Motorrad Spikes Reifen: Alles, was du wissen musst

Wenn du im Winter mit deinem Motorrad über Eis und Schnee fahren möchtest, sind Motorradreifen mit Spikes die optimale Lösung. Spikes gibt es nämlich nicht nur für Autoreifen, sondern auch für Motorräder. Beim Kauf, aber vor allem bei der Verwendung, gibt es einiges zu beachten.

Grundlegende Informationen zu Spikes für Motorradreifen

Es geht hier hauptsächlich um Spikes für Motorradreifen. Grundsätzlich lassen sich auch viele Spikes in grobstolligen oder vorbereiteten PKW-Reifen verwenden. Auch Arbeitsmaschinen lassen sich aufgrund der groben Bereifung oft mit Spikes versehen.

Es gibt viele falsche Informationen zu Spikes im Internet. Dies liegt oft am Zitieren unbestätigter Meinungen oder von unqualifizierten Forenbeiträgen. Nur sehr selten werden eigene Erfahrungen geschildert und wenn doch, ist es immer noch interessant zu wissen, ob die Spikes auch sinnvoll verarbeitet wurden. Dies ist oft nicht der Fall.

Es gibt Spikes zum Einschießen und zum Einschrauben. Außerdem gibt es Bastellösungen (Schrauben in Stollen drehen, Mantel durchschrauben usw.). Alle mir bekannten Lösungen werde ich hier vorstellen und mit Erfahrungen unterlegen. Selbstverständlich können auch fertig bespikte Reifen von Händlern bezogen werden.

Arten von Spikes

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten von Spikes:

  1. Schraubspikes zur eigenständigen Montage: Hier kannst du je nach Bodenbeschaffenheit, Training, Wettkampf usw. die Länge bzw. Anzahl der Spikes im Reifen selber festlegen. Für das Einschrauben der Spikes in den Motorradreifen wird ein Einschraubadapter benötigt. Es gibt sehr viele verschiedene Hersteller und Arten von Schraubspikes. Allerdings hat die Erfahrung gezeigt, dass es nur eine Marke von Spikes gibt, die wirklich haltbar ist und nicht bereits nach einem Training defekt ist. Hier hat sich die italienische Marke Best Grip in den letzten Jahren als Premium Hersteller etabliert. Genutzt werden die Spikes sowohl von Profifahrern als auch von Tourenfahrern, die eine Weltreise machen und die Spikes bei schlechten Wetterbedingungen direkt vor Ort einschrauben.
  2. Motorradreifen mit Spikes kaufen: Fertig bestückte Reifen mit Spikes gibt es natürlich auch zu kaufen. Die Spikes werden dafür in den Motorrad Reifen eingeschossen und eingeklebt. Viele Hersteller bieten diese mittlerweile an. Ihr könnt auch zwischen verschiedenen Längen der Spikes wählen. Bewährt hat sich, vor allem in den skandinavischen Ländern, aber nur ein Reifen: der Michelin AC10 Cross Competition.

Die Bedeutung der richtigen Spikes-Anordnung

Wichtig ist das Bespiken des Vorderrades, da es die Maschine in der Spur halten muss. Das Hinterrad hat bei mir oft 50 Prozent seiner Spikes verloren und fuhr sich kaum anders. Vorn verliert man auch selbst eingeschossene Spikes nicht, da keine Beschleunigungskräfte aufgenommen werden müssen. Mit Spikes kann man auch vorn verhalten bremsen.

Der schlimmste Feind der Spikes sind Asphalt und Schotter. Auf Asphalt fährt sich ein falsch bespikter Reifen wie Plattfuß und Lagerschaden zusammen. Vor allem die Mittelstollenreihe im Vorderreifen ist dafür verantwortlich. Schotter reißt Spikes regelrecht heraus.

Bei Fahrten auf Eis empfiehlt sich folgender Einsatz von Spikes (hierbei entspricht die Höhe dem Herausschauen des Spikes aus dem Stollen):

  • Vorderrad Mittelstollenreihe: Autospikes oder tief versenkte Rallyspikes (1 mm bis max.
  • Vorderrad 1.
  • Hinterrad 1.

