Motorradfahren in Schweden: Regeln und Vorschriften

Schweden ist ein beliebtes Ziel für Motorradfahrer, die unberührte Natur, hervorragende Straßen und wenig befahrene Routen suchen. Allerdings gibt es einige wichtige Regeln und Vorschriften, die du als Motorradfahrer in Schweden beachten solltest, um sicher und legal unterwegs zu sein.

Anreise mit dem Motorrad

Da Schweden nicht weit entfernt ist, kannst du sehr gut mit dem eigenen Motorrad anreisen. Von Deutschland aus gibt es zahlreiche Brücken oder Fähren, die nach Schweden führen. Die Fähren solltest du in der Regel rechtzeitig buchen, bei den Brücken gibt es keine Anmeldezeiten. Allerdings sind die Belt Brücke und die Öresundbrücke mautpflichtig.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten ist das Mitbringen der Grünen Versicherungskarte nicht mehr Pflicht. Eine ausreichende Motorradversicherung benötigst du aber unbedingt. In der Regel ist der Standard-Auslandsschutz in ganz Europa gültig. Wenn du eine Teil- oder Vollkaskoversicherung hast, bist du auch bei Wildunfällen abgesichert.

Gerade in der Dämmerungszeit (morgens und abends) sind in Schweden vermehrt Großtiere wie z. B. Elche unterwegs. Zu dieser Zeit solltest du also besonders vorsichtig fahren.

Verkehrsregeln für Motorradfahrer

Natürlich musst du dich auch in Schweden an die Verkehrsregeln halten. Einen Überblick über die wichtigsten schwedischen Regularien findest du hier. Für Motorradfahrer gelten dabei einige Besonderheiten. Ebenso wie in Deutschland gilt in Schweden eine Helmtragepflicht für Fahrer und Beifahrer.

Des Weiteren muss das Abblendlicht auch am Tag angestellt sein, damit du auf der Straße besser sichtbar bist. Zwar musst du keine Warnweste und kein Verbandszeug mitnehmen, zu deiner eigenen Sicherheit wird es allerdings empfohlen.

Bei Verkehrsverstößen wie zu schnellem Fahren oder Fahren ohne Licht wird es in Schweden schnell teuer. Hier gibt es keine Toleranzgrenzen und die Bußgelder sind um ein Vielfaches höher als in Deutschland. Auch die Promillegrenze ist sehr niedrig. Sie liegt bei 0,2. Landesweit finden regelmäßig Alkoholkontrollen statt. Meistens wirst du sofort kontrolliert, wenn du mit der Fähre ankommst.

Straßenverhältnisse und Besonderheiten

Für Motorradfahrer sind die Straßen nahezu perfekt. Der Straßenbelag ist gut, es gibt viele Kurven und die landschaftliche Schönheit drum herum ist atemberaubend. Auf den meisten Wegen hast du eine weite Aussicht auf die Natur. Meistens sind die Straßen wenig befahren.

Vorsicht gilt aber bei Lkws. Im Gegensatz zu Deutschland sind sie hier auch an Sonn- und Feiertagen unterwegs. Wenn du einen Stopp einlegen willst, um Fotos von der Umgebung zu machen, kannst du am Straßenrand halten. Das setzt aber voraus, dass dein Bike sicher geparkt wird und andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert. Querfeldeinfahren ist in Schweden übrigens verboten!

Motorradfahrer dürfen ausschließlich auf vorgegebenen Straßen und öffentlich freigegebenen Wegen fahren. Wenn du unterwegs eine Tankstelle passierst, solltest du die Gelegenheit unbedingt nutzen und den Tank auffüllen. In Südschweden ist das Tankstellennetz sehr gut, im Norden des Landes können die Abstände zwischen den einzelnen Tankstellen schon einmal größer ausfallen.

Unterkünfte für Motorradfahrer

Schweden bietet dir viele motorradfreundliche Übernachtungsmöglichkeiten und zahlreiche echte Motorradhotels und Motorrad-Campingplätze. Immer mehr Zeltplätze verfügen über Campinghütten - genannt camping stugor. Zudem kannst du dein Zelt auch in der freien Natur aufschlagen. Denn es gilt das Jedermannsrecht (allemansrätten). In der Nähe von Wohngegenden, Gärten oder bestellten Äckern ist es allerdings nicht erlaubt. Zudem bist du verpflichtet, deinen Abfall wegzuräumen. Wer seinen Campingplatz schmutzig hinterlässt, dem drohen Strafen.

