Motorrad mit V8 Motor Modelle

Die Welt der Motorräder kennt keine Grenzen, wenn es um Leistung und Hubraum geht. Einige Hersteller haben sich darauf spezialisiert, außergewöhnliche Maschinen mit V8-Motoren zu bauen, die sowohl durch ihre schiere Größe als auch durch ihre beeindruckende Leistung auffallen. Dieser Artikel beleuchtet einige dieser Modelle und ihre Besonderheiten.

Boss Hoss: Die US-Kultmarke mit V8-Power

Wer hätte das gedacht: Boss Hoss, die US-Kultmarke mit den V8-Motorrädern, lebt. Seit 1990 baut die Firma durchgehend Motorräder. Leider nur noch für die USA. Aus den Augen, aus dem Sinn. Seit gut 10 Jahren gibt es keine neuen Boss Hoss mehr in Europa. Euro 4 mitsamt ABS-Pflicht dürfte der Hauptgrund gewesen sein, Kleinserie hin oder her. Doch in den USA ist die Kult-Marke immer noch aktiv.

1990 gründete Monte Warne die Firma mit dem V8 im Logo. Zunächst als Boss Hog, was in einen Rechtsstreit mit der Harley-Owners-Group führte, die das H.O.G. für sich reklamierten. Als Boss Hoss startete die Firma dann durch. Zunächst mit "kleinen" V8-Motoren von Chevy mit 350 cubic inch oder gut 5,7 Liter. Alle mit deutlich über 400 PS, und es ist sogar ein "Super Sport Bike" dabei. Die Preise in den USA starten um die 75.000 Dollar.

Boss Hoss Modelle im Überblick

Boss Hoss bietet verschiedene Modelle an, die sich in Design und Motorisierung unterscheiden:

Boss Hoss Classic Cruiser

Die Boss Hoss Classic Cruiser stellt den Einstieg in die großvolumige Welt von Boss Hoss dar. Ein nackter Cruiser à la Harley-Davidson Street Bob oder Indian Chief. Sie stellt ebenso die Basis aller weiteren 2-Rad-Versionen dar. Mit knapp über 2 Meter Radstand bei nur 70 Zentimeter Sitzhöhe messen die Reifen vorn 120/70-21 und hinten 300/35-18.

3 Motoren stehen zur Wahl: Der LS3-Motor - bekannt aus dem Camaro - ist die amerikanische Allzweckwaffe für alle möglichen Umbauten und hat meist 6,2 Liter Hubraum. Oder eben die zöllige Angabe von 376 ci. Der sehr sportliche, moderne Small Block leistet in der Boss Hoss 445 PS und 605 Nm. Gut 100 Kubik und 10 Nm mehr, dafür 15 PS weniger bietet der 383 Stroker Motor. Und wer die 7 als seine Glückszahl nennt, der bekommt 7,4 Liter Hubraum in der 454er-Version der Boss Hoss. Und nicht nur das, sondern auch 563 PS und 741 Nm.

Alle 3 Small-Block-Motoren - ja, auch der 454er - haben eine 2-Gang-Halbautomatik mit Rückwärtsgang und wahlweise feste Koffer am Heck.

Boss Hoss Super Sport Bike

Nun dürfen wir das Super Sport in der Boss Hoss nicht allzu wörtlich nehmen. Im Grunde ist die Super Sport ein Classic Cruiser mit einem anderen Heck, niedrigerem Sitz (minus 1,3 cm) und kürzerem Radstand (minus 7,6 cm). Im Kontext einer Boss Hoss die wohl reduzierteste Variante, einen V8 zwischen 2 Räder zu packen.

Die Motorenauswahl entspricht der Classic, also 6,2 Liter oder 6,3 Liter oder 7,4 Liter Hubraum. Absolutes Topmodell von Boss Hoss ist derzeit die Limited Super Sport Big Block. Sie unterscheidet sich vom normalen Super Sport Bike durch den nochmal größeren Motor: ein Big Block mit 8,1 Liter Hubraum, 600 PS und 772 Nm Drehmoment.

Boss Hoss Classic Bagger

Von fast allem mehr bietet der Classic Bagger von Boss Hoss: mehr Verkleidung mit Teilen von Arlen Ness, mehr Vorderrad in 180er-Breite, mehr Länge von fast 3 Meter und Sitzhöhe von 71 Zentimeter. Lediglich die Auswahl an Motoren verkleinert Boss Hoss beim Bagger: Den LS3-Motor mit 6,2 Liter Hubraum gibt es hier nicht, es bleiben der 383 Stroker und der 454 Small Block zur Wahl.

Boss Hoss Trike

Mittels eines komplett neuen Chassis bietet Boss Hoss seit 2018 ein eigenes Trike an. Natürlich mit V8 und viel Potenzial, sein Traumauto auf 3 Räder zu stellen - oder ein Motorrad wie ein altes Auto aussehen zu lassen, denn die Hecks der Versionen Chevy, SS Truck und Coupe sind berühmten Vorbildern nachempfunden.

