Wer in Deutschland eine Fahrerlaubnis erwerben möchte, muss sowohl eine theoretische als auch eine praktische Ausbildung in der Fahrschule absolvieren. In diesem Ratgeber erklären wir, wann die Praxisprüfung für den Führerschein frühestens stattfinden kann, wie lange sie in etwa dauert und wie sie normalerweise abläuft.
Voraussetzungen für die praktische Führerscheinprüfung
Um überhaupt für die praktische Prüfung zugelassen zu werden, müssen Sie als Fahrschüler zunächst einmal bestimmte Voraussetzungen erfüllen:
- Du hast die theoretische Prüfung erfolgreich bestanden.
- Du hast die Grundausbildung und alle vorgeschriebenen Sonderfahrten gemacht.
- Du fühlst Dich sicher.
- Dein Fahrlehrer ist überzeugt, dass Du fit für die Prüfung bist und hat Dir einen Ausbildungsnachweis ausgestellt.
- Du erreichst in spätestens einem Monat das vorgeschriebene Mindestalter für die beantragte Führerscheinklasse und hast die Prüfgebühren eingezahlt.
Doch auch, wenn Sie die gerade beschriebenen Voraussetzungen erfüllen, gilt: Sie selbst sollten sich sicher im Umgang mit einem Kraftfahrzeug im Straßenverkehr fühlen.
Dauer der praktischen Motorradprüfung
Die Dauer der praktischen Prüfung ist abhängig von der Führerscheinklasse. Je nachdem, für welche Führerscheinklasse Sie sich entschieden haben, beeinflusst dies die Dauer der Fahrprüfung. Für die Klasse A1 (Leichtkraftrad) dauert sie insgesamt 45 Minuten, für A2 & A (Motorrad) 60 Minuten. Eine Aufstiegsprüfung (A1->A2 oder A2->A) geht 40min. Die reine Fahrtzeit allerdings ist kürzer.
Ablauf der praktischen Motorradprüfung
Ein Prüfer der DEKRA oder vom TÜV leitet die praktische Prüfung und navigiert Sie durch die Region, in der Sie leben. Die Terminvereinbarung mit DEKRA erfolgt in der Regel über die Fahrschule, welche einen Überblick über die verfügbaren Termine hat. In der Regel vereinbart Ihre Fahrschule für Sie die Termine für die praktische und theoretische Fahrprüfung. Im Folgenden möchten wir Ihnen jedoch einige wichtige Informationen für mitgeben.
Zu Beginn der Prüfung kontrolliert dieser erst einmal Ihren Personalausweis und stellt Ihnen anschließend ein paar technische Fragen zum Fahrzeug. Bei diesen Fragen kann es unter anderem um die Profiltiefe oder den Luftdruck der Reifen, den Stand von Flüssigkeiten, wie z. B. Öl gehen. Danach geht die eigentliche Prüfungsfahrt los. Nachdem Sie Sitz, Spiegel und Lenkrad eingestellt haben, nehmen Sie auf dem Fahrersitz Platz.
Auf der Prüfungsstrecke wird Ihnen der Prüfer verschiedene Anweisungen geben und Ihnen Aufgaben stellen. Je nach Fahrerlaubnisklasse müssen Sie bestimmte Grundfahraufgaben meistern, die in der Anlage 7 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) festgehalten sind.
Grundfahraufgaben für Motorradklassen A1, A2 und A
Wer die Motorrad-Fahrprüfung der Klasse A bestehen will, muss in der Regel sechs von neun möglichen Grundfahraufgaben beherrschen. Die Grundfahraufgaben gehören einfach mit zur Prüfung und sind der Punkt auf dem "i". Grundfahraufgaben dienen dem Nachweis, dass der Bewerber ein Kraftrad der Klasse A selbständig handhaben kann, die Grundbegriffe der Fahrphysik kennt und sie richtig anwenden kann (Fahrzeugbeherrschung).
