Viele Motorradfahrer hegen den Wunsch, ihren Motor selbst zu zerlegen und wieder zusammenzubauen. Mit handwerklichem Geschick und genügend Zeit über den Winter kann dieses Projekt gelingen.
Vorbereitung und Werkzeuge
Bevor man mit der Motorüberholung beginnt, ist es wichtig, sich entsprechend vorzubereiten:
- Werkstatthandbuch: Das wichtigste Utensil ist das Werkstatthandbuch.
- Explosionszeichnung: Eine Explosionszeichnung hilft, sich einen Überblick zu verschaffen, die Demontage-Reihenfolge zu verstehen und zu prüfen, was benötigt wird.
- Werkbank vorbereiten: Die Werkbank sollte komplett frei sein, um Ordnung zu gewährleisten.
- Ordnung halten: Teile nach Demontage reinigen und in der Reihenfolge der Explosionszeichnung auf Putzrolle ablegen, ggf. mit Notizen.
- Fotodokumentation: Jeden Arbeitsschritt chronologisch mit Fotos dokumentieren, um den Zusammenbau zu erleichtern.
- Reinigung: Den Motor von außen so gut wie möglich reinigen, um zu verhindern, dass Schmutz in den Motor gelangt.
Folgende Werkzeuge und Materialien werden benötigt:
- Drehmomentschlüssel
- Wachsmessstreifen (Plastigauge)
- Ventilfederpresse
- Messuhr mit Stativ
- Fühlerblattlehre
- Bügelmessschraube
- Schieblehre
- Schraubzwingen
- Lappen
- Reiniger
- Dichtmasse
Demontage des Motors
Die Demontage des Motors sollte sorgfältig und schrittweise erfolgen:
- Schlauch rechts am Kühler lösen.
- Öl ablassen und alle Schlauch- und Steckverbindungen lösen.
- Vordere Motorhalterung lösen und austreiben, Unterzüge entfernen.
- Hintere, obere Halterung lösen und austreiben.
- Motor ausbauen.
- Zündimpulsgeberdeckel abnehmen und den Zündimpulsgeber ausbauen.
- Äußere Schrauben des Kupplungsdeckels entfernen und den Kupplungsdeckel abnehmen.
- Befestigungsschrauben des Anlassers entfernen.
- Rechts liegende Schraube auf der Oberseite des Motors entfernen.
- Bolzen des Anlasserzwischenrades herausziehen.
- Gangsensor entfernen.
- Schutzblech an der Getriebeausgangswelle entfernen.
- Fünf Kupplungsfederstellschrauben kreuzweise entfernen.
- Druckplatte abnehmen und die Schubaufnahmescheibe entfernen.
- Ausrücklager und die Kupplungsdruckstange herausnehmen.
- Kupplungskorb getriebeseitig mit Schraubzwingen arretieren.
- Sicherungsblech der Kupplungsnabenmutter umbiegen.
- Kupplungsnabenmutter entfernen und Kupplungskorb von der Getriebewelle ziehen.
- Schraube vom Schaltnockenanschlag entfernen.
- Schaltwelle aus dem Kurbelwellengehäuse ziehen.
- Drei Schrauben des Getriebelagerhalteblechs entfernen.
- Ölwannenschrauben entfernen, die Ölwanne und ihre Dichtung abnehmen.
- Drei Schrauben des Ölsumpfsiebes entfernen.
- Zwei Schrauben mit Innensechskantantrieb über dem Ölfilter entfernen.
- Schrauben nach Gewindedurchmesser sortieren.
- Kurbelwellengehäuse mit Meißel, Schraubendreher oder anderen Werkzeugen langsam und gleichmäßig auseinanderdrücken.
- Gummipuffer der Steuerkettenschiene abnehmen.
