Motorradreifen kannst du recht einfach selber wechseln. Hierfür musst du auch absolut kein Fachmann sein. Wer etwas Affinität zum Handwerk hat und sauber arbeitet, kann seine Reifenwechsel beim Motorrad völlig problemlos selbst über die Bühne bringen. Obwohl die Anschaffung der Geräte und Werkzeuge im Vorfeld Geld kostet, so amortisieren sich die Kosten doch relativ schnell auf die lange Sicht. Vor allem Vielfahrer und Trackday-Freunde profitieren vom Do-It-Yourself Reifenwechsel beim Motorrad.
Vorbereitung und benötigtes Werkzeug
Bevor du mit dem Reifenwechsel beginnen kannst, müssen natürlich erstmal die Räder runter. In der Regel benötigt es dafür nur sehr wenig Werkzeug, das sich auf einen Drehmomentschlüssel, einen Rätsche, 2-3 Stecknüsse und 1-2 Gabelschlüssel beschränkt. Vor allem bei älteren Motorrädern ist der Radwechsel oftmals noch in der Betriebsanleitung beschrieben, ansonsten findest du bei YouTube für so gut wie jedes Modell eine ausführliche Videoanleitung.
Werkzeugliste für den Reifenwechsel
- Drehmomentschlüssel
- Rätsche
- Stecknüsse (2-3 Stück)
- Gabelschlüssel (1-2 Stück)
- Motorradreifen Montiergerät
- Felgenschutzleisten
- Montiereisen
- Montagespray bzw. Paste
- Ventilwerkzeug (Ventilziehhebel und Ventilentferner)
- Luftpumpe oder Kompressor
- Wuchtbock
- Bremsenreiniger
- Werkzeug zum Entfernen alter Gewichte (z.B. Scheckkarte)
- Wuchtgewichte
Das Motorradreifen Montiergerät ist eines der wichtigsten Komponenten, denn nur mit diesem bist du in der Lage die Reifen von der Felge zu lösen und auch die neuen wieder aufzuziehen. Motorradreifen Montagegeräte gibt es in allen unterschiedlichen Preisklassen, oftmals lohnt es sich aber hier mehr Geld in die Hand zu nehmen, da die Passgenauigkeit und Stabilität bei hochwertigen Geräten oftmals deutlich besser ist. Achte beim Kauf auch unbedingt auf die maximale Zollgröße, die mit dem Montiergerät bedient werden kann.
Um die Felge bei der Montage und ganz besonders bei der Demontage vor Kratzern zu schützen, sind Felgenschutzleisten sehr wichtig. Ohne Montiereisen wirst du beim Reifenwechsel nicht weit kommen. Montagespray bzw. Paste benötigst du um das Gummi / Felgenhorn geschmeidig zu machen. Nur so flutscht es leicht auf die Felge. Je nach Vorliebe kannst du eine Paste zum Pinseln oder aber ein Spray verwenden. Wir verwenden gerne das Spray, da sich dieses anschließend leicht entfernen lässt und nicht mehr sichtbar ist. Nachteil ist jedoch die relativ großflächige Verteilung, die das Motorradreifen wechseln zu einer rutschigen Angelegenheit machen kann.
Zur Montage und Demontage der Ventile und zum Luft ablassen benötigst du spezielle Werkzeuge. Wir empfehlen den Kauf eines Komplettsets mit Ventilziehhebel und Ventilentferner. Um den Reifen aufzupumpen bzw. nach der Montage auf die Felgen in den richtigen Sitz „schnappen“ zu lassen, benötigst du Luftdruck. Wer sich nicht gleich einen platzraubenden, teuren und lauten Kompressor zulegen möchte, der kann auch eine ganz ordinäre und billige Fußpumpe verwenden (am besten mit 2 oder mehr Zylindern). Mit nur wenigen Hüben kannst du so beinahe mühelos den Reifen befüllen und in seine Position auf der Felge „rutschen“ lassen. Hinweis: Billige Fußpumpen verfügen über ungenaue Druckanzeigen und eignen sich nur zum initialen Aufpumpen.
