Die monatliche Straßenverkehrsunfallstatistik dient der Gewinnung zuverlässiger, umfassender, differenzierter, aktueller und bundesweit vergleichbarer Daten zur Verkehrssicherheitslage. Die Statistik hat das Ziel, Strukturen des Unfallgeschehens und Abhängigkeiten zwischen Unfall bestimmenden Faktoren aufzuzeigen. Die Erhebung wird als Vollerhebung mit Auskunftspflicht der Polizeidienststellen, deren Beamte einen Unfall aufgenommen haben, durchgeführt. In der Statistik sind nur die Unfälle enthalten, die sich infolge des Fahrverkehrs auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen ereignet haben und polizeilich aufgenommen wurden. Ergebnisse zum Unfallgeschehen sind Grundlage für eine Vielzahl von Maßnahmen im Bereich der Gesetzgebung, der Verkehrserziehung, des Straßenbaus oder der Fahrzeugtechnik.
Entwicklung der Verkehrsunfallzahlen in Brandenburg
Die aktuelle Verkehrsunfallstatistik für Brandenburg zeigt ein gemischtes Bild: Während die Gesamtzahl der Unfälle leicht zurückgegangen ist, sind die Zahlen der Verletzten und Getöteten gestiegen. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 73.543 Verkehrsunfälle registriert, was im Vergleich zu 74.250 Unfällen im Jahr 2023 einen leichten Rückgang darstellt. Gestiegen ist dagegen die Zahl der Verkehrsunfallverletzten von 10.948 Verletzten 2023 auf 10.965 Verletze im vergangenen Jahr. Die Zahl der Verkehrsunfalltoten stieg von 108 auf 114.
Innenministerin Katrin Lange (SPD) und Verkehrsminister Detlef Tabbert (BSW) stellten die vorläufige Verkehrsunfallbilanz 2024 in Potsdam vor. Lange sagte: "Es ist eine Unfallbilanz mit Licht und Schatten. Es gab im letzten Jahr keine ganz spektakulären Entwicklungen, was die Hauptunfallentwicklungen angeht. Es gibt sicherlich diese oder jene Entwicklung, die der besonderen Aufmerksamkeit bedarf, und manchmal wird das auch erst auf den zweiten Blick deutlich. Aber alles in allem war das Jahr 2024 nicht von ganz unerwarteten und aus dem Rahmen fallenden Entwicklungen gekennzeichnet. Wir hatten insgesamt etwas weniger Unfälle als im Vorjahr - und dabei etwas mehr Verletzte und Tote, allerdings bewegen sich die Veränderungen hier im niedrigen Prozentbereich. Die Aufgabe, die Verkehrssicherheit zu erhöhen, hat nichts an Aktualität und Bedeutung verloren und bleibt für die Landesregierung ressortübergreifend eine sehr bedeutsame Aufgabe."
Tabbert ergänzte: "Das Thema Verkehrssicherheit ist eine Daueraufgabe und erfordert es unvermindert, auf vielen Feldern aktiv zu bleiben. Dazu gehört die Arbeit an Infrastrukturprojekten, die Unterstützung und Vernetzung der Akteure der Verkehrssicherheitsarbeit und unsere Landeskampagne ,Lieber sicher. Lieber leben.´ Obwohl im zurückliegenden Jahr 2024 eine etwas höhere Anzahl an schweren Unfällen im Straßenverkehr zu verzeichnen ist als noch im Jahr 2023 - ein Jahr mit historischem Tiefstand -, befindet sich das Land Brandenburg bereits seit mehreren Jahren auf einem guten Weg. Brandenburg hat sich in den zurückliegenden Jahren auch im Ländervergleich verbessert. Noch 2012 lag Brandenburg bei der Anzahl der Getöteten im Ländervergleich auf dem traurigen letzten Platz. Wir sehen heute eine deutlich positive Tendenz und Brandenburg ist nicht mehr das Schlusslicht. Doch jeder Verletzte ist einer zu viel. Unser klares Bekenntnis bleibt die Vision Zero. Dabei setzen wir zunehmend auf die Stärkung des Bewusstseins für das Thema Verkehrssicherheit bei allen Verkehrsteilnehmern. Wir nehmen dabei vor allem die schwächsten und die ungeschützten Verkehrsteilnehmer in den Blick, insbesondere Kinder und Senioren. Das geschieht durch Verkehrssicherheitsarbeit im klassischen Sinne, also durch Prävention, durch die Steigerung der Verkehrssicherheit durch bauliche und infrastrukturelle Vorhaben, durch unsere Landeskampagne ,Lieber sicher. Lieber leben´ und durch eine intensive Zusammenarbeit mit starken Partnern vor Ort. Denn Verkehrssicherheit geht uns alle an."
