Die Schwäbische Alb ist ein Touren- und Kurvenparadies, das bis weit in unsere Tage oftmals noch im touristischen Dornröschenschlaf liegt. Man mag als Biker kaum glauben, welche Vielfalt dieses süddeutsche Mittelgebirge zu bieten hat. Endlos weite Ebenen, geschichtenreiche Städte und Dörfer und eine alles ergreifende, typisch schwäbische Gemütlichkeit, die auch den Reisenden sofort umhüllt. „Wahrlich! Ein Gott, ein Gott hat dieses Gebirge geschaffen.“so schwärmte bereits Friedrich Hölderlin auf seinen Reisen über die Schwäbische Alb.
Die Schwäbische Alb hat Motorradfahrern viel zu bieten. Traumhafte Motorradstrecken durch eine wunderschöne Landschaft versprechen klasse Motorradtouren. Die Alb ist ca. 200 km lang, 40 km breit und durch sanfte Berglandschaften mit tollen Felsformationen charakterisiert. Das Auge fährt mit und wird ständig mit wunderbaren kulturellen und landschaftlichen Highlights konfrontiert. Vorbei geht’s an Schlössern, mittelalterlichen Dörfern mit schönen Fachwerkhäusern und Wäldern und Wiesen. Anhalten lohnt sich.
Was ich damit ausdrücken will? Ganz einfach: Neben dem Gefühl von Freiheit, die das Motorradfahren ohnehin schon mitbringt, sind es für uns vorwiegend längere Touren, raus aus dem Gebiet rund um die eigene Haustür, die den Kopf frei und den Alltag fast vergessen machen. Erleichtert werden solche, mitunter doch etwas spontanen Touren, von dem heute sehr vielfältigen touristischen Motorradangebot.
Die Vielfalt der Schwäbischen Alb
Das typische Mittelgebirge - auch Schwäbischer Jura genannt - hat eine Länge von ca. 200 km und eine Breite von gut 40 km. Es ist eines der größten zusammenhängenden Karstgebiete in Deutschland mit markanten, weil oftmals steil abfallenden und im Sonnenschein weiß leuchtenden Felsen, mit tiefen, engen Tälern und herrlich weiten Hochflächen. Doch seine Schätze liegen nicht nur über der Erde: Rund 2.500 Höhlen sind bislang entdeckt und zum Teil erforscht, einige können als Schauhöhlen besichtigt werden.
Highlights entlang der Strecke
- Geislingen: Fünf umliegende Täler prägen die Stadt Geislingen: Das Obere und Untere Filstal, das Rohrach-, Eyb- und Längental. Sie gaben Geislingen den Beinamen „Fünftälerstadt“. Die historische Altstadt besitzt gut erhaltene Relikte aus der Zeit der Staufer, darunter mehrere spätmittelalterliche Fachwerkbauten und schöne Beispiele alemannischer Holzbauweisen, wie der „Alte Zoll“ als einstiges Wohnhaus der Zollbeamten oder auch der „Alte Bau“, eines der größten Fachwerkhäuser Deutschlands.
- Laichingen: Laichingen gilt als die „Leineweberstadt“, deren Webertradition bis weit ins Mittelalter zurückreicht. Da die kargen Böden der Gegend schon früher nicht viel hergaben, besann man sich rasch auf den Flachsanbau. Noch heute sind etliche Webereibetriebe hier ansässig. Sehenswert ist auch die Laichinger Tiefenhöhle, die einzige deutsche Schachthöhle, erforscht bis hinunter auf gut 80 m Tiefe.
- Bad Urach: Malerisch umgeben von Buchenwäldern mitten im Herzen der Schwäbischen Alb liegt die ehemalige Residenzstadt der Grafen von Württemberg-Urach. Seit 1970 sprudeln in Bad Urach einige der wärmsten und mineralreichsten Heilquellen Baden-Württembergs. Die historische Innenstadt mit prachtvollen Fachwerkhäusern rund um den Marktplatz mit seinem spätgotischen Brunnen, mit dem imposanten Residenzschloss sowie der Ruine Hohenurach sind Zeitzeugen einer mehr als bewegten Geschichte.
- Hohenneuffen: Zu Füßen der mächtigen Ruine Hohenneuffen liegt der Ort direkt an der Württemberger Weinstraße. Sein gut erhaltener mittelalterlicher Stadtkern ist reich gesegnet mit frühbarocken Fachwerkhäusern. Die Ruine Hohenneuffen auf einem gut 750 m hohen Felssporn ist die zweitgrößte Festungsruine Baden-Württembergs und ein sehr beliebtes Ausflugsziel mit Restaurant, Biergarten und Kiosk.
