Sie ist alles andere als "für’n Arsch". Denn ohne eine gescheite Sitzbank mangelt es gehörig an des Fahrers Komfort wie auch an Fahrdynamik. In dieser Werkstattfolge zeigen wir, wie jeder seinen Polstersitz fürs Motorrad wieder gescheit und sehr günstig aufmöbeln kann.
Gründe für die Reparatur einer Motorrad-Sitzbank
Die Gründe, der Sitzbank zu Leibe zu rücken, sind vielfältig: Spätestens wenn sie durchgesessen ist oder sich Risse zeigen, muss sie erneuert werden. Oder man will Sitzhöhe durch Auf- oder Abpolstern verändern, hat den Wunsch nach mehr Komfort oder will ihr einen schicken, individuellen Look verpassen.
Nicht nur der Bezug, auch das Polster altert und verliert zunehmend seine dämpfende Funktion. Die Sitzbank ist dann irgendwann „durchgesessen“, und lange Touren werden zur Tortur.
Ein simpler Bezugwechsel ist auch vom Hobbyschrauber einfach zu bewerkstelligen. Wird eine größere Veränderung geplant, dann bietet sich der Gang zum Profi mit technisch wie optisch oft herausragenden Ergebnissen an. Wir zeigen beide Varianten.
Aufbau einer Standard-Sitzbank
Motorrad-Sitzbänke sind fast immer ähnlich aufgebaut. Die Basis ist meist eine Grundplatte aus Kunststoff, bei älteren Maschinen kann sie auch aus Metall bestehen und ist dann zusätzlich rostanfällig. Darüber sitzt das Polster, bestehend aus einer Lage Schaumstoff, der auf der Platte fixiert ist, und schließlich der eigentliche Bezug, der in der Regel aus Kunstleder besteht und meist an der Grundplatte festgetackert ist.
Das Kunstleder härtet mit den Jahren langsam, aber sicher aus, da sich die im Bezug enthaltenen Weichmacher verflüchtigen. Dadurch wird er spröde und brüchig, und schließlich bekommt die Sitzbank auch Risse. Wenn es jetzt noch regnet, dann saugt sich das Polster mit Wasser voll, was die Freude am Sitzen auf Dauer deutlich trübt.
Provisorisch lassen sich kleinere Risse mit Panzerband tapen, das hält aber selten lange und sieht auch nicht wirklich toll aus. Das größte Manko einer Standard-Sitzbank ist aber ihr standardisierter Aufbau, der auf einen durchschnittlichen Biker (180 Zentimeter groß/80 Kilogramm schwer) ausgelegt ist.
Ist man kleiner oder größer, leichter oder schwerer, dann passt die Bank oft zumindest nicht optimal zum Fahrer. Eine individuelle Anpassung kann sich deshalb sehr positiv auf Sitzposition und Komfort auswirken. Einfaches Abpolstern durch Entfernen eines Teils des Sitzkerns ist dabei nicht empfehlenswert, weil der Sitzkomfort dadurch erheblich verschlechtert wird.
Pflege der Sitzbank
Damit die Sitzbank lange Freude bereitet, ist eine entsprechende Pflege sinnvoll. Am besten reinigt man sie mit einem weichen Mikrofasertuch, warmem Wasser und Spüli. Auf keinen Fall sollte man aggressive Reinigungsmittel benutzen.
Anschließend kann ein Kunstleder-Pflegemittel aufgebracht werden, das aber keine Lösemittel enthalten, sondern auf Wasserbasis arbeiten sollte (z. B. Big Block Protectant). So bleibt der Bezug länger geschmeidig und behält obendrein seine Farbe und seinen Glanz.
Anleitung zum Bezugwechsel
Soll nur der Bezug gewechselt werden, dann ist Selbermachen kein großer Akt. Dazu braucht man vergleichsweise wenig Werkzeug und Geschick. Nach dem Abbau der Sitzbank wird diese umgedreht, und die alten Tackernadeln können entfernt werden.