Wenn du in Schweden viel campen möchtest, bietet sich die Camping Card an. Sie erlaubt dir, auf speziellen Mitglieds-Campingplätzen zu bleiben und ermöglicht einige Rabatte (zum Beispiel bei der Fährüberfahrt).

Die besten Reiseziele für Biker in Schweden

Je nach persönlichen Interessen weist Schweden ganz unterschiedliche Ziele für Motorradfahrer auf. Das Land bietet einerseits sanfte, grüne Hügel und lebhafte Städte im Süden, eine atemberaubende Felsküste, unberührte Wälder und kristallklare Seen in Mittelschweden und die letzte richtige Wildnis Europas in Lappland.

  • E4 von Stockholm zum Polarkreis: Immer wieder hat man dabei einen wunderbaren Ausblick auf die Ostsee. Die Straße ist zum größten Teil gut ausgebaut und führt auf einem nördlichen Abschnitt zwischen Härnosand und Örnsköldsvik direkt durch das Weltnaturerbe Höga Kusten, eine schroffe Felslandschaft mit unzähligen kleinen Schären. Hier empfiehlt es sich, einen Zwischenstopp einzulegen und das Gebiet auf einer Bootsfahrt zu erkunden.
  • Gamla Uppsala: Weiter im Süden sollte man unbedingt einen Abstecher von der E4 nach Gamla Uppsala einplanen. Dort wurde eine gewaltige Kultstätte der Wikingerzeit entdeckt und immer neue Schätze kommen zum Vorschein.
  • Stockholm: Außerdem sollte man zu Beginn oder zum Abschluss einer Reise entlang der E4 einen Aufenthalt in Stockholm nutzen, um sich diese Stadt am Mälarsee genauer anzuschauen. In der Altstadt gibt es in hellen Sommernächten ein einzigartiges Flair mit zahlreichen kleinen Cafes, Bars und Straßenkünstlern. Einen Ausflug wert ist auch das Vasa-Museum, wo eine nahezu perfekt erhaltene Galeere aus dem 16.
  • E45 von Göteborg in nördlicher Richtung: Sucht man eher die Einsamkeit, empfiehlt es sich, im Landesinneren von Schweden in nördlicher Richtung zu fahren, zum Beispiel von Göteborg aus die E45 entlang. Diese führt zuerst an die Westküste des Vänernsees, des größten Sees in Skandinavien. Dann dringt man immer tiefer in die unberührten Wälder von Dalarna ein.
  • Siljansee in Mora: Am Siljansee in Mora, auch das Auge Schwedens genannt, der als einer der schönsten Seen der Welt gilt, gibt es einen wunderbaren Campingplatz, von wo aus man im kristallklaren Wasser des Siljan schwimmen kann.
  • Naturpark von Orsa: Ein Ausflug empfiehlt sich in den Naturpark von Orsa, wo man halbwild lebende Braunbären mit ihren Jungen beobachten kann.
  • Straße Nummer 84 nach Funäsdalen: Nun hat man die Wahl: Auf der E45 auf direktem Wege weiter nach Norden, nach Östersund, oder in Sveg links abbiegen auf die Straße Nummer 84 nach Funäsdalen, mitten hinein in die Berge von Härjedalen. Auf dieser kaum befahrenen Straße trifft man mehr Rentiere als andere Fahrzeuge - und die Kurven hinauf auf die Passhöhen brauchen den Vergleich mit den Alpen nicht zu scheuen. Immer wieder kommt man dort an Hügelgräbern und eisenzeitlichen Felsmalereien vorbei, Natur- und Kulturerlebnis könnte man nicht besser kombinieren.
  • Åre: Von Funäsdalen aus kann man über kleine Schotterpisten aus Richtung Åre weiterfahren. Das bekannteste Skiressort Skandinaviens lädt im Sommer zu Bergwanderungen ein, auch Rafting auf dem Fluss Indalsälv steht zur Auswahl.
  • Östersund: Auch Östersund ist ein noch beinahe unbekanntes und dennoch erwähnenswertes Reiseziel.
  • Rundreise: Eine weitere Option besteht natürlich darin, eine Rundreise zu unternehmen, zum Beispiel an der norwegischen Fjordküste hoch bis zum Nordkap und an der schwedischen Ostseeküste zurück in den Süden. Dafür sollten allerdings allein schon wegen der schieren Wegstrecke mindestens drei Wochen eingeplant werden.

Die beste Reisezeit

Das Klima in Schweden ist natürlich durch seine nördliche Lage geprägt, dementsprechend sind die Winter schneereich, lang und kalt. Im Sommer allerdings hat Schweden einen entscheidenden Vorteil: Durch die norwegischen Berge ist es optimal vor regenreichem Atlantik-Wetter geschützt und durch die nördliche Lage wird es gleichzeitig nicht brütend heiß. Die optimalen Reisemonate für Motorradreisen erstrecken sich je nachdem, wie weit in den Norden vorgedrungen werden soll, also von Juni bis September.

