Motorradreifen Montage Anleitung: Der Große Guide zum Selber Machen

Motorradreifen sind Verschleißteile. Je nach Reifentyp wird zwischen 2.000 und 10.000 Kilometern ein Reifensatz fällig. Motorrad Reifen selber wechseln kann bares Geld sparen - erfordert aber gute Schrauber-Kenntnisse und die entsprechende Ausrüstung.

Der Grund, um Motorrad Reifen selbst zu wechseln, liegt auf der Hand: Man kann an diesem Punkt viel Geld sparen. Ein Reifensatz der jüngsten Generation Pneus in der gängigen Dimension 120/70ZR17 und 180/55ZR17 liegt bei etwa 300 Euro aus dem Online-Versandhandel. Möchte man die Kosten vollständig erfassen, kommen zu den Gummis noch zwei neue Ventile, Wuchtgewichte und etwas Reifenpaste hinzu - sagen wir zusammen 310 Euro. Eine Motorradwerkstatt schlägt beim Material natürlich auf, außerdem will auch der Mechaniker und das Werkzeug (anteilig in den Werkstattstunden) bezahlt werden. Bei anonymen Anfragen bei örtlichen Händlern lagen die Motorradreifen Montage Kosten für einen Satz neue Reifen inklusive Montage bei 450 bis 550 Euro. Also mindestens 140 Euro mehr im Vergleich zur Reifen selber wechseln.

Die Motorradreifen Montage ist ein heikles Thema, welches nur in einer Fachwerkstatt durchgeführt werden kann? Dieser Aussage pflichten sicher viele bei, allerdings ist das eigentlich überhaupt nicht so. Auch wenn der Reifenwechsel beim Motorrad kompliziert aussieht, so benötigt man nicht wirklich viel und auch garantiert kein Ingenieursdiplom. Mit nur wenigen Hilfsmitteln und etwas handwerklichem Geschick kannst du deine Motorradreifen einfach selber montieren.

Wenn du deine Motorradreifen in einer Werkstatt wechseln lässt zahlst du je nach Werkstatt rund 30 - 60 Euro pro Reifen. In Summe kann die die Reifenmontage beim Motorrad also gerne 60-120 Euro für den Satz kosten. Oftmals wird es zudem nur sehr ungern gesehen, wenn du deine Reifen woanders kaufst und diese dann zum Händler mitbringst. Wenn du aber deine Motorradreifen selbst aufziehen kannst, dann sparst du vor allem als Vielfahrer realtiv schnell viel Geld.

Benötigte Werkzeuge und Materialien

Damit du selber deine Reifen wechseln kannst, benötigst du auch ein paar Gerätschaften und Zubehör.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Motorradreifen Montage

Da du nun weißt, was du alles für die Selbstmontage von Motorradreifen benötigst, erklären wir dir nun Schritt für Schritt wie du deine Reifen am Motorrad selber wechseln kannst. Da Bilder bekanntlich mehr als 1.000 Worte sagen, haben wir dir anbei noch ein Erklärvideo zur Motorradreifen Montage beigefügt.