Dazu kann man einen speziellen Tackerentferner benutzen, muss man aber nicht, denn alternativ lassen sich die Tackernadeln auch mit einem kleinen, schmalen Schraubendreher anheben und einer Kombizange herausziehen. Die alten Nadeln werden als Muster für die neuen benutzt.
Nach dem Entfernen des Bezugs untersucht man den Sitzkern aus Schaumstoff auf Beschädigungen und Zustand. Falls der Kern schon zerbröselt ist, muss er erneuert werden. Eventuelle kleinere Löcher kann man ausbessern. Den dazu benötigten Schaumstoff gleicher Festigkeit erhält man bei einem Sattler oder Polsterer, der gegebenenfalls auch gleich die Reparatur vornehmen kann. Ist der Kern feucht, dann muss man ihn vor dem Beziehen komplett trocknen lassen.
Zuerst wird der Sitzkern mit einer Plastikfolie bezogen und dann auf eine stabile, ausreichend große Oberfläche gelegt. Alle Werkzeuge sollten griffbereit liegen, denn spannen, föhnen und tackern gleichzeitig erfordert eine entsprechende Koordination. Nun legt man den neuen Bezug auf den Sitzkern und richtet ihn möglichst sorgfältig aus, damit er später auch wirklich gerade sitzt. Dann wird er zur ersten Fixierung genau auf halber Höhe der Sitzbank auf beiden Seiten festgetackert.
Wichtig ist es, den Bezug dabei recht stramm zu ziehen, damit er später schön glatt ist und keine Falten wirft. Falls er nicht stramm genug sitzt, dann erwärmt man ihn vorsichtig mit einem Föhn. So wird der Bezug geschmeidig und passt sich den Konturen des Sitzkerns und der Grundplatte besser an.
Durch das Erwärmen dehnt sich das Material aus, zieht sich beim Erkalten wieder zusammen, bekommt so die nötige Spannung, und man verhindert die Faltenbildung. Doch Vorsicht - nicht punktuell, sondern möglichst großflächig erwärmen, da sonst an einer Stelle zu viel Hitze entstehen könnte. Auf die gleiche Weise wird der Bezug nun auch am Anfang und am Ende der Sitzbank fixiert. Unbedingt prüfen, ob dabei etwas verrutscht ist. Etwas komplizierter wird es bei den Ecken. Man zieht den Bezug stramm über die Ecke und kann ihn auch ruhig überlappend festtackern, solange die Falten nur an der Unterseite der Sitzbank auftreten (das nimmt etwas Spannung aus dem Bezug).
Das Ganze macht man von einer Ecke ausgehend einmal um die Sitzbank herum. Beim Tackern sollte man auf einen relativ gleichmäßigen Abstand der Tackernadeln achten. Gegebenenfalls kann man nun noch mit einem scharfen Messer oder einem Skalpell das überstehende Material des Bezugs abschneiden - fertig.
Zubehörbänke
Der Zubehörmarkt bietet je nach Modell eine ganze Reihe von Möglichkeiten für den Komplett-Ersatz. Einfache Sitzbänke z. B. für Café Racer-Umbauten gibt es schon ab 100 Euro. Allerdings nur als Universalbank, das heißt, die Halterung/Befestigung am Rahmen muss man sich selbst bauen.
Typenspezifische Bagster- oder Touratech-Bänke kosten dagegen schon 250 bis 400 Euro. In der Regel sind alle diese Ersatz-Bänke ähnlich wie die Originale auf den Standard-Motorradfahrer ausgelegt, eine individuelle Anpassung an Größe und Gewicht erfolgt also nicht.
Sitzbank-Umbau vom Profi
Wer also eine Maßanfertigung möchte (z. B. wegen der Sitzhöhe) oder besondere Vorstellungen bezüglich der Form, des Designs oder des Materials hat, der kommt um einen professionellen Sitzbankbauer nicht herum. Als Hobby-Bastler stößt man nämlich schnell an seine Grenzen, denn es fehlt an Material, Erfahrung und Kenntnissen.
