Viele Motorradfahrer sind mit der Form oder dem Komfort ihrer Seriensitzbank nicht zufrieden und möchten eine individuelle Custom Sitzbank bauen. Dieser Artikel zeigt, wie man eine Motorradsitzbank umbauen und anpassen kann, wobei verschiedene Aspekte wie Materialauswahl, Formgebung, Polsterung und Bezug berücksichtigt werden.
Gründe für einen Sitzbankumbau
Es gibt viele Gründe, eine Motorradsitzbank umzubauen:
- Verschleiß: Wenn die Sitzbank durchgesessen ist oder Risse aufweist, muss sie erneuert werden.
- Komfort: Man kann die Sitzhöhe durch Auf- oder Abpolstern verändern oder den Komfort erhöhen.
- Optik: Man kann der Sitzbank einen individuellen Look verleihen.
- Standardisierung: Standard-Sitzbänke sind meist für durchschnittliche Fahrer ausgelegt und passen nicht optimal zu jedem.
Materialien und Werkzeuge
Für den Umbau einer Sitzbank werden verschiedene Materialien und Werkzeuge benötigt:
- Grundplatte: Alu-Platte (0,8mm dick) oder thermoplastisches PVC (10mm)
- Polsterung: Bauschaum (2k für Türzargen), Glasfasermatten, Glasfaserspachtel, Schaumstoff
- Bezug: Kunstleder
- Werkzeuge: Messer, Flex mit Fächerscheiben, Handschleifer, Schleifpapier (K-40), Elektrotacker, Schere, Scalpel, Proxxon mit Fächerscheibe
- Sonstiges: Annietmuttern, Sprühkleber, Kaschierungsvlies/Kaschierwatte, Plastikfolie
Anleitung zum Sitzbankumbau
1. Vorbereitung
Zuerst muss die alte Sitzbank demontiert und der alte Bezug entfernt werden. Dazu kann man einen Tackerentferner oder einen Schraubendreher und eine Kombizange verwenden.
2. Grundplatte erstellen
Für die Grundplatte kann man eine Alu-Platte oder thermoplastisches PVC verwenden. Die Form der Platte sollte der gewünschten Form der Sitzbank entsprechen. Um die Platte zu befestigen, können Annietmuttern aus dem Flugzeugbau verwendet werden.
3. Höcker formen (optional)
Für einen Höcker kann man Bauschaum verwenden. Den Bauschaum in ungefährer Größe des Höckers auftragen und nach dem Trocknen mit einem Messer bearbeiten. Anschließend mit Glasfasermatten und Glasfaserspachtel modellieren.
Nach dem Aushärten den Bauschaum entfernen und die Oberfläche schleifen. An der Rückseite Löcher zur Befestigung an der Sitzbank bohren.
4. Polsterung
Die Polsterung kann aus verschiedenen Materialien bestehen, z. B. Schaumstoff oder Gelkissen. Den Schaumstoff grob zuschneiden und mit Sprühkleber auf die Grundplatte kleben. Anschließend mit einem Messer oder einer Flex in Form bringen. Für die Feinarbeit einen Handschleifer mit Schleifpapier verwenden.
Wer es puristisch mag, kann auch Zellkautschuk (Moosgummi) als Sitzpolster verwenden.
Tipps zum Schaumstoff bearbeiten:
- Für die grobe Form ein langes und scharfes Messer verwenden
- Eine Flex mit Fächerscheiben eignet sich gut für die Formgebung
- Für die Feinarbeit einen Handschleifer und Schleifpapier mit 40-K Körnung verwenden
5. Bezug anbringen
Den Sitzkern mit einer Plastikfolie beziehen, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Den neuen Bezug auf den Sitzkern legen und sorgfältig ausrichten. Zur ersten Fixierung den Bezug auf halber Höhe der Sitzbank auf beiden Seiten festtackern. Den Bezug dabei recht stramm ziehen, damit er später schön glatt ist und keine Falten wirft. Falls er nicht stramm genug sitzt, kann man ihn vorsichtig mit einem Föhn erwärmen.
Die Ecken etwas komplizierter werden. Den Bezug stramm über die Ecke ziehen und überlappend festtackern, solange die Falten nur an der Unterseite der Sitzbank auftreten. Das Ganze von einer Ecke ausgehend einmal um die Sitzbank herum machen. Abschließend das überstehende Material des Bezugs abschneiden.
Tipps zum Bezug anbringen:
- Einen Elektrotacker mit einstellbarer Schlagkrafteinstellung verwenden
- Edelstahl Tackerklammern verwenden
- Bei einem neuen Bezug einen Sattler kontaktieren
6. Abschließende Arbeiten
Nach dem Anbringen des Bezugs kann die Sitzbank wieder am Motorrad montiert werden. Es ist ratsam, eine Probefahrt zu machen, um den Komfort der neuen Sitzbank zu testen.
Optionen für Komfortverbesserung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Komfort der Sitzbank zu verbessern:
- Gelkissen: Ein Gelkissen kann den Sitzkomfort deutlich erhöhen. Es wird unter dem Bezug auf den Schaumstoff gelegt.
- Luftkissen: Luftkissen sind eine weitere Möglichkeit, den Komfort zu verbessern. Sie sind jedoch etwas höher als Gelkissen.
- Orthopädische Anpassung: Ein orthopädischer Sattler kann die Sitzbank exakt an den Körper des Fahrers anpassen.
Kosten
Die Kosten für einen Sitzbankumbau können stark variieren, abhängig von den verwendeten Materialien und dem Arbeitsaufwand. Ein einfacher Bezugwechsel kann bereits für 35 Euro durchgeführt werden. Eine Maßanfertigung von einem professionellen Sitzbankbauer kann jedoch mehrere hundert Euro kosten.
Wichtige Hinweise
- Vor dem Umbau sollte man sich über die gesetzlichen Bestimmungen informieren.
- Bei Arbeiten mit Bauschaum und Glasfasermatten unbedingt Handschuhe und eine Schutzbrille tragen.
- Beim Tackern des Bezugs auf einen gleichmäßigen Abstand der Tackernadeln achten.
Zusammenfassung
Der Umbau einer Motorradsitzbank ist ein anspruchsvolles Projekt, das jedoch mit etwas Geschick und den richtigen Materialien gelingen kann. Eine individuelle Anpassung der Sitzbank kann den Komfort und die Optik des Motorrads deutlich verbessern.
Tabelle: Materialien und Werkzeuge für den Sitzbankumbau
| Material/Werkzeug | Beschreibung |
|---|---|
| Grundplatte | Alu-Platte (0,8mm dick) oder thermoplastisches PVC (10mm) |
| Polsterung | Bauschaum (2k), Glasfasermatten, Glasfaserspachtel, Schaumstoff |
| Bezug | Kunstleder |
| Werkzeuge | Messer, Flex mit Fächerscheiben, Handschleifer, Schleifpapier, Elektrotacker |
| Sonstiges | Annietmuttern, Sprühkleber, Kaschierungsvlies, Plastikfolie |
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