Für das Neubeziehen einer Motorradsitzbank müssen Sie kein Experte sein. Mit einem guten Sitzbezug, den richtigen Werkzeugen und vor allem etwas Zeit und Geduld wird es prima funktionieren. Dennoch, Sie selbst können auch ein Resultat liefern, mit dem Sie wirklich nicht unzufrieden sein werden. Nun muss zwar gesagt werden, dass die Experten nicht ohne Grund Experten sind. Um es wirklich perfekt zu kriegen, müssen Sie dorthin gehen.
Schritt 1: Die richtigen Werkzeuge und Materialien
Stellen Sie sicher, dass Sie zu Hause die richtigen Werkzeuge haben:
- Ein Sitzbezug für Ihr Motorrad. Oder ein Stück Leder (oder Kunstleder), aber dies macht es erheblich schwieriger, um es richtig straff um die Sitzpfanne zu spannen. Wollen Sie das dennoch machen? Verwenden Sie dann den alten Bezug als eine Schablone. Sie können sich einen Überzug aussuchen, der zu Ihrem Motorradstil und Geschmack passt, denken Sie an Knöpfe, Falten, Logos oder mehrere Farben. Hatte Ihr Sitz davor Falten, werden Sie sich dann bewusst, dass es einst eine enorme Arbeit gewesen ist. So eine Sitzbank mit einem glatten Bezug zu ersetzen ist möglicherweise nicht sinnvoll. Besonders bei Cafe Racern ist der in Rautenform gesteppte Sitzbezug beliebt.
- Brotmesser: Wenn der Schaumstoff angepasst oder überarbeitet werden muss, ist das eine ganz andere Kunst. Vorausgesetzt, Sie müssen nicht zu viel anpassen, funktioniert ein Brotmesser hierfür ausgezeichnet.
- Heftklammern in verschiedenen Größen. Sowohl breite und schmale als auch unterschiedliche Höhen der Schenkellänge. Ziehen Sie ein paar Heftklammern aus dem alten Sitz, um zu bestimmen, welche Sie benötigen werden. Oft werden mehrere Arten von Heftklammern für einen Sitz verwendet.
- Tacker: Kann pneumatisch, hydraulisch oder einfach manuell sein. Am einfachsten ist es, mehrere Tacker dabei zu haben. So können Sie verschiedene Heftklammern verwenden, ohne jedes Mal neue Heftklammern laden zu müssen.
Schritt 2: Bezug vorbereiten
Das erste, was Sie benötigen werden, ist Wärme, und damit meinen wir die Sonne. Legen Sie den neuen Bezug oder das neue Stück Leder in die Sonne. Dadurch wird das Leder sanft erwärmt und Sie werden feststellen, dass es deshalb viel geschmeidiger ist, um damit zu arbeiten. Außerdem wird sich das Leder aufgrund der Wärme etwas ausdehnen. Wenn Sie den Sitz dann über den Schaumstoff gespannt haben, zieht sich dieser durch Abkühlen zusammen, sodass er sich etwas fester um den Schaumstoff spannen lässt. Wenn Sie Ihr Motorrad dann einmal draußen in der Sonne stehen haben und sich der Sattelbezug wieder ausdehnt, wird dieser schöner gespannt bleiben, weil Sie es bereits mit einem warmen Bezug gespannt haben.
Schritt 3: Formen der Sitzbank erfassen
Nehmen Sie Ihre Sitzpfanne mit dem Schaumstoff dazu und untersuchen Sie diese sorgfältig. Suchen Sie danach wo die Falten fallen werden. Sehen Sie sich auch genau an, wo der Bezug rund und wo dieser hohl sein muss. Auf diese Weise können Sie im Voraus festlegen, wie Sie den Bezug anbringen möchten. Folgen Sie der Richtung der Sitzbankkrümmung und ziehen Sie den Bezug später dort entlang fest.
Bevor Sie mit dem Tackern beginnen, suchen Sie sich eine gute Stelle, um mit der ersten Heftklammer zu beginnen. Einfach mit dem Spannen des Bezugs über den Schaumstoff zu beginnen und irgendwo zu befestigen, ist letztendlich viel mühseliger.
Schritt 4: Tacker testen
Erstens: Seien Sie vorsichtig. Aber testen Sie den Tacker auf einer vergleichbaren Oberfläche, um zu sehen, wie tief die Heftklammer kommen wird. Wenn die Heftklammer zu tief kommt, kann diese durch die Sitzpfanne und den Schaumstoff dringen und dann durch die Oberseite des Bezugs stechen. Und das wollen Sie natürlich nicht, es ist nicht sehr bequem. Die Heftklammern sollten aber auch nicht zu leicht hineingeschossen werden, da dann der Bezug nicht richtig befestigt sein wird.