Im Übrigen ist bei einem Umbau je nach Kundenwunsch fast alles möglich, individuelle Formen, farbige Bezüge, gestickte Embleme, Gelkissen und sogar Sitzheizungen sind im Prinzip machbar, dem Rat und der Erfahrung des Profis sollte man aber folgen.
Nach dem Entfernen des alten Bezugs stellt sich heraus, dass die Sitzbank schon einmal verändert wurde, allerdings mit ungeeignetem, viel zu weichem Material. Dieses wird nun entfernt und der Sitzkern mit verschiedensten Lagen Polstermaterial genau auf die Größe und das Gewicht des Fahrers abgestimmt. Wichtig ist, weder eine zu weiche noch zu harte Sitzbank zu erhalten, sondern eine optimal angepasste. Zwischendurch wird die Bank immer wieder an der Maschine montiert und ausprobiert.
Ähnlich anspruchsvoll ist auch die Herstellung des Bezugs. Nach dem provisorischen Zuschneiden des Bezugs legt Niklas die Absteppnähte nach der Foto-Vorlage fest und näht noch eine dünne Schaumstoffschicht ein. Dazu braucht man neben Geschick auch eine entsprechende Erfahrung, damit das Ganze am Ende auch wirklich harmoniert. Die Seitenteile werden angenäht, die Nähte zusätzlich abgedichtet, dann der Kern mit einer Plastikfolie bezogen, die das Eindringen von Wasser verhindert.
Das eigentliche Beziehen unterscheidet sich kaum von der weiter oben beschriebenen Vorgehensweise, nur eben schneller und professioneller. Wie nach den sorgsam ausgeführten Vorarbeiten nicht anders zu erwarten, passt sie nicht nur perfekt auf das Motorrad (es gibt nicht die geringsten Spalten, Überstände etc.), sondern sie ist auch ein echtes Schmuckstück, das der Seven-Fifty einen individuellen Touch und einen Hauch des Charmes der 70er-Jahre beschert.
Weitere Tipps und Tricks
- Den neuen Sitzbankbezug am besten zwei Tage vor Reparaturbeginn aus der Packung nehmen und ihn in einem warmen Raum ausbreiten, damit die Packfalten verschwinden.
- Für die Reparatur wird nicht viel Werkzeug benötigt - Schraubendreher, Zange, Pattex®, eine Heißklebepistole bzw. ggf. ein Tacker und ein Teppichmesser genügen.
- Als kleine Helfer haben sich ein paar Klemmen aus dem Baumarkt bewährt, um ggf. Halter & Co. zu fixieren.
- Bevor es dem Bezug an den Kragen geht, schrauben wir alles ab, was uns bei dem Beziehen behindern könnte. Dazu gehören z.B. Halteriemen, Zierleisten, Halter und Gummipuffer an der Unterseite der Sitzbank.
- An einer Metallgrundplatte müssen meist Blechhaken aufgebogen werden - dazu benutzt man einen Schraubendreher. Sind die Haken erst etwas abgehebelt, lässt sich eine Zange zum richtigen Wegbiegen ansetzen.
- Wenn die Blechlaschen alle hochgebogen bzw. die Tackerklammern entfernt sind, wird der alte Bezug abgenommen.
- Sitzbankkern und Grundplatte werden nun auf Schäden untersucht. Eine korrodierte Metallgrundplatte wird per Drahtbürste entrostet und mit Rostumwandler behandelt. Diese kann ggf. überlackiert werden.
- Der Sitzbankkern aus Schaumstoff wird auf Beschädigungen und Feuchtigkeit untersucht. Nässe sollte gut austrocknen. Das kann mehrere Tage dauern, ist aber unerlässlich. Größere Löcher müssen ausgebessert werden, da der neue Bezug sonst nicht richtig sitzt.
- Der neue Bezug wird jetzt über die Sitzbank gestülpt und ausgerichtet. Orientiere dich an den seitlichen Kanten und eventuell vorhandenen Rillen der Sitzfläche, damit der Bezug auch hundertprozentig mittig und gerade sitzt. Kontrolliere gründlich, ob die Zierrillen gerade verlaufen und keine Schlangenlinien bilden.
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