Das Chevy Trike erinnert an die berühmten Bel Air-Modelle der 1950er-Jahre, das Coupe an das Chevy Coupe der 1940er und das Heck des SS-Truck an die namensgebende Pick-Up-Baureihe von Chevrolet. Trotz mehr Rädern gibt es die Trikes nur mit dem LS3-Motor und 6.200 Kubik sowie 445 PS.

Ganz neu ist das Dragon LS3 Bike mit 485 PS und 4-Gang-Automatik.

Was ist eigentlich ein Stroker-Motor?

Der 383 Stroker in den aktuellen Boss Hoss hat in der US-Auto-Szene eine lange Tradition, gerade bei den Small-Block-Modellen von Chevy. Basis eines 383 ist der berühmte 350er-Motor der W-Serie mit 5,7 Liter Hubraum. In den 1970er-Jahren gab es kurze Zeit einen 400er-Small-Block, der der Legende nach thermisch anfällig war. Von diesen Motoren nahmen findige Tuner die Kurbelwelle, passten die Lagerzapfen an den 350er-Block an, und mit zahlreichen kleineren Änderungen wurden so schnell und günstig 6,3 Liter Hubraum.

Auch heute noch ein Weg, um in kleinere Autos viel Hubraum zu packen. Allerdings kann man heute die 383er-Motoren direkt bei General Motors bestellen.

Unterschiede zwischen Small Block und Big Block

Bleibt die Frage: Small Block oder Big Block? Im Grunde hat das nichts mit dem Hubraum zu tun, siehe 454er Small Block der Boss Hoss, den es mit exakt gleichem Zylindervolumen auch als Big Block gibt.

Den Unterschied machen die Kurbelgehäuse. Da gibt es eben große und kleine Bauweisen, je nach Fahrzeug, in das die Motoren eingebaut werden sollen. Ganz grob: Misst die Zylinderbohrung über 100 Millimeter, ist es meist ein Big Block, da dann noch genug Material zwischen den Bohrungen liegt.

Wobei es auch Big Blocks gibt, die weniger Hubraum haben als ein großer Small Block. Alles etwas unübersichtlich. Unterm Strich: Um die Länge des Antriebs noch irgendwie im Zaum zu halten, setzt Boss Hoss eben in den meisten Modellen Small Blocks ein.

Lazareth LM847: Ein Maserati-V8 auf zwei (oder vier) Rädern

Konventionelle Bikes interessieren den Franzosen Ludovic Lazareth nicht. Deshalb hat die LM847 einen Maserati-V8 mit 470 PS - und vier Räder. Die Automobilbranche scheint sich einig zu sein: In Zukunft werden wir alle elektrisch fahren. Ohne Abgase, ohne Geräusche. Für Ludovic Lazareth klingt das wie ein Alptraum. Er liebt Motoren. Je größer, desto besser. Je lauter, umso liebenswerter. Das neueste Ergebnis dieser Leidenschaft ist die Lazareth LM847, die der Franzose zuletzt auf dem Auto Salon in Genf vorstellte. Ein Motorrad mit vier Reifen, konstruiert um den V8-Motor eines Maserati Quattroporte herum. Die schnöden Daten: 4,7 Liter Hubraum, 470 PS. Das muss man erst mal sacken lassen.

"Der Motor soll die Karosserie sein", erklärte er im Interview. Getreu diesem Ansatz, gibt es an der LM847 kaum Verkleidung, nur ein paar Elemente aus Carbonfaser. Lazareth liebt es, wenn von der Mechanik möglichst viel zu sehen ist und man das Aggregat beim Arbeiten beobachten kann. Die Kraft wird von zwei Ketten an die Hinterräder übertragen. Nur das Nötigste ist an dem "Muscle Bike", das an eine Kreation von "Werner"-Erfinder Brösel erinnert, verbaut: Lenker, Sattel und Bremse. Sogar eine Schaltung spart sich das LM847. Das Motorrad hat nur einen Gang. Die Fahrwerte: unbekannt.

Bequem dürfte die Fahrt auf dem Motorrad nicht sein. Der Fahrer liegt langgestreckt über dem Motorblock des 2,6 Meter langen und 400 Kilogramm schweren Motorrads. Aber die wenigsten werden sich wohl mit der LM847 in den Feierabendverkehr trauen. Falls sie denn eine Straßenzulassung erhält. Darüber muss sich der neue Besitzer offenbar keine Sorgen machen. Der Franzose verkaufte sein Motorrad noch in Genf für eine sechsstellige Summe an einen Liebhaber, der in einem Land lebt, in dem ein lockerer Umgang mit Zulassungsbeschränkungen gehandhabt wird.