Schritt 5: Mit dem Tackern beginnen
Natürlich vergewissern Sie sich im Voraus, dass der Bezug schön in der Mitte landet. Wie bereits erwähnt, beginnen Sie nun damit, diesen ersten Kontrollpunkt festzumachen. Stellen Sie sicher, dass die Heftklammern senkrecht zur Richtung der Spannkraft des Bezuges wirken. Nutzen Sie Ihr eigenes Gewicht, um den Schaumstoff beim Spannen zusammenzudrücken. Arbeiten Sie mit den Heftklammern von innen nach außen. Mit dem zweiten Tacker können Sie das Leder oder Vinyl dehnen, um es gut straff gezogen zu kriegen. Arbeiten Sie auf einer weichen Oberfläche. Viele Menschen arbeiten auf einem Stück Teppich. Machen Sie sich keine Sorgen, solange Sie den Bezug nicht schief ziehen, wird dieser eigentlich nie zu stramm sitzen.
Schritt 6: Fehler korrigieren
Haben Sie Geduld und seien Sie kritisch gegenüber Ihrer eigenen Arbeit. Wenn eine ungewünschte Falte im Bezug landet, kann diese nach einiger Weile doch wohl etwas stören. Sie können die Heftklammer einfach mit einer Zange lösen und es dann erneut versuchen. Ragt das Vinyl oder Leder zu weit über die Heftklammer hinaus? Dies können Sie einfach mit einem Rasiermesser abschneiden, seien Sie dabei natürlich vorsichtig. Sie könnten selbst nach einer alten gebrauchten Sitzbank schauen, um die Technik darauf zu üben. Tipp: Eine Sitzbank einer Cross-Maschine ist am einfachsten, das ist wirklich keine Kunst.
Weitere Tipps und Tricks
- Materialwahl: In der Vergangenheit war es keine Frage: Materialeigenschaften wie eine hohe Reiß- und Abriebfestigkeit machten hochwertiges Echtleder zum Material der ersten Wahl für den Bezug von Motorradsitzen. Heute gibt es High Tech Lederimitate, welche der tierischen Faser in Optik und Haptik nicht nachstehen. Zudem punkten die modernen Kunstfasergewebe mit einem Plus an Strapazierfähigkeit, Langlebigkeit und Pflegefreundlichkeit. Das Polstermaterial besteht aus einem innovativen Faser-Mix: Polyester, PVC und Polyacryl (PAN), aufgebracht auf einem robustem Geweberücken, ermöglichen eine unkomplizierte Verarbeitung.
- Befestigungsmethoden: Nageln, heften, kleben oder nähen - mit ein wenig Geduld liefert jedes der genannten Verfahren ausgezeichnete Arbeitsergebnisse. Wer seine Motorradsitzbank besonders polstern möchte, kann dies beispielsweise mit Farb-Logos, Ziernähten oder individuellen Stickereien tun: Das Material ist tolerant.
- Spezielle Stoffe: Geht es speziell darum, eine Motorradsitzbank zu polstern, so fällt unsere erste Empfehlung auf die Produkte der Serie Outdoor & Boot Kunstleder Ocean mit Sanitized®Ausrüstung.
Eigenschaften der Serie Outdoor & Boot Kunstleder Ocean mit Sanitized®Ausrüstung:
- Extrem hohe Strapazierfähigkeit
- Flammhemmende Ausrüstung gemäß EN 1021 1+2
- Widerstandsfähig gegen die Bildung von Schimmel- und Stockflecken
- Pflegeleicht: leicht zu säubern mit Haushaltsspülmittel und Wasser
- Antimikrobielle, antifungale Beschichtung
- BV 0062 Wheel Mark Zertifizierung (Kreuzfahrt- und Fährschiffe)
- Salzwasser- und Chlorwasserbeständig
- Sehr hohe Lichtechtheit Stufe 7
- Alkoholresistent
- Phthalates-Free
- Wasserdicht
- UV-Beständig
Schritt-für-Schritt Anleitung zum Polstern einer Motorradsitzbank
- Altes Sitzpolster entfernen: Befreien Sie das Sitzkonstrukt zunächst vom alten Sitzpolster. Die Klammern des Bezuges lassen sich mit einer Spitzzange oder einem Schraubendreher entfernen. Etwaige Kleberückstände vom Schaumstoff lassen sich mit einem Drahtschwamm sauber beseitigen.
- Neuen Sitzbezug ausmessen: Vermessen Sie nun den neuen Sitzbezug mit einer Nahtzugabe von circa 4 Zentimetern - als Vorlage dient im Zweifelsfall der alte Bezugsstoff. Mit einem scharfen Messer bringen Sie jetzt den Sitzbezug sowie das innere Polstermaterial (evtl. Gelpolster sowie Polsterschaumstoff) in die gewünschte Form.
