Bei der Wahl der richtigen Motorradjacke für den Sommer spielen viele Faktoren eine Rolle. Neben dem Material und der Passform sind vor allem die Sicherheit und der Komfort entscheidend. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Test von Motorrad-Sommerjacken, wobei der Fokus auf Leder-Textil-Kombinationen und integrierten Protektoren liegt.
Leder oder Textil? Die perfekte Kombination
Viele Hersteller kombinieren gekonnt Leder und Textil, um die Vorteile beider Materialien zu nutzen. Bei dieser Kombination von Leder und Textil liegt es nahe, jene Stellen aus Leder zu fertigen, die bei einem Sturz erfahrungsgemäß mit dem Boden in Kontakt kommen - also vornehmlich Arme und Schulterbereich. Textilgewebe darf seine Stärken dann hingegen im Brust- und Innenarmbereich sowie an weiteren vergleichsweise unempfindlichen Stellen ausspielen.
Je nach Art und Weise der eingegangenen Partnerschaft von Leder und Textil entsteht im einen Fall eine Tourenjacke, im nächsten eine Sportjacke und im anderen Fall eine Retro-Jacke. Der Retro-Style fordert viel Leder, doch im Sinne von Komfort und Belüftung werden ungefährdete Stellen wie die Armbeuge durch luftiges und flexibles Textilgewebe verbessert. So kann die Jacke auch während der Fahrt spontan und unkompliziert an alle Wettergegebenheiten angepasst werden - sei es warm oder kalt, nass oder trocken, Wüste oder Asphalt.
Testsieger und Kauftipps
Im Rahmen des Tests wurden verschiedene Modelle auf Herz und Nieren geprüft. Da überrascht es wenig, dass sich zwei Jacken den Testsieg teilen, die in ihrer Ausrichtung unterschiedlicher kaum sein könnten. Unsere Haut ist aber in beiden hübsch und sicher verpackt.
- Testsieger: Rukka Melfort - Eine vollausgestattete Tourenjacke mit Adventure-Ambitionen.
- Testsieger: Rev'it Mantis - Eine sehr gelungene Sportjacke, die dank Mesh-Gewebe selbst bei heißem Wetter funktioniert.
- Kauftipp: Büse Ferno - Eine sehr komfortable und auf Sicherheit bedachte Leder-/Textiljacke.
Detaillierte Testergebnisse
Im Folgenden werden die Testsieger und der Kauftipp detaillierter vorgestellt:
Rukka Melfort
Die Rukka Melfort zeigt sich als vollausgestattete Tourenjacke mit Adventure-Ambitionen, lediglich bei zu viel Hitze kommen die großzügigen Belüftungsöffnungen irgendwann an ihre Grenzen. In ihrem Genre Testsieger! Die Rukka Melfort* hat den Testsieg davongetragen.
- Preis: 559,95 Euro
- Größen: 46 bis 66
- Farben: Schwarz, Oliv-Braun
- Gewicht: 2,71 kg (Größe 46)
- Zertifizierung: FprEN 17092-3:2016, Level A
- Material: Obermaterial aus Rindsleder, Polyamid und Baumwolle, Futter aus Polyester
- Bewertung Material-Kombination: Größtenteils Textil, Leder an gefährdeten Stellen und aus optischen Gründen.
- MOTORRAD-Urteil: sehr gut
Vorteile:
- Tadellose Verarbeitung
- Hoher Kragen
- Gore-Tex-Z-Liner-Membrane im Oberstoff
- Sechs großzügige Außentaschen
- Ärmelenden durch Klettverschluss bedingt weitenverstellbar, auch mit Handschuhen gut zu bedienen
Nachteile:
- Kragenweitenverstellung könnte noch flexibler sein
- Mit Abstand die schwerste Jacke im Test
- Nur wenig Stretchanteil
- Konzeptbedingt weniger gut belüftet als andere Jacken
Rev'it Mantis
Rev’it bietet mit der Mantis eine sehr gelungene Sportjacke, die dank Mesh-Gewebe selbst bei heißem Wetter funktioniert. Auch Kälte und Nässe kann sie gut ab. Trotz weniger Verstellmöglichkeiten reicht es zum Mit-Testsieg. Die Sportjacke von Rev'it Manits* hat dem Mit-Testsieg errungen.
