Die Ducati Panigale V4R ist im Feld der Superbike-WM ein Exot. Das italienische Superbike grenzt sich optisch und technisch in vielen Bereichen vom Rest des WSBK-Feldes ab. Als einziger Hersteller verwendet Ducati einen V4-Motor.
Aber auch die Konstruktion des Rahmens mit dem Motor als tragendem Bauteil, die charakteristische Trockenkupplung und die für Ducati typische Einarmschwinge sind auffällige Technologien, die man sonst bei keinem anderen Superbike sieht. Zoom Die Einarmschwinge hat bei Ducati eine große Tradition.
Doch die Tage der Einarmschwinge sind gezählt. Im Exklusiv-Interview mit Motorsport-Total.com enthüllt Ducati-Technikkoordinator Marco Zambenedetti, dass beim nächsten Modell eine konventionelle Schwinge zum Einsatz kommt.
Warum eine Einarmschwinge im Rennsport (fast) nur Nachteile hat
Aus Performance-Gründen spricht vieles für den Wechsel zu einer klassischen Zweiarmschwinge, denn in Sachen Steifigkeit, Gewicht und Abstimmungsmöglichkeiten hat eine Einarmschwinge konzeptionsbedingte Nachteile. Die leichteren Radwechsel, der offensichtliche Vorteil der Einarmschwinge, sind kein Argument mehr.
Mit modernen Schnellwechselsystemen lassen sich die Hinterräder auch bei Zweiarmschwingen sehr schnell und einfach wechseln. Andererseits geht Ducati in der MotoGP seit mittlerweile über 20 Jahren mit klassischen Schwingen an den Start.
Das mit einer konventionellen Schwinge ausgerüstete neue Ducati-Superbike soll bereits beeindruckende Rundenzeiten erreicht haben. In der Superbike-WM, in der jede Zehntelsekunde entscheidet, wird die Neuerung von den Ingenieuren sehnsüchtig erwartet. Doch die Schwinge hat einen großen Einfluss auf das Fahrverhalten und die Performance auf der Rennstrecke. Das spürt auch der normale Endverbraucher und nicht nur ein professioneller Fahrer", erklärt Marco Zambenedetti.
Zu Beginn der 1990er verwendete Honda beim Innovationsträger NR750 eine Einarmschwinge. Die legendäre Ducati 916 folgte der Designsprache der Ovalkolben-Honda und teilte sich Merkmale wie den Auspuff unter dem Heck, einige Designelemente und auch die Einarmschwinge.
Die Beliebtheit der Einarmschwinge in den 1990ern
In den 1990ern kamen die Einarmschwingen in Mode. Bei der 916-Baureihe verbaute Ducati zum ersten Mal in einem Superbike diese Technologie und zog die Blicke auf sich. Damals setzte aber auch Honda auf diese Bauweise. Honda verwendete auch bei einigen Grand-Prix-Prototypen Einarmschwingen, verabschiedete sich aber später davon.
Lediglich bei der bei den Ducati-Fans nicht besonders beliebten 999-Baureihe, die von 2003 bis 2007 in der Superbike-WM zum Einsatz kam, verzichtete Ducati auf dieses Gadget und zog sich den Zorn vieler treuer Stammkunden zu. Die aktuelle Panigale V4R wird aber das vorerst letzte Ducati-Superbike mit freiem Blick auf die Hinterradfelge sein.
Performance vs. Tradition
Denn aus Performance-Sicht hat eine Einarmschwinge keine Vorteile. Im Gegenteil: Gewicht und Steifigkeit bereiten den Ingenieuren einige Probleme. Die Steifigkeit der Felge ist in Rechts-/Linkskurven unterschiedlich. Der Vorteil des schnelleren Radwechsels wurde mit Schnellwechselsystemen für konventionelle Schwingen obsolet. Im Grand-Prix-Sport sind Einarmschwingen bereits vor zwei Jahrzehnten verschwunden.
