Motorrad TÜV abgelaufen: Strafen und Konsequenzen in Deutschland

Die Hauptuntersuchung (HU), umgangssprachlich oft als "TÜV" bezeichnet, ist eine regelmäßige Sicherheitskontrolle für Kraftfahrzeuge. Eigentlich steht die Abkürzung „TÜV“ jedoch für „Technischer Überwachungsverein“, einer Prüforganisation, welche Sicherheitskontrollen technischer Geräte durchführt. Doch nicht nur der TÜV bietet die HU von Pkw und Anhängern an - auch die DEKRA, kurz für Deutscher Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein, und die KÜS, Abkürzung der Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger, sind staatlich anerkannte Prüforganisationen. Zudem lohnt es sich, bei der Autowerkstatt Ihres Vertrauens nachzufragen. Viele Werkstätten bieten regelmäßige HU-Termine, bei denen ein Prüfer vor Ort das Fahrzeug auf Mängel untersucht. Sie dient nicht nur der eigenen Sicherheit, sondern schützt auch andere Verkehrsteilnehmer.

Wann ist die nächste HU fällig?

Wann der nächste TÜV-Termin ansteht, erfahren Sie, wenn Sie einen Blick auf die Prüfplakette werfen. Die TÜV-Plakette richtig zu lesen, ist denkbar einfach. In der Mitte befindet sich eine Zahl, die das Jahr angibt, in dem Sie zur Untersuchung müssen - beispielsweise 22 für 2022. Der zweite Ring ist mit den Zahlen 1 bis 12 gegen den Uhrzeigersinn beschriftet. Die Zahl, die oben steht, zeigt den Monat an.

Privat genutzte Autos und Motorräder müssen im Gegensatz zu sicherheitsprüfungspflichtigen Fahrzeugen alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung. Eine Ausnahme bilden Neufahrzeuge, deren HU erstmalig nach dem dritten Jahr ansteht. Wann die nächste HU für Ihr Fahrzeug fällig ist, sehen Sie auf der TÜV-Plakette am hinteren Nummernschild. Wann Sie die nächste Überprüfung absolvieren müssen, steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I (früher Fahrzeugschein) und auf der Plakette am Kfz-Kennzeichen.

Was passiert, wenn der TÜV abgelaufen ist?

Nicht wenige Fahrzeugbesitzer vergessen, den Termin für die Hauptuntersuchung wahrzunehmen. Grundsätzlich ist es möglich, den TÜV einen Monat zu überziehen, ohne Strafen fürchten zu müssen. Haben Sie diesen Zeitraum ebenfalls überschritten, erhalten Sie meist eine Verwarnung, falls die Polizei Sie kontrolliert. Den Termin für diese zweijährige Untersuchung sollten Sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Gesetzlich verankert sind alle Bedingungen zu dieser Hauptuntersuchung im § 29 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Geben Sie Ihr Fahrzeug nicht rechtzeitig in die Werkstatt, müssen Sie TÜV-Gebühren wegen Überziehung zahlen.

Grundsätzlich darf der TÜV nicht überzogen werden. Ist man ein bis zwei Monate ohne TÜV unterwegs, drücken Beamte oft ein Auge zu. Ist der TÜV länger abgelaufen, drohen als Strafe jedoch Verwarn- und Bußgelder zwischen 15 Euro und 60 Euro sowie ein Punkt in Flensburg. Fährt man mehr als zwei Monate ohne TÜV, droht die „vertiefte HU“ - diese kostet mehr als die reguläre Hauptuntersuchung.

Bußgelder bei überzogenem TÜV (Pkw, Motorräder und leichte Anhänger)

Bei Pkw, Motorrädern und leichten Anhängern (nicht sicherheitsprüfungspflichtigen Fahrzeugen) gilt:

ÜberziehungStrafe
Mehr als zwei Monate15 Euro
Vier bis acht Monate25 Euro
Mehr als acht Monate60 Euro Bußgeld und 1 Punkt in Flensburg

Wenn Sie ein Nutzfahrzeug fahren, für das eine Sicherheitsprüfung verpflichtend ist, verändern sich die Fristen und Bußgelder. Sie haben die Frist zur HU zwischen 2 und 4 Monaten überschritten?

Bußgelder bei überzogenem TÜV (Nutzfahrzeuge mit Sicherheitsprüfung)

Bei Nutzfahrzeugen, bei denen eine Sicherheitsprüfung vorgeschrieben ist, gilt:

ÜberziehungStrafe
Bis zu zwei Monate15 Euro
Mehr als zwei und bis zu vier Monate25 Euro
Mehr als vier bis zu acht Monate60 Euro und 1 Punkt in Flensburg
Mehr als acht Monate75 Euro und 1 Punkt in Flensburg

Wenn Ihr Auto 4 bis 16 Wochen über dem TÜV ist, fällt die Strafe noch einigermaßen mild aus. Haben Sie das Fälligkeitsdatum für den TÜV mehr als 8 Monate überzogen, wird es kritisch: Von den 60 bzw. 75 Euro einmal abgesehen sind die Punkte in Flensburg eine Maßregelung, die Sie nicht gerne in Ihrer Akte haben wollen. Stellen die Prüfer Mängel am Auto fest, die die Verkehrssicherheit einschränken, müssen Sie zur HU-Nachprüfung. Dafür haben Sie einen Monat Zeit. In der Regel fallen für die Nachuntersuchung erhöhte TÜV-Gebühren von 12 bis 30 Euro an. Versäumen Sie es, Ihr Fahrzeug rechtzeitig bei einer Prüforganisation anzumelden, kommen zusätzliche Kosten auf Sie zu.

