Für Einsteiger aber auch für fortgeschrittene Piloten verursacht das Thema Reifen oft Unsicherheit. Auch nach vielen Jahren ist das Thema Reifenwahl die am häufigsten gestellte Frage bei unseren 1000PS Bridgestone Trackdays. Je nach Fahrkönnen, Motorrad und Wetterlage soll der passende Reifen für das große Abenteuer auf der Rennstrecke montiert werden. Welchen Reifen soll ich für den nächsten Trackday montieren?
Die Grundlagen der Reifenwahl
Wer auf seinem Motorrad zum Beispiel einen Bridgestone T32 auf seinem Motorrad montiert hat und die Reifen nicht wechseln möchte, kann auch mit diesem Reifen zur Rennstrecke kommen. Grundsätzlich ja! Doch es ist so, dass man dann den Pneu übermäßig beansprucht und weit weg von seinem eigentlichen Einsatzgebiet verwendet. Bei sommerlichen Temperaturen ist es allerdings so, dass man diesen Reifen überhitzt und man als einigermaßen engagierter Pilot schon beim ersten Trackday in Sachen Grip und Traktion ans Limit stößt. Auf der anderen Seite ist der Reifen im Frühling oder Herbst bei kühlen Temperaturen oder bei schlechtem Wetter ein Geheimtipp. Bei Temperaturen von unter 10 Grad oder feuchtem Wetter wäre ein Reifen wie der Bridgestone T32 für Einsteiger sogar die perfekte Wahl für das Vorhaben.
Empfehlungen für verschiedene Fahrertypen und Bedingungen
Bridgestone S22: Der Allrounder
All jene Piloten, die keinen Anhänger oder Motorradtransporter haben und vor Ort die Reifen nicht wechseln möchten, sollten zum Bridgestone S22 greifen. Der Reifen bietet eine kurze Aufwärmzeit und man benötigt keine Heizdecken und somit auch keinen Motorradständer. Der Reifen benötigt ca 1 Runde um auf Betriebstemperatur zu kommen. Anders als bei Slicks bietet er auch akzeptablen Grip bei Regen. Klarerweise nicht auf dem Niveau von Regenreifen, doch man kann damit immerhin ein wenig im Kreis fahren.
Nachteile: Bei hohen Temperaturen und / oder bei starken Motorrädern kommt das Hinterrad an seine Grenzen. Beim Rausbeschleunigen aus den Kurven vermittelt der Reifen dann ein schmieriges Feedback und die Traktionskontrolle hat alle Hände voll zu tun. Im Vergleich zu sportlicheren Piloten ist das Handling etwas träger und man muss das Motorrad etwas mehr in den Radius drücken.
Rundenzeiten Niveau: Gute Piloten können mit dem Reifen am Pannoniaring theoretisch auch eine 2:05 fahren. Doch trotzdem empfehlen wir Piloten, welche 2:20 unterschreiten, auf sportliche Reifen zu wechseln.
Temperatur Niveau: Der Reifen beginnt gut zu funktionieren, sobald er handwarm ist. Also ca. 35-40 Grad hat. Ab diesem Temperaturniveau des Reifens fühlt er sich nicht mehr hölzern an und verrichtet seinen Dienst so wie von den Entwicklern vorgesehen.
Bridgestone RS11: Für ambitionierte Fahrer
All jene Piloten, die mit dem Motorrad zur Strecke kommen, aber vor Ort noch mehr Grip, Traktion und Handling genießen möchten, können zum Bridgestone RS11 greifen. Ich selbst bin mit dem Pneu am Pannoniaring schon eine 2:08 gefahren. Mit der Yamaha MT-10 SP fuhr ich am Slovakiaring entspannte 2:25er Zeiten. Der Reifen kommt beim Handling näher an Slicks ran und bietet mehr Reserven bei hohen Temperaturen.
Rundenzeiten Niveau: Pannoniaring zwischen 2:10 - 2:20 fühlt sich dieser Reifen super wohl. Schnellere Rundenzeiten sind möglich - aber dann macht es Sinn, auf Slicks zu wechseln.