"Wir sind immer offen, wenn es darum geht, unser Motorrad mit den bestmöglichen Merkmalen auszustatten", erklärt der Italiener und deutet damit an, dass die Einarmschwinge nicht unersetzbar ist. Doch den Wechsel muss sich Ducati gut überlegen. "Es ist eine Entscheidung, die aus technischer Sicht getroffen werden muss, bei der aber auch das Marketing und das Design eine Rolle spielen.
Es müssen viele Stationen durchlaufen werden, um so etwas zu realisieren", erklärt Marco Zambenedetti im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Doch auf der anderen Seite wollen wir unseren Kunden das bestmögliche Fahrerlebnis bieten", nennt der Ducati-Ingenieur den Interessenkonflikt bei diesem Thema.
Ausblick auf die Zukunft
Viele Details zur neuen Ducati Panigale V4R sind noch nicht bekannt, doch die im Rahmen der World Ducati Week in Misano vorgestellte Panigale V4S gibt bereits einen Vorgeschmack. "Das ist eine Änderung, die wir uns bereits 2019 wünschten", kommentiert Bautista, der kein Freund der Einarmschwinge ist.
"Eine konventionelle Schwinge sorgt für eine bessere Fahrstabilität. Das spürt man vor allem am Kurvenausgang. "Mit der Einarmschwinge ist das Motorrad sehr unruhig. Die Schwinge muss steifer sein, weil sie lediglich einen Arm hat", nennt Bautista den Grund. Auf Grund der hohen Steifigkeit kann sich die Schwinge in Schräglage nicht so gut verwinden wie eine normale Schwinge.
"Das Gefühl mit der Einarmschwinge ist merkwürdig. Bereits bei seinem WSBK-Debüt vor fünf Jahren erkannte Bautista, dass die spezielle Schwinge der Panigale ein Nachteil ist. "Ich habe mir die Zweiarmschwinge seit 2019 gewünscht. Als ich aus der MotoGP kam, meinte ich, dass wir auch hier eine normale Schwinge benötigen.
"Okay, das mag die Philosophie sein, doch wenn die anderen Motorräder immer besser werden, dann muss Ducati auch einen Schritt machen. Im Lager der Ducatisti erzeugt die Abkehr von der Einarmschwinge ein gemischtes Echo. Traditionalisten bedauern das Ende des für die Ducati-Superbikes so prägnanten Bauteils. Andere freuen sich auf die versprochene Performance-Steigerung.
Bautista verweist darauf, dass im Laufe der Zeit einige markante Merkmale verschwanden, wie der Gitterrohrrahmen und der V2-Motor. Noch in der laufenden Saison wird es von Ducati eine Evolution der aktuellen Einarmschwinge geben. "Wir befinden uns bei der Länge am Limit. Deshalb wurde die neue Schwinge entwickelt, die so lang ist, dass wir uns im mittleren Einstellbereich befinden", schildert der Ducati-Werkspilot.
"Wir haben damit mehr Möglichkeiten, den Radstand zu verlängern oder zu verkürzen. Auf Nachfrage von Motorsport-Total hat Ducati-Technikkoordinator Marco Zambenedetti die neue Schwinge bestätigt und angekündigt, auch in den Bereichen Motorcharakteristik und Fahrwerk nach weiteren Verbesserungen zu suchen.
Zusammenfassung der Vor- und Nachteile
Um die Diskussion zu veranschaulichen, hier eine Zusammenfassung der wesentlichen Punkte:
| Merkmal | Einarmschwinge | Zweiarmschwinge |
|---|---|---|
| Gewicht | Höher | Geringer |
| Steifigkeit | Geringer, unterschiedliche Steifigkeit in Kurven | Höher, gleichmäßige Steifigkeit |
| Radwechsel | Einfacher | Komplexer (Schnellwechselsysteme gleichen dies aus) |
| Abstimmungsmöglichkeiten | Begrenzt | Umfangreicher |
| Optik | Auffällig, traditionell bei Ducati | Konventionell |
| Wartung | Leichter | Aufwendiger |
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