Methoden zum Anbringen von Spikes

Einschießen von Spikes

Das Einschießen von Spikes in Motorradreifen kann man in vielen Ländern in Werkstätten machen lassen oder man besorgt sich eine Spikepistole (Einsetzgerät) und die entsprechenden Spikes dazu. Spikes können in vorgebohrte Reifen (vom Hersteller bereits so hergestellt) oder in selbst gebohrte Reifen eingeschossen werden. Ein vorgebohrter Reifen darf vorher nicht gefahren worden sein, damit sich keine kleinen Steinchen oder Dreck in den Bohrlöchern befinden. Der Reifen würde beim Spiken sonst beschädigt werden. Außerdem kann die Spikepistole davon kaputt gehen (vor allem die Spreizlamellen).

Für den Selberspiker kommen nur Handpistolen in Frage, alles andere wäre zu teuer. Es gibt verschiedene Ausführungen von Spikepistolen. Die Tellerdurchmesser der Spikes fangen bei 6,5 mm an (der Teller ist die dicke Verbreiterung am unteren Ende des Spikes). Da Motorradreifen nicht sehr hohe Stollen haben, empfiehlt es sich, einen kleinen Durchmesser zu nehmen (8 mm). Bei einem Tellerdurchmesser von 8 mm gibt es bereits 10 mm lange Autospikes und 10 mm lange Rallyspikes (es sollten aber 13er genommen werden).

Die Spikepistole wird mit Druckluft betrieben. Am besten, man benutzt sie an der Anlage einer befreundeten Werkstatt. Die Druckluftanlage muss den gängigen Spezifikationen genügen. Man kann eine AS-8 von OKU nehmen, die reicht in den meisten Fällen aus. Diese Pistole ist eigentlich nur für Einflansch-Spikes (Single Flange) gedacht, funktioniert aber auch schon seit Jahren mit Rallyspikes (Multiflansch-Spikes). Aber am besten vorab klären, sonst gibt es womöglich Überraschungen nach dem Kauf. Die Pistolen könnt ihr über den Fachhandel (z.B. Stahlgruber) bestellen. Macht euch bitte bei der Hersteller-Webpage (OKU) schlau, bevor ihr beim Fachhandel nervt. Meist wissen die dort nicht viel über Spikes. Druckluftpistolen sind natürlich nicht ganz billig. Bei OKU kann man nicht direkt bestellen (nur Händler). Eine AS-8 kostet ca.

Verschiedene Arten von Spikes

Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Spikes. Material (Edelstahl, Stahl, Alu, Plastik) und Form sind sehr vielseitig. Die interessanten Spikes sind normale Autospikes (Single Flange) und sogenannte Rallyspikes (Multi Flange). Die Autospikes haben einen Edelstahlkern und einen Stahlmantel (Sinterspikes), sind zylindrisch und haben unten einen Teller, welcher den Spike im Reifen festhält. Der Rallyspike sieht eher aus wie ein Tannenbaum mit mehreren kleineren zusätzlichen Tellern - damit er besser hält.

Spikes bekommt ihr ebenfalls über den Fachhandel. Auch hier gilt: vorher die Page mal besuchen: (SITEK). Autospikes sind relativ preiswert (40-80 Euro pro 1000 Stück). Rallyspikes dagegen recht teuer.

Einschrauben von Spikes

Einschraubspikes gibt es in verschiedenen Ausführungen. Spikes können z.B. Die Kosten liegen ca. bei 50 bis 70 Euro pro 100 Stück. Wer ordentlich bespikt fahren will, sollte ca. 150 bis 200 Spikes pro Reifen einplanen. Mindestmenge wird oft mit 50 Spikes pro Reifen angegeben, was ich persönlich für zu wenig halte.

Die einfachste Möglichkeit ist das Einschrauben der Spikes mittels Akkuschrauber. Dazu benötigt man die Spikes und den dazugehörige Einschraubadapter. Dieser ist ein einfacher Stift mit einer formschlüssigen Einschraubhilfe für den Spike. Beim Einschrauben sollte der Reifen sauber sein und die Spikes schrauben sich leichter, wenn sie befeuchtet werden (Spüliwasser). Die verschiedenen Varianten der Einschraubspikes haben meist auch unterschiedliche Einschraubhilfen (Sechskant, Kreuz, Spezial). Kleine Akkuschrauber sind eher ungeeignet, da die Akkukapazität nicht ausreichend ist. Kleine Ratschen (z.B. die aus dem Victorinox-Set) helfen auch weiter.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte die Spikes verkleben (loctite).

Bastellösungen und ihre Nachteile

Einige Bekannte von mir haben verschiedene andere Lösungen ausprobiert. Selbst gesehen habe ich Schrauben, welche von außen eingeschraubt wurden. Eine weitere Möglichkeit ist das Durchschrauben des Mantels. Alle Bastellösungen halten nicht sehr lange, weil die verwendeten Materialien zu weich und auf einer eisfreien Straße schnell verschlissen sind. Echte Spikes haben immer Hartmetallkerne, welche nur sehr langsam verschleißen.

