Motorrad Schräglage Messen Systeme: Mehr Sicherheit und Kontrolle in Kurven

Seit der Einführung des ABS für Motorräder im Jahr 1988 hat sich die Anzahl und Funktion von fahraktiven Sicherheitssystemen in Motorrädern enorm vergrößert. Diese elektronischen Helferlein sollen nichts anderes als Unfälle vermeiden. Seit 2016 gehört ABS in Grundform zur Pflichtausstattung von Motorrädern. Im Grunde basieren alle aktuellen Sicherheitssysteme auf der Funktion des ABS.

Hier eine Übersicht über die Funktionen der heute erhältlichen und zukünftig möglichen Systeme, die uns entweder vor kritischen Situationen bewahren oder diese ganz vermeiden sollen:

Fahraktive Sicherheitssysteme im Überblick

  • ABS - Anti-Blockiersystem: Seit 1988 im Motorradbau bekannt. Es soll das Blockieren der Räder bei Vollbremsungen oder auf rutschigem Untergrund vermeiden. Seit Euro 4 gehört ABS zur Pflichtausstattung von Motorrädern über 125 Kubik. Das System funktioniert über Raddrehzahlen. Dreht sich eines oder beide Räder trotz Restgeschwindigkeit nicht mehr, öffnet das ABS-Modul den Hydraulikkreislauf, bis sich das Rad wieder dreht. Im Einsatz ist es über schnelle Druckimpulse an Hand- und Fußbremshebel zu erkennen.
  • Abstandsradar: Mit dem neuesten Update der Sicherheitssysteme wird mittels eines Radarmoduls in der Frontverkleidung oder Kamerasystemen die Entfernung zu anderen vorausfahrenden Verkehrsteilnehmern gemessen und der voreingestellte Abstand eingehalten. Die Radarsysteme sind auch mit dem MSC kombinierbar, was die Funktion auch in Schräglage ermöglicht und so auch den Abstand beim Kurvenwedeln halten kann. Das System kann also auch aktiv eine Bremsung einleiten. Aktuelles Beispiel-Modell: BMW R 1250 RT
  • Anti-Stoppie-Control: Die Hinterradabhebeerkennung arbeitet bei sehr harten Bremsmanövern und limitiert den Bremsdruck der Vorderradbremsen, wenn das System ein abhebendes Hinterrad erkennt. Das ASC soll dafür sorgen, dass beim Bremsen beide Räder am Boden bleiben, so den kürzest möglichen und stabilsten Bremsweg ermöglichen und einen Überschlag verhindern. Es funktioniert über Raddrehzahlen und Drehraten des Motorrads, also auch ein Teil des MSC. Aktuelles Beispiel-Modell: Aprilia RS 660
  • Anti-Wheelie-Control: Die Vorderradabhebeerkennung ist auch ein Teil der sehr umfassend ausgestatteten MSC-Systeme der Hersteller. Die AWC wirkt auf den ersten Blick wie eine Traktionskontrolle, arbeitet aber über die Drehraten, also die Beschleunigungssensoren des Krads. Ziel ist dabei, das Vorderrad beim vollen Beschleunigen nicht übermäßig steigen zu lassen, aber das Hinterrad nicht unnötig früh einzubremsen. Aktuelles Beispiel-Modell: KTM 1290 Super Duke R
  • Berganfahrhilfe: Am Berg anfahren mit dem kunstvollen Spiel aus Kupplung, Gas, und Bremse wird, von der meist in den MSC-Systeme freigeschaltete Berganfahrhilfe erleichtert. Sie erkennt das Halten an einer Steigung und schließt die Fußbremse. Erst mit genug Zugkraft am Rad löst sie sich wieder. Aktuelles Beispiel-Modell: BMW R 1250 GS
  • Elektronische Motorbremse: Sie arbeitet im Prinzip konträr zur Traktionskontrolle und soll das Bremsmoment des Motors beim Herunterschalten reduzieren. Das geschieht durch leichtes Öffnen der Drosselklappen beim Anbremsen und zeitgleichem Herunterschalten und soll das Schlingern oder Pendeln um die Hochachse verhindern. In Kombination mit dem MSC ist sie auch in Schräglage in Funktion. Aktuelles Beispiel-Modell: KTM 890 Duke
  • "Kurven-ABS" (MSC): Umgangssprachlicher Name von schräglagenabhängigen Motorradstabilitäts-Systemen, kurz MSC. Quasi das ESP des Motorrads, auch wenn das nur arbeitet, wenn der Fahrer bremst. Es errechnet über die Beschleunigungen des Motorrads die Schräglage und passt Bremseingriff, Bremsdruck und Bremsdruckverlauf dauerhaft an. Das System kann das schlagartige Aufrichten des Motorrads beim Bremsen in Schräglage nahezu vollständig vermeiden. Aktuelles Beispiel-Modell: Yamaha Tracer 9 GT
  • Kurvenlicht und Adaptives Licht: Sehen und gesehen werden ist auch heute noch ein wesentlicher Sicherheitsfaktor auf dem Motorrad. Da helfen sich immer weiterverbreitenden Funktionen wie das Kurvenlicht oder auch die adaptiven Systeme, die Leuchtkegel und Leuchtkraft abhängig von Schräglage und Geschwindigkeit zur optimalen Ausleuchtung der Straße anpassen können. Dabei wird entweder mittels drehbarer Spiegel im Scheinwerfer, drehbarer Projektoren oder zuschaltbarer LED-Segmente gearbeitet. Aktuelles Beispiel-Modell: Triumph Tiger 1200 XCa
  • Schräglagenabhängige Traktionskontrolle: Für die optimale Regelung der Traktionskontrolle in einer Kurve ist auch die Schräglagenberechnung über die Beschleunigungen nötig. Hierbei wird der Regeleingriff bei zu viel Schlupf am Hinterrad anders berechnet, was die Traktionskontrolle früher greifen lässt und die Regeleingriffe sanfter gestaltet, zur Vermeidung eines sogenannten Highsider. Aktuelles Beispiel-Modell: Kawasaki ZX-10 RR
  • Semi-Aktive-Fahrwerke: Fahrwerke, die sich elektronisch einstellen lassen oder sich selbstständig auf unterschiedliche Lasten voreinstellen und während der Fahrt aktiv auf Fahrstil und Untergrund reagieren. Dazu wird die Einfedergeschwindigkeit im Millisekunden-Bereich gemessen und das Dämpfungsverhalten blitzschnell angepasst. Aktuelles Beispiel-Modell: Aprilia Tuono V4 1100 Factory
  • Traktionskontrolle: Sie arbeitet wie das ABS auch anhand von Raddrehzahlen und drosselt die Motorleistung, wenn die Drehzahl des Hinterrads zu hoch im Vergleich zum Vorderrad ist. Die Traktionskontrolle ist quasi auch eine sehr einfache Art der Wheelie Control.
  • Totwinkelwarner: Auch per kurzwelligen Radarwellen, Kamera oder Lidar wird der tote Winkel des Motorrads überwacht, um bei Spurwechseln auf mögliche, bisher vom Fahrer unbemerkte Fahrzeuge hinzuweisen. Aktuelles Beispiel-Modell: Ducati Multistrada 1200 V4

