Yamaha Motorräder mit drei Rädern: Modelle, Fahrleistungen und Innovationen

Yamaha hat mit seinen dreirädrigen Motorrädern und Rollern eine Nische im Markt besetzt, die auf Fahrsicherheit, Stabilität und innovative Technik setzt. Diese Fahrzeuge richten sich an Fahrer, die ein einzigartiges Fahrerlebnis suchen und Wert auf Komfort und Benutzerfreundlichkeit legen.

Yamaha Niken GT: Die dreirädrige Kurvenkünstlerin

Die Yamaha Niken GT ist ein Motorrad mit drei Rädern und kontroversem Design. Die dreirädrige Kurvenkünstlerin pfeilt ultrastabil um Biegungen jedes Radius‘. Egal ob der Untergrund super grippt oder aber nass-krank, dreck-krank oder sonstwie bösartig erscheint: Situationen, in denen sich die Arme von Motorradfahrern gerne unbewusst versteifen, kümmern einen auf der Niken nicht. Sie bügelt über all das hinweg, als wäre nichts.

Schon eher erstaunt, wie viel mehr zwei Räder verzeihen beziehungsweise möglich machen. In unbekanntem Terrain mächtige Schräglagen um die 40 Grad abreiten? Let’s grins. In Schräglage bremsen? Was soll’s. Ähnlich viel Fahrspaß bei unfassbar hoher Fahrsicherheit unter wechselnden, unbeständigen Fahrbahnbedingungen kann kein reguläres Motorrad bieten.

Neuer Motor und weitere Verbesserungen der Yamaha Niken GT

Die weiteren Änderungen der 2023er-Generation betreffen nicht das Konzept, sondern alleine dessen Umsetzung. So gibt es eine Modifikation des Stahlrahmens mit dem Ziel einer leichten Massenverschiebung. Dazu wird der Motor um fünf Grad stärker nach vorne geneigt, was neue Aufhängungspunkte erforderlich machte. Auch gibt es eine neue Abstimmung der Schwinge.

Das Triebwerk entspricht weitgehend dem aktuell in der Tracer 9 verwendeten Aggregat. Es bietet gegenüber der Ur-Niken bei 42 ccm mehr Hubraum deutlich mehr Kraft. Das ist angesichts des beträchtlichen Fahrzeuggewichts sehr willkommen. Dass der Ansaugtrakt leiser arbeitet und die Auspuffanlage überarbeitet worden ist, empfinden wir ebenfalls positiv.

Zu notieren sind zudem ein jetzt gut funktionierender Quickshifter für kupplungsloses Schalten, ein neues, 7 Zoll großes TFT-Display samt endlich passendem Bedienkonzept, neue Lenkerarmaturen und eine deutlich voluminösere Plexiglasscheibe zugunsten eines verbesserten Windschutzes. Sehr angenehm empfinden wir die neu gestaltete Komfort-Sitzbank. Auch ein Tempomat ist serienmäßig. Er ist allerdings nicht von der adaptiven Machart, die Yamaha der ebenfalls modifizierten Tracer 9 GT+ spendiert hat.

Die Ausstattung der Niken GT ist üppig: Selbst die beiden 30-Liter-Seitenkoffer, zwei Steckdosen und eine Griffheizung sind serienmäßig. Unterm Strich bleiben nur wenige Wünsche offen, beispielsweise die nach automatisch rückstellenden Blinkern oder einem schlüssellosen Startsystem. Auch würde eine Verriegelungsmöglichkeit der Vorderräder manches Rangiermanöver erleichtern.

Technische Daten der Yamaha Niken GT

Hier eine Übersicht der technischen Daten der Yamaha Niken GT:

  • Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 190 km/h, Normverbrauch 5,8 l/100 km
  • Fahrwerk: Stahlrohr-Brückenrahmen, vier 41 mm ø USD-Standrohre zur Federung/Dämpfung bzw. Radführung vorne, 110 mm Federweg; Aluminiumguss-Schwinge hinten, Zentralfederbein, Vorspannung per Handrad hydraulisch einstellbar, 125 mm Federweg; Aluminiumgussräder; Reifen vorne jeweils 120/70R15, hinten 190/55R17; vorne je Rad eine 298 mm ø Einzelscheibenbremse, hinten 282 mm ø Einscheibenbremse
  • Assistenzsysteme: Drei Fahrmodi, ABS, schräglagenfähige Traktionskontrolle, Zweiwege-Quickshifter
  • Maße und Gewichte: Radstand 1500 mm, Bodenfreiheit 150 mm, Sitzhöhe 825 mm, Gewicht fahrfertig 270 kg plus Seitenkoffer, Zuladung 191 kg, Standgeräusch 92 dB(A).

Yamaha TMW Concept: Der geländegängige "Multi-Wheeler"

In Japan präsentiert Yamaha das TMW Concept und damit seinen ersten geländegängigen "Multi-Wheeler", sozusagen eine Offroad-Niken. Es wurde laut Yamaha freiwillig von Projektmitarbeitern der Motorradtestabteilung entwickelt und ist der erste geländegängige "Multi-Wheeler" der Marke. "Multi-Wheeler" ist Yamahas Bezeichnung für Fahrzeuge mit drei oder mehr Rädern, die sich wie ein Motorrad in Schräglage neigen können.