Unfallgeschehen im Detail
Polizeivizepräsident Jan Müller erläuterte: "Trotz der besonderen Einsatzlagen im vergangenen Jahr hat die Polizei in der Verkehrssicherheitsarbeit nicht nachgelassen. Über 50.000 Verstöße im Straßenverkehr haben unsere Kolleginnen und Kollegen im Jahr 2024 feststellen müssen. Dazu kommen noch mehr als 1,5 Millionen Geschwindigkeitsverstöße. Die Zahlen zeigen deutlich, dass wir hier auch weiterhin nicht nachlassen dürfen und wie wichtig verantwortungsbewusstes Verhalten und Rücksicht im Straßenverkehr sind."
- Innerorts passierten 48.280 Verkehrsunfälle, bei denen 6.969 Menschen verletzt und 32 getötet wurden.
- Außerhalb geschlossener Ortschaften wurden 18.730 Verkehrsunfälle mit 2.734 Verletzten und 63 Getöteten gezählt.
- Auf Autobahnen wurden 6.533 Verkehrsunfälle registriert.
Hauptursachen für Verkehrsunfälle
Die drei häufigsten Unfallursachen zeigen, dass bestimmte Verhaltensweisen weiterhin große Gefahren darstellen. Die häufigste Verkehrsunfallursache war im vergangenen Jahr die nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit bei 6.142 Verkehrsunfällen. Die Anzahl der Verletzten ist auf 2.589 gestiegen, wie im Vorjahr wurden auch 2024 50 Verkehrsteilnehmer aufgrund dieser Hauptunfallursache getötet. Überhöhte Geschwindigkeit verkürzt Reaktionszeiten und verlängert Bremswege, wodurch kritische Situationen häufiger eskalieren. Ebenfalls Hauptunfallursache, wenn auch rückläufig, ist ein zu geringer Sicherheitsabstand, der im Jahr 2024 zu 5.824 Unfällen führte. Gerade auf Landstraßen und Autobahnen kann ein zu geringer Abstand bei plötzlich notwendigen Bremsmanövern schwerwiegende Folgen haben. Vorfahrts- und Vorrangunfälle sind der dritthäufigste Grund für Unfälle auf Brandenburgs Straßen.
Weitere Unfallursachen:
- Abstandsunfälle: 5.824 (2023: 6.681)
- Vorfahrts- und Vorrangunfälle: 4.312 (2023: 4.483)
- Abbiegeunfälle: 2.702 (2023: 2.279)
- Unfälle mit der Hauptunfallursache Überholen: 2.205 (2023: 2.103)
- Verkehrsunfälle mit der Unfallursache Alkohol sind auf 1.126 (2023: 1.182) gesunken.
- Die Zahl der Verkehrsunfälle unter Betäubungsmitteleinfluss sind auf 229 (2023: 261) gesunken.
Zu einem deutlichen Plus an Verkehrsunfällen führte Lange zufolge die Legalisierung von Cannabis. Die Unfälle, die durch den Konsum von Joints verursacht wurden, stiegen von 96 auf 120. Insgesamt 61 Menschen wurden dabei verletzt.
Besonders gefährdete Gruppen
Bestimmte Gruppen sind im Straßenverkehr einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Verkehrsunfälle mit Kindern sind auf 726 (2023: 719) gestiegen. Die Zahl der verletzten Kinder stieg auf 940 (2023: 922). Durch "Junge Erwachsene" (Altersgruppe 18 bis einschließlich 24 Jahre) verursachte Verkehrsunfälle sind auf 6.743 (2023: 6.776) gesunken. Die Zahl der Verletzten in dieser Kategorie sank auf 1.250 (2023: 1.366). Die Zahl der Getöteten stieg auf 10 (2023: 4).
Senioren
Bei älteren Menschen zeigt sich eine bedenkliche Entwicklung. Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Senior:innen (Altersgruppe 65+) sind auf 18.423 gestiegen (2023: 18.260). Rund sieben von zehn Verkehrsunfällen wurden durch Senioren selbst verursacht. Und die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Senioren stieg von 41 auf 50. Lange sprach sich allerdings gegen verpflichtende Untersuchungen zur Verkehrstauglichkeit von Senioren aus.