Um die frisch montierten Reifen / Räder zu wuchten, benötigst du einen Wuchtbock. Um das Rad nach dem Montieren von Schmierresten zu befreien, die Bremsscheiben zu säubern und die Klebefläche für die Wuchtgewichte vorzubereiten, ist Bremsenreiniger bei der Radmontage unumgänglich. Vor dem Auswuchten musst du die alten Gewicht entfernen. Wenn diese aufgeklebt sind, kannst du das in der Regel mit einer alten Scheckkarte erledigen. Wuchtgewichte sind natürlich essenziell um den Reifen erfolgreich auszuwuchten. Je nach Farbe der Felge raten wir zu schwarzen oder silbernen Wuchtgewichten.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Demontage
- Rad ausbauen: Zuerst muss das alte Rad abmontiert werden. Dafür musst du zuerst die Achsenschraube lösen, die in der Mitte des Rades liegt. Gegebenenfalls müssen - je nach Motorradtyp - noch weitere Sicherheitsschrauben gelöst werden. Hierfür kann eine Ratsche mit dem dazugehörigen Imbusschlüssel-Aufsatz verwendet werden. Nun lassen sich auch die Bremsen von den Bremsscheiben lösen.
- Luft ablassen: Als nächstes wird die Luft ausgelassen. Möchte man nicht mehrere Minuten lang per Hand aufs Ventil drücken, kann man dieses auch mit einem Ventilschlüssel komplett abschrauben. Zusätzlich noch die Ventil-Mutter abschrauben.
- Reifen von der Felge drücken: Nachdem die Luft aus dem Reifen ausgewichen ist, muss die erste Seite der Reifenkarkasse aus ihrer Position in der Felge gedrückt werden. Liegt der Reifen auf einer weichen, kratzsicheren Oberfläche, kann man z.B. mit dem Körpergewicht auf die Seite des Reifens steigen, falls man es ansonsten von der Kraft her nicht schafft. Sobald der Reifen an einer Stelle von der Felge gesprungen ist, arbeitet man sich stückweise im Kreis vor.
- Montiereisen einsetzen: Danach kommen die Montiereisen zum Einsatz. Der Startpunkt ist dabei immer beim Ventil, da von der anderen Seite ausgehend der unter Spannung stehende Reifenrand aufs Ventil drücken könnte. Das erste Montiereisen zwischen Felge und Reifen einfädeln und mit dem Ende des Eisen an der Karkasse einhaken. Das gleiche mit einem zweiten und dritten Montiereisen im Abstand von wenigen Zentimetern wiederholen.
- Reifen über die Felge hebeln: Nun das erste Eisen in Richtung Radmitte kippen, dadurch wird der Reifen über den Felgenrand gehoben. Um das erste Montiereisen zu fixieren, am besten unter der Bremsscheibe einhängen. Mit den anderen beiden Montiereisen wiederholt man diesen Prozess und arbeitet sich stückchenweise im Kreis weiter. Wichtig ist dabei, dass man das Montiereisen nicht zu tief hineinsteckt und dann beim Aushebeln den Reifenschlauch, sofern vorhanden, einzwickt und beschädigt. Hat man ca. die Hälfte des Reifens über die Felge gehebelt, sollte sich der Rest per Hand über die Felge ziehen lassen.
- Reifenschlauch entfernen (falls vorhanden): Fahrer von schlauchlosen Reifen haben es einfacher, die anderen müssen nun noch ihren Reifenschlauch entfernen, bevor der Reifen komplett von der Felge getrennt werden kann. Am besten gegenüber des Ventil mit den Finger unter den Reifen greifen und den Schlauch vorsichtig herausziehen. Beim Ventil muss man das Gewinde noch durch das Loch in der Felge drücken, bevor der Schlauch komplett entfernt wird.
- Zweite Reifenseite demontieren: Dann den Reifen plus Felge umdrehen, sodass das Antriebsritzel nach oben zeigt. Mit dem Rabaconda oder mit dem Körpergewicht und bei Bedarf etwas Hilfe von den Montiereisen noch den zweiten Rand des Reifens von der Felge drücken. Nun sollte man die Felge alleine in der Hand halten bzw. am Rabaconda haben.
Tipps und Tricks für die Demontage
- Felgenschutz verwenden: Im Gegensatz zu den Speichenfelgen auf Offroad-Motorrädern, die sowieso während der Fahrt auch leiden, möchte man sich die lackierten Gussfelgen am Straßenmotorrad eher nicht zerkratzen. Deshalb muss man bei der Verwendung von Montiereisen viel behutsamer vorgehen und braucht auch extra Equipment. Es gibt zum Beispiel gummierte Aufsätze, um den Felgenrand vor Kratzern zu schützen.
