Im vergangenen Jahr hat die Thüringer Polizei 50.477 Verkehrsunfälle registriert. Das sind 1.153 Unfälle und damit 2,3 Prozent mehr als 2022. Bundesweit haben sich die polizeilich registrierten Verkehrsunfälle 2023 um 4,5 Prozent zum Vorjahr erhöht. Der Anstieg der Unfallereignisse in Thüringen spiegelt sich in fast allen Verkehrsbeteiligungs- und Straßenarten wider.
Der Hauptanteil der Verkehrsunfälle ist innerorts und dort bei Verkehrsunfällen mit Sachschaden zu verzeichnen.
„Die negative Entwicklung der Gesamtzahl der Verkehrsunfälle, der tödlich verletzten Verkehrsteilnehmer, der Unfälle unter Alkoholeinfluss aber auch die Hauptursachen der Unfälle wie überhöhte Geschwindigkeit betrachte ich mit erheblicher Sorge“, betont Innenminister Georg Maier.
„Zusammengefasst bleibt in Thüringen Raserei das Hauptproblem. Aber auch das Fahren unter Alkoholeinfluss hat weiter zugenommen. Auf diese Entwicklung werde ich in den nächsten Monaten mein besonderes Augenmerk richten“, so der Innenminister. Hier müssen wir, so Maier, unsere Kontrolltätigkeit intensivieren aber auch präventiv nachschärfen.
"Die Legalisierung von Cannabis ist sicherlich kein Beitrag zur Verkehrssicherheit. Jetzt kommt es darauf an, dass wir leicht handhabbare Test- und Kontrollverfahren schnell in Anwendung bringen können. Ich hätte mir ein späteres Inkrafttreten des Gesetzes gewünscht,“ bekräftigt der Minister.
Besorgniserregender Anstieg bei tödlichen Motorradunfällen
Im Jahr 2023 wurden 97 Personen auf Thüringer Straßen tödlich verletzt, das sind 12 Menschen (14,1 Prozent) mehr als 2022. Traurige Besonderheit bildet ein Verkehrsunfall mit 7 getöteten Personen im April 2023.
„Dieser Unfall hat mich sehr betroffen und nachdenklich gemacht. In Bruchteilen einer Sekunde waren 7 Leben ausgelöscht. Jedes Mal, wenn ich die Stelle passiere, bin ich in Gedanken bei den Angehörigen“, so der Innenminister.
Sehr besorgniserregend ist auch der starke Anstieg von getöteten Motorradfahrern. Die Anzahl hat sich verglichen mit dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Auch hier ist überhöhte Geschwindigkeit die häufigste Unfallursache.
Die Anzahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Personen sank marginal um 0,4 Prozent (- 27). Dabei sank die Anzahl der Schwerverletzten im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent (- 57), die Anzahl der Leichtverletzten stieg jedoch um 1,5 Prozent (+ 84).
Vor dem Hintergrund pandemiebedingter Einflüsse auf das Verkehrsgeschehen auf den Thüringer Straßen in den Jahren 2020 und 2021, mit einem wesentlich geringeren Verkehrsaufkommen, sind die Unfallzahlen aus 2023 nur schwer mit diesen beiden Jahren vergleichbar. Schaut man auf das Vor-Corona-Jahr 2019 mit 55.790 Unfällen, liegt die Gesamtanzahl der Verkehrsunfälle 2023 mit 9,5 Prozent weniger noch darunter.
Der Fahrspaß auf zwei Rädern beginnt von März bis Mai und endet meistens im Oktober. Motorradfahren ist für viele ein Bestandteil eines schönen Wochenendes. Nach der langen Winterpause werden die Maschinen aus der Garage geholt, und es ist wieder mit einer stärkeren Beteiligung motorisierter Zweiräder auf unseren Straßen zu rechnen. Motorradfahren ist für viele mehr als nur Fortbewegung; es ist Ausdruck von Freiheit und dient ausschließlich dem Fahrspaß, besonders an Tagen wie Christi Himmelfahrt oder zu Pfingsten.
Achmed Leser vom TÜV Thüringen appelliert an eine übermäßige Risikobereitschaft, der verlockend ist. Motorradfahren ist, belegt auch die Verkehrsunfallstatistik, hinsichtlich des Gefahrenpotenzials. „Viele Gefahren werden gerade bei Autofahrern, die nach der Winterpause wieder mit Motorradfahrern konfrontiert sind, wieder verkannt“, gibt Leser zu bedenken. Die Unterschätzung des Risikos kann zu schweren Verletzungen oder sogar zum Tod führen, betont Leser. Es gilt, sich vorsichtig heranzutasten.
Eine besondere Gefahr für Zweiradpiloten besteht gerade in schlecht einsehbaren Kurven. Daher ist es wichtig, stets den Sicherheitsabstand zu halten. Unfallursachen ziehen oft die Notwendigkeit der Wartung der Maschinen nach sich.
Zunahme der Fahrradunfälle in Thüringen
Die Zahl der Radunfälle in Thüringen ist deutlich gestiegen. Fahrradfahrer sind in Thüringen häufiger in Unfälle verwickelt. Im Jahr 2024 waren Radler laut Verkehrsunfallstatistik des Innenministeriums an 1.940 Unfällen beteiligt und damit knapp 13 Prozent häufiger als im Vorjahr. In ähnlichem Umfang stieg auch die Zahl der verletzten Radfahrer an. Die Zahl der Todesfälle verharrte bei zwölf.