Eine Beispieltour durch das Herz der Schwäbischen Alb
Die Voraussetzungen für unsere Tour sind einwandfrei: Beste Wetterlage ist angekündigt und schon mit Sonnenaufgang erstrahlt der Himmel in schönstem Blau. Am Ende des Tages wird unsere kleine Gruppe, bestehend aus uns drei Motorradfahrern, Werner, Franz und Peter sowie Addi als Fotografen und Anika als Fahrerin des Begleitfahrzeuges, annähernd 200 Kilometer gefahren sein. Eine schöne, angenehme Runde durch das Herz der Schwäbischen Alb. Nach einem reichhaltigen und leckeren Frühstück lädt Franz noch zu seinem obligatorischen kleinen Briefing, welches um fünf vor neun abgehalten wird. Er erklärt kurz, wo es heute hingeht, ich prüfe erneut die Liste unserer Redakteurin, um möglichst nichts zu übersehen - und wir schaffen es trotzdem, kurz nach 9 Uhr loszurollen.
Stationen der Tour
- Mehrstetten und Hasenburren: Unsere Runde beginnt wie geplant in Richtung Ost nach Mehrstetten. Kaum losgefahren, entdecken wir bei diesem tollen Wetter natürlich das erste Fahrbildmotiv und halten drauf: Es ist das kleine, direkt an der Straße liegende Backhaus in Mehrtetten. Nur ein paar Kilometer weiter entdeckt Franz linker Hand eine Wasserdurchfahrt und durchkreuzt mit seiner KTM 1090 R den Fluss Schmiech. Unmittelbar danach tun sich vor uns die typisch schroffen Felsvorsprünge auf. Etwas abseits der Straße kurz vor Heroldstatt, entdecken wir eine Wegkapelle am Streckenrand, die Feldkapelle Hasenburren. Wunderschön einsam gelegen lädt sie zu einer idyllischen Pause ein.
- Über Heroldstatt und die Sontheimer Höhle: Jetzt geht es mit Heroldstatt als angestrebtem Ziel voran, wir fahren in Richtung L230 auf von Frank gerouteten Vizinalstrecken. In diesem Fall eine wunderschöne Kurvenstrecke mit vielen Serpentinen. In Sontheim dann wollen wir zur Höhle fahren, aber aufgrund eines Kinderspielplatzes kommen wir mit dem Motorrad nicht bis zu ihr vor. Viele davon sind als Schauhöhlen für Besucher zugänglich. Neben der Sontheimer Höhle sind das unter anderem die nicht weit entfernte Tiefenhöhle Laichingen, die Wimsener Höhle, die wir heute auch noch anfahren werden, sowie die Nebel- und die Bärenhöhle in Sonnenbühl, die wir bereits auf unserer „Maibaum-Kontrollfahrt“ besucht hatten.
- Am Blautopf in Blaubeuren: Nach zwei Stunden ist der erste Pausenstopp der Mannschaft vonnöten. Wir erkundigen uns nach dem Weg zur berühmten Aachgasse und fahren über die Gerbergasse direkt dorthin. Von ihrer pittoresken Schönheit sind wir alle vollkommen beeindruckt. Danach geht es zum gar nicht weit entfernt (nur etwa 300 Meter) gelegenen Blautopf. Wir sind von dieser heute bei schönem Wetter in mystischem Türkis leuchtenden Karstquelle alle mehr als begeistert. Sogar ich war in meinem Leben noch nie hier vor Ort. Übrigens entspringt hier der Fluss „Blau“, der nach etwas mehr als 20 Kilometern östlich von Blaubeuren, unterhalb von Ulm, in die Donau mündet.
- Die Schwaben-Metropole Ulm: Von hier aus geht es nach Ulm auf erneut von Franz schön ausgesuchten Nebenstrecken. Doch wir treffen uns glücklich am Münster wieder. Kein Wunder, ist das Münster nicht nur eine der größten evangelischen Kirchen Deutschlands, sondern ist sein Kirchturm mit über 160 Metern Höhe auch der höchste der Welt. Zuerst einmal verlaufen wir uns hier, finden dann aber ein wunderschönes Lokal direkt am Wasser, das „Restaurant Lochmühle“ an der Großen Blau. Natürlich bestätigt sie: Die Stadt zählt zum Alb-Donau-Kreis und erst kurz nach Ulm geht es die Alb hinauf. Ergo ist Ulm die Metropole schlechthin am östlichen Rand der Schwäbischen Alb.
- Wiblingen, Erbach, Oberdischingen, Ehingen: Nun fahren wir aus Ulm heraus über die Donau und exakt nach Checkliste zum Kloster Wiblingen, einer ehemaligen Benediktinerabtei, die südlich von Ulm im Dreieck zwischen Iller und Donau liegt. In Erbach besuchen wir das farbenprächtige, gelbe Renaissanceschloss. Gleich danach fahren wir die Wallfahrtskirche in Oberdischingen an und steuern von dort aus höchst vizinal weiter bis nach Ehingen.
