnungen.
Fazit: Die Ferno ist eine sehr komfortable und auf Sicherheit bedachte Leder-/Textiljacke. In der Praxis überzeugt sie durch klare Machart und gute Bedienung. Toll ist außerdem die Variantenvielfalt, auch eine passende Hose bietet Büse.
MOTORRAD-Urteil: gut
Büse Ferno: Vorteile und Nachteile
- Vorteile: angenehme Passform, hoher Tragekomfort, Ärmellänge und -krümmung praxisgerecht, passend dimensionierte Weitenverstellungen, perfekte Protektorengröße und -platzierung, entnehmbare Humax-Klimamembran, komfortabler Kragen, umfangreiches Größenangebot, Damenvariante erhältlich
- Nachteile: Kragen und Klettriegel recht tief, minimale Verarbeitungsmängel, Zipper etwas klein
Trilobite All Ride
Preis: 299,95 Euro; Größen: S bis 4XL; Farbe: Schwarz; Gewicht: 2,41 kg (Größe M); Zertifizierung: FprEN 17092-3:2019, Level AA; Herstellungsland: Pakistan; Material: Obermaterial aus Rindsleder, Polyester und Polyamid, Verstärkungen aus Aramid, Futter aus Polyester
Bewertung Material-Kombination: Minimaler Lederanteil rein für die Optik an Kragen, Taschen und Ärmeln.
Fazit: Eine Textiljacke, bequem wie der Lieblingsschlafanzug, dazu mit Extras und gutem ökologischem Gewissen gesegnet - doch eine Leder-Textil-Jacke ist die All Ride nicht wirklich, denn die Lederapplikationen bieten keinen wirklichen Mehrwert.
MOTORRAD-Urteil: gut
Trilobite All Ride: Vorteile und Nachteile
- Vorteile: ordentliche Verarbeitung, sehr hohes Maß an Komfort, Level-2-Protektoren, vorbereitet für Alpinestars Airbagweste, Futter aus recyceltem Polyester, Extras wie Warndreieck-Helmbeutel und Mikrofasertuch, Zwei-Wege-Reißverschluss zur Belüftung an Ärmeln, mehrere Reflektoren
- Nachteile: Weitenverstellung nur per Druckknopf, Ärmelöffnung für große Stulpen etwas eng, keine Weitenverstellung an Kragen und Ärmelenden
Weitere getestete Modelle
Neben den oben genannten Modellen wurden noch weitere Jacken getestet, darunter:
- Bogotto Explorer-Z
- Bogotto Tek-M
- Course Boomer
- Dainese Super Rider D-Dry
- Held Jester
- iXS Tour LT ST
- Rebelhorn Vandal Air
- Richa Terminator
Kriterien des Tests
Bei diesem Produkttest wurden strenge Kriterien für eine Teilnahme vorgegeben. Zwingendes Kriterium war hingegen die Verarbeitung von zwei Materialien in einer Jacke: Leder und Textil. Die Hersteller konnten selbst entscheiden, welche Art von Jacke sie für den Produkttest zur Verfügung stellen wollten.
Die Testkriterien umfassten:
- Sicherheit (30 P.): Bewertung des Obermaterials, der Sicherheitsnähte und der Protektoren.
- Passform und Tragekomfort (30 P.): Bewertung von Schnitt, Anpassungsmöglichkeiten, Bewegungsfreiheit, Gewicht und Bedienbarkeit.
- Verarbeitung und Ausstattung (25 P.): Bewertung von Haptik, Geruch, Qualität der Fertigung und Ausstattung mit Extras.
- Wetterschutz (15 P.): Bewertung des Schutzes vor Nässe, Belüftung und Isolation.
Sicherheitsleistung von Lederjacken
Wenngleich Leder von Natur aus guten Abriebschutz bietet, stiegen die Anforderungen beim Aspekt Sicherheit über die Jahre immer höher. Drum verfügen alle Testteilnehmer über integrierte Gelenkprotektoren für zusätzlichen Aufprallschutz und sind gemäß der in Europa geltenden Norm EN 17092 als Motorrad-Schutzkleidung zertifiziert.
Reißverschlüsse sind bei ausnahmslos allen Jacken im Test mit Leder hinterlegt, sodass sich diese nicht in die Haut brennen können, sollte Reibung sie bei einem Sturz aufheizen. Sinnvoll sind darüber hinaus Sicherheitsnähte, die aus reißfestem Garn bestehen und doppelt oder dreifach ausgeführt sind - schließlich nutzt abriebfestes Obermaterial nur wenig, wenn dazwischen aufgrund schwacher Nähte plötzlich Lücken klaffen.
An besonders sturzgefährdeten Stellen setzen viele Jacken außerdem auf Materialdoppelungen, um nochmals mehr Schutz bei ungewolltem Asphaltkontakt zu bieten.
Fazit
Die getesteten Retro-Motorradlederjacken bieten eine gute Kombination aus Stil und Sicherheit. Je nach Bedarf und Einsatzgebiet gibt es verschiedene Modelle, die unterschiedliche Stärken und Schwächen aufweisen. Die Wahl der richtigen Jacke hängt von den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben ab.
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