Möchte man nach Lappland oder in die Berge von Härjedalen und Jämtland, sollte man sich auf Juli oder August beschränken, insbesondere, wenn draußen im Zelt übernachtet wird. Die südlicheren Provinzen wie Schonen oder Småland können durchaus auch im Frühling oder Herbst motorradtaugliches Wetter aufweisen, allerdings besteht das Risiko von längeren Regenperioden. Dementsprechend kann man um diese Jahreszeit Motorradfahren in Schweden nur kurzfristig planen.

Was man sonst noch beachten sollte

Prinzipiell ist Schweden sehr motorradfreundlich. Allerdings ist es dringend angeraten, sich an die Verkehrsregeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen (auf Autobahnen 110 oder 130 km/h, sonst 90 oder 70 km/h) zu halten - die Strafen für auch nur geringfügige Überschreitungen sind wesentlich höher als in Deutschland. Es gilt eine Null-Promille-Grenze. Außerdem sollte man auf das berühmte Elch-Warnschild tunlichst achten.

Wichtig ist, beim Motorradfahren in Schweden die Tankanzeige im Auge zu behalten. Im Norden und in den dünn besiedelten Gebieten im Landesinneren liegen Tankstellen zum Teil mehr als 200km auseinander - und Handyempfang ist bei Weitem nicht überall vorhanden. Dementsprechend sollte man immer eine großzügige Reserve einkalkulieren.

Wichtige Verkehrsbestimmungen

Die Promillegrenze beträgt 0,2. Vorfahrt haben Fahrzeuge im Kreisverkehr sowie Fahrzeuge auf als solchen gekennzeichneten Vorfahrtsstraßen. Besondere Vorsicht ist geboten bei größeren Straßen, die nicht ausdrücklich als Vorfahrtsstraßen gekennzeichnet sind; hier gilt rechts vor links.

Wenn ein Bus an einer regulären Bushaltestelle anhält und ein blinkendes Schild mit "30" auf der Rückseite anzeigt, darf nur mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h überholt werden.

Auf allen Straßen muss ganzjährig mit Abblendlicht (oder alternativ Tagfahrleuchten) gefahren werden. Diese Vorschrift gilt auch während der Mitternachtssonne. In motorbetriebenen Fahrzeugen darf kein Mobiltelefon oder eine andere Kommunikationsausrüstung während der Fahrt in der Hand gehalten werden.

Von 1. Dezember bis 31. März besteht für Fahrzeuge sowie für Anhänger bei winterlichen Straßenverhältnissen Winterreifenpflicht (Alpine-Symbol) mit einer Mindestprofiltiefe von 3 mm bei Fahrzeugen bis 3,5 t und bei schwereren Fahrzeugen von 5 mm. Wenn die Witterung es erfordert, ist die Nutzung von Spikes zwischen Oktober und 15. April erlaubt. Es gibt einige lokale Einschränkungen für die Verwendung von Spike-Reifen.

Bußgelder in Schweden

Was Ihnen bei einem Verstoß gegen die schwedischen Vorschriften droht, zeit exemplarisch diese Tabelle.

Verstoß Bußgeld (ungefähre Angaben)
Geschwindigkeitsüberschreitung (bis 10 km/h) Mindestens 130 Euro
Falschparken im eingeschränkten Halteverbot (Stockholm) 90 Euro

Mitführpflichten und Empfehlungen

  • Führerschein und Fahrzeugschein: Der deutsche Führerschein ist ausreichend. Die Zulassungsbescheinigung Teil I (bzw. Fahrzeugschein) ist mitzuführen.
  • Internationale Versicherungskarte (IVK): Als Nachweis für eine gültige Kfz-Haftpflichtversicherung reicht das deutsche Autokennzeichen. Dennoch wird die Mitnahme der IVK - Internationale Versicherungskarte (ehem. Grüne Karte) empfohlen, da mit Hilfe der IVK die Schadensabwicklung erleichtert wird.
  • Nationalitätskennzeichen: Das Nationalitätskennzeichen muss am Fahrzeug angebracht oder im Euro-Kennzeichen enthalten sein.
  • Winterreifen: Von 1. Dezember bis 31. März besteht Winterreifenpflicht bei winterlichen Straßenverhältnissen.
  • Europäischer Unfallbericht: Die Mitnahme eines Europäischen Unfallberichts wird empfohlen.

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