  1. Der Ausbau des alten Rades: Zuerst muss das alte Rad abmontiert werden. Dafür musst du zuerst die Achsenschraube lösen, die in der Mitte des Rades liegt. Gegebenenfalls müssen - je nach Motorradtyp - noch weitere Sicherheitsschrauben gelöst werden. Hierfür kann eine Ratsche mit dem dazugehörigen Imbusschlüssel-Aufsatz verwendet werden. Nun lassen sich auch die Bremsen von den Bremsscheiben lösen. Der Ablauf an der Front ist ähnlich, neben der Achsmutter sind vor dem Ausbau allerdings auch noch die Klemmschrauben an den Gabelfüßen zu lösen. Zumeist ist vorne links und rechts je ein Bremssattel abzunehmen. Bei älteren Modellen befindet sich an der Radachse auf einer Seite auch noch die Schnecke für den Tachoantrieb, auf der anderen Seite dafür eine etwas breitere Distanzhülse. Sind beide Räder ausgebaut, kann den Job den Reifen selber wechseln auch jeder Reifenhändler übernehmen. Dieser nimmt meist nur 20 bis 30 € pro Rad - oder vielleicht auch nichts, wurden vorab die Reifen schon bei ihm gekauft.
  2. Demontage der alten Reifen: Um die Bremsscheiben bestmöglich zu schützen, solltest du den Reifen etwas erhöht - zum Beispiel auf einer stabilen Holz- oder Plastikkiste - ablegen. Jetzt kannst du die alten Auswuchtgewichte mit einem Cuttermesser entfernen. Auch hierbei solltest du wieder darauf achten, dass das Metall der Felgen nicht beschädigt wird. Nun kann das Ventil geöffnet werden, um die Luft aus dem alten Reifen entweichen zu lassen. Dadurch wird der Reifen etwas leichter handhabbar, sodass du mit dem Reifenmontierhebel unter das Gummi fahren kannst. Dabei sollte der Schlauch jedoch nicht allzu stark eingeklemmt werden, damit du diesen später wiederverwenden kannst. Danach muss der Reifen rausgelöst werden - und zwar auf beiden Seiten! Dies solltest du so lang machen, bis die Felgen darin locker liegen. Zunächst muss die Luft raus. Am schnellsten geht dies, wenn man mit einem Ventilausdreher die Düse des Ventils entfernt. Ist der Reifen luftlos, muss er von der Felge. Leichter gesagt als getan. Mit einem Abdrücker ist der Reifen ins Bett der Felge runter von den Humps zu drücken. Besitzt man nur eine manuelle Montiermaschine, empfiehlt sich dieser Vorgang von beiden Seiten. Sind die Reifen schon sehr alt, ist dies eine durchaus schweißtreibende Arbeit. Oft kann der halbe Reifen hier schon per Hand über das Felgenhorn abgezogen werden. Für die vollständige Demontage greift man nun mit einem Montiereisen unter den Rand des sich noch auf der Felge befindenden Reifens und dreht diesen auf der Montiermaschine liegend ab. Dabei ist darauf zu achten, die Felge nicht zu beschädigen. Besitzt man nur die manuelle Montiermaschine, ist es besser, diese stabil im Boden zu verankern. Gleichzeitiges Drehen und Gegenhalten ist sonst schwierig. Auch fängt man am besten mit dem Vorderrad an.
  3. Neue Reifen aufziehen: Es erscheint zwar unlogisch, jedoch sollte der Schlauch, bevor dieser in den neuen Reifen gesteckt wird, zunächst wieder etwas aufgepumpt werden. So kannst du dir mühevolle Fummelarbeit ersparen, weil sich der Schlauch aufgepumpt wesentlich leichter in den Reifen einbringen lässt. Idealerweise bestreichst du den inneren Rand des Reifens mit etwas Flüssigseife, damit sich der Reifen später leichter auf das Rad bringen lässt. Dafür legst du die Felgen als Erstes auf die Reifen, um dann das Ventil zu befestigen. Reifen und Felge sollten dabei unbedingt der jeweiligen Laufrichtung folgen. Das imprägnierte Pfeilsymbol gibt hier Auskunft darüber. Danach kann der Reifen mithilfe des Reifenmontierhebels über den Rand der Felge geschoben werden. Anschließend wird die Montagehilfe an die Felgenkante gelegt und fixiert. Jetzt wird einfach mit dem Montiereisen die Reifenkante über die Montagehilfe gestülpt und gegen den Uhrzeigersinn mit der Hebelverlängerung gedreht. Der Reifen ist nun bereits zur Hälfte runter. Das Aufziehen erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Wichtig: Die meisten Hersteller drucken eine farbige Markierung auf den Reifen, diese markiert die leichteste Stelle des Reifens. Die Markierung muss also im Bereich des Ventils sitzen. Andernfalls benötigt man beim Auswuchten unnötig viele Gewichte. Ventil einschrauben und Luft aufpumpen damit der Reifen ringsherum auf die Felge springt. Hinweis: Die Montage von Motorradreifen braucht definitiv etwas Übung und Routine.
  4. Die Auswuchtung des neuen Rades: Nun wuchte den Reifen aus. Hierfür sollte der Auswuchtblock stabil stehen. Auskunft darüber geben die am Standfuß des Auswuchtblocks vorhandenen Wasserwaagen. Die obenliegende Achse schiebst du nun durch den auszuwuchtenden Reifen. Dafür musst du weitere Auswuchtgewichte an die Felge (vor-)kleben. Ist der Reifen montiert, muss auch die Luft wieder hinein - besser lässt man hier die Ventildüse noch heraus, um schneller mehr Luft in den Reifen pumpen zu können. Beim Aufpumpen der Reifen springt der Pneu in seine Position zwischen Felgenhorn und Hump - es knallt entsprechend zwei Mal. Je nach Härte des Reifens kann das auch erst bei 5 bis 6 bar passieren - nicht erschrecken, kurzfristig kann der Reifen das ab. Danach kann die Luft wieder raus und die Ventildüse wieder ins Ventil.
  5. Montieren der neuen Motorradreifen: Das funktioniert am besten zu zweit, indem die zweite Person die Achse durch das Radinnere schiebt und dann leicht anzieht. Auch hier solltest du wieder sorgsam auf die Bremsscheiben achten. Danach können die Bremsen wieder auf die Bremsscheiben gesteckt sowie die Sicherheitsschrauben wieder angebracht werden. Sind die neuen Reifen montiert und die Felgen gewuchtet, können die Räder wieder an ihren angestammten Platz zurück ans Bike. Die Montage erfolgt in umgekehrter Reihenfolge wie der Ausbau. Für die Achsen, die Klemmschrauben an den Gabelfüßen sowie für die Bremssattelschrauben müssen die Drehmomentangaben beachtet werden. Sitzen die Räder in Position, haben sich durch den Ausbau die Bremsbeläge von der Scheibe gelöst und müssen jetzt wieder beigepumpt werden. Die ersten Meter mit neuen Reifen sind mit Vorsicht zu genießen. Auf ihnen befindet sich noch eine extrem glatte Schicht vom Backen, die erst vorsichtig abgefahren werden muss. Die ersten 50 km gilt daher: Piano!