- Innenpolster ausrichten: Verwenden Sie große Sorgfalt auf das Ausrichten des Innenpolsters unter dem Polsterbezug: Nachdem Sie den Sitzkern mit Polstermaterial und Bezugsstoff ummantelt haben, fixieren Sie den Stoff zunächst mit einem Tacker locker im Frontbereich des Sitzkerns.
- Sitzpolster auf Spannung bringen: Nun muss großflächig warme Luft her: Mit einem Fön bringen Sie das Sitzpolster auf die optimale Spannung. Tackern Sie das Sitzpolster direkt nach dem Erkalten in immer kleiner werdenden Abständen fest.
- Stoffreste entfernen: Entfernen Sie überstehende Stoffreste mit der Stoffschere.
- Motorradsitzbank wieder befestigen: Das DIY-Projekt "Motorradsitzbank polstern" ist fast fertig - kalibrieren Sie abschließend die Sitzposition auf Ihrem Motorrad.
Welcher Schaumstoff für die Motorradsitzbank?
Unsere Empfehlung ist Verbundschaumstoff. Das ist ein fester Schaumstoff, der aus verschiedenen Schaumstoffflocken zusammengepresst wurde. Durch die starke Verpressung ist Verbundschaumstoff sehr robust und langlebig - ein entscheidender Grund, warum er sich ideal als Motorradsitzpolster eignet. Grundsätzlich ist Verbundschaumstoff ein fester Schaumstoff im Vergleich zu anderen Schaumstofftypen. Zudem gibt es Verbundschaumstoff in verschiedenen Festigkeitsstufen. Für die Motorradsitzbank hat sich Verbundschaumstoff RG 120 bewährt - ein fester Verbundschaumstoff.
Verbundschaumstoff RG 120
Zum einen ist Verbundschaumstoff ein sehr einfach zu verarbeitendes Material, sodass man sich das Polster für den Motorradsitz problemlos selbst zurechtschneiden kann. Zum anderen bieten wir die Möglichkeit sich den Verbundschaumstoff für die Motorradsitzbank von uns zuschneiden zu lassen. Möchten Sie das alte Polster austauschen und erneuern, ist es ganz leicht: Messen Sie einfach das aktuelle Sitzpolster der Motorradbank aus und geben Sie die Maße in unseren Zuschnittrechner ein.
Möchten Sie die Motorradsitzbank aufpolstern, weil Ihre Beine zu stark angewinkelt sind und dadurch häufig einschlafen, braucht das neue Polster einige Zentimeter mehr in der Höhe.
Kosten für das Abpolstern oder Neupolstern
Verwendet man Verbundschaumstoff RG 120 oder RG 140 ist ein neues Polster für die Motorradsitzbank günstig zu haben. Verfügt das neue Polster über die gleichen Maße wie das alte, kann man den vorherigen Bezug - sofern er noch gut aussieht und intakt ist - verwenden. Auch beim Abpolstern ist das möglich. Wird der Sitz jedoch erhöht, kann man den alten Bezug meist ab zwei Zentimeter und höher nicht mehr verwenden.
Zusätzliche Tipps von erfahrenen Bastlern
- Hartschaumstoff: Da sich Hartschaumstoff nicht wirklich an das Plastik der Sitzbank schmiegt, habe ich mich dazu entschieden, auf dem alten Schaumstoff aufzubauen.
- Recycling: Ich habe mich für Recycling unserer alten Schwimmmatten entschieden. Das Zeug ist sehr fest, lässt sich super verarbeiten und genug ist auch da.
- Weichere Schicht Schaumstoff: Über das ganze Gefuddel kam dann noch eine weichere Schicht Schaumstoff, zum Glätten und begradigen.
- Bezug: Als Bezug kein festes Kunstleder nehmen. Lieber etwas Rutschfestes und Dehnbares. Das erhöht nicht nur die Fahrsicherheit, sondern lässt sich auch viel besser spannen und glatt anlegen.
Fazit
Mit dem richtigen Schaumstoff, ideal auf Ihr Motorrad zugeschnitten, und den richtigen Tipps können Sie den Motorradsitz selber neu polstern. Ist die Sitzbank auf Ihrem Motorrad veraltet oder abgenutzt? Ist der Motorradsitz gar zu niedrig? Ist das Polster der Sitzbank zu weich? Den Motorradsitz selber neu zu polstern oder aufzupolstern und den Schaumstoff mit einem passenden Bezug zu beziehen, ist mit etwas Geschick gut zu schaffen.
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