Die beiden Vorderräder des Yamaha TMW Concepts werden von elektrischen Nabenmotoren angetrieben, das Hinterrad von einem herkömmlichen Verbrennermotor. "Die beiden Vorderräder sind unabhängig voneinander beweglich", so Yamaha. Also, natürlich nicht in der Richtung und dem Lenkeinschlag, sondern in der Art, dass sie sich an unterschiedliche Untergrundverhältnisse anpassen können. Möglich macht dies das Leaning-Multi-Wheel-Gestänge, welches wir aus dem dreirädrigen Motorrad namens Niken kennen sowie aus den Dreiradrollern Tricity 125 und Tricity 300.

An diesem Leaning-Multi-Wheel-Gestänge des Yamaha TMW Concepts ist ein Gepäckträger mit verschließbarer Kunststoffbox befestigt. Der Gepäckträger ändert dank des Gestänges, an dem er befestigt ist, seine Neigung nicht.

Yamaha Tricity 300: Der Premium-Sport Roller für die Stadt

Der Yamaha Tricity 300 ist ein Dreirad-Roller, der auch von einem Teil der Autoführerschein-Inhabern gefahren werden kann. Die Japaner kreuzten dafür ihr Dreirad-Konzept des 125er-Tricity-Rollers (aktuell nicht in Deutschland erhältlich) mit dem aufsehenerregenden Dreirad-Motorrad Niken. Wer den Pkw-Führerschein der Klasse B oder Klasse 3 vor dem 19. Januar 2013 erworben hat, darf nämlich alle dreirädrigen Kraftfahrzeuge fahren, auch mit Anhänger.

Die ab dem 19. Januar 2013 erworbene Klasse B umfasst ebenfalls das Führen von dreirädrigen Kraftfahrzeugen, jedoch nur in Deutschland (Schlüsselziffer 194). Sofern das Kraftfahrzeug eine Motorleistung von mehr als 15 kW aufweist, ist zu beachten, dass die Fahrberechtigung für Dreiräder nur gilt, wenn der Inhaber der Fahrerlaubnis mindestens 21 Jahre alt ist. Die dafür geforderte Spurweite von 46 Zentimetern übertrifft der Tricity um einen Zentimeter, auch das vorgeschriebene Fußpedal, das alle Bremsen gleichzeitig betätigt, ist an Bord.

Gestartet wird mittels schlüssellosem Transponder-System: Mit dem Sender in der Tasche lassen sich über einen Drehknauf das Lenkschloss, die Zündung und über darunterliegende Tasten die Sitzbank und der Tankverschluss öffnen. Der flüssigkeitsgekühlte Einzylinder mit 292 Kubikzentimetern Hubraum zählt zu den modernsten Aggregaten des Segments mit einteiliger geschmiedeter Kurbelwelle und Semi-Trockensumpfschmierung. So stehen dem Tricity-Treiber ebenfalls 28 PS und ein Drehmoment von 29 Newtonmetern zur Verfügung, die mit dem Gewicht von 239 Kilogramm akzeptabel zurechtkommen. Ein Sprintkönig ist der Tricity aber nicht, er erfreut eher mit seiner gleichmäßigen Leistung, die ihn maximal bis auf 126 km/h beschleunigt.

Das hohe Gewicht kommt durch die Yamaha-eigene Neigetechnik Leaning Multi Wheel (LMW) an der Front zustande. Hier führen Tandem-Telegabeln die beiden Räder unabhängig voneinander. Während die hinteren Gabelholme die Führungsarbeit übernehmen, besorgen die vorderen die Dämpfung. Die Gabeln sind wie üblich über ein quer zur Fahrtrichtung angeordnetes Parallelogramm-Gestänge miteinander verbunden. Das zeigt Wirkung: Weil diese Strebe kürzer als der Abstand zwischen den Schwenkachsen der beiden Doppelgabeln ist, entstehen beim Lenken ungleich lange Hebelarme.

Erstmals bei Yamaha lassen sich die beiden Vorderräder arretieren. Das "Standing Assist-System", über eine Taste an der Vorderseite der linken Lenkerarmatur aktiviert, blockiert das Parallelogramm-Gestänge und hält den Roller beim Anhalten aufrecht - sofern die Geschwindigkeit unter zehn km/h gesunken ist. Allerdings bleibt die Feder- und Dämpfungsfunktion der beiden Doppelgabeln erhalten, dadurch kann die Front flexibel auf Bodenunebenheiten reagieren. Das erhöht den Komfort, die Sicherheit und macht das Rangieren leichter.

Technische Daten des Yamaha Tricity 300

Hier eine Übersicht der technischen Daten des Yamaha Tricity 300:

Merkmal Daten
Motor/Getriebe Flüssigkeitsgekühlter Viertakt-Einzylinder, 292 cm³ Hubraum, 20,6 kW/28 PS bei 7250 U/min 29 Nm bei 5750 U/min; vier Ventile/Zylinder, ohc, Einspritzung, CVT-Automatik, Fliehkraftkupplung, Riemen-Sekundärantrieb
Fahrleistungen und Verbrauch Höchstgeschwindigkeit 126 km/h, 3,7 l/100 km
Fahrwerk Stahlrohrrahmen; zwei 330-mm-Doppel-Telegabeln vorn (nicht einstellbar), 100 mm Federweg; Triebsatzschwinge hinten, zwei Federbeine (Vorspannung einstellbar), 84 mm Federweg; Leichtmetall-Gussräder; Reifen 2x120/70-14 (vorn) und 140/70-14 (hinten).

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