Schon in seiner frühesten Jugend schraubte Ludovic Lazareth an Motorrädern und Autos. In Grenoble studierte er Ingenieurswesen, 1998 gründet er im französischen Annecy in der Nähe der Schweizer Grenze seine Firma. Sein Anspruch schon damals: Kraft auf den Asphalt zu übertragen und das auch visuell sichtbar zu machen. Zu seinen Kreationen gehören ein Renault Twingo mit V8-Motor und ein Dreirad mit dem V12 eines Ferrari. 20 eigene Fahrzeuge baute er in den vergangenen zwei Jahren. Lazareth modifiziert aber auch Serienautos und Motorräder.

2008 rief sogar die Filmbranche an. Für Regeisseur Matthieu Kassovitz' Actionfilm "Babylon AD" entwarf er 2008 eine ganze Fahrzeugflotte futuristischer Motorräder, Trikes und Quads. Auf europäische Straßen werden es diese, wie auch seine LM 847, wohl eher nicht schaffen. Sie sind wahre Alpträume für TÜV-Prüfer. Und es gibt ein weiteres Problem: In Frankreich dürfen Motorräder maximal 100 PS leisten.

Die größten Motoren auf zwei Rädern

Die Freude am Hubraum ist weiterhin groß. Daher zeigt MOTORRAD die 9 größten Motoren auf 2 Rädern.

Glück kann man berechnen. Für Motorrad-Glück lautet die Formel: r²x Pi x h x Anzahl der Zylinder. Heraus kommt der Hubraum des Motors, der im besten Falle hoch ist. Die 9 größten Motoren, die es derzeit in mehr oder weniger serienmäßigen Fahrzeugen gibt, haben mindestens 1.802 Kubikzentimeter als Ergebnis. Maximal sind es 8,1 Liter Hubraum in einem V8 mit 600 PS.

Hier eine Übersicht über einige der größten Motoren auf zwei Rädern:

HerstellerModellHubraumLeistung
BMWBig Boxer (R18)1.802 cm³92 PS
HondaGL 1800 Gold Wing1.833 cm³127 PS
IndianPowerplus1.834 cm³126 PS
IndianThunderstroke1.890 cm³92 PS
Harley-Davidson1171.923 cm³109 PS
Harley-Davidson1211.977 cm³128 PS
Souo S2000 2.000 cm³ 154 PS
TriumphRocket III2.458 cm³182 PS
Boss HossDiverse Modelle8.100 cm³600 PS

Boss Hoss in Deutschland

Es gibt sie, die Motorräder der Superlative und ihr Name ist Boss Hoss mit zum Teil seltsam anmutenden Produktnamen wie BHC3 ZZ 4 SS oder BHC 3 LS 3 SS, aber auch Stingray und diverse andere, die aber auf Grund ihrer Konstruktionen mit herkömmlichen Zweirädern nichts mehr zu tun haben.

In Deutschland werden die Boss Hoss Motorräder heute von der Boss Hoss Cycles GmbH in der Nähe von Köln vertrieben. Die Fertigung aller Boss Hoss Motorräder erfolgt in Handarbeit, wobei die Motoren von Chevrolet kommen und in Boss Hoss eigenem Werk in Dyersburg im amerikanischen Bundesstaat Tennessee montiert werden. Eingesetzt werden wassergekühlte Achtzylinder-Motoren mit unterschiedlichen Hubraumvolumina und Leistungen – im Extremfall fasst der Motor sogar bis zu 13 Liter.

Besondere Modelle in Deutschland

Seit 1996 gehören das Superbike BHC-3 ZZ 4 und seine Super Sport Version, gekennzeichnet durch den Zusatz SS, zweifellos zu den am meisten in Deutschland gefahrenen Boss Hoss Motorrädern. Ausgestattet mit dem bereits erwähnten, wassergekühlten 5,7 Liter-V8-Motor verfügt diese Maschine über eine Leistung von 264 kW (360 PS), die über ein Zweigang-Halbautomatikgetriebe mit Rückwärtsgang und Zahnriemenantrieb auf die Fahrbahn gebracht werden.

Der Hauptunterschied der Boss Hoss BHC-3 LS 3 zu den ZZ 4 Modellen sind die Motoren: Der „Chevy-V8“ wurde modifiziert und verfügt nun über ein Hubraumvolumen von 6,2 Liter. Die Leistung beträgt 327 kW (445 PS), das Leergewicht wurde hingegen auf 484 Kilogramm reduziert. Beide Modelle verteuerten sich um rund 10.000 Euro.

Allen Boss Hoss Superbikes gemeinsam ist ihr außergewöhnliches Design, was allein schon die bulligen V8-Motoren mit dem vorgebauten Kühler bewirken sowie die Kotflügel, die breiten Tanks und die schräg liegenden, langen Gabeln. Auch in Bezug auf die Lackierungen dürften diese Bikes auffallen.

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