- Preis: 419,99 Euro
- Größen: S bis XXL
- Farben: Schwarz, Schwarz/Weiß, Schwarz/Neongelb, Schwarz/Neonrot
- Gewicht: 2,40 kg (Größe M)
- Zertifizierung: prEN 17092-4:2017, Level A
- Material: Obermaterial aus Rindsleder, Polyester, Polyamid und Elasthan, Futter aus Polyester, Schulterplatten aus TPU
- Bewertung Material-Kombination: Dank Mesh bei Bedarf luftig und bequem, dank Leder trotzdem abriebfest.
- MOTORRAD-Urteil: sehr gut
Vorteile:
- Knackiger und gut definierter Sitz
- Ärmellänge und -krümmung praxisgerecht
- Sehr angenehmes Futter
- Entnehmbare Klimamembran
- Kragen und Protektoren äußerst komfortabel
- Tadellose Verarbeitung
- Kurzer und langer Verbindungsreißverschluss
- Brustprotektor möglich
Nachteile:
- Niedriger Kragen ohne Verstellmöglichkeit
- Keine Weitenverstellung am Ärmelende
Büse Ferno
Die Ferno ist eine sehr komfortable und auf Sicherheit bedachte Leder-/Textiljacke. In der Praxis überzeugt sie durch klare Machart und gute Bedienung. Toll ist außerdem die Variantenvielfalt, auch eine passende Hose bietet Büse. Als Kauftipp empfehlen wir die Büse Ferno*.
- Preis: ab 299,95 Euro
- Größen: 25-32, 46-64, 98-122, plus Damengrößen
- Farbe: Schwarz
- Gewicht: 2,40 kg (Größe S/48)
- Zertifizierung: EN 17092-3:2020, Level AA
- Material: Obermaterial aus Rindsleder und Polyamid, Futter aus Polyester
- Bewertung Material-Kombination: Lederbesatz an allen wichtigen Stellen, selbst Brust-, Nacken- und Steißbereich, dazu Textilflächen mit Lüftungsöffnungen.
- MOTORRAD-Urteil: gut
Vorteile:
- Angenehme Passform
- Hoher Tragekomfort
- Ärmellänge und -krümmung praxisgerecht
- Passend dimensionierte Weitenverstellungen
- Perfekte Protektorengröße und -platzierung
- Entnehmbare Humax-Klimamembran
- Komfortabler Kragen
- Umfangreiches Größenangebot, Damenvariante erhältlich
Nachteile:
- Kragen und Klettriegel recht tief
- Minimale Verarbeitungsmängel
- Zipper etwas klein
Weitere getestete Modelle
Neben den Top-Empfehlungen wurden weitere Jacken getestet, die unterschiedliche Stärken und Schwächen aufweisen. Hier eine kurze Zusammenfassung:
- Trilobite All Ride: Bequem, aber mit minimalem Lederanteil.
- Bogotto Explorer-Z: Angenehme Tourenjacke mit durchdachten Details.
- Bogotto Tek-M: Geschmeidiges Büffelleder, aber mit knackiger Passform.
- Course Boomer: Sehr leicht und günstig, aber mit geringem Sicherheitsgefühl.
- Dainese Super Rider D-Dry: Alltagstaugliche Sportjacke mit guter Funktion bei unterschiedlichen Wetterbedingungen.
- Held Jester: Weiches Leder, aber schwer und sperrig.
- iXS Tour LT ST: Sportlich-knackig, aber mit Detaillösungen wie dem komfortablen Kragen.