Vor- und Nachteile des Selbermachens

Motorradreifen selbst wechseln: Warum? Warum nicht? Zugegeben: Ein wenig Know-how, handwerkliches Geschick und grundlegende technische Kenntnisse sollten für den Do-it-yourself-Reifenwechsel am Motorrad schon vorhanden sein. Wer sich die Arbeiten an Rad, Reifen und Felgen ohne große Fragezeichen über dem Kopf zutraut und die nötige Zeit für den eigenständigen Reifenwechsel aufbringen möchte, dürfte diesem Vorgehen viel Positives abgewinnen können.

Ob es sich unter dem Strich lohnt, den Reifenwechsel selbst durchzuführen oder besser eine Werkstatt anzusteuern ist, das hängt vornehmlich vom Fahrstil, der Laufleistung und damit vom Reifenverschleiß ab. Vielfahrer oder Biker mit einem sehr sportlichen Fahrstil bei weichen Gummimischungen sehen sich generell häufiger mit dem Reifenwechsel konfrontiert. Spätestens dann, wenn sogar innerhalb einer Saison mehrere Reifen fällig werden, gewinnt der selbst durchgeführte Reifenwechsel unter verschiedenen Gesichtspunkten an Relevanz. Für Hobby-Biker, die nur wenige tausend Kilometer pro Jahr bei kultivierter Fahrweise zurücklegen, liegt der Reifenwechsel in der Werkstatt tendenziell näher, zumal dieser nur alle paar Jahre notwendig wird.

Kostenvergleich: Selbermachen vs. Werkstatt

Deine Motorradreifen selbst zu wechseln ist in der Regel deutlich günstiger als der Ausflug in eine Kfz-Werkstatt. In Letzterer kostet der Reifenwechsel (paarweise) zwischen 250 und 400 Euro. Wer selbst wechselt, der hat zwar zunächst einige Anschaffungskosten zu tragen, diese sind aber nur einmalig. Wer sich also für das Motorradreifen selbst wechseln entscheidet, der kann oftmals den ein oder anderen Euro direkt einsparen. Da ein Reifenwechsel am Motorrad in der Regel mindestens zweimal pro Jahr ansteht, summieren sich die Ersparnisse im Verlauf der Jahre natürlich gewaltig.

Wann sollte ich meine Motorradreifen wechseln?

Die Haltbarkeit von Motorradreifen schwankt zwischen den einzelnen Reifentypen. Während Tourenreifen gut und gern 14.000 Kilometer halten, sollte bei Sportreifen bereits nach spätestens 6.000 Kilometern ein Reifenwechsel in Betracht gezogen werden. Zudem ist eine gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vorgeschrieben. Besser sind jedoch 3,0 bis 4,0 Millimeter. Du solltest zuerst all diese Faktoren überprüfen. Hierfür eignet sich zunächst eine grobe Besichtigung der Reifen, um übermäßige oder ungleichmäßige Abnutzungen festzustellen.