Auswirkungen auf den Versicherungsschutz

Fahren ohne TÜV - das ist keine gute Idee. Ist man mit einem Pkw unterwegs, dessen TÜV-Frist abgelaufen ist, kann sich dies auf den Versicherungsschutz auswirken. Gerade bei einem Unfall ohne gültige TÜV-Plakette droht trotz bestehender Versicherung ein selbst zu tragender Schaden. Bei einem erheblichen Mitverschulden des Versicherungsnehmers ist die Versicherung nämlich unter Umständen ganz oder teilweise von ihrer Leistungspflicht befreit.

Problematisch kann es allerdings sein, wenn Sie mit überzogenem TÜV-Siegel in einen Unfall verwickelt werden. Die HU dient ja dazu, zu verhindern, dass Verkehrsunfälle durch Sicherheitsmängel am Fahrzeug entstehen. Wenn Sie den Kfz-TÜV überziehen, ist es daraus folgend möglich, dass Ihre Versicherung Sie in Regress nimmt.

Führt jedoch ein Mangel, der bei der HU zu beanstanden gewesen wäre, zum Unfall, ist nicht auszuschließen, dass die Kfz-Haftpflichtversicherung einen Teil des Geldes (maximal 5000 Euro) zurückverlangt. Eine Kaskoversicherung kann im schlimmsten Fall Leistungen verweigern. Selbst wenn der Termin für die Hauptuntersuchung abgelaufen ist, sind die Ansprüche eines Unfallgegners durch die Kfz-Haftpflichtversicherung abgedeckt.

Sonderfälle

Ein abgemeldetes Auto sollten Sie nicht fahren - noch nicht einmal die kurze Strecke zur TÜV-Prüfung oder Werkstatt.

  • Mit rotem Kennzeichen: Kontaktieren Sie Ihre Werkstatt - diese sollte über rote Kennzeichen verfügen und könnte Ihr Fahrzeug für Sie zur Prüfung beim TÜV vorführen.
  • Mit Kurzzeitkennzeichen: Bei der Zulassungsstelle kann man dieses gelbe Kennzeichen erhalten, welches maximal fünf Tage gültig ist.
  • Mit entstempeltem Kennzeichen: Ihr Fahrzeug war vorübergehend abgemeldet, soll nun aber wieder zugelassen werden? Wenn der Pkw noch über ein entstempeltes amtliches Kennzeichen verfügt, darf man auf direktem Wege zur Prüfstelle fahren.

Saisonkennzeichen

Ist die HU bei einem Fahrzeug mit Saisonkennzeichen außerhalb des Betriebszeitraums fällig, muss sie im ersten Monat des nächsten Betriebszeitraums nachgeholt werden. Beispiel: Ist die HU eines Fahrzeuges bei einem Betriebszeitraum von April bis Oktober im Januar abgelaufen, dann muss das Fahrzeug erst im April zur Überprüfung. Hast du bei einem Fahrzeug mit Saisonkennzeichen den TÜV überzogen, dann gelten etwas andere Regeln als bei normal zugelassenen Fahrzeugen: Liegt nämlich der Termin zur nächsten Hauptuntersuchung außerhalb des Betriebszeitraumes, so musst du nicht direkt im ausgewiesenen Monat zur Hauptuntersuchung, sondern erst im ersten Monat des nächsten Betriebszeitraumes.

TÜV im Ausland

Nein, eine HU im Ausland durchführen zu lassen, ist nicht möglich. Wenn der Auslandsaufenthalt länger dauert, können Sie die Untersuchung bei der Rückkehr allerdings nachholen. Wenn Sie die Hauptuntersuchung mit Ihrem Auto im Ausland überziehen, müssen Sie sie aber unverzüglich nachholen - sobald Sie wieder in Deutschland sind. Sie sollten außerdem Ihren Kfz-Haftpflichtversicherer informieren. Ein Verwarnungs- oder Bußgeld in Deutschland können Sie umgehen, wenn Sie z.B. nachweisen, dass Ihr Fahrzeug bei der Ausreise aus Deutschland noch eine gültige Hauptuntersuchung hatte und danach ständig im Ausland war. Das kommt in der Praxis öfter vor, wenn Wohnmobile oder Wohnwagen für längere Zeit auf Campingplätzen im Ausland abgestellt werden.

Als Nachweis kann in diesen Fällen unter Umständen das Prüfprotokoll einer ausländischen Prüfstelle dienen. Das ersetzt aber nicht die HU in Deutschland. Diese muss dann unmittelbar nach der Rückkehr in die Heimat gemacht werden. Dabei kann es sinnvoll sein, vorab einen Termin für die HU zu vereinbaren und sich diesen schriftlich bestätigen zu lassen. Übrigens: Ausländische Behörden dürfen wegen einer Fristüberschreitung kein Bußgeld verhängen.

Gleiche Regelungen für Motorräder

Sämtliche Regelungen mit Zeitpunkt, Ablaufdatum und möglichem Bußgeld gelten nicht nur für Pkw, sondern auch für Motorräder. So wie Autos müssen auch Motorräder alle zwei Jahre zum TÜV, damit hier die Verkehrssicherheit geprüft wird. Die Zeiträume sind genau wie beim Pkw gestaffelt.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0