- Rebelhorn Vandal Air: Sportlich und luftig, aber mit leichten Verarbeitungsmängeln.
- Richa Terminator: Hübsch gestaltet, aber ohne Belüftungsöffnungen und Verstellmöglichkeiten.
Die Bedeutung von Protektoren
Gerade wenn Sie leidenschaftlich gerne Motorrad fahren, sind Protektorenjacken oder Protektorenwesten ein Muss. Beim Motorradfahren werden höhere Geschwindigkeiten verursacht, was grundsätzlich bei Unfällen starke Verletzungen verursachen kann. Daher ist es wichtig, für den Fall eines Unfalles, dass Sie den optimalen Schutz für Ihren Oberkörper haben. Die Protektorenjacken helfen sehr, Verletzungen zu vermeiden. Es gibt sie in diversen Ausführungen, Größen und Passformen. Achten Sie beim Kauf besonders auf eine hohe Qualität und eine optimierte Passform.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten:
- Größe: Nur in der perfekten Größe bietet Ihnen die Protektorenweste auch sicheren Schutz.
- Material: Achten Sie auf ein geprüftes und hochwertiges Material beim Kauf. Die EN-Zertifizierung ist wichtig.
- Passform: Nur mit der optimalen Passform kann die Jacke auch im Notfall schützen.
- Mögliche Kombination mit Ihrer bestehenden Motorradbekleidung: Beachten Sie die Kombinationen mit Ihrer bestehenden oder neuen Motorradbekleidung.
Eine echte Alternative ist die Protektorenweste, die immer beliebter wird in letzter Zeit. Durch die ärmellose Jacke ist mehr Flexibilität gegeben.
Level 1 oder Level 2?
Es muss unterschieden werden zwischen der Level-1- und Level-2-Variante. Diese unterschiedlichen Protektoren sind in einer Protektorenjacke verbaut und müssen der Norm EN 1621-2 entsprechen. Gerade die Qualität entscheidet, ob Sie auch wirklich einen guten Schutz haben bei einem eventuellen Unfall. Vertrauen Sie hier den Herstellerangaben und legen Sie Wert auf die höchste Qualität, die Sie finden können.
Meshjacken für heiße Tage
Im Sommer greifen allzu viele Motorradfahrer zu T-Shirt, Sneakern und kurzer Hose. Bitte tun Sie das nicht! Denn Baumwolle löst sich bei Asphaltkontakt schnurstracks in Missfallen auf - verdreckte und schlecht heilende Schürfwunden sind die Folge. Die wesentlich bessere Alternative sind Meshjacken, die großflächig auf ein Netzgewebe aus Polyester oder Polyamid setzen. Diese versprechen beste Belüftung und dennoch ausreichend Schutz.
Sicherheit durch Normen
Die mittlerweile für Motorradbekleidung gültige Norm EN 17092 soll es leichter machen, die zu erwartenden Schutzeigenschaften einer Jacke zu erkennen. Dazu findet sich auf dem Etikett einer von drei Buchstaben, nämlich C (Aufprallschutz), B (Abriebschutz) oder A (Aufprall- und Abriebschutz). Je nachdem, wie gut bzw. lange die Schutzkleidung bei einem (simulierten) Sturz hält, kann sie auch mit AA oder AAA ausgezeichnet sein. Letzteres erreichen robuste Textil- und Lederkombis sowie manche Jeans. Meshjacken hingegen sind in der Regel "nur" mit einem A zertifiziert.
Solche Bekleidung soll laut Norm auf möglichst geringe Ergonomie- und Gewichtsbelastungen ausgerichtet sein und darf sich dafür auf ein Mindestmaß an notwendigem Schutz konzentrieren. Konkret sieht dieses Mindestmaß so aus, dass Zone 3 (siehe Grafik, hellblau) gar nicht auf Abriebfestigkeit geprüft wird - also all jene Bereiche, die bei einer Meshjacke typischerweise aus Netzgewebe bestehen. Von daher sollten Käufer auf vertrauenswürdige Materialien achten, zum Beispiel Polyamid oder robusteres Polyester (z. B. 600D).