Bewertung der Teile
Nach der Demontage müssen alle Teile sorgfältig geprüft und bewertet werden:
- Zylinderkopf: Ventilspiel prüfen und einstellen. Ventile ausbauen und auf Verschleiß prüfen. Ventilführungen prüfen und ggf. austauschen.
- Zylinder: Sichtkontrolle auf Schleifspuren durchführen. Zylinderbohrung messen.
- Kolben: Kolbendicke messen. Spiel zwischen Kolbenring und Nut messen. Freies Stoßspiel der Ringe messen.
- Kupplung: Dicke der Reibscheiben messen. Freie Länge der Federn messen. Stahlscheiben auf Verzug prüfen. Ausrücklager prüfen.
- Pleuel und Kurbelwelle: Pleuellager reinigen. Pleuel auf Verschleiß prüfen. Lagerschalen und Zapfen der Kurbelwelle reinigen.
Detaillierte Messungen und Toleranzen
Hier sind einige wichtige Messwerte und Toleranzen:
- Zylinderbohrung: Einbaumaß: 74,000-74,015mm
- Kolbendicke: Einbaumaß: 73,945-73,960mm, Verschleißgrenze 73,880mm
- Spiel Kolben/Zylinder: Differenz >0,12mm, Kolben auswechseln oder Zylinder aufbohren
- Spiel Kolbenring/Nut: Spiel >0,18mm, Kolben und Ringsatz austauschen
- Stoßspiel Kolbenringe: Messwerte >0,7mm machen neue Ringe nötig
- Dicke Reibscheiben: Nutzbarer Bereich 2,92-3,08mm, Verschleißgrenze ab 2,62mm
- Verzug Stahlscheiben: Max. Verzug: 0,1mm
- Pleuelfuß Dicke: Ist der Pleuelfuß dünner als 22,95mm, Pleuel auswechseln
Instandsetzung und Montage
Basierend auf der Bewertung der Teile müssen defekte oder verschlissene Teile ersetzt oder instandgesetzt werden. Anschließend kann der Motor wieder zusammengebaut werden:
- Kurbelwellenpasslager von oben einschieben.
- Pleuelstange ansetzen und Holzklötze unter das Pleuelauge legen.
- Kurbelwelle so weit drehen, bis der Zapfen gegen das Pleuel drückt.
- Wachsmessstreifen auf den Kurbelzapfen auflegen.
- Pleueldeckel ansetzen und Muttern anziehen.
- Breite des Wachsstreifens messen.
- Kurbelwellengehäuse nach einem bestimmten Schema verschrauben.
- Ölpumpe montieren (falls ausgebaut).
- Schaltwelle einsetzen.
- Kupplungskorb montieren und mit der Nabenmutter sichern.
- Kupplungsscheiben, Druckplatte und Federn montieren.
- Gangsensor montieren.
- Anlasser montieren.
- Kupplungsdeckel montieren.
- Zündimpulsgeber montieren.
- Zylinderkopf montieren und Hutmuttern in der angegebenen Reihenfolge anziehen.
- Steuerkettenspanner montieren.
- Motor einbauen.
- Alle Schlauch- und Steckverbindungen anschließen.
- Öl auffüllen.
Zusätzliche Hinweise
- Professionelle Hilfe: Die Kurbelwelle sollte von einem Profi überholt werden.
- Ersatzteile: Hochwertige Ersatzteile verwenden.
- Sorgfalt: Beim Zusammenbau auf Sauberkeit und Genauigkeit achten.
Achtung: Diese Anleitung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Fehlerfreiheit. Alle Arbeiten erfolgen auf eigene Verantwortung.
Mit dem nötigen Wissen, Geduld und Sorgfalt kann die Motorüberholung ein lohnendes Projekt sein.
| Position | Kosten (ungefähre Angaben) |
|---|---|
| Kolben und Buchse | 400 € |
| Kupplung | 100 € |
| Ausgleichswellenkette | 85 € |
| Zylinder honen | 40 € pro Zylinder |
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