Das Wehrmachtsgespann: BMW R75 und ihre Geschichte

Das Wehrmachtsgespann, insbesondere die BMW R75, ist ein faszinierendes Stück Militärgeschichte. Diese schweren Militärmaschinen erregen Aufmerksamkeit und wecken sowohl positive als auch negative Reaktionen.

Die Faszination für Militärmaschinen

Michael Fuhrmann, ein Liebhaber schwerer Militärmaschinen, fährt mit seinem Wehrmachtsgespann, einer BMW R75, jährlich mehrere tausend Kilometer. Obwohl er den Krieg verabscheut, schätzt er das Fahrgefühl und das Motorengeräusch dieser besonderen Maschine.

Die R75 wurde gebaut, um bequem lange Strecken zurückzulegen für Menschen, die den Auftrag hatten, zu töten. Das Wehrmachtsgespann BMW R75 verfügt über einen angetriebenen Seitenradwagen und einem Rückwärtsgang. Sie fährt maximal 100 Kilometer pro Stunde. Von dem Motorradgespann wurden 18000 Exemplare produziert. Für gut in Schuss gehaltene Maschinen liegt der Marktpreis bei mehreren zehntausend Euro.

Eine bewegte Geschichte

Michael Fuhrmanns Maschine hat eine bewegte Geschichte. Seine R75 sei ein Erlkönig, die Nummer 25 von 36 Prototypen, die 1940 von diesem Modell im BMW-Werk in Eisenach gebaut wurden.

Um ihre Geländefähigkeit zu testen, seien sie in die Heeresversuchsanstalt nach Kummersdorf gebracht worden. Die Maschine blieb in Kummersdorf und als 1945 die russischen Truppen anrückten, floh einer der Ingenieure damit nach Berlin. Die Maschine hält einiges aus.

Technische Details und Entwicklung der BMW R75

Die BMW R 75 wird ab 1941 von der Bayerischen Motoren Werke AG speziell für den militärischen Einsatz der Wehrmacht entwickelt. Sie ist als schweres Kraftrad mit Seitenwagen (Kradschützen-Gespann) konzipiert und zählt zu den technisch fortschrittlichsten Militärmotorrädern ihrer Zeit. Die Fertigung erfolgt im BMW-Werk München-Allach, nicht in Eisenach. Die R 75 wird ausschließlich mit angetriebenem Seitenwagen ausgeliefert und ist für den Geländeeinsatz optimiert.

Baujahr 1941 - Serienanlauf und technische Merkmale

Die Serienproduktion beginnt im Juni 1941. Die BMW R 75 verfügt über ein handgeschaltetes Vierganggetriebe mit zusätzlichem Geländeuntersetzungsgetriebe und Rückwärtsgang. Der Seitenwagen ist über eine Kardanwelle permanent angetrieben und mit einem Sperrdifferenzial ausgestattet. Diese Kombination ermöglicht eine außergewöhnliche Geländegängigkeit. Die Maschine ist für den militärischen Dauereinsatz konzipiert, mit robuster Rahmenkonstruktion und zentralem Instrument im Tank.

Baujahr 1942 - Anpassungen für extreme Einsatzbedingungen

1942 wird die R 75 für den Einsatz in Nordafrika modifiziert. Die sogenannte Tropenausführung umfasst unter anderem einen vergrößerten Luftfilter, zusätzliche Halterungen für Wasserkanister und eine verbesserte Abdichtung gegen Staub. Auch die Wartungsfreundlichkeit wird durch überarbeitete Komponenten wie den Kardanantrieb verbessert. Diese Änderungen erfolgen auf Grundlage von Erfahrungen aus dem Afrikafeldzug.

Baujahr 1943 - Bauteilangleichung mit Zündapp KS 750

Auf Anordnung des Oberkommandos des Heeres wird 1943 eine Vereinheitlichung von Bauteilen mit der Zündapp KS 750 beschlossen. Ziel ist die Reduktion der Ersatzteilvielfalt. Die BMW R 75 erhält in diesem Zuge unter anderem ein standardisiertes Seitenwagenfahrwerk. Die Materialknappheit im Kriegsverlauf führt zu vereinfachten Ausführungen einzelner Komponenten, etwa bei elektrischen Bauteilen und Anbauteilen.

Baujahr 1944 - Produktionsende

Die Produktion der BMW R 75 endet im August 1944. Laut offiziellen BMW-Angaben werden insgesamt 16.510 Einheiten gefertigt. Die Fertigung wird eingestellt, da die Industrie auf andere Rüstungsgüter umgestellt wird. Die letzten Modelle weisen vereinfachte Ausstattungen auf, darunter reduzierte elektrische Systeme und vereinfachte Lackierungen.

Besonderheiten und Ausstattung

Die BMW R 75 ist ausschließlich mit Seitenwagen erhältlich. Der Seitenwagenantrieb mit Sperrdifferenzial ist ein zentrales Merkmal. Die Sitzposition ist aufrecht, mit breitem Lenker und tiefem Einzelsattel, ausgelegt für lange Geländefahrten. Die Maschine ist nicht für den Soziusbetrieb ohne Seitenwagen vorgesehen. Ein verstellbarer Windschild ist nicht vorhanden. Die Instrumentierung besteht aus einem zentralen Rundinstrument im Tank.

Technische Daten im Überblick

Merkmal Details
Motor 745-Kubik-Boxer
Leistung 26 PS bei 4.000 U/min
Getriebe Vier Gänge für Straßenbetrieb, drei für Gelände, Rückwärtsgang
Tankinhalt 24 Liter
Reichweite ca. 350 Kilometer (unter Idealbedingungen)
Höchstgeschwindigkeit 95 km/h

BMW im Zweiten Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg prägte die 40er-Jahre. In NS-Deutschland hatte sich ihm alles unterzuordnen. Dies galt auch für BMW. Als der Krieg endlich aus war, war der Weg zur zivilen Motorrad-Produktion steinig.

BMW verschrieb sich als Lieferant von Flugmotoren für Kampfflugzeuge der deutschen Kriegswirtschaft. Dem musste sich die Produktion von Motorrädern unterordnen: Der Bau der sportlichen R 51 wurde bereits im Jahr 1940, die Fertigung aller übrigen Typen 1941 eingestellt. Motorräder von BMW waren allerdings bei Behörden beliebt, auch bei der Wehrmacht. Als leichte Kurier- und Ausbildungsmaschinen waren die Modelle R2, R4 und R 35 im Einsatz. Sie alle wurden in den 30er-Jahren entwickelt, genau wie die R 12. Diese wurde mit Beiwagen an die Wehrmacht geliefert.

Im Prinzip waren das alles zivile Serienmodelle, die mit geringen Modifikationen - wie Lackierung, anderen Schutzblechen oder größeren Halterungen für Gepäck - "kriegstauglich" angepasst wurden.

Die deutsche Expansions- und Kriegspolitik erforderte ein Motorrad-Gespann, das auf verschiedensten Untergründen vorankommen konnte, von Schotter über Schlamm, Eis und Schnee bis hin zu Wüstensand. Es musste also unter extremen Bedingungen sowie Temperaturen funktionieren und dazu möglichst wartungsfreundlich aufgebaut sein.

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