Radfahrer
Auch Radfahrende, incl. Nutzer:innen von Pedelecs, gehören zu den besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmenden. Die Unfallzahl ist in dieser Gruppe auf 3.829 gestiegen (2023: 3.758). Rund die Hälfte der Verkehrsunfälle (1.999) wurde durch Fahrradfahrer selbst verursacht (2023: 2.028). 3.035 Fahrradfahrer wurden verletzt (2023: 2.928) und 11 (2023: 13) getötet. Rund die Hälfte der Verkehrsunfälle wurden durch die Fahrradfahrer selbst verursacht, sagte der stellvertretende Polizeipräsident Jan Müller. Fast alle Fahrradfahrer, nämlich 3035, wurden bei den Unfällen verletzt. „Hier hilft schon das Tragen eines Helmes“, sagte Müller. „Wir wissen, dass Fahrradhelme schützen.“
Motorradfahrer
Motorradunfälle sind auf 1.291 (2023: 1.237) gestiegen. Mit 734 wurden mehr als die Hälfte der Verkehrsunfälle durch diese selbst verursacht (2023: 689).
Fußgänger
Fußgängerunfälle sind auf 894 gesunken (2023: 911). Mit 322 wurden rund ein Drittel der Verkehrsunfälle durch Fußgänger selbst verursacht (2023: 304). 694 (2023: 684) Fußgänger wurden verletzt und 12 (2023: 19) getötet.
Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit
Um die Zahl der Unfälle und Verletzten nachhaltig zu senken, setzt Brandenburg auf verschiedene Maßnahmen. Die Landesregierung arbeitet intensiv an der Verbesserung der Verkehrssicherheit und setzt dabei auf das Verkehrssicherheitsprogramm 2034 unter dem Titel "Sicher unterwegs in Brandenburg".
Tabbert nannte die Verkehrssicherheit eine „Daueraufgabe“. Sein Ministerium werde weiter in bauliche Verkehrssicherheitsmaßnahmen investieren. Neben Programmen für Kinder und Jugendlichen, etwa den Landeswettbewerb „Bester Radfahrer“ oder die Verkehrssicherheitsarbeit an Schulen, wolle man auch speziell Seniorinnen und Senioren in den Blick nehmen.
An der Verbesserung der Verkehrssicherheit in Brandenburg arbeitet das Verkehrsministerium intensiv und auf Basis des Verkehrssicherheitsprogramms 2034 unter dem Titel "Sicher unterwegs in Brandenburg". Daneben ist die Verkehrssicherheit auch bei allen baulichen Maßnahmen im Straßenverkehr im Fokus. Zum Beispiel beim Bau und Ausbau von Radwegen, bei den Investitionen in Fahrradparkhäuser und -boxen in Kommunen, insbesondere an Verknüpfungspunkten zum Öffentlichen Personennahverkehr. In Kürze startet das Verkehrsministerium ein Pilotprojekt "Fußverkehrschecks" in Finsterwalde, Frankfurt (Oder) und Zeuthen. Ziel ist die Stärkung des Fußverkehrs durch die gezielte Betrachtung in den drei Kommunen. Das Ziel ist, bei sämtlichen Vorhaben im Bereich Mobilität das Thema Verkehrssicherheit von Beginn an mitzuplanen und mitzudenken.
Kampagne "Lieber sicher. Lieber leben."
Seit nunmehr 28 Jahren läuft in Brandenburg die Kampagne "Lieber sicher. Lieber leben". Im vergangenen Jahr erfolgte eine Neuausrichtung der Kampagne. Themen der Verkehrssicherheit werden im Sinne positiver Botschaften an die Empfänger adressiert, beispielsweise das Tragen von Fahrradhelmen, Beleuchtung an Fahrrädern oder Benutzung eines Taxis für den sicheren Heimweg. "Lieber sicher. Lieber leben." klärt über die Risiken im Straßenverkehr auf und möchte jede Einzelne und jeden Einzelnen zu rücksichtsvollem und aufmerksamem Handeln motivieren. Mit verschiedenen Aktivitäten und Formaten, beispielsweise dem ZeBra Theater für Schulen oder Aufklärungsaktionen für sicheres Radfahren, geht die Kampagne auf ihre Zielgruppen zu.
Die vollständige Verkehrsunfallbilanz ist in der offiziellen Pressemitteilung des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung nachzulesen.
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