Die Schrauben haben Sechskantköpfe und sind aus Stahl. Die Länge differiert je nach Stollenhöhe. Etwas Sicherheitsabstand muss eingehalten werden, also die Schraubenlänge etwas kürzer wählen. Die Schrauben werden einfach mit einer Nuss mit dem Akkuschrauber eingeschraubt. Das kann man auch unterwegs an jeder Ecke erledigen (so man den schweren Schrauber mitschleppt). Das Einschrauben geht relativ schnell. Leider haben Schrauben einen großen Nachteil. Da immer wieder mehr oder weniger lange Strecken über Asphalt gefahren werden müssen, verschleißen die Schrauben extrem schnell. Nach ein paar Kilometern ist deutlicher Verschleiß sichtbar. nach 20 Kilometern ist kaum noch was übrig von den Schrauben. Das kommt natürlich auch auf die Fahrweise, die Motorstärke und das Gewicht der Maschine an. Der Grip auf Eis ist mit neuen Schrauben nicht schlecht. Der Vorteil ist der Preis. Durch diese Vorgehensweise wird der Mantel definitv zerstört. Inwieweit diese Lösung funktioniert bleibt abzuwarten.

Zu Testzwecken hat ein Bekannter diese Lösung ausprobiert. Als Schrauben sollten zwingend Schlossschrauben mit halbrunden Köpfen verwendet werden, sonst wird der Schlauch garantiert beschädigt. Zwischen Schlauch und Mantel empfiehlt sich eine Schutzschicht einzuziehen.

Rechtliche Aspekte in Deutschland

Achtung: Bitte beachtet, dass Spikes in Deutschland keine Straßenzulassung haben. Ihr könnt also mit euren Motorrad Spikes ausschließlich Offroad fahren. Motorradreifen mit Spikes sind in Deutschland nicht zugelassen und verfügen über keine Straßenzulassung. Legal kann man Motorradreifen mit Spikes ausschließlich im Offroad-Bereich verwenden.

Rallyspikes sind auf allen Straßen (auch im Ausland) verboten. Autospikes werden noch in vielen Ländern gefahren.

Weitere wichtige Hinweise

Keine Gewähr für Umbauten, Sicherheit und Funktion der Spikes. Bitte Sicherheitsvorschriften, StVO, Zulassungsvorschriften beachten! Alle Änderungen unternehmt ihr auf eigene Gefahr und unter eigener Verantwortung!

Es ist wichtig, welche Gummimischung gefahren wird. Wer nur in der Kälte fährt und meist Eis und Schnee unter die Stollen bekommt, fährt mit einer weichen Gummimischung am besten. Die Stollen müssen allerdings hart genug sein, um die Spikes halten zu können. Die Kombination weicher Gummi und Spike lässt sich nur über das Einkleben der Spikes realisieren. Bei Einsatz von weichem Gummi muss also zusätzlich geklebt werden.

Auf Schnee sind ein hohes Negativprofil und kleine Stollen notwendig um Grip zu erzeugen. Die Spikes kommen nur zum Einsatz, wenn sich unter der Schneedecke eine Eisfläche vorhanden ist und der Stollen bis dahin durchdringt.

Sinnvollerweise bohrt man erst alle Löcher und spikt dann anschliessend durch. Man braucht als ungeübter Spiker einen ganzen Tag für zwei Reifen mit vielen Spikes. Mit Erfahrung dauert ein Reifen 1,5 Stunden (bei 3-4 Reihen Spikes). Eine Reihe geht natürlich schneller.

In skandinavischen Werkstätten wird oft zu groß vorgebohrt, damit die Arbeit schneller vonstatten geht. Die Spikes fliegen dann auch relativ schnell wieder heraus. Wer mit einer Zange arbeiten will muss sogar größer bohren (3,5 mm und größer), sonst schafft man es nicht, den Spike in das Loch zu drücken. Der Spike hält dadurch sehr schlecht. Abhilfe schafft nur das Einkleben des Spikes mit elastischem Kleber. Einige haben es mit Sikaflex probiert. Schwarzes Sika sieht besser aus. Man sollte Sika mit UV-Schutz verwenden. In guten Werkzeugläden, Boots- und Campingausstattern gibt es dazu Beratung.

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