KurvX: Der Digitale Kurventrainer

KurvX ist ein Gerät, das am Lenker des Motorrads montiert werden kann und die Schräglage in den Kurven misst und auswertet. Mit kurvX sollen interessierte Motorradfahrer die Kurvenfahrt optimal trainieren können.

Im Gerät selbst sind Sensoren verbaut, die die Fahrdynamik messen, wie beispielsweise die Beschleunigungswerte. Die Daten werden per Bluetooth auf das Smartphone oder Tablet übertragen. Der Nutzer benötigt außerdem ein Smartphone oder Tablet mit Android-Betriebssystem und Bluetooth (ab 4.0), worauf er die kurvX-App installiert. Die kurvX-App für iOS ist in Arbeit.

Funktionsweise von KurvX

Wenn der Session-Modus aktiviert ist, berechnet das kurvX die Schräglage in der Kurve in Echtzeit. Überschreitet der Fahrer den von ihm zuvor festgelegten Wert, signalisiert ihm das Gerät durch blinkende LEDs, dass die gewünschte Schräglage erreicht ist. Frequenz und Intensität des Blinkens nehmen mit steigender Schräglage zu, bis das Gerät bei Erreichen der Warngrenze dauerhaft leuchtet.

Am Ende der Kurve zeigt das Gerät am Lenker außerdem den maximal gefahrenen Schräglagenwert der letzten Kurve an. Nach der Fahrt können die Sessionaufzeichnungen am Smartphone oder auf dem Tablet abgelesen und analysiert werden.

Technische Daten von KurvX

Messfunktionen Maximale Schräglage in der Kurve, Bremsen, Beschleunigen
Feedback Echtzeit-Feedback über Super-LEDs, Anzeige der maximalen Schräglage nach der Kurve
App-Funktionen Diagramm, Tabelle und Track-Funktion zur Auswertung der Fahrdaten

KurvX bietet Fakten statt Vermutungen - für ein gutes Fahrgefühl und mehr Fahrzeugbeherrschung. Messen, Daten, Feedback - damit du sicherer und präziser fährst.

Zukunft der Motorrad-Sicherheitssysteme

Im Grunde sind die aktuellen Fahrhelfer in Motorrädern sehr vergleichbar mit denen in Autos vergangener Technik-Generationen. Entsprechend ist ein Blick auf die aktuellen Sicherheitstechniken im Vierrad auch ein Ausblick auf ähnliche Systeme beim Motorrad. Wir unterhalten uns für morgen also über Notbremsassistenten zur Kollisionsvermeidung, Überholassistenten, Parkassistenten und natürlich über die V2X oder C-ITS-Vernetzung von Fahrzeugen.

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