«Die Statistik belegt, dass die Angst vieler Menschen auf das Rad zu steigen, um es vermehrt auch im Alltagsverkehr zu nutzen, begründet ist», sagte der Vorsitzende des Fahrradclubs ADFC in Thüringen, Karsten Pehlke. Dieses subjektive Empfinden sei in Thüringen besonders ausgeprägt. Generell nutzen laut ADFC inzwischen mehr Menschen das Rad. Es gebe aber oft keine sichere Radinfrastruktur.
Hauptursachen für Fahrradunfälle
Die Landespolizeidirektion sieht auch ein verändertes Mobilitätsverhalten und gestiegene Verkaufszahlen bei Fahrrädern als mögliche Ursachen für die Unfallzahlen. «Die Hauptunfallursachen sind aus polizeilicher Sicht jedoch weiterhin Alkohol und unangepasste Geschwindigkeit», hieß es. Dazu gebe es verstärkt Kontrollen durch die Polizei, auch wenn das nicht flächendeckend und rund um die Uhr gewährleistet werden könne.
Pehlke sagte, die unangepasste Geschwindigkeit werde auch bei vielen anderen Unfällen in der Statistik als Hauptgrund angegeben. «Ein Argument für eine Reduzierung von Geschwindigkeiten zur Erhöhung der Sicherheit.» Zum Thema Alkohol kenne er keine Statistik. Die ihm bekannten Alltagsradler tränken auf dem Weg von oder zur Arbeit keinen Alkohol. «Auch werden Fahrradausflüge nicht mit dem Ziel des Besäufnisses gemacht.»
Ursachen durch Radfahrer selbst
Laut Unfallstatistik wurden 60,8 Prozent der Unfälle von den Radfahrern selbst verursacht. Das war ein leichter Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Pehlke verwies auf mehrere Studien zum Verkehrsverhalten. Diese kämen zu dem Schluss: «Wer regeltreue Radfahrende haben möchte, muss angemessene Radinfrastruktur bereitstellen.»
Radstreifen seien oft zugeparkt, Radwege voller Hindernisse und Radfahrer müssten unnötige Umwege fahren oder zum Abbiegen mehrere Ampeln überwinden. Das setze einen Anreiz zu einem Fehlverhalten.
Forderungen des ADFC zur Verbesserung der Sicherheit
Um die Unfallzahlen zu senken, braucht es aus Sicht des ADFC mehrere Maßnahmen:
- Einen zügigen Bau von sicherer und komfortabler Radinfrastruktur. Die Landesregierung müsse ihre selbst gesetzten Ziele hier umsetzen.
- Sofortmaßnahmen wie Geschwindigkeitsbeschränkungen, Markierungen oder permanente Schilder, die Autofahrer auf den Mindestabstand von 1,5 Meter innerorts und 2 Meter außerorts hinweisen. Hier seien die Kommunen gefragt.
- Die Radfahrausbildung von Kindern und Jugendlichen müsse verbessert werden, besonders an Schulen. In Thüringen sei sie derzeit desolat.
- Durch eigenes vorbildliches Verhalten und Gespräche für mehr Rücksichtnahme im Verkehr werben. Hier seien alle gefragt.
Innenminister Georg Maier (SPD) sagte, er betrachte den Anstieg der Unfallzahlen "mit erheblicher Sorge". Insbesondere Unfälle durch Raserei und unter Alkoholeinfluss hätten weiter zugenommen. Auch erwartet Maier einen Anstieg der Unfälle durch die Cannabis-Legalisierung ab April.
Forscher hatten vor einigen Jahren einen kleinen, aber spürbaren Anstieg an Verkehrstoten in US-Bundesstaaten festgestellt, in denen Cannabis-Konsum erlaubt ist. Folglich empfohlen sie, mindestens sechs Stunden danach nicht Auto zu fahren.
Interaktiver Unfallatlas
Der interaktive Unfallatlas der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder beantwortet Fragen wie: Wo passieren in meiner Stadt oder in meinem Dorf die meisten Unfälle mit Personenschaden? Waren Pkw, Lkw, Motorräder, Fahrräder oder Fußgängerinnen und Fußgänger in den Unfall verwickelt? Jetzt liegt die Aktualisierung mit den Unfalldaten von 2019 vor. Erstmals sind Daten für Nordrhein-Westfalen und Thüringen enthalten. Damit stellt der Unfallatlas die Unfallhäufigkeiten nach Straßenabschnitten und Unfallstellen in 15 Bundesländern dar.
Nutzerinnen und Nutzer können selbst auswählen, ob alle Unfälle mit Personenschaden oder nur Unfälle mit bestimmten Verkehrsmitteln angezeigt werden. Der Unfallatlas umfasst Angaben aus der Statistik der Straßenverkehrsunfälle seit dem Jahr 2016. Die genauen Angaben zum Unfallort (Geokoordinaten) werden von der Polizei bei der Unfallaufnahme erfasst. Der Zeitpunkt, ab wann die Geokoordinaten erhoben werden, unterscheidet sich zwischen den einzelnen Bundesländern.
Informationen zum Unfallgeschehen nach Tagen bietet der neu erschienene Unfallkalender. Darin sind zum Beispiel saisonabhängige Schwankungen der Zahl der Verkehrstoten, aber auch von Fahrrad- und Motorradunfällen erkennbar.
| Verkehrsmittel | Unfälle 2024 | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Fahrrad | 1.940 | +13% |
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