Temperatur Niveau: Der Reifen fühlt sich bei kalten Temperaturen sehr hölzern an und benötigt 1-2 Aufwärmrunden oder Heizdecken (60 Grad!!) um auf Betriebstemperatur zu sein. Beim Test fuhren wir den Reifen am Slovakiaring ohne Heizdecken. Dadurch zeigte der Reifen schon nach einem halben Tag deutliche Verschleißerscheinungen. Es ist zwar möglich den Reifen grundsätzlich ohne Heizdecken zu fahren, doch die Laufleistung kann durch Verwendung von Heizdecken erhöht werden. Bei Außentemperaturen von unter 15 Grad muss der Reifen sehr sorgsam warm gefahren werden.
Nachteile: Bei kühlen Temperaturen benötigt er lange, um auf Temperatur zu kommen. Schlechter Grip im Nassen. Spürbar stärkerer Verschleiß bei Verwendung ohne Heizdecken. Sehr quirlige Motorräder könnten für vorsichtige Piloten zu nervös werden. Geringere Laufleistung als beim S22.
Slicks: Für den Renneinsatz
Auf der einen Seite unterschätzen viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 1000PS Bridgestone Trackdays das Niveau, welches sie mit dem Strassenreifen Bridgestone S22 fahren können. Auf der anderen Seite überschätzen sie das Niveau, welches nötig ist, um die V-02 Slicks von Bridgestone zu fahren. Bei den Slicks hat Bridgestone den Ruf unkomplizierter zu sein als die Rennsportreifen von Pirelli oder Dunlop.
Bridgestones waren früher mal eine günstige Alternative zu den Rennreifen von Dunlop oder Pirelli. In den letzten Jahren hat Bridgestone immer weiter aufgeholt und ist bestimmt jener Hersteller, welcher in den letzten Jahren die meisten Marktanteile gewonnen hat. Ich selbst fuhr im direkten Vergleich letztes Jahr mit der Fireblade am Pannoniaring mit Pirelli Slicks eine 2:02,9 mit den Slicks von Bridgestone 2:04.1. Doch klarerweise gibt es Piloten, die mit den Bridgestones deutlich schneller fahren können. Die Pirellis musste ich nach einem Trackday immer tauschen, die Bridgestones hielten bei mir immer 2 Tage durch.
Die aktuellste Generation von Bridgestone soll nochmal weiter aufgeholt haben - einen direkten Vergleich habe ich noch nicht durchgeführt. Aufsteiger, die erstmals auf Slicks umsteigen sollten bei Bridgestone zu den Mischungen SOFT vorne und SOFT hinten wechseln. Das ist nicht immer und überall perfekt, ist aber ein guter Universaltipp für das erste Mal. Auf der Rennstrecke müssen die Reifen mit Heizdecken gefahren werden. Sie sollten auf 80 Grad aufgeheizt werden. Somit benötigt man Ständer und Heizdecken für sein Motorrad. Doch man kann mit den vorgeheizten Reifen wunderbar flüssig starten und muss die Pneus nicht lästig warmfahren. Danach erfreut man sich auch als Gelegenheitsfahrer an den gewaltigen Reserven und dem tollen Handling. Sinn machen die Reifen dann, wenn das Motorrad über Schräglagenfreiheit verfügt. Tourenmotorräder mit Slicks auszustatten macht daher wenig Sinn. Es wäre Verschwendung und unnötiger Aufwand.
Rundenzeiten Niveau: Wer am Pannoniaring schneller als 2:30 fährt, kann bei Außentemperaturen von über 15 Grad grundsätzlich auf Slicks wechseln.