Sie sind, wenn möglich, außerhalb des öffentlichen Verkehrs, sonst auf verkehrsarmen Straßen oder Plätzen möglichst in der Ebene durchzuführen. Sind zur Durchführung der Aufgaben auf öffentlichen Straßen oder Plätzen Markierungen erforderlich, so sind dazu Leitkegel zu verwenden. Die Leitkegel müssen mindestens 15 cm hoch sein.
Voraussetzung für die Ablegung der Fahrprüfung ist die Fähigkeit des Bewerbers, das Kraftrad selbständig zu handhaben. Hierzu gehört das Aufstellen und Herunternehmen vom Ständer - Mittel- oder Seitenständer - und ggf. das seitliche Schieben ohne Motorkraft in die Abfahrtposition sowie das Anlassen (mit elektrischem Anlasser, soweit vorhanden) des Kraftrades mit allen damit in Zusammenhang stehenden Handgriffen.
Die Fähigkeit zur selbstständigen Handhabung ist u. a. nicht gegeben, wenn der Bewerber das Kraftrad nicht auf den Ständer stellen oder von ihm herunternehmen kann oder ihm das Kraftrad umkippt. Alle Aufgaben sind sitzend zu fahren. Der Bewerber hat bei der Prüfung geeignete Schutzkleidung (Schutzhelm, Handschuhe, anliegende Jacke, mindestens knöchelhohes festes Schuhwerk - z.B. Motorradstiefel) zu tragen.
Mögliche Grundfahraufgaben im Überblick:
- Langsames Fahren mit Schrittgeschwindigkeit: Der Bewerber hat eine Slalomstrecke (6 Leitkegel, Abstand 3,5 m) mit Schrittgeschwindigkeit (ca. 5 km/h im 1. Gang) unter Beibehaltung des Gleichgewichts und mit richtiger Handhabung von Kupplung, Gas und Bremse zu durchfahren.
- Gefahrenbremsung: Der Bewerber hat das Kraftrad unter gleichzeitiger Benutzung beider Bremsen mit höchstmöglicher Verzögerung aus einer Geschwindigkeit von ca. 50 km/h zum Stillstand zu bringen, ohne dass das Kraftrad dabei wesentlich von der Fahrlinie abweicht.
- Ausweichen ohne Abbremsen: Beschleunigen auf etwa 50 km/h, vor einer markierten Stelle um etwa 1 bis 1,5 m nach links ausweichen und, ohne zu bremsen, auf die ursprüngliche Fahrlinie zurückkehren. Das Ausweichen darf frühestens 9 m vor der markierten Stelle beginnen.
- Ausweichen nach Abbremsen: Beschleunigen auf etwa 50 km/h, dann rechtzeitig kurz abbremsen und nach Lösen der Bremsen mit einer Geschwindigkeit im eigenstabilen Bereich (ca. 30 km/h) vor einer markierten Stelle um etwa 1 bis 1,5 m nach links ausweichen und, ohne zu bremsen, auf die ursprüngliche Fahrlinie zurückkehren. Das Ausweichen darf frühestens 7 m vor der markierten Stelle beginnen.
- Slalom: Der Bewerber hat eine Slalomstrecke (Länge ca. 80 m, 5 Leitkegel Abstand 9 m, anschließend 2 Leitkegel Abstand 7 m) mit einer Anfangsgeschwindigkeit von ca. 30 km/h mit annähernd gleichbleibender Geschwindigkeit zu durchfahren. Die Aufgabe darf nicht im 1. Gang gefahren werden. Je nach Fahrzeugtyp ist der 2. bzw. 3. Gang zu wählen.
- Fahren einer langen Acht: Der Bewerber hat eine Strecke von ca. 150 m mit Schrittgeschwindigkeit im Wechsel zwischen Anfahren und Anhalten zurückzulegen.