- Kirchenschätze in Munderkingen und Zwiefalten: Jetzt geht es weiter nach Munderkingen, wir fahren in den Ort hinein und auf einmal ist die Polizei hinter uns. Addi geht fotografieren und erfährt von einem Ortsansässigen, dass es in der Kirche wunderschöne Renaissancebilder gibt. In Zwiefalten muss Anika dringend tanken, auch wir haben kaum noch Sprit. Wir besuchen das dortige Münster und die gesamte Klosteranlage. Es folgt noch ein letzter Stopp an der bekannten „Zwiefalter Klosterbrauerei“, dann geht es auch schon wieder aus der Stadt heraus.
- Wimsener Höhle und Lautertal: Jetzt geht es zurück in Richtung Münsingen. Davor ist allerdings noch die Wimsener Höhle angesagt. Wir erreichen die einzige mit einem Boot befahrbare Wasserhöhle Deutschlands, die eigentlich zu Ehren von König Friedrich I., Friedrichshöle genannt wird. Nun fahren wir von dort aus mit unseren inzwischen fast leeren Tanks gen Münsingen weiter. Dabei führt uns die Strecke durch das Lautertal nicht nur entlang zahlreicher Burgruinen, sondern erweist sich ihrem Ruf entsprechend als landschaftlich wunderschön und mithin exemplarisch für die Schwäbische Alb.
Der Albtrauf: Kurvenspaß pur
Man muss sich die Schwäbische Alb wie einen großen Keil vorstellen. Seine hohe senkrechte Seite erhebt sich im Westen aus dem schwäbischen Unterland und senkt sich danach langsam nach Osten Richtung Donau ab. Doch der wahre Kurvenspaß bei einer der schönsten Motorradtouren auf der Schwäbischen Alb findet an deren Steilabbruch, dem sogenannten Albtrauf statt. Diese rund 200 Kilometer sind gespickt mit Auf- und Abfahrten, die keinen Vergleich mit den Voralpen oder gar den richtigen Alpen scheuen brauchen.
So versprechen zum Beispiel von Rottenburg und Oberndorf aus mehrere Aufstiegsstraßen hinauf zur Hechinger Alb Kurvenabenteuer ohne Ende. Auch die Motorradtouren von Metzingen und Nürtingen aus hoch nach Bad Urach haben es gehörig in sich. Ebenso der Aufstieg von Kirchheim/Teck durch das Lenninger Tal nach Römerstein oder die Route über Neidlingen nach Ochsenwang/Schopfloch. Legendär sich auch die Bergsträßchen ab Schwäbisch Gmünd und Aalen hinauf zur Ostalb.
Die Schwäbische Albstraße
Eine vorzügliche Variante für seine Schwäbische Alb Motorradtouren ist die Schwäbische Albstraße. Diese rund 400 Kilometer lange Strecke startet im Norden in Aalen und endet im Süden in Trossingen. Sie verwöhnt uns mit einer kurvenreichen Trassenführung und passiert die schönsten Sehenswürdigkeiten der Schwäbischen Alb.
Motorradtour Schwäbische Alb - kurvig vorbei am Juragestein - Infos
Die zum südwestdeutschen Mittelgebirge gehörende „Schwäbische Alb“ befindet sich größten Teils innerhalb der Landesgrenzen von Baden-Württemberg. Ein paar Ausläufer reichen nach Bayern und ein kleines Stück sogar bis in die Schweiz. Die Alb gehört zu den Juragebirgszügen zwischen Coburg und Genf. Der so markant steil abfallende Bereich im Nord-Westen ist der berühmte „Albtrauf“.
Allgemeine Infos
Natürlich ist wieder die Strecke an sich das eigentliche Highlight dieser Tour. Doch auch abseits davon gibt es wirklich lohnenswerte Ziele, die hier zahlreich angefahren werden können. Einmalig ist die Kombination aus romantischen Burgen und Schlössern, Spuren der Geschichte und den vielfältigen Freizeitmöglichkeiten. Ob Höhlen, wie die Wimsener Höhle, Kloster (Blaubeuren und Wiblingen), das Münster in Ulm sowie in Zwiefalten oder das Erbacher Schloss bis hin zu den Kränen von LIEBHERR. Hier auf der Alb gibt es viel zu sehen und zu erleben.
Anreise
Münsingen erreicht man am besten über die Autobahnen 7, 8 und 81. Es liegt nur jeweils knapp 50 Kilometer von Tübingen und Ulm entfernt. Die B465 führt von Bad Urach bzw. Leutkirch im Allgäu direkt dorthin.
Beste Reisezeit
Mitte März bis Ende Oktober.
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