Temperaturniveau: Bei Lufttemperaturen von unter 15 Grad wird die Verwendung von Slicks sehr kniffelig. Die Reifen kühlen aus und verlieren ihr hohes Gripniveau. Ein kühler Slick hat deutlich weniger Grip als ein kühler Straßenreifen. Besonders unangenehm: Bei kalten Reifen kippt das Vorderrad ein und man hat keine Chance auf eine Gegenreaktion. Wohingegen zu warme Straßenreifen eher hinten überhitzen und beim Rausbeschleunigen am Kurvenausgang zu Schmieren beginnen. Einsteigern und langsamen Piloten empfehlen wir bei Trackday-Terminen im April oder im Oktober eher keine Verwendung von Slicks. Das Risiko ist zu groß, dass es morgens zu kühl ist.
Regenreifen: Sicherheit bei Nässe
Wenn auch du dein Motorrad bei jedem Wetter und rund um das Jahr fährst, dann brauchst du einen Reifen, der auch gut bei Nässe funktioniert. In diesem Ratgeber verraten wir dir, welche Technologien eines Motorradreifens für den Nassgrip besonders wichtig sind und welche Modelle die besten Motorradreifen bei Nässe sind.
Sobald man aber von diesen Idealbedingungen abweicht, verlieren Sportmotorradreifen oftmals einen Großteil ihrer positiven Fahreigenschaften. Wenn es draußen zum Beispiel 5°C hat und es zu regnen beginnt, können Hypersportmotorradreifen schnell zur Gefahr für die eigene Sicherheit werden. Diese hängt ganz einfach damit zusammen, dass sportliche Reifen für Superbikes auf Höchstleistung im Trockenen getrimmt sind und so konstruktionsbedingt Einbußen in anderen Punkten machen müssen.
Das Gute ist jedoch, dass es mittlerweile viele empfehlenswerte Motorradreifen gibt, die bei Nässe und im Trockenen auf einem extrem sportlichen Niveau sehr gut funktionieren. Sogenannte Hypertouringreifen fallen in diese Kategorie, die das beste aus beiden Welten vereint. Möglich ist das neue Level an Nassgrip, Kaltlaufleistung und Haltbarkeit durch den Einsatz eines ganz speziellen Stoffs, dem sogenannten Silica.
Silica, eigentlich Siliziumdioxid (SiO2) genannt, ist der wichtigste Bestandteil eines Reifens für Regen- und Kaltwettereinsatz. Neben der Mischung spielt auch die Profilierung eines Reifen eine tragende Rolle beim Nassgrip. Neue Herstellverfahren lassen heutzutage extrem interessanten Profillösungen auf dem Markt erscheinen, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wären.
Reifentest 2025: Empfehlungen für die Rennstrecke
Rennstrecken Reifen fürs Motorrad sind auf pure Sportlichkeit ausgelegt und können auch den Bedingungen und Anforderungen auf der Rennstrecke standhalten. Im Gegensatz zu den reinen Slick-Reifen sind Rennstrecken Reifen im allgemeinen auch mit Profilschnitt erhältlich. In diesem Beitrag stellen wir dir alle rennstreckentauglichen Motorradreifen für die Saison 2025 vor.
In diesem Beitrag fokussieren wir uns nicht nur auf reine Slickreifen, sondern behandeln auch sogenannte Hypersportreifen, die zu einem gewissen Grad auch rennstreckentauglich sind. Diese bieten sich vor allem für Anfänger im Trackday-Segment an. Auch Supermoto Piloten finden hier in diesem Beitrag die optimale Bereifung für die Rennstrecke.
Empfohlene Rennstreckenreifen
- Bridgestone Battlax Racing V02: Ein hochleistungsfähiger Motorradrennreifen, der speziell für den Einsatz auf der Rennstrecke entwickelt wurde. Er zeichnet sich durch eine fortschrittliche Technologie und eine speziell entwickelte Gummimischung aus, die eine optimale Traktion und Haftung auf der Rennstrecke gewährleistet.
- Pirelli Diablo Superbike: Ein herausragender Motorradreifen, der speziell für den Einsatz auf der Rennstrecke entwickelt wurde. Er bietet eine beeindruckende Kombination aus Leistung, Grip und Haltbarkeit.
