Motorrad Standgeräusch: DB Liste, Gesetze und Tipps für leises Fahren

Das Thema Motorradlärm polarisiert: Für die einen ist es faszinierender Motorensound, für die anderen unerträglicher Krach. Immer öfter klagen Anwohner entlang beliebter Biker-Routen über Lärm und fordern Fahrverbote. Doch es gibt Möglichkeiten, den Lärm zu reduzieren und ein besseres Miteinander zu fördern.

Standgeräusch und Fahrgeräusch: Was ist der Unterschied?

Der Wert „Standgeräusch“ ist ein rein theoretischer Wert, der rein gar nichts über die Lautstärke während der Fahrt aussagt. Das Standgeräusch dient in Deutschland einzig und allein als Datenbasis für eine Ad-Hoc-Geräuschüberprüfung von auffälligen oder verdächtigen Fahrzeugen im Rahmen von Polizeikontrollen.

Im Unterschied zum Fahrgeräusch kann das Standgeräusch von der Polizei oder von den KFZ-Prüfstellen gemessen und überprüft werden. Es wird stets ermittelt und in die Fahrzeugpapiere eingetragen. Damit erhält die Polizei die Möglichkeit, bei Verkehrskontrollen mit einfachen Mitteln den Originalzustand eines Fahrzeugs zu überprüfen.

Gesetzliche Bestimmungen zum Motorradlärm

Ganz legal dürfen Motorräder in der EU mit offiziell maximal 80 Dezibel so laut wie LKWs sein. Das offizielle „Fahrgeräusch“ für die Zulassung von Motorrädern wird an ganz speziellen Prüfstrecken erhoben. Bleibt die Maschine dabei unter 80 Dezibel, wird sie in der gesamten EU zugelassen.

Fahrgeräuschgrenzwerte für Motorräder über 175 cm³:

  • 84 dB (A) max. bis 30. 9. 1983
  • 83 bis 86 dB (A) max. bis 30. 9. 1990
  • 82 dB (A) max. bis 30. 9. 1995
  • 80 dB (A) ab 1. 10. 1995

Für das Standgeräusch von Motorrädern sind vom Gesetzgeber keine Grenzwerte vorgeschrieben. Das Ergebnis dieser merkwürdigen „Fahrgeräuschmessung“ wird im Typenschein eingetragen. In den Typenscheinen finden sich daher auch offiziell eingetragene „Standgeräusche“ von über 100 Dezibel.

Die Problematik der Tiroler 95-Dezibel-Verordnung

Seit 2020 gibt es in Tirol ein Fahrverbot für Motorräder mit einem Standgeräusch von mehr als 95 dB(A) auf bestimmten Streckenabschnitten. Unwichtige Zahl als Grenzwert in Tirol Den Verantwortlichen für die Motorrad Fahrverbote in Tirol scheint es dabei gleichgültig zu sein, dass das Standgeräusch nichts mit dem Fahrgeräusch zu tun hat und zudem nicht gesetzlich reguliert ist.

Die Begründung für die Fahrverbote in Tirol basiert auf dem angeblich einfacheren Vor-Ort-Test des irrelevanten Standgeräuschwerts. Dabei wird immer die Nahfeldmessung verwendet. Allerdings ist dieses Instrument dazu gedacht, verschlissene, manipulierte oder illegale Auspuffanlagen zu identifizieren.

Wie wird das Standgeräusch gemessen?

Bei einer Schalldruckpegelmessung im Nahfeld, der sogenannten Standgeräuschmessung nach UN-ECE R 41.04, werden mehrere Messungen seitlich hinter der Endtopfmündung vorgenommen. Bei halber Nenndrehzahl muss die Drehzahl mindestens 1 Sekunde gehalten und dann abrupt der Gasgriff geschlossen werden.

Das Mikrophon wird in Höhe der Auspuffmündung im Winkel von 45 Grad zur Fahrzeuglängsachse und im Abstand von 0,5 Metern positioniert. Gemessen wird die Lautstärke bei halber Nenndrehzahl. Als Ergebnis zählt der höchste von drei Messwerten. gerundet auf volle dB (A).

Marktübersicht: Modelle mit maximal 95 dB(A) Standgeräusch

Im Rahmen eines geplanten Pilotprojekts im deutschen Kreis Holzminden, bei dem Fahrverbote für Motorräder mit einem Standgeräusch von über 90 dB(A) drohen, hat MOTORRAD Redaktion die Datenbank durchsucht. Seit 2019 wurden die Standgeräusch-Werte von 414 aktuellen Modellen erfasst. Davon sind 321 von den Fahrverboten in Tirol ausgenommen.

Trotzdem haben wir in der MOTORRAD-Test-Datenbank immerhin rund 140 Modelle mit maximal 90 Dezibel Standgeräusch gefunden. Dabei handelt es sich um Testfahrzeuge aus dem Zeitraum von 2019 bis Ende 2023.

Hier eine kleine Auswahl:

  • Neue BMW R 1300 GS mit 90 Dezibel Standgeräusch
  • R 1250 GS sowie die anderen Boxer-Modelle mit Werten zwischen 86 und 90 Dezibel
  • CB 500-Mittelklasse-Modelle sowie die betont brave NC 750 X und der Luxus-Tourer Gold Wing von Honda unter oder bis 90 Dezibel
  • Kawasaki ist mit den 650er-Modellen im "grünen Bereich"
  • Suzuki liegt besser im Dezibel-Rennen, mit den neuen Modellen GSX-8 S und V-Strom 800, ebenso mit den älteren V-Strom-Typen und sogar mit der SV 650.
  • Yamaha überschreiten zwar MT-07, XSR 700 und Tracer 700 den willkürlich gesetzten 90-dB(A)-Grenzwert nicht
  • Überraschenderweise tauchen zahlreiche KTM-Modelle auf der "Positiv-Liste" auf, unter anderem 1290 Super Adventure, 890 SMT oder 390 Duke.
  • Und bei Royal Enfield pöttern nahezu alle Modelle mit einem oder zwei Zylindern (seit 2021) unterhalb 90 Dezibel Standgeräusch

Tipps zum leisen Motorradfahren

Auch Motorradfahrer können ihren Beitrag für ein besseres Miteinander leisten, indem sie einige einfache Tipps zum leisen Motorradfahren beachten:

  • Ein Motorrad auswählen, dem im Rahmen der Typgenehmigung ein möglichst geringes Fahrgeräusche attestiert wurde.
  • Originale Auspuffanlage und Endschalldämpfer nur austauschen, wenn die Umrüstanlage in allen Betriebszuständen maximal gleich laut oder besser noch leiser ist.
  • Original- oder Austausch-Auspuffanlage nicht verändern.
  • Drehzahl grundsätzlich möglichst niedrig halten.
  • Innerorts entspannt mit weitgehend geschlossener Drosselklappe (wenig Gas) dahingleiten.
  • Exzessive Beschleunigungen generell vermeiden, auch am Ortsausgang.
  • Mitdenken, Freude schenken: Jeder Mensch hat einen Anspruch auf Ruhe.

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