- Mehrfaches Anhalten und Anfahren: Mehrfaches Anhalten und Anfahren, abgestimmtes Betätigen von Gas, Kupplung und Bremse, Füße nur zum Abstützen des Kraftrades im Stand von den Fußrasten nehmen und auf die Fahrbahn absetzen. Dabei soll gezeigt werden, dass die Neigung des Kraftrades nach der einen oder anderen Seite bewusst erfolgt, indem zunächst zweimal der eine und dann zweimal der andere Fuß abgesetzt wird. Beobachtung des rückwärtigen Verkehrs ist nur beim ersten Anfahren erforderlich.
- Kreisfahrt: Einfahren in einen Kreis mit einem Halbmesser von 4,5 m (eine Markierung des Kreises ist nicht erforderlich), mehrfaches Kreis fahren und Verlassen des Kreises. Die Kreisfahrt kann wahlweise in die eine oder in die andere Richtung verlangt werden; auf öffentlichen Straßen jedoch nur nach links. Die Geschwindigkeit ist so zu wählen, dass Schräglage entsteht.
Höchstens drei Grundfahraufgaben dürfen je einmal wiederholt werden.
Was passiert bei nicht bestandener Prüfung?
Konnten Sie bei der Fahrprüfung weder praktisch noch theoretisch glänzen und sind dementsprechend durchgefallen, sollten Sie nicht gleich den Kopf in den Sand stecken. Haben Sie die praktische Prüfung nicht bestanden, können Sie diese nach zwei Wochen wiederholen. In dieser Zeit sollten Sie jedoch unbedingt weitere Fahrstunden nehmen und sich noch besser vorbereiten als beim letzten Mal, damit Sie die Prüfung beim zweiten Versuch erfolgreich meistern.
Bedenken Sie: Zwar können Sie die praktische Prüfung beliebig oft wiederholen, allerdings fallen bei jedem Versuch erneut die gesamten Prüfungsgebühren an, was langfristig extrem hohe Kosten verursacht. Melden Sie sich erst dann für die praktische Prüfung an, wenn Sie sich absolut sicher fühlen.
Wichtige Tipps für die praktische Motorradprüfung
- Seien Sie pünktlich.
- Behalten Sie während der gesamten Fahrt die Spiegel im Blick und drehen Sie auffällig den Kopf, damit der Prüfer sieht, wenn Sie in den Spiegel schauen.
- Sind Sie sich unsicher, ob Sie eine Anweisung des Prüfers richtig verstanden haben, fragen Sie nach.
- Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie die praktische Prüfung komplett fehlerfrei hinter sich bringen.
Gründe für das Nichtbestehen der Prüfung
Es gibt bestimmte Szenarien, die Sie tunlichst vermeiden sollten, da sie automatisch dazu führen, dass Sie die praktische Fahrprüfung nicht bestehen. Dies ist mitunter immer dann der Fall, wenn Ihr Fahrlehrer eingreifen muss.
Eine Prüfung gilt als nicht bestanden, wenn eine Person, ein Fahrzeug oder einen anderen Gegenstand (Leitkegel ausgenommen) angefahren wird oder man stürzt.
DEKRA - Bundesweite Fahrerlaubnisprüfung
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Checkliste für die praktische Motorradprüfung
- Überprüfe am Abend vor der Prüfung alle notwendigen Unterlagen. Dazu gehören dein Personalausweis, deine Sehhilfe, falls erforderlich, und der Ausbildungsnachweis von deiner Fahrschule.
- Verzichte am Vorabend auf Alkohol und schwere Mahlzeiten. Eine ruhige Nacht und ein nahrhaftes Frühstück am Morgen helfen dir, konzentriert und ausgeruht in die Prüfung zu starten.
- Plane genug Zeit ein, um rechtzeitig vor Prüfungsbeginn am Treffpunkt zu sein. So kannst du noch einmal in Ruhe mit deinem Fahrlehrer sprechen und dich mental auf die bevorstehende Prüfung einstellen.
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