- Michelin Power Cup 2: Ein High-Performance-Motorradreifen, der speziell für den Einsatz auf der Rennstrecke entwickelt wurde. Er basiert auf der langjährigen Erfahrung von Michelin im Motorsport und ist das Ergebnis intensiver Forschung und Entwicklung.
- Dunlop Sportsmart TT: Ein Hochleistungsreifen, der speziell für den Mischeinsatz auf Rennstrecke und Straße entwickelt wurde. Er verfügt über eine fortschrittliche Gummimischung, die speziell für den Rennstreckeneinsatz entwickelt wurde.
- Metzeler Racetec RR Slick: Ein Hochleistungsreifen, der speziell für den Einsatz auf Rennstrecken entwickelt wurde. Mit seiner herausragenden Performance und exzellenten Haftung bietet er Fahrern die Möglichkeit, ihr volles Potenzial auf der Rennstrecke auszuschöpfen.
Hypersportreifen für die Rennstrecke
- Bridgestone Battlax S23: Ein Hypersportreifen für die Straße, der durchaus auch auf der Rennstrecke abliefert. So eignet sich der S23 für Fahrtrainings und Trackdays bei kühleren Temperaturen oder im Nassen.
- Michelin Power GP 2: Der neueste Ableger aus Frankreich und einer unserer Favoriten für die Saison 2025. Der extrem agile Reifen überzeugt mit einem hohen Gripniveau, viel Vertrauen und exzellenter Steuerung über das Vorderrad.
- Metzeler Racetec TD Slick: Ein speziell für Trackdays entwickelter Reifen, der mit einer einfachen Handhabung und vernünftigen Anschaffungskosten überzeugt.
Testergebnisse der Fachzeitschrift MOTORRAD (07/2025)
Die Fachzeitschrift MOTORRAD hat pünktlich zum Start der Motorradsaison einen umfangreichen Reifentest für Sport- und Hypersportreifen durchgeführt. Auf einem Testgelände nahe Montpellier erfolgte eine umfassende Prüfung marktüblicher Motorradreifen auf der BMW S 1000 RR. Dabei kamen die üblichen Größen 120/70 ZR 17 (vorn) und 190/55 ZR 17 (hinten) zur Anwendung.
Alle Reifen wurden unter identischen Testbedingungen geprüft. Neben objektiv messbaren Daten wie Rundenzeiten, Bremswegen und Fülldruckwerten flossen auch subjektive Einschätzungen der Testpiloten ein.
Ergebnisse im Überblick:
- Sportreifen:
- Platz 1: Dunlop SPORTSMART MK4 (SEHR GUT)
- Platz 3: Bridgestone S23 (SEHR GUT) - "Ein famoser Reifen für alle Bedingungen"
- Michelin Power 6 (GUT)
- Continental SportAttack 4 (GUT)
- Hypersportreifen:
- Platz 1 (geteilt): Michelin Power GP2 (GUT) - "Regen- und Alltagskönig"
- Platz 1 (geteilt): Pirelli DIABLO SUPERCORSA SP V4 (GUT) - "Schnellster Reifen auf dem Track"
- Platz 2: Metzeler Racetec RR K3
- Platz 3: Continental RaceAttack 2 Street (GUT)
- Platz 4: Bridgestone RS11 (BEFRIEDIGEND)
- Platz 5: Dunlop Sportsmart TT (BEFRIEDIGEND)
Der Test zeigt eine klare Differenzierung zwischen Sport- und Hypersportreifen. Sportreifen bieten im Alltag eine hohe Stabilität und verlässliche Nasshaftung, während die Hypersportreifen bei optimalen Bedingungen vor allem auf der Rennstrecke durch ihre gezielte Performance überzeugen.
Die Ergebnisse unterstreichen, dass im Alltagseinsatz und auf der Landstraße die aktuellen Sportreifen mit einem breiten Leistungsprofil punkten. Im MOTORRAD-Reifentest wurden jeweils sechs Sportreifen und sechs Hypersportreifen unter einheitlichen Testbedingungen auf einer BMW S 1000 RR geprüft.
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