Textiljacken als Allroundtalente
Nicht immer sind Lederjacke und Jeans die beste Wahl, wenn es auf große Tour geht. Trifft man auf unterschiedliche Wetter- und Temperaturbedingungen, fährt es sich mit einer anpassbaren Außenhaut deutlich komfortabler. Unser Testfeld bietet zu diesem Zweck jeweils ein wärmendes Innenfutter und eine wasserdichte Membran. So ausgestattet sind Textiljacken unerschrockene Reisebegleiter bei allen Wetterlagen.
Drei Schichten Schutz
Grundsätzlich ist eine Textiljacke in drei Schichten aufgebaut: Der äußeren Schicht, zumeist aus widerstandsfähigem Cordura, folgt eine wind- und wasserundurchlässige Membran. Hier unterscheidet man Z-Liner und ein 2- oder 3-Lagen-Laminat. Ein Z-Liner, in der Regel eine einzippbare Membranjacke, ist etwas kostengünstiger in der Produktion. Der Nachteil: Die Außenjacke saugt sich bei Regen voll, wird nass und schwer.
Bei den Membranen unterscheidet man porige und rein physikalische. Porige Membrane wie etwa Gore-Tex basieren auf einer Teflonschicht, die so lange gezogen wird, bis eine mikrofeine Porung entsteht, durch die nur noch Wasserdampf entweichen kann, die ansonsten aber wind- und wasserdicht ist. Anders funktionieren zum Beispiel SympaTex-Membrane. Das sind Stoffe, die so fein gewebt sind, dass sie zwar Wasser abhalten, Wasserdampf aber durchlassen.
Wohlfühlfahrten auch bei wechselhaften Bedingungen
Ab 25 Grad Außentemperatur lässt die Wirkung einer Membran nach. Dann müssen die Belüftungsöffnungen der Jacke ran, um im Fahrbetrieb das Temperaturgefälle wieder zu erhöhen und die Atmungsaktivität anzukurbeln.
Hersteller im Überblick
Eine Vielzahl von Herstellern bietet hochwertige Protektorenjacken an. Hier eine Auswahl:
- Alpinestars
- Fox Racing
- Protectwear
- BLISS Protection
- Leatt
- Held
- Büse
- Forcefield
- O´Neal
- German Wear
Die Qual der Wahl
Die Auswahl an Motorrad-Sommerjacken ist groß und vielfältig. Ob Leder, Textil oder eine Kombination aus beidem - für jeden Geschmack und jeden Anspruch gibt es das passende Modell. Achten Sie bei der Wahl Ihrer Jacke vor allem auf die Sicherheit, den Komfort und die individuellen Bedürfnisse.
Hinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate Links. Diese sind mit (*) gekennzeichnet. Wenn Sie auf diesen Link klicken und sich dazu entscheiden das Produkt zu kaufen, erhalten wir eine Provision. Für Sie ändert sich dabei nichts. Ihr Einkaufspreis bleibt der selbe wie zuvor. Mit den Einnahmen aus den Verkäufen garantieren wir das langfristige Fortbestehen des Magazins und viele neue und spannende Beiträge für Sie.
Verwandte Beiträge:
- Polo Motorradbekleidung: Test, Kollektion & Kaufberatung
- Motorrad Kostüm für Erwachsene: Die besten Outfits für Biker
- Angststreifen Motorrad entfernen: Tipps & Tricks
- Thermo-Unterwäsche Motorrad Herren: Test, Kaufberatung & Modelle - Perfekter Komfort beim Motorradfahren
- Ghost Fahrrad 28 Zoll Test – Ultimativer Vergleich & Experten-Check für das perfekte Bike!
- Scott Fahrrad Damen Test: Die besten Modelle im ultimativen Vergleich!
Kommentar schreiben