Um welchen Reifentyp es sich handelt (sprich: Sommer-, Winter-, Ganzjahres-, Touren- oder Sportreifen), kannst du an den verschiedenen Symbolen auf den Reifen erkennen. Dort kannst du auch die DOT-Nummer finden, die Auskunft über das Alter des Reifens gibt. Es reicht bereits, wenn einer der oben genannten Punkte nicht erfüllt ist, um einen Motorradreifen-Wechsel in Angriff nehmen zu müssen. Zunächst solltest du hierfür einen Blick in den Fahrzeugschein werfen, um Auskunft über den benötigten Reifentyp zu bekommen. Bei vor 2005 zugelassenen Motorrädern befindet sich die benötigte Reifengröße und -art unter den Ziffern 20 bis 23, wohingegen sich diese Informationen bei nach 2005 zugelassenen Motorrädern unter Ziffer 15 befinden.

Herrscht Klarheit über den benötigen Reifentyp, so kannst du diese entweder bei einem Reifenhandel oder beim Kfz-Meisterbetrieb deines Vertrauens bestellen.

Reifenmontiergeräte im Vergleich

Es gibt verschiedene Reifenmontiergeräte auf dem Markt, die den Reifenwechsel erleichtern können. Hier ein Vergleich einiger Modelle:

Modell Marke Geeignet für Kompatible Felgengrößen Kompatible Reifenbreite Achsdurchmesser Reifen abdrücken/aufziehen Geeignet für Einarmschwingen Klappmechanismus Lieferumfang
Reifenmontiergerät EVO3® BTR Street-Kit: Straße, Rennstrecke, Adventure
Roller-Kit: Roller
MX-Kit: Motocross, Enduro
Street-Kit: 12 - 21 Zoll
Roller-Kit: 10 - 12 Zoll
MX-Kit: 16 - 21 Zoll
80 - 240 mm (280 mm mit zusätzlicher Achse möglich) 20 mm inkl. Schlüsselweite (Achsadapter mit 12 und 15 mm zusätzlich erhältlich) ✓ | ✓ ✓ (Mit zusätzlichen Achsadaptern) Reifenmontiergerät EVO3®, Kit je nach Auswahl, 3x Distanz-Spacer, Spanngurt, Anleitung
Street Bike Reifenmontiergerät Rabaconda Straße 12 - 21 Zoll 250 mm 15 & 20 mm inkl. Schlüsselweite ✓ | ✓ ✓ (Mit zusätzlichen Achsadaptern) X Reifenmontiergerät Street Bike Tire Changer, 16" Montierhebel mit Schutzhülle, Rabaconda Tragetasche, 15 mm Achsadapter, 2x Reifenwulstniederhalter
Reifenmontiergerät EVO2 PRO® BTR Rennstrecke, Adventure 12 - 21 Zoll (10 Zoll mit zusätzlichem Kit möglich) 240 mm (280 mm mit zusätzlicher Achse möglich) 20 mm (Achsadapter mit 12 und 15 mm zusätzlich erhältlich) ✓ | ✓ ✓ (Mit zusätzlichen Achsadaptern) Reifenmontiergerät EVO2®, PRO-Schutz-Paket, 380 mm Montierhebel, Reifenwulstniederhalter, Anleitung
Reifenmontiergerät EVO2® BTR Straße, Rennstrecke, Adventure 12 - 21 Zoll (10 Zoll mit zusätzlichem Kit möglich) 240 mm (280 mm mit zusätzlicher Achse möglich) 20 mm (Achsadapter mit 12 und 15 mm zusätzlich erhältlich) ✓ | ✓ ✓ (Mit zusätzlichen Achsadaptern) Reifenmontiergerät EVO2®, Anleitung
Two-in-One Reifenmontiergerät BTR Straße, Rennstrecke 15 - 19 Zoll 200 mm 20 mm (Achsadapter mit 12 und 15 mm zusätzlich erhältlich) ✓ | ✓ ✓ (Mit zusätzlichen Achsadaptern) X Reifenmontiergerät Two-in-One
Reifenmontiergerät EVOX max2h.com Straße, Rennstrecke 15 - 19 Zoll 200 mm 20 mm (Achsadapter mit 12 und 15 mm zusätzlich erhältlich) ✓ | ✓ ✓ (Mit zusätzlichen Achsadaptern) X Reifenmontiergerät EVOX
Motocross Reifenmontiergerät Rabaconda Motocross, Enduro 16 - 21 Zoll -- 20 - 24 mm (Achsadapter für dünnere und dickere Achsen sind separat erhältlich) X | ✓ X X Reifenmontiergerät Motocross 16 - 21 Zoll - 4. Generation, 16" Montierhebel mit Schutzhülle, Rabaconda Tragetasche, 2x Reifenwulstniederhalter
Basic Reifenmontiergerät BTR Universell von Reifengrößen ab 17 Zoll, Enduroreifen 17 - 21 Zoll -- 15 mm X | X X X Basic Reifenmontiergerät

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