- Drehmomentschlüssel schonen: Zum Lösen von festgezogenen Schrauben und Muttern bitte nicht den Drehmomentschlüssel verwenden, da die starke Belastung langfristig die Genauigkeit des Schlüssels beeinträchtigen kann. Stattdessen eine normale Ratsche verwenden.
- Position der Distanzhülsen merken: Die Distanzhülsen zwischen Rad und Schwinge fallen gerne heraus. Achte auf ihre Positionierung, damit beim Einbau keine lästigen Fehler passieren.
- Reifenmontagepaste verwenden: Damit der Rand des neuen Reifens besser über die Felgenkante gleitet, empfiehlt es sich Reifenmontagepaste, die er mit einem Pinsel außen auf beiden Rändern des Reifens aufträgt.
Auswahl des richtigen Reifenmontiergeräts
Es gibt verschiedene Arten von Reifenmontiergeräten, die sich für unterschiedliche Anforderungen eignen. Hier ist ein Überblick über einige Modelle:
Vergleich verschiedener Reifenmontiergeräte
| Modell | Marke | Geeignet für | Kompatible Felgengrößen | Kompatible Reifenbreite | Arbeitshöhe | Achsdurchmesser | Grundrahmen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Reifenmontiergerät EVO3® | BTR | Street-Kit: Straße, Rennstrecke, Adventure Roller-Kit: Roller MX-Kit: Motocross, Enduro | Street-Kit: 12 - 21 Zoll Roller-Kit: 10 - 12 Zoll MX-Kit: 16 - 21 Zoll | 80 - 240 mm (280 mm mit zusätzlicher Achse möglich) | 50 bis 70 cm (optional) | 20 mm (Adapter erhältlich) | Stabiles 3-Bein Grundgerüst |
| Street Bike Reifenmontiergerät | Rabaconda | Straße | 12 - 21 Zoll | 250 mm | 50 bis 70 cm | 15 & 20 mm | 2-Punkt Auflagen |
| Reifenmontiergerät EVO2 PRO® | BTR | Straße, Rennstrecke, Adventure | 12 - 21 Zoll (10 Zoll mit zusätzlichem Kit möglich) | 240 mm (280 mm mit zusätzlicher Achse möglich) | 10 bis 20 cm | 20 mm (Adapter erhältlich) | 4-Bein Grundgerüst |
| Reifenmontiergerät EVO2® | BTR | Straße, Rennstrecke, Adventure | 12 - 21 Zoll (10 Zoll mit zusätzlichem Kit möglich) | 240 mm (280 mm mit zusätzlicher Achse möglich) | 10 bis 20 cm | 20 mm (Adapter erhältlich) | 4-Bein Grundgerüst |
| Two-in-One Reifenmontiergerät | BTR | Straße, Rennstrecke, Adventure | 15 - 19 Zoll | 200 mm | 10 cm | 20 mm (Adapter erhältlich) | 4-Punkt Auflagen |
| Reifenmontiergerät EVOX | max2h.com | Straße, Rennstrecke | 15 - 19 Zoll | 200 mm | 10 cm | 20 mm (Adapter erhältlich) | 4-Punkt Auflagen |
| Motocross Reifenmontiergerät | Rabaconda | Motocross, Enduro, Adventure, Mousse | 16 - 21 Zoll | - | 50 bis 70 cm | 20 - 24 mm (Adapter erhältlich) | 3-Bein Grundgerüst |
| Basic Reifenmontiergerät | BTR | Universell ab 17 Zoll | 17 - 21 Zoll | - | 20 bis 30 cm | 15 mm | 1-Punkt Auflage |
Verwandte Beiträge:
- Polo Motorradbekleidung: Test, Kollektion & Kaufberatung
- Motorrad Kostüm für Erwachsene: Die besten Outfits für Biker
- Angststreifen Motorrad entfernen: Tipps & Tricks
- Thermo-Unterwäsche Motorrad Herren: Test, Kaufberatung & Modelle - Perfekter Komfort beim Motorradfahren
- Wie funktioniert eine Fahrradbremse? Enthülle die Technik hinter sicherem Bremsen!
- Unschlagbare Puky Fahrradklingeln: Mehr Sicherheit und Spaß